Darmflora sanieren beim PCOS

Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) wird im Allgemeinen mit Medikamenten behandelt, darunter Hormonpräparate und sogar Cortison. Liegt ein Übergewicht vor, versucht man die Patientin zu einer Gewichtsabnahme zu motivieren. An weitere Massnahmen, wie die Einnahme von Vitalstoffen oder gar die Sanierung der Darmflora wird meist nicht gedacht.

In unserem Hauptartikel über natürliche Massnahmen beim PCOS haben wir als Punkt 5 die Sanierung der Darmflora empfohlen, da australische Forscher bereits im Jahr 2012 die These aufstellten, dass es eine ernährungsbedingte Darmflorastörung sein könnte, die zu einem PCOS führe (6).

Wie eine Störung der Darmflora ein PCOS mitverursachen könnte

Die Erklärung lautete folgendermassen: Eine Darmflorastörung (Dysbiose) erhöhe die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut, was nun dazu führe, dass Endotoxine (im Darm entstehende toxische Stoffe), die normalerweise mit dem Stuhl ausgeschieden werden (und damit völlig ungefährlich wären), nun in den Blutkreislauf gelangen könnten.

Als Folge werde das Immunsystem alarmiert, der Insulinspiegel erhöht und die Testosteronproduktion angekurbelt. Zeitgleich entstünden chronische Entzündungsprozesse. Alle diese Faktoren zusammen könnten nun zu den typischen körperlichen Veränderungen und Symptomen eines PCOS führen, die da heissen:

  • Im Ultraschall zahlreiche Eibläschen in den Eierstöcken
  • Zyklusunregelmässigen und Unfruchtbarkeit
  • Zunahme der Körperbehaarung und evtl. Haarausfall am Kopf
  • Akne
  • Diabetes oder Diabetesvorstufe
  • Bluthochdruck
  • Depressionen
  • Fehlgeburten

Beim PCOS liegt eine durchlässige Darmschleimhaut vor

In den letzten Jahren wurde der Zusammenhang zwischen der Darmgesundheit und dem PCOS weiter untersucht – etwa von Forschern der University of California im Jahr 2015 (8).

Sie stellten an 78 PCOS-Patientinnen fest, dass deren Zonulinwerte im Blut erhöht waren, ein Marker für eine krankhafte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut (Leaky Gut Syndrom). Es zeigte sich, dass der Zonulinwert mit dem Schweregrad der vorliegenden Menstruationsstörungen und der Insulinresistenz der Patientinnen korrelierte, so dass man sehr stark annimmt, dass die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut an der Entstehung eines PCOS beteiligt ist.

Frauen mit PCOS haben eine andere Darmflora als gesunde Frauen

Im Januar 2018 schrieben Forscher in The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, dass erhöhte Testosteronspiegel bei Frauen mit einer Veränderung der Darmflora im Zusammenhang stünden. Frauen mit PCOS – so heisst es in der Studie, in der Stuhlproben von über 160 Frauen untersucht wurden – hätten im Allgemeinen eine Darmflora mit geringerer Diversität (geringerer Bakterienvielfalt) als gesunde Frauen (2, 4).

Bestätigt wurden die Ergebnisse im Juli 2018 von einer Studie an der Universitätsklinik Ramón y Cajal in Madrid. Auch hier zeigte sich, dass die Darmflora bei Frauen mit PCOS ein spezifisches Muster aufwies – und zwar umso deutlicher, je höher ihr Testosteronspiegel war, aber auch je stärker ihr Übergewicht ausgeprägt war (5).

Im Januar 2020 stellten Forscher vom Children’s Hospital Colorado fest, dass die Darmflora schon bei ganz jungen Frauen im Teenageralter gestört war, wenn diese an Übergewicht und PCOS leiden (3). Die Darmflora besteht bereits in diesem frühen Krankheitsstadium aus mehr schädlichen Darmbakterien als die Darmflora gesunder Teenager.

Die gestörte Darmflora stehe mit zahlreichen typischen PCOS-Beschwerden in Zusammenhang, so die Forscher, etwa mit einem erhöhten Testosteronspiegel, mit einem erhöhten Blutdruck, entzündlichen Prozessen der Leber und erhöhten Blutfettwerten.

* Eine Auswahl an Produkten für eine abwechslungsreiche Darmflora finden Sie hier: Probiotika

Ist die Störung der Darmflora Ursache oder Folge eines PCOS?

Nun muss das Vorhandensein einer Darmflorastörung natürlich nicht bedeuten, dass die Dysbiose auch ursächlich an der Entstehung des PCOS beteiligt ist. Sie könnte auch erst als Folge der Erkrankung auftreten, etwa als Folge des erhöhten Testosteronspiegels.

Sollte die Dysbiose tatsächlich ein PCOS mitverursachen, dann müsste untersucht werden, ob Massnahmen, die zu einer Sanierung der Darmflora beitragen, das PCOS bessern könnten. Im März 2019 stellten kalifornische Wissenschaftler interessante diesbezügliche Ergebnisse bei der ENDO 2019 vor, dem Jahrestreffen der Endocrine Society in New Orleans (1).

Probiotika und Präbiotika könnten beim PCOS eine mögliche Therapieoption darstellen

„Unsere Studienergebnisse lassen annehmen, dass die Veränderung der Darmflora über die Einnahme probiotischer und präbiotischer Mittel eine mögliche Therapieoption bei einem PCOS darstellen könnte“, sagte Studienleiterin Varykina Thackray von der University of California San Diego School of Medicine in La Jolla/Kalifornien.

Die Wissenschaftler hatten drei Mäusepaare fünf Wochen lang folgendermassen untergebracht: In den Käfigen der Gruppe 1 befanden sich je zwei an PCOS erkrankte Mäuse, in den Käfigen der Gruppe 2 je zwei gesunde Mäuse und in den Käfigen der Gruppe 3 je eine PCOS-Maus und eine gesunde Maus. Die gemeinsame Unterbringung führt dazu, dass sich die Mikrobiome der jeweils zusammen lebenden Mäuse vermischen.

Als Mikrobiom wird die Gesamtflora eines Wesens bezeichnet, also nicht nur die Darmflora, sondern auch die Hautflora, die Scheidenflora und die Bakterienansiedlungen anderer Organe, z. B. der Lungen.

PCOS-Mäuse nun, die mit einer gesunden Maus zusammenleben konnten (Gruppe 3) und somit auch in den Genuss der gesunden Darmflora dieser gesunden Maus kamen, hatten einen verbesserten Testosteronspiegel, ihr Zyklus normalisierte sich und es kam wieder zum Eisprung. Auch nahmen sie an Gewicht ab, litten weniger an Insulinresistenz und ihr zuvor erhöhter Nüchternblutzuckerspiegel sank.

Bei den PCOS-Mäusen, die mit ihresgleichen zusammen lebten, zeigte sich keine derartige Besserung. Thackray erklärte, dass alle diese Verbesserungen des PCOS bei den zuvor erkrankten Mäusen allein aufgrund der Sanierung ihrer Darmflora eingetreten waren.

Humanstudien: Probiotika bessern PCOS nach 12 Wochen

Im Februar 2020 erschien ein Review (eine Übersichtsarbeit) zu diesem Thema von Forschern der Heilongjiang University of Chinese Medicine und der Zhejiang Chinese Medical University (7).

Darin wird u. a. eine randomisierte placebokontrollierte Doppelblindstudie vorgestellt, in der 60 PCOS-Patientinnen 12 Wochen lang entweder ein Probiotikum erhielten oder ein Placebo. Das Probiotikum bestand aus drei gefriergetrockneten probiotischen Bakterienstämmen: Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus casei und Bifidobacterium bifidum (jeweils 2 × 109 CFU/g).

In der Probiotika-Gruppe nahmen die Patientinnen etwas ab (in der Placebogruppe etwas zu) und ihr Insulinspiegel sowie die Blutfettwerte sanken.

In einer anderen randomisierten kontrollierten Doppelblindstudie mit demselben Probiotikum zeigten sich noch bessere Ergebnisse: Der Testosteronspiegel sank, der Malondialdehydwert ebenso (Marker für oxidativen Stress), auch die Entzündungswerte (CRP) und die übermässige Körperbehaarung gingen zurück. Nebenwirkungen wurde keine beobachtet.

Eine dritte Studie ergab, dass Probiotika den Gesamtcholesterinspiegel senkten, die Triglyceride (Blutfettwerte) und das LDL-Cholesterin, während das HDL-Cholesterin stieg – ein Ergebnis, das auf ein nun reduziertes Herz-Kreislauf-Risiko der PCOS-Patientinnen hinweist.

* Ein Probiotikum, das u. a. die genannten drei Bakterienstämme enthält, ist z. B. dieses: Combi Flora

Präbiotika beim PCOS

Bei Präbiotika handelt es sich nicht um aktive Bakterien (Probiotika), sondern um eine Ballaststoffgruppe, die den probiotischen Bakterien als Nahrung dient und so dazu führt, dass sich diese wohl fühlen und vermehren können.

Präbiotika werden von den nützlichen Darmbakterien verstoffwechselt (fermentiert). Dabei entstehen u. a. kurzkettige Fettsäuren, die wiederum bei der Heilung der möglicherweise durchlässigen Darmschleimhaut behilflich sind.

Auch zeigten zahlreiche Studien, dass sich Präbiotika vorteilhaft auf verschiedene Stoffwechselerkrankungen auswirken, da sich durch ihren Verzehr der Appetit und auch der Blutzuckerspiegel reduzieren lässt. Beides hilft bei der Gewichtsregulierung, was schon allein enorme gesundheitliche Vorteile bietet. Aber auch die Werte einer Insulinresistenz und manche Entzündungsmarker sinken durch den Verzehr von Präbiotika.

Gab man an PCOS leidenden Mäusen entweder Inulin (ein Präbiotikum) oder Metformin (ein typisches Diabetesmedikament, das auch beim PCOS eingesetzt wird), dann nahmen die Mäuse in beiden Gruppen an Gewicht ab, auch ihr Testosteronspiegel und ihre Entzündungsmarker sanken, was in der Kontrollgruppe nicht der Fall war. Das PCOS besserte sich in den beiden behandelten Gruppen signifikant.

Man stellte fest, dass die Verbesserungen aufgrund einer Veränderung der Darmflora eintraten, denn bei den behandelten Mäusen nahmen nützliche Darmbakterien (Bifidobakterien) zu, während weniger nützliche (Proteobakterien und Helicobacter) rückläufig waren.

Die beteiligten Forscher schlossen ihren Bericht mit den Worten, dass diese Ergebnisse für den Einsatz von Präbiotika in der PCOS-Therapie sprechen würden.

* Das Präbiotikum Inulin erhalten Sie z. B. hier: Inulin als Pulver und Inulin in Kapselform

Weitere Informationen zu Inulin erfahren Sie hier: Eigenschaften und Wirkungen von Inulin

Wie man die Darmflora beim PCOS saniert

Wie genau man nun konkret beim PCOS vorgehen sollte, um die Darmflora zu sanieren, wurde noch nicht eindeutig erforscht. Wir stellen in den nachfolgenden Links daher allgemeine Informationen zum Aufbau der Darmflora zur Verfügung:

Hinweis: Wenn Sie an einem PCOS leiden und die oben genannten Massnahmen umsetzen möchten, besprechen Sie Ihr Vorhaben bitte mit Ihrem behandelnden Arzt. Falls er nicht einverstanden sein sollte, kann Ihnen vielleicht ein ganzheitlich praktizierender Arzt weiterhelfen. Einen solchen finden Sie in Ihrer Region über entsprechende Portale im Netz („Ganzheitlicher Arzt“ in Suchmaschine eingeben).

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Quellen

  1. The Endocrine Society, Improved PCOS symptoms correlate with gut bacterial composition, ScienceDaily, 23. März 2019
  2. Endocrine Society, PCOS may reduce gut bacteria diversity, 23. Januar 2018, Press release
  3. Stacey Simon et al. Poor Sleep is Related to Metabolic Syndrome Severity in Adolescents with PCOS and Obesity, The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (2020). DOI: 10.1210/clinem/dgz285
  4. Torres PJ et al., Gut Microbial Diversity in Women With Polycystic Ovary Syndrome Correlates With Hyperandrogenism, J Clin Endocrinol Metab. 2018 Apr 1;103(4):1502-1511. doi: 10.1210/jc.2017-02153
  5. Insenser M et al., Gut Microbiota and the Polycystic Ovary Syndrome: Influence of Sex, Sex Hormones, and Obesity, J Clin Endocrinol Metab. 2018 Jul 1;103(7):2552-2562. doi: 10.1210/jc.2017-02799.
  6. Tramellen K, Pearce K, Dysbiosis of Gut Microbiota (DOGMA)--a novel theory for the development of Polycystic Ovarian Syndrome, Medical Hypotheses, 2012 Juli
  7. Xiaoxuan Zhao, Yuepeng Jiang, Hongyan Xi, Lu Chen, and Xiaoling Feng, Exploration of the Relationship Between Gut Microbiota and Polycystic Ovary Syndrome (PCOS): a Review, Geburtshilfe Frauenheilkd. 2020 Feb; 80(2): 161–171
  8. Zhang D, Zhang L, Yue F, Zheng Y, Russell R, Serum zonulin is elevated in women with polycystic ovary syndrome and correlates with insulin resistance and severity of anovulation, Eur J Endocrinol. 2015 Jan; 172(1):29-36.