Triclosan
Triclosan ist ein toxisches Desinfektionsmittel und findet in vielen Produkten Verwendung die antibakteriell wirken sollen. Ursprünglich wurde dieses chemische Produkt als Bestandteil medizinischer Seifen entwickelt.
Veröffentlichung am 21.09.2010 um 17:03 Uhr / Aktualisierung am 12.09.2011 um 16:45 Uhr 
(Zentrum der Gesundheit) - Jahrzehntelang als harmlos deklariert und wahllos in Flüssigseifen, Mundwässer, Duschgels und viele weitere Produkte gemischt, gilt die Chemikalie Triclosan neuerdings als gesundheitsschädliches Gift. Triclosan soll nicht nur zu Hormonstörungen, sondern auch zu antibiotikaresistenten Super-Bakterien führen können.
Triclosan ist in vielen Hygieneprodukten enthaltenTriclosan ist ein hochpotentes Desinfektionsmittel, das seit vielen Jahren als Bakterienkiller und Konservierungsstoff in antibakteriellen Flüssigseifen, Mundwässern, Geschirrspülmitteln, Rasiergels, Zahnpasten, Duschgels, Kosmetika und vielen anderen ganz alltäglichen Konsumgütern als Bakterienkiller eingesetzt wird.
Ursprünglich wurde Triclosan als Bestandteil für medizinische Seifen entwickelt, um Chirurgenhände vor dem Griff zum Skalpell möglichst keimfrei zu machen. Mittlerweile aber findet sich Triclosan nicht nur in den genannten Hygieneartikeln, sondern auch in manchen Pflanzenschutzmitteln, in Spielzeug, Schuhen und sogar in spezieller sog. Anti-Mief-Kleidung, wo die Chemikalie der Entstehung von Schweißgeruch bildenden Bakterien vorbeugen soll. Außerdem wird sie in Polstermöbel, Bodenbeläge, Matratzen, Zahnbürsten, Staubsauger, Kühlschränke, Leder, Auto-Ausstattungen, Campingartikel und Motorradhelme mit eingearbeitet.
Auf diese Weise kommt fast jeder Mensch mehrmals täglich in näheren Kontakt mit Triclosan. Die Meldung der amerikanischen Seuchenschutzbehörde, dass Triclosan im Urin von nahezu 75 Prozent der Bevölkerung nachgewiesen werden könne, verwundert daher kaum noch. Befände sich Triclosan einfach nur im Urin und täte dort nichts Besonderes, müsste sich niemand weiter damit befassen. Leider ist Triclosan aber mittlerweile nicht nur für den Menschen zu einer Gefahr geworden, sondern auch für die Umwelt.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fand heraus, dass Triclosan durch Schweiß schon nach einer Stunde aus der Kleidung herausgelöst werde – und das, obwohl der Hersteller solcher Textilien behauptet hatte, die Chemikalie sei fest mit der Faser verbunden.
Textilien und Hygieneartikel mit Triclosan schädigen massiv die natürlichen Schutzmechanismen der Haut, führen zu Reizungen und können außerdem – wie Studien aus den Jahren 2006 und 2009 zeigten – die Schilddrüse so beeinträchtigen, dass es zu einer mangelhaften Bildung der Schilddrüsenhormone kommen kann.
Aufgrund des weit verbreiteten Triclosan-Einsatzes gewöhnen sich Bakterien an starke Desinfektionsmittel und können leicht Resistenzen gegen sie entwickeln. Triclosan führte bereits zu sog. Kreuzresistenzen. Das bedeutet, Bakterien, die gegen Triclosan resistent geworden sind, lassen sich auch von Antibiotika nicht mehr beeindrucken. Die Folge ist, dass immer mehr sog. Super-Erreger entstehen können, für die es irgendwann keine Bekämpfungsmöglichkeit mehr geben wird.
(Mehr dazu lesen Sie im Text Der Chemikalien-Mix namens Zahnpasta)
Über die Abwässer gelangen erhebliche Mengen Triclosan in die Umwelt. Selbst Triclosan-Hersteller Ciba gibt zu, dass die Chemikalie für Wasserorganismen äußerst giftig sei. Im Wasser jedoch wandelt sich Triclosan sogar in eine noch giftigere Substanz um. Diese baut sich in der Umwelt noch langsamer ab als Triclosan.
Fische sind zum Teil bereits schwer mit Triclosan belastet. Unter dem Einfluss von UV-Licht kann aus Triclosan ferner Dioxin werden, eines der stärksten Gifte, die die Menschheit je erlebt hat. Damit ist Triclosan an der weit verbreiteten Dioxinbelastung und Vergiftung unseres Planeten mitbeteiligt.
Die amerikanische Soap and Detergent Association (Verband der US-amerikanischen Seifen- und Reinigungsmittelhersteller) besteht nach wie vor darauf, dass Triclosan unbedenklich, sicher und effektiv sei.
Dennoch scheint die 30-Milliarden-Dollar-schwere Putzmittel-Branche langsam aber sicher ihren Einfluss zu verlieren, da die FDA derzeit mit einer Neubewertung der gefährlichen Chemikalie beschäftigt zu sein scheint. Allerdings wurde es dafür auch höchste Zeit. Immerhin – so heißt es aus verschiedenen Quellen – arbeite die Behörde seit über 38 Jahren ziemlich erfolglos an einer Lösung für Triclosan.
Und während all der Jahre, in denen sich die FDA nicht darüber im Klaren war, wie der Einsatz von Triclosan so geregelt werden könnte, dass Menschen und Umwelt geschützt sind, durfte die Chemikalie fröhlich und fast ohne Einschränkung überall dort, wo die Industrie es für erforderlich hielt, auch verwendet werden.
In der EU kann Triclosan nach wie vor weitgehend unkontrolliert eingesetzt werden, da es so gut wie keine Beschränkungen gibt.
Wenn Triclosan wenigstens irgendeinen Vorteil hätte, könnte man sich zu einer Risiko-Nutzen-Analyse hinreißen lassen. Doch auch diese Mühe kann man sich sparen. Im Jahre 2005 verkündete ein von der FDA eingesetzter Expertenrat, es gäbe keine Hinweise dafür, dass beispielsweise Seifen mit Triclosan besser wirkten als normale Seifen, so dass es eigentlich keinen Grund gäbe, sich für triclosanhaltige Seifen zu entscheiden.
Eine vom Institut für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität in Marburg im selben Jahr veröffentlichte Studie untersuchte die Wirkung verschiedener Mundwässer auf Zahnfleischentzündung und kam zu dem Ergebnis, dass weder triclosanhaltige Mundwässer noch solche mit Aminfluorid eine chronische Zahnfleischentzündung in irgendeiner Weise beeinflussen könnten.
Wer auf Triclosan schon jetzt verzichten möchte (bevor es hoffentlich bald zu einer gesetzlichen Regelung kommen wird), der prüfe die Etiketten sämtlicher Kosmetik- und Reinigungsprodukte, da Triclosan in jedem Fall deklariert werden muss. Die antimikrobielle Ausrüstung von Kleidung und Textilien mit Triclosan wird meist besonders angepriesen, so dass man auch um diese Produkte ganz bewusst einen großen Bogen machen kann.
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