Haarausfall und Prostata
Medikamente gegen Prostatakrebs werden mittlerweile auch gegen Haarausfall bei jungen Männern eingesetzt. Studien belegen jedoch, dass diese Prostata-Medikamnete gravierende Nebenwirkungen haben.
Veröffentlichung am 02.09.2011 um 17:18 Uhr / Aktualisierung am 04.09.2011 um 07:54 Uhr 
(Zentrum der Gesundheit) - An dieser Stelle wollen wir von einer Geschichte berichten, die einmal mehr zeigt, dass eine falsche Therapie in der Tat schlimmer sein kann, als die Krankheit selbst. Unsere Geschichte handelt von auf den Markt gebrachten Medikamenten, die häufig zwar mit gutem Gewissen verschrieben werden, dennoch für ernsthafte und lebensverändernde Nebenwirkungen bei Männern verantwortlich sind. Hierzu zählen der Verlust des Sexualtriebs bis hin zur Impotenz, das Wachsen von „Männerbrüsten“ sowie depressive Verstimmungen und sogar anhaltende Depressionen.
Prostata-Medikamente werden gegen Haarausfall verwendet, obwohl sie enorme Nebenwirkungen haben.Seit Jahren verordnen Ärzte Medikamente, die zu der pharmazeutischen Gruppe so genannter 5-alpha-Reduktase-Hemmern (5a-RIs) gehören. Zum Einsatz kommen sie bei einer Benigne Prostatahyperplasie (BPH). Auf gut Deutsch heisst das, dass die Prostata sich im Alter vergrössert hat. BPH zeigt jedoch nicht eine Krebserkrankung der Prostata an. Bei einigen Männern kann die Vergrösserung Symptome wie häufigeres Urinieren auslösen.
Wie der Name aber schon besagt (benign = gutartig) ist dieser Zustand gutartig, was wiederum bedeutet, dass er sich hierbei nicht um eine tödliche Erkrankung handelt. Dennoch ist es so, dass schulmedizinisch orientierte Ärzte häufig sehr schnell zu den verschreibungspflichtigen Medikamenten greifen, die bei BPH allgemein eingesetzt werden. Statistiken belegen jedoch ganz eindeutig, dass weniger als die Hälfte der Betroffenen an Symptomen leiden, die wirklich klinisch signifikant sind (wie Schmerzen beim Urinieren oder extrem häufiges Urinieren).
Was hat all dies jetzt mit männlicher Glatzenbildung und „Männerbrüsten” zu tun? Eine ganze Menge. So zeigte sich, dass bei immer mehr Männern die 5a-Ris verordnet bekamen, unerwartete Nebenwirkungen auftraten.
Viele, denen zuvor die Haare ausgingen, hatten plötzlich wieder einen funktionierenden Haarwuchs. Voila! So hatten Pharmafirmen einen neuen Weg gefunden, das Medikament an den Mann zu bringen. Mittlerweile werden Rezepte für 5a-RI, die unter der Bezeichnung Finasterid firmieren, an zahlreiche junge Männer ausgehändigt, umso deren Haarausfall zu stoppen. Leider haben diese Medikamente aber auch einige gravierende Nebenwirkungen, die immer häufiger zu beobachten sind.
Forscher des medizinischen Instituts der Universität von Boston (BUSM) dokumentierten in Zusammenarbeit mit Kollegen der Lahey Clinic aus Dänemark und Deutschland, dass 5a-RI-Präparate bei einigen Männern signifikante gegenläufige Wirkungen entfalten. Darunter fallen der Verlust der Libido, Impotenz, Ejakulationsstörungen, das Wachstum von „Männerbrüsten“ (auch bekannt unter dem medizinischen Namen Gynäkomastie) und Depressionen.
Und jetzt noch eine besonders beunruhigende Tatsache: Die benannten Nebenwirkungen bleiben häufig auch nach Absetzen des Medikamentes erhalten. Daher empfehlen die Wissenschaftler den Ärzten, extrem umsichtig vorzugehen, bevor sie Ihren Patienten 5a-RIs-Therapien verordnen, um deren Haarwachstum zu stimulieren oder BPH zu behandeln.
Für ihre Studie – die gerade erst im Fachmagazin The Journal of Sexual Medicine veröffentlicht wurde – wurde Datenmaterial zahlreicher klinischer Studien über die Nebenwirkungen von zwei 5a-RI-Präparaten überprüft, nämlich Finasterid und Dutasterid. Die Ergebnisse zeigten, dass Männer die mit diesen Medikamenten behandelt wurden, unter lang anhaltenden Nebenwirkungen bezüglich der Sexualfunktionen zu leiden hatten. Von Erektionsstörungen und einem verminderten Lustempfinden war dort zu lesen, was in Verbindung mit der Einnahme der Medikamente gebracht wurde.
Zusätzlich bemerkten die Wissenschaftler, dass die Nebenwirkung der 5a-RI-Präparate bezüglich der Gynäkomastie (der Entstehung von “Männerbrüsten”) verheerende Folgen auf die Sexualfunktionen haben kann, emotional sehr belastend ist und die Lebensqualität der Patienten merklich sinken lässt.
Eine ehrliche und offene Diskussion mit den Patienten über mögliche Folgen einer solchen Medikamenteneinnahme ist vor der Anwendung einer solchen Therapie unbedingt erforderlich, da es bei einigen Patienten zu langanhaltenden, und die Lebensqualität stark beeinträchtigenden Nebenwirkungen kommen kann
erklärte der Forschungleiter Abdulmaged M. Traish, MBA, PhD, ein Professor für Biochemie und Urologie an der BUSM, in einer Presseerklärung.
Sehen Sie auch dieses Video zum Thema, indem eine Mutter vor den Nebenwirkungen der Prostata-Medikamente warnt. Ihr Sohn hat sich nach der Einnahme von Finasterid - aufgrund anhaltender starker Depressionen - umgebracht.
Abdulmaged M. Traish PhD, John Hassani MA, Andre T. Guay MD, Michael Zitzmann D, PhD, Michael L. Hansen MD "Adverse Side Effects of 5α-Reductase Inhibitors Therapy: Persistent Diminished Libido and Erectile Dysfunction and Depression in a Subset of Patients" (2011) The Journal of Sexual Medicine Vol. 8(3), pages 872-884 [Link zur Quelle] [Quelle als PDF]
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