Zentrum der Gesundheit
Darm therapieren, Autismus bessern

Darm therapieren, Autismus bessern

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(Zentrum der Gesundheit) – Schon lange ist bekannt, dass es eine sog. Darm-Hirn-Achse gibt, was bedeutet, dass der Darm mit dem Gehirn in enger Verbindung steht und dieses beeinflussen kann. Unter einer schlechten Darmgesundheit kann daher in manchen Fällen auch das Gehirn leiden. Forscher gehen davon aus, dass auch bei Autismus der Darm mitbeteiligt ist. Würde es gelingen, den Darm und die Darmflora mit einer bestimmten Ernährung, mit Probiotika und Präbiotika oder auch mit Medikamenten zu heilen, dann könnten sich die autistischen Symptome bessern lassen.

Autismus über den Darm behandeln

Bis heute gilt Autismus als unheilbar. Zur Therapie gehören verschiedene Rehabilitationsmassnahmen, Psychotherapien, soziales Kompetenztraining, Konzentrationstraining und viele Therapieformen mehr. Auch Medikamente werden in manchen Fällen eingesetzt, z. B. Neuroleptika oder Benzodiazepine, um Spannungszustände zu reduzieren.

Dr. Qinrui Li von der Peking University in China jedoch vermutet, dass Autismus möglicherweise ganz einfach über eine Ernährungsumstellung therapiert werden könnte. Er und sein Team analysierten über 150 Untersuchungen, die seit den 1960er Jahren zum Zusammenhang zwischen Autismus und der Darmflora veröffentlicht wurden. Alles weise daraufhin, dass autistische Symptome behandelt werden können, wenn nur die bei Autisten gestörte Darmflora saniert werde.

Im Juni 2017 erschien seine Studie (eine Übersichtsarbeit im Fachmagazin Frontiers in Cellular Neuroscience, in der Dr. Li und sein Team alle wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema "Darmgesundheit und Autismus" aus sechs Jahrzehnten zusammengetragen und ausgewertet hatten. Die Ergebnisse sind derart positiv, dass Dr. Lis Team nun grossangelegte Studien fordert, um zu zeigen, wie eine Veränderung der Darmflora die typischen Autismus-Symptome bessern kann.

Die Zahl der Autisten steigt kontinuierlich", so Dr. Li. "Die Problematik ist für die Familien der Betroffenen sehr zeitaufwändig, anstrengend und oft auch kostspielig."

Bei Autisten sehr häufig: Magen-Darm-Beschwerden

Da viele Autisten an Darmbeschwerden leiden, ist die Verbindung in manchen Fällen offensichtlich. Durchfall, Verstopfung oder Blähungen gehören sehr häufig zum Beschwerdebild bei Autismus. Die Ursache von Magen-Darm-Beschwerden ist meist eine Darmflorastörung, was bedeutet, dass es dort zu einem Ungleichgewicht zwischen den nützlichen und schädlichen Bakterienstämmen gekommen ist.

Viele der von Dr. Li untersuchten Studien bestätigen die Existenz der Darm-Hirn-Achse und die Tatsache dass auch eigentlich harmlos scheinende Darmprobleme bei manchen Menschen – je nach Veranlagung – langfristig schwerwiegendere Folgen haben und das Gehirn negativ beeinflussen können. Wir hatten schon hier über die mentalen Folgen von Darmstörungen berichtet: Darmflora steuert die mentale Gesundheit – Bei Babys und Erwachsenen

Leaky Gut Syndrom bei Autismus

Wenn im Darm die Darmflora aus ihrem gesunden Gleichgewicht gerät und schädliche Bakterien überhand nehmen, dann bilden diese u. a. giftige Stoffwechselabfallprodukte. Diese können nun die Darmschleimhaut schädigen und durchlässig machen. Das sog. Leaky Gut Syndrom entsteht.

Durch die undichte Darmschleimhaut können jetzt die Bakteriengifte, Stoffwechselabbauprodukte und auch unvollständig verdaute Nahrung in das Blut und teilweise sogar ins Gehirn gelangen. Bei Kleinkindern unter drei Jahren befindet sich das Gehirn mitten in seiner stärksten Entwicklungsphase. Wenn in dieser Phase nun die genannten Gifte im Gehirn eintreffen, dann kann dies die Gehirnentwicklung nachhaltig beeinträchtigen und zu autistischen Störungen führen.

Faktoren, die dem Darm schaden, sind Risikofaktoren für Autismus

Autismus ist höchstwahrscheinlich das Ergebnis aus einer Kombination genetischer Faktoren und Umweltfaktoren", erklärt Dr. Li. "Zu den Umweltfaktoren zählen beispielsweise auch der übertriebene Einsatz von Antibiotika bei Babys, ein Übergewicht und Diabetes der Mutter während der Schwangerschaft, die Art der Geburt und auch wie lange das Baby gestillt wird. Alle diese Faktoren können die Darmflora beeinflussen und zählen daher auch zu den Risikofaktoren für Autismus."

Im Gespräch sind auch manche Schmerzmittel, Asthma-Medikamente und Antidepressiva, die – in der Schwangerschaft eingenommen – das Autismusrisiko erhöhen sollen. Wir hatten schon hier darüber berichtet:
 

Autistische Symptome bessern sich nach Darmflora-Sanierung

Die nächste Überlegung von Dr. Li lautete: Wenn diese These korrekt sein sollte, dann müssten sich autistische Symptome bessern lassen, wenn der Darm behandelt wird. Die Forscher stellten daraufhin fest, dass dies tatsächlich der Fall ist. Autistische Symptome liessen sich bessern, sobald die Darmflora wieder in einen gesunden Zustand gebracht worden war.

Massnahmen zur Sanierung der Darmflora zeigten sich als äusserst effektiv", fährt Dr. Li fort. "In unserer Übersichtsarbeit entdeckten wir, dass sich sämtliche Massnahmen, die sich auf den Darm positiv auswirkten, auch auf den Autismus positiv auswirkten – ganz gleich, ob es nun die Einnahme von Probiotika oder Präbiotika war, ob es eine Stuhltransplantation war oder eine besondere Ernährung (z. B. eine glutenfreie und/oder kaseinfreie Ernährung)."

Die Besserung der autistischen Symptome zeigte sich in Dingen wie beispielsweise einer erhöhten sozialen Kompetenz, einer Verminderung der stereotypen Verhaltensweisen und in einer verbesserten Kommunikationsfähigkeit – und somit in Veränderungen, die für die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien einen grossen Fortschritt bedeuten.

Bei einer Stuhltransplantation wird Stuhl einer gesunden Person in den Darm einer kranken Person übertragen. An einer entsprechenden Studie der Ohio State University, die im Januar 2017 im Fachjournal Microbiome veröffentlicht wurde, nahmen 18 autistische Kinder teil. Sie litten überdies an massiven Magen-Darm-Beschwerden. Nach der Transplantation berichteten die Eltern von positiven Veränderungen – nicht nur in Sachen Verdauungsbeschwerden, sondern auch, was die autistischen Symptome anbelangte. Diese Veränderungen hielten mindestens 8 Wochen lang an.

Vitalstoffe und Antioxidantien bei Autismus

Die Botschaft dieser Studie ist eine sehr positive, könnte sie doch einen Durchbruch für die Autismus-Therapie darstellen. Klinische Studien seien nun erforderlich, um die neuen Erkenntnisse weiter zu vertiefen und zu bestätigen und um die entsprechende Forschung voranzutreiben.

In der Vergangenheit zeigten überdies Studien, dass autistische Kinder mit Hilfe von Vitalstoffen und natürlichen Antioxidantien ebenfalls eine Besserung ihrer Symptome erleben können:
 

Quellen:


Ausbildung zum Ernährungsberater an der Akademie der Naturheilkunde


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