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Vorsorgeuntersuchung gefährlich?

Dieser Text wurde veröffentlicht am 10.01.2006 um 16:01 Uhr


Viele Menschen in Europa haben falsche Vorstellungen über die Krebsvorsorge. Bis zu 70 Prozent der Frauen in Ländern wie Großbritannien, Italien und der Schweiz glauben beispielsweise, dass das Mammographie-Screening Brustkrebs verhindert oder zumindest das Risiko dafür vermindert werden kann. Die aktuelle Ausgabe der "ZFA - Zeitschrift für Allgemeinmedizin" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2005) informiert über die Gründe, die dazu führen, dass der Nutzen von Vorsorgeuntersuchungen in der Bevölkerung überschätzt wird.

Immer häufiger gibt es auch in Deutschland Kampagnen, die die Bevölkerung zum Besuch von Vorsorgeuntersuchungen aufrufen. Doch nicht immer nutzen diese Kampagnen dem Patienten. Sie können auch dazu führen, dass das Risiko für Krebs und der Nutzen von Früherkennungsuntersuchungen überschätzt wird. Als Folge wähnen Patienten sich in falscher Sicherheit oder sind durch einen auffälligen Befund möglicherweise unnötig beunruhigt.

Fast die Hälfte der US-amerikanischen Bürger, die schon einmal ein falsches Testergebnis bei einer Untersuchung auf Krebs hatten, beschreiben dieses Erlebnis als "eine schreckliche oder gar die schrecklichste Zeit ihres Lebens", erklärt Professor Ingrid Mühlhäuser, Universität Hamburg.

Der Trugschluss, dass Untersuchungen zur Früherkennung von Brustkrebs der Vorsorge dienen, ist weit verbreitet. Diese Maßnahmen vermindern jedoch nicht das Risiko, an einem Mammakarzinom zu erkranken. Zudem ist die Aussage "Jede neunte Frau ist von Brustkrebs betroffen" irreführend, da sich diese Angabe auf die Gesamtlebenszeitspanne bezieht. Diese Zahl bezieht sich nur auf Frauen, die das 85. Lebensjahr erreicht haben. Bei Frauen zwischen 20 und 30 Jahren sind etwa 5 von 10000 betroffen. Auch die Lebenserwartung wird durch die Teilnahme am Mammographie-Screening im statistischen Vergleich nicht verändert.

Vorsicht bei Darmspiegelungen

"Bei nebenwirkungsreichen Testverfahren wie der Darmspiegelung zur Darmkrebsfrüherkennung könnte es sogar zu einer Zunahme der Todesfälle kommen", warnt Professor Mühlhäuser. Die Vorbereitung und Durchführung der Untersuchung seien gerade für ältere Menschen körperlich belastend und bisher gäbe es keine Untersuchungen, die eine Kosten-Nutzen-Abwägung für die Darmspiegelung zuließen. Die Patienten sollten daher umfassend über den möglichen Nutzen, den Schaden und die Folgen einer Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen informiert werden.

Quelle: Prof. Dr. med. Ingrid Mühlhäuser, Dr. phil. Anke Steckelberg Aufklärung über Krebsfrüherkennung am Beispiel Mammographie- und Darmkrebs-Screening Zeitschrift für Allgemeinmedizin 2005; 81 (12):


Diese Informationen hier werden nach bestem Wissen und Gewissen weitergegeben. Sie sind ausschließlich für Interessierte und zur Fortbildung gedacht und keinesfalls als Diagnose- oder Therapieanweisungen zu verstehen. Wir übernehmen keine Haftung für Schäden irgendeiner Art, die direkt oder indirekt aus der Verwendung der Angaben entstehen. Bei Verdacht auf Erkrankungen konsultieren Sie bitte Ihren Arzt oder Heilpraktiker.


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