Helfen Hormon-Diäten wirklich beim Abnehmen?

Wenn es darum geht, die Kilos purzeln zu lassen, kommen fast ununterbrochen neue Diäten in Umlauf. Seit einiger Zeit werden die sogenannten Hormon-Diäten empfohlen und auch von zahlreichen Medizinern promotet, etwa von Deutschlands einst erfolgreichstem Diät-Guru Dr. Detlef Pape, der durch seine Schlank-im-Schlaf-Diät berühmt wurde oder von der Frauenärztin Dr. Sara Gottfried.

Im US-amerikanischen Raum ist es insbesondere Natasha Turner, die mit ihren Büchern und Vorträgen von der Hormon-Diät zu überzeugen sucht. Doch halten Hormon-Diäten wirklich das, was versprochen wird? Kann man mit einer Hormon-Diät tatsächlich abnehmen?

Was ist eine Hormon-Diät?

Hormone sind Botenstoffe, die im Körper Nachrichten übermitteln und Organen bzw. Zellen mitteilen, was zu tun ist. Bei den Hormon-Diäten geht es insbesondere um diese sieben Hormone:

  • Östrogene
  • Insulin
  • Leptin
  • Cortisol
  • Schilddrüsenhormone
  • Wachstumshormone
  • Testosteron

Verfechter von Hormon-Diäten gehen nun davon aus, dass im Bereich dieser Hormone Störungen vorliegen, die der Hauptgrund dafür sind, dass es insbesondere Frauen schwerfällt abzunehmen.

Wie wirken Hormon-Diäten?

Es gibt je nach Autor zwar verschiedene Diät-Modelle, doch der Schlüssel zum Abnehmen besteht stets darin, das hormonelle Ungleichgewicht im Körper durch das eigentlich bewährte Abnehm-Konzept „Ernährungsumstellung plus Bewegung und ausreichend Schlaf und Entspannung“ zu korrigieren.

Das geht übrigens ruckzuck, wenn man den Hormon-Diät-Spezialisten Glauben schenken mag. Pro Hormon seien es laut Sara Gottfried etwa 72 Stunden Zeit – und schon ist das hormonelle Gleichgewicht wieder erreicht. Bei sieben Hormonen macht das bis zum totalen Hormon-Reset lediglich 21 Tage. Mit den empfohlenen Kuren nehmen die Abnehmwilligen dann auch tatsächlich ab. Die Frage ist nur, tun sie es aufgrund eines „Hormon-Resets“ oder aus ganz anderen Gründen?

Wie läuft eine Hormon-Diät ab?

Laut Natasha Turner sollte es ein 3-Stufen-Programm sein, das nicht nur überschüssige Pfunde abbauen hilft, sondern auch Kraft und Jugend schenkt (3):

Stufe 1: Zweiwöchige Entgiftung

Stufe 1 (zwei Wochen) nennt Turner „Entgiftung“, da insbesondere die üblichen Kandidaten gemieden werden, wie z. B. glutenhaltiges Getreide, Kuhmilch, Alkohol, Koffein, Erdnüsse, rotes Fleisch, Zitrusfrüchte, Zucker sowie künstliche Süssstoffe. Empfohlen werden zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel wie Probiotika, Kurkuma und Fischöl.

Stufe 2: Lebensmittel, die das Hormonsystem beeinflussen, meiden

Anschliessend können einige der oben genannten Nahrungsmittel (in hoher Qualität) wie z. B. glutenhaltiges Getreide (aber Vollkorn) und Milchprodukte (aber in Bio-Qualität) wieder auf den Speiseplan gesetzt werden. Zucker und künstliche Süssstoffe sind weiterhin tabu.

Auch andere Lebensmittel müssen nach wie vor strikt gemieden werden. Dazu gehören laut Turner z. B. fructosereicher Maissirup, Fisch mit hohem Quecksilbergehalt, Fleisch aus konventioneller Haltung, konventionell erzeugter Kaffee, Rosinen, Datteln und Erdnüsse.

Wie beeinflussen Maissirup, Fisch und Pestizide den Hormonhaushalt?

Warum man das Meiden der genannten Lebensmittel als Hormon-Diät bezeichnet, erklären wir an drei Beispielen:

Fructosereicher Maissirup (HFCS) etwa wird insbesondere in den USA in Softdrinks, Gebäck, Fertigprodukten und Süssigkeiten eingesetzt. Bei uns in Europa ist er noch nicht so sehr weit verbreitet. Fructose nun ist bekannt dafür, die Wirkung des Sättigungshormons Leptin zu drosseln, während gleichzeitig der Spiegel des Hungerhormons Ghrelin hoch bleibt, man einfach nicht satt wird, weiterhin Hunger hat und daher ständig oder zu viel isst.

Wenn Sie sich also dafür entscheiden, die eben aufgezählten Lebensmittel (Softdrinks etc.) zu meiden – was eigentlich bei jeder gesunden Ernährungsumstellung der Fall ist – machen Sie im Grunde eine Hormon-Diät, auch wenn Sie es nicht wissen und dieses Wissen für’s Abnehmen im Grunde auch nicht erforderlich ist.

Bei Fisch mit hohem Quecksilbergehalt stellt man sich die Frage, wie man dem Fisch seinen Quecksilbergehalt ansehen kann. Natürlich gar nicht. Man kann lediglich jene Fischarten meiden, denen man im Allgemeinen eine hohe Quecksilberbelastung nachsagt.

Was aber hat Quecksilber mit dem Hormonhaushalt zu tun? Nun, man weiss, dass afrikanische Arbeiter, die im Bergbau tätig sind, höhere Quecksilberwerte im Blut aufweisen und gleichzeitig etwas niedrigere Schilddrüsenhormonspiegel haben (5).

Konventionell erzeugte Lebensmittel sollen in der Hormon-Diät wegen möglicher Pestizidbelastungen gemieden werden. Laut niederländischer Forscher (7) vom Radboud University Nijmegen Medical Centre können Pestizide auch tatsächlich das Hormonsystem komplett auf den Kopf stellen.

Diese drei Beispiele sind jedoch kein Beleg dafür, dass Hormon-Diäten das Non-Plus-Ultra sind. Sie zeigen eher, dass man eigentlich nur altbekannten Ernährungstipps einen neuen Namen, nämlich „Hormon-Diät“ gab.

Stufe 3: Sport

Zum Diätplan der zweiten Phase gesellen sich sowohl ein Herz-Kreislauf- als auch ein Krafttraining. Denn laut einer im Jahr 2019 durchgeführten Studie (4) an der Charles Sturt University kann das appetitanregende Hormon Ghrelin durch Sport bei Übergewichtigen gehemmt werden.

Sport hilft also nicht nur deshalb beim Abnehmen, weil Kalorien verbrannt werden, sondern auch weil man dank regelmässiger sportlicher Aktivitäten einfach weniger Appetit hat. Aber auch das ist nicht sehr verwunderlich, zumal Bewegung zu jedem Abnehmprogramm gehört.

Kann durch eine Hormon-Diät wirklich der Hormonspiegel verändert werden?

Es steht ausser Frage, dass Hormonstörungen zu einer Gewichtszunahme führen und die Gewichtsabnahme erschweren können. So begünstigen bereits leichte Änderungen der Schilddrüsenfunktion (und damit Schwankungen des Schilddrüsenhormonspiegels) oder ein hoher Insulinspiegel eine Gewichtszunahme.

Ob der Hormonspiegel jedoch – wenn er so gestört ist, dass er übergewichtig macht – allein durch eine Diät verbessert werden kann, wird von Kritikern bezweifelt.

Franck Mauvais-Jarvis, Professor für Medizin an der Tulane University, gab gegenüber der Washington Post (2) im August 2019 an: "Ich kenne keine Diät, die den Hormonspiegel so verändert, dass diese Hormonveränderungen zur Gewichtsabnahme beitragen."

Und Suneil Koliwad, Professor für Endokrinologie an der University of California, liess verlauten, dass das Hormonsystem äusserst kompliziert sei. Das Wissen, auf welche Weise durch die Ernährung eine Vielzahl an Hormonen auf ganz bestimmte Weise manipuliert werden könne, sei schlichtweg noch nicht vorhanden. Es gäbe bislang noch keine Studie, die belegen würde, dass Menschen Hormonstörungen und in Folge den Fettabbau durch eine Hormon-Diät beeinflussen können.

Können Hormon-Diäten beim Abnehmen helfen?

Nichtsdestotrotz können Hormon-Diäten laut Robert Naughton (1) von der University of Huddersfield durchaus beim Abnehmen hilfreich sein. Dies sei aber vordergründig auf die empfohlene gesunde Ernährung mit viel Bio-Gemüse und gleichzeitig wenigen tierischen sowie raffinierten Produkten (z. B. Weissmehl und Industriezucker) zurückzuführen, zumal ausserdem Genussmittel reduziert werden und man plötzlich verstärkt Sport treiben soll.

Auf diese Weise werden automatisch mehr Vitalstoffe verspeist, die sich positiv auf die Gewichtskontrolle auswirken (gesunde Ernährung), es werden ferner weniger Kalorien aufgenommen (weniger Fastfood, keine Süssigkeiten) und es werden mehr Kalorien verbrannt (Sport). Beide Massnahmen – gesunde Ernährung und Sport – beeinflussen überdies die Darmflora sehr positiv, und eine gesunde Darmflora kann schon allein zu einer Gewichtsabnahme beitragen.

So können Sie von Hormon-Diäten profitieren

Diäten sind grundsätzlich mit Vorsicht zu geniessen. Denn jeder Mensch ist anders, hat individuelle Bedürfnisse und sein Übergewicht hat individuelle Ursachen, so dass auch jeder Mensch individuelle Massnahmen zum Abnehmen benötigt.

Vermutet man eine Hormonstörung bei sich, sollte man zunächst einmal eine solche mit entsprechenden Tests (z. B. Blut-, Urin- oder Speicheltests) abklären lassen. Nur so kann man sicher wissen, dass man auch tatsächlich an einem unausgeglichenen Hormonhaushalt leidet – und vor allem welche Hormone tatsächlich aus dem Lot geraten sind und ob sie für das Übergewicht verantwortlich gemacht werden können.

Erst dann kann entschieden werden, welche ganzheitliche Therapie in Frage kommt, welche Lebensmittel geeignet sind und welche nicht. Wenn Ihnen der Begriff Hormon-Diät zusagt – obwohl diese Diät nichts anderes ist als eine insgesamt gesunde Ernährungs- und Lebensweise – dann nichts wie los! Probieren Sie es aus! Denn schaden kann die Hormon-Diät definitiv nicht.

Quellen

  1. Robert Naughton, Hormone diets are all the rage, but do they actually work?, September 2019
  2. Christy Brissette, What are ‘hormone diets’ – and can they really help you lose weight quickly?, The Washington Post, August 2019 
  3. Brian Krans, The Hormone Diet, Healthline, März 2017
  4. Larsen P et al, High-intensity interval exercise induces greater acute changes in sleep, appetite-related hormones, and free-living energy intake than does moderate-intensity continuous exercise, Appl Physiol Nutr Metab, Mai 2019
  5. Justice Afrifa et al, Variation in thyroid hormone levels is associated with elevated blood mercury levels among artisanal small-scale miners in Ghana, PLoS One, August 2018
  6. Jagminder K. Bajaj et al, Various Possible Toxicants Involved in Thyroid Dysfunction: A Review, Clin Diagn Res, Januar 2016
  7. Reini W Bretveld et al, Pesticide exposure: the hormonal function of the female reproductive system disrupted? Reprod Biol Endocrinol,Mai 2006

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