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Stärken alternative Verfahren die Krebsabwehr?

Dieser Text wurde veröffentlicht am 03.01.2006 um 18:28 Uhr

Auch die Immunabwehr des Körpers altert, deshalb nehmen Krebserkrankungen im Alter zu. Wissenschaftler beschäftigen sich mit den Möglichkeiten, diese Immunschwächen zu erkennen und zu behandeln. Auch mit alternativen Vefahren.

Zu den normalen Alterungserscheinungen des Menschen gehören nicht nur Falten im Gesicht und das allmähliche Schwinden körperlicher Kräfte. Auch die Immunabwehr des Körpers altert, die Wissenschaftler sprechen von einer "Immunseneszenz". Betroffen ist auch die körpereigene Krebsabwehr, weshalb Krebserkrankungen im Alter zunehmen.

Wissenschaftler haben in den letzten Jahren eine Reihe von Tests entwickelt, mit denen die Zahl und die Aktivität von Krebs-Abwehrzellen gemessen werden kann. Einige Kliniken bieten ihren Patienten bereits einen "Immunstatus" an. Privatdozent Dr. Arndt Büssing von der Universität Witten-Herdecke warnt allerdings vor übertriebenen Erwartungen. Die Situation sei keineswegs so einfach wie bei HIV-Patienten, bei denen der Zustand des Immunsystems mit einem einzigen Messwert bestimmt werden kann. Eine vergleichbare Situation zur Abschätzung des Krebsrisikos, eine "Krebskonstellation", gebe es nicht.

Noch weniger weiß die Wissenschaft derzeit darüber, wie diese Krebsanfälligkeit beeinflusst werden könnte. Dr. Büssing: "Natürlich kann und soll man Mangelzustände ausgleichen und versuchen günstige "Bedingungen" zu schaffen, aber es bleibt unklar, was nur "Verschönerung" des Immunstatus und was letztendlich therapeutisch effektiv ist." Ob die vorgeschlagenen Behandlungen vor Krebs schützen, das muss nach Ansicht von Dr. Büssing in Zukunft erst durch Studien gezeigt werden.

Mediziner alternative Möglichkeiten

Andere Mediziner halten es dagegen bereits jetzt für möglich, Krebserkrankungen durch "Immunmodulation" zu beeinflussen. Zu diesen Ärzten gehört Dr. Paolo Bavastro, der lange Zeit Chefarzt der Inneren Abteilung der Filderklinik war, einer anthroposophischen Klinik bei Stuttgart. Dr. Bavastro behandelt Krebspatienten mit komplementär-medizinischen Methoden, darunter auch Mistelextrakte, Vitamine und Mikronährstoffe, die zum Teil hochdosiert eingesetzt werden.

Einer Überprüfung durch klinische Studien steht der Mediziner kritisch gegenüber. Auch die Patienten seien skeptisch. Dr. Bavastro: "Viele Patienten sind so hochmotiviert, dass sie gar nicht an klinischen Studien teilnehmen können."

Misteltherapie mit guten Ergebnissen

An der Universität Witten-Herdecke ist man dagegen daran interessiert, die Wirkung von komplementär-medizinischen Methoden in Studien zu erforschen. Dr. Cristina Stumpf hat für ihre Untersuchung alle 3007 Frauen angeschrieben, die seit Gründung der Tumorambulanz der Alternativ-Uni im Jahr 1981 wegen eines Brustkrebses mit Mistelextrakten behandelt wurden (nach der Operation und anderen schulmedizinischen Behandlungen).

Bei 867 Patientinnen konnte die Ärztin das weitere Schicksal der Frauen recherchieren. Dr. Stumpf: "Die Fünf- und Zehn-Jahres-Überlebensraten unserer Patientinnen waren günstiger als in mehreren Tumorregistern." Die Medizinerin glaubt dabei ausschließen zu können, dass diese günstigen Ergebnisse allein Folge einer Auswahl von Patientinnen mit guten Heilungschancen waren. "Die meisten Patientinnen stammten aus dem Umkreis der Klinik, was eine Selektion unwahrscheinlich macht", versichert Dr. Stumpf.

C. Stumpf et al. Retrospektive Untersuchung zur Therapie mit Mistelextrakten bei Mammakarzinom; Deutsche Zeitschrift für Onkologie 2005; 37 (3): 106-113

Quelle: Medizinnews



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