Zentrum der Gesundheit
  • Homöopathische Medizin
25 Juli 2022
25 min

Homöopathie: Wirkt sie?

Obwohl die Homöopathie aus schulmedizinischer Sicht umstritten ist, wird sie in der Gesellschaft scheinbar immer beliebter. Woran das liegt, auf welchen Theorien sie aufbaut und ob die ganzheitliche Behandlungsmethode tatsächlich heilen kann, erfahren Sie hier.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner

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Was ist Homöopathie?

Die Homöopathie ist eine Behandlungsmethode aus der Naturheilkunde. Sie beruht auf der Idee Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen. Der Name leitet sich vom griechischen „homoion“ = ähnlich und „pathos“ = Leiden ab. In der Praxis bedeutet das, dass eine Substanz, die bei einer gesunden Person zu Beschwerden führt, homöopathisch aufbereitet bei einer kranken Person mit ebenjenen Symptomen zur Heilung führt.

Dieses Prinzip geht zurück auf den deutschen Arzt Samuel Hahnemann, der damit Ende des 18. Jahrhunderts den Grundstein für die klassische Homöopathie gelegt hat. Hahnemann war damals als Übersetzer tätig und las in einem Buch, dass die Chinarinde Malaria heilen kann. (Er übersetzte insbesondere medizinische Texte, womit ihm nahezu das gesamte medizinische Wissen seiner Zeit zur Verfügung stand.)

Hahnemann wollte stets jede Aussage überprüfen, also kam er auf die Idee, die Chinarinde selbst einzunehmen, obwohl er nicht an Malaria erkrankt war. Nach mehreren Selbstversuchen fand er heraus, dass er als Gesunder bei Einnahme dieses Stoffes malariaähnliche Symptome entwickelte. So stiess er im Umkehrschluss auf die Regel, dass Ähnliches mit Ähnlichem geheilt werden kann.

Was macht der Homöopath?

Aus naturheilkundlicher Sicht zeigt eine Krankheit, ganz gleich welcher Art, grundsätzlich immer an, dass der Körper sein Gleichgewicht verloren hat. Die Aufgabe eines Homöopathen besteht darin, den Körper bei der Wiederherstellung seiner Harmonie zu unterstützen. Dafür sucht der Homöopath ein passendes homöopathisches Heilmittel aus.

Das homöopathische Mittel wird als Reiz gesehen, der die Selbstheilungskräfte wieder in Gang bringt. Es verfolgt nicht das Ziel, vorhandene Symptome zu unterdrücken, sondern eher noch leicht zu verstärken, um somit die Regenerationsbemühungen des Organismus zu fördern. Die Homöopathie wirkt also durch Förderung der Selbstheilungskräfte.

Wie der Homöopath das passende homöopathische Heilmittel auswählt und was homöopathische Heilmittel überhaupt sind, erfahren Sie in den folgenden Absätzen.

Die vier Grundpfeiler der Homöopathie

Obwohl es verschiedene Varianten und Ausprägungen der Homöopathie gibt, basieren alle mehr oder weniger auf den folgenden Grundpfeilern der klassischen Homöopathie nach Hahnemann:

  1. Anamnese
  2. Ähnlichkeitsprinzip
  3. Arzneimittelbild
  4. Potenzierung

1. Die Anamnese in der Homöopathie

Das Erstgespräch – die so genannte Anamnese – umschreibt die sehr detaillierte Befragung des Patienten durch den Homöopathen und ist in der Homöopathie von elementarer Bedeutung. Die Homöopathie legt – im Gegensatz zur Schulmedizin – besonderen Wert auf die Beschwerden des Patienten im Zusammenhang mit seiner gesamten Lebenssituation.

Denn Hahnemann war der Meinung, dass die Symptome einer Krankheit nicht die Krankheit selbst darstellen, sondern nur ihren nach aussen hin sicht- und fühlbaren Ausdruck. Da jeder Erkrankung immer ein psychischer Aspekt vorausgeht, könne man über das Symptom Rückschlüsse auf die jeweilige psychische Problematik ziehen.

Ein einfaches Beispiel sind Ohrenschmerzen: Hier würde sich die Frage stellen: Was kann/will der Patient nicht mehr hören? Bei Kindern könnten es beispielsweise die Eltern sein, die immerzu streiten.

Entsprechend sind auch die Vorgeschichte einer Erkrankung, die psychische Verfassung vor und während der Erkrankung sowie besondere Ereignisse im Leben des Patienten (Trauerfälle, Kündigung, Streit, Scheidung, sonstige Probleme) für den Therapeuten wichtige Hinweise und werden in die Anamnese einbezogen – ebenso sämtliche Körperfunktionen (Sinnesorgane, Sprechen, Atmung, Verdauungssystem, Haut usw.) und Bezüge zu seiner Umwelt (z. B. Wetter, Kälte, Hitze). Die Anamnese kann gut und gerne zwei Stunden in Anspruch nehmen.

Die Konstitution in der Homöopathie

Soll der Patient von Grund auf behandelt werden, beispielsweise bei chronischen oder psychischen Beschwerden, wird in der klassischen Homöopathie zudem nach einem sogenannten Konstitutionsmittel gesucht. Konstitutionsmittel stellen Menschenbilder dar – die Idee dahinter ist, dass jeder Mensch ein homöopathisches Konstitutionsmittel hat, das perfekt zu ihm passt.

Die Konstitution beschreibt die genetischen Anlagen eines Menschen, also die Veranlagung zu Erkrankungen, die Statur und die jeweiligen Charaktereigenschaften der Person. Der Homöopath versucht im Gespräch also herauszuspüren, was der Patient für ein Typ ist, wie er auf Probleme reagiert, welche Krankheiten in der Familie vorliegen usw.

Die Konstitution einer Person ist angeboren, kann also nicht verändert werden. Sie beeinflusst, wie der Patient mit schädlichen Reizen (z. B. Stress, Viren, Bewegungsmangel, Kopfschmerzen) umgeht und wo seine Schwachstelle liegt (z. B. eine Anfälligkeit für Verdauungsprobleme, Übergewicht oder Infekte). Das Konstitutionsmittel soll diese Schwachstelle stärken und im Idealfall ausgleichen, so dass der Patient belastbarer wird.

Beispiel Konstitutionsmittel

Nachfolgend stellen wir Ihnen beispielhaft drei der bekanntesten Konstitutionsmittel sowie deren Eigenschaften in Kurzfassung vor:

Pulsatilla pratensis (Kuh- oder Küchenschelle): Typischerweise brauchen mädchenhafte Frauen oder Kinder dieses Konstitutionsmittel. Sie zeichnen sich durch ein mangelndes Selbstwertgefühl aus und suchen nach Geborgenheit, Zuneigung, Harmonie und emotionaler Sicherheit. In Konflikten suchen Pulsatilla-Frauen die Schuld oft bei sich selbst.

Phosphorus (Phosphor): Personen vom Typ Phosphor sind schlank, haben typischerweise blaue Augen und oftmals rötliche Haare. Sie sind offen, herzlich und drücken sich gern künstlerisch aus. Besonders ist ihr grosses Mitgefühl, so dass sie die Sorgen anderer Menschen beinahe körperlich spüren. Personen vom Typ Phosphor sind rastlos und suchen immer nach neuer geistiger Anregung.

Arsenicum album (Arsen): Personen, die dieses Konstitutionsmittel brauchen, neigen zu innerer Anspannung. Sie sind gerne vorbereitet, legen sich Strategien und Pläne zurecht, was auf ihre Unsicherheit zurückgeht. Sie sind ehrgeizig, neigen aber zu Pessimismus, weshalb sie viel Zuspruch brauchen. Sie zeichnen sich üblicherweise durch feine Gesichtszüge mit Sorgenfalten aus.

2. Das Ähnlichkeitsprinzip in der Homöopathie

Ein klassischer Homöopath geht grundsätzlich davon aus, dass eine Krankheit, die sich in bestimmten Symptomen äussert, durch das Mittel geheilt werden kann, welches beim gesunden Menschen ähnliche Symptome hervorruft. Das Ähnlichkeitsprinzip in der Homöopathie ist aus dem eingangs erwähnten Chinarindenversuch von Hahnemann hervorgegangen.

Beispiel Zwiebel

Ein gutes Beispiel für das Ähnlichkeitsprinzip ist die Zwiebel , die in der Homöopathie mit ihrem lateinischen Namen Allium cepa bezeichnet wird. Die Zwiebel führt zu tränenden Augen und einer laufenden Nase. In der Homöopathie wird sie in homöopathischer Dosierung unter anderem als Erkältungsmittel eingesetzt.

Beispiel Bienengift

Ein weiteres Beispiel ist der Bienenstich, der zu geröteter, brennender Haut führt. Bienengift wird in homöopathischer Dosierung unter anderem bei Bienenstichen und Beschwerden eingesetzt, die sich ähnlich wie ein Insektenstich äussern – etwa Schmerzen durch Gelenkentzündungen oder Verbrennungen.

3. Das Arzneimittelbild in der Homöopathie

Das Arzneimittelbild in der Homöopathie ist eine Art Verzeichnis, in dem alle Erfahrungen mit den homöopathischen Heilmitteln aus der Praxis nachzulesen sind. Auf Grundlage des Arzneimittelbildes wählt der Homöopath das passende Heilmittel aus.

Sämtliche Arzneimittelbilder entstanden durch Tests von Hahnemann an sich selbst oder bei gesunden Probanden. Nach der Einnahme des Mittels wurden systematisch alle Veränderungen aufgeschrieben, die auftraten. Hahnemann nannte dies Arzneimittelprüfung.

Jedoch spielt nicht die Krankheit, sondern der einzelne Mensch mit seinem körperlichen, geistigen und emotionalen Befinden die entscheidende Rolle bei der Auswahl eines homöopathischen Heilmittels. Nach der Anamnese wird also ein Heilmittel gesucht, das der Konstitution des Patienten bzw. seinen akuten Symptomen am ehesten entspricht.

Beispiel Fieber

Im Unterschied zur Schulmedizin, bei der jede Krankheit mehr oder weniger gleich behandelt wird, kann sich die homöopathische Behandlung einer Krankheit also von Patient zu Patient unterscheiden. Schliesslich äussert sich zum Beispiel Fieber nicht bei jedem Menschen gleich, wie die drei folgenden Beispiele zeigen ( 1 ) ( 12 ):

Patient 1:

Der Patient hat Fieber, das immer zur selben Tageszeit ansteigt und wieder abklingt, ist schwach, entkräftet und schwitzt in der Nacht viel. Zugluft und Berührungen werden als unangenehm empfunden.

Bei diesem Patienten kann Chinarinde, auch Cinchona succirubra oder schlicht China genannt, in homöopathischer Dosierung helfen. Es handelt sich dabei um ebenjene Pflanze, die Hahnemann in seinem Versuch als Heilmittel gegen Malaria identifizierte.

Patient 2:

Dieser Patient hat Muskel- und Gliederschmerzen und fühlt sich zerschlagen. Das Fieber tritt ganz plötzlich, vor allem morgens auf und kann z. B. mit Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen einhergehen.

Das homöopathische Mittel, das in diesem Fall helfen kann, ist der Wasserhanf, Eupatorium perfoliatum genannt. Auch von den Ureinwohnern Nordamerikas wurde die Pflanze bei fieberhaften Erkrankungen verwendet – jedoch nicht in homöopathischen Dosierungen, sondern in Aufgüssen.

Patient 3:

Bei diesem Patienten wechseln sich Frösteln und Hitzewallungen ab. Nachmittags und nachts wird das Fieber schlimmer. Berührung und Massagen werden als angenehm empfunden. Durch Alleinsein verschlimmern sich die Symptome – Gesellschaft und Trost tun dagegen gut.

In diesem Fall hilft womöglich Pulsatilla pratensis – die Kuhschelle – in homöopathischer Dosierung. Die Pflanze wird besonders häufig bei Kindern eingesetzt, etwa auch bei Ohren- oder Zahnschmerzen und Windpocken.

Das entsprechende Heilmittel wird also für jeden Patienten nach der Anamnese individuell ausgewählt, wobei auch mehrere Einzelmittel in die engere Auswahl kommen können und dann ausprobiert wird, welches am besten wirkt.

4. Die Potenzierung in der Homöopathie

Die Ausgangsstoffe für homöopathische Mittel – die sogenannten Ursubstanzen – können mitunter auch giftig sein, wie beispielsweise die häufig verwendete Tollkirsche (Belladonna), Arsen (Arsenicum album) oder das erwähnte Bienengift (Apisinum). Zu Hahnemanns Zeiten wurden Arzneimittelprüfungen teilweise noch mit den Ursubstanzen durchgeführt, weshalb er irgendwann anfing sie zu verdünnen. Er selbst nahm die Chinarinde in seinem berühmten Selbstversuch in unterschiedlichen Dosierungen zu sich.

Als er die Ursubstanzen verdünnte, begann Hahnemann, dabei bestimmte Schütteltechniken auszuprobieren, damit die Substanzen sich besser vermischen. Irgendwann bemerkte er, dass die Mittel dadurch scheinbar stärker wurden.

Er glaubte, dass im Inneren Wesen der Arzneien, eine verborgene, geistartige Kraft wirksam geworden war – dass die Energie des Ausgangsstoffes auf das nun verdünnte Heilmittel übergegangen war und es erst dadurch seine homöopathische Wirkung entfalten könne. Das homöopathische Mittel soll deshalb umso wirksamer sein, je mehr es potenziert wird – obwohl die Konzentration des Wirkstoffes mit zunehmender Verdünnung abnimmt.

Dieser Prozess des Verdünnens und Verschüttelns wird „Potenzierung“ bzw. manchmal auch „Dynamisieren“ genannt. Heute werden alle homöopathischen Heilmittel mittels Potenzierung hergestellt, ganz gleich ob die Ursubstanz giftig ist oder nicht:

Dabei wird das homöopathische Mittel pro Verdünnungsschritt zehn Mal gegen einen harten, elastischen Gegenstand geschlagen (etwa gegen ein Lederkissen oder einen Moosgummiblock). Bei grösseren Mengen erfolgt die Potenzierung in der Luft, also ohne, dass das Gefäss mit dem Mittel gegen einen anderen Gegenstand geschlagen wird. Bei der modernen Herstellung homöopathischer Heilmittel kommen auch Geräte zum Einsatz, die die Substanzen automatisch verschütteln.

Bei festen Substanzen wie z. B. Mineralien oder ganzen Pflanzen wird der Ausgangsstoff nicht verdünnt, sondern mit Milchzucker in einem Porzellanmörser verrieben. Dabei wird zunächst ein Drittel des Milchzuckers allein verrieben und erst dann das Heilmittel zugegeben, damit sich dieses nicht in den Poren der Schale ablagert. Die beiden Stoffe werden dann für 6 Min. miteinander verrieben. Wie beim Verschütteln soll die Energie beim Verreiben auf das Mittel übergehen.

Anschliessend wird die Mischung während 4 Min. mit einem Spatel von allen Seiten der Schale abgekratzt, damit dort nichts zurückbleibt. Nun wird das zweite Drittel Milchzucker hinzugegeben, 6 Min. verrieben und 4 Min. abgekratzt und schlussendlich dieselbe Prozedur mit dem letzten Drittel Milchzucker durchgeführt.

Traditionelle Handpotenzierung in der Homöopathie

In diesem Video sehen Sie ein Beispiel für die „Verschüttelung“ homöopathischer Mittel.

Was sind homöopathische Heilmittel?

In der Homöopathie kommen die Heilmittel aus allen Bereichen der Natur:

  1. Mineralstoffe (z. B. Natrium, Sulfur, Phosphor)
  2. Pflanzenteile (z. B. Tollkirsche, Zwiebel, Gänseblümchen)
  3. tierische Ausgangsstoffe (z. B. Skorpiongift, Säure der Roten Waldameise, Bienengift).

Verdünnt werden diese Substanzen mit Wasser-Alkohol-Gemischen – feste Substanzen werden mit Milchzucker verrieben. Homöopathische Mittel werden in flüssiger Form (Tropfen oder Spray), als Globuli oder Tablette eingenommen oder in Form von Salben direkt auf die Haut aufgetragen. Bei der inneren Einnahme erfolgt die Aufnahme bereits über die Mundschleimhaut, weshalb man die Mittel nicht gleich herunterschlucken, sondern im Mund zergehen lassen sollte.

Manchmal gibt es auch die Ursubstanzen direkt zu kaufen (z. B. Arnika und Calendula). Diese werden dann je nach Ausgangsstoff und Anwendungsgebiet mit Wasser verdünnt oder pur eingenommen – vorausgesetzt natürlich, es handelt sich nicht um eine giftige Substanz. Da die Ursubstanzen jedoch nicht verschüttelt werden, spricht man dabei eher von Pflanzenheilkunde als von Homöopathie.

Was sind Globuli?

Die meisten Menschen bringen die Homöopathie als erstes mit Globuli in Verbindung. Globuli sind kleine weisse Kügelchen aus Saccharose – sie stellen eine der beliebtesten Verabreichungsformen homöopathischer Mittel dar. Mittlerweile gibt es auch Globuli, die anstelle von Saccharose den Zuckeraustauschstoff Xylitol enthalten.

Um Globuli herzustellen, wird die potenzierte Ursubstanz über die Zuckerkügelchen gesprüht. Dieser Schritt wird in der Regel in einem grossen, rotierenden Kessel vorgenommen, so dass alle Globuli gleichmässig benetzt werden. Sind die Globuli getrocknet, werden sie in kleine Fläschchen abgefüllt.

Im Gegensatz zu Globuli werden Tabletten aus Milchzucker hergestellt. Wer Milchzucker nicht verträgt (Laktoseintoleranz), kann also auf Globuli oder auf Tropfen zurückgreifen.

Was bedeutet D- und C-Potenz?

Homöopathische Mittel gibt es in verschiedenen Potenzen. Am bekanntesten sind D- und C-Potenzen:

  1. D-Potenzen: Das D steht für Dezimal und bedeutet auf lateinisch 10. D-Potenzen werden im Verhältnis 1:10 potenziert, also 10-mal jeweils 1:10 verdünnt und pro Verdünnungsschritt 10-mal verschüttelt oder verrieben.
  2. C-Potenzen: C steht für Centesimal und bedeutet 100. Bei den C-Potenzen wird im Verhältnis 1:100 potenziert, also 100-mal jeweils 1:100 verdünnt und pro Verdünnungsschritt 10-mal verschüttelt oder verrieben.

Beispiel Arnika D6

So bedeutet zum Beispiel Arnika D6, dass die ursprüngliche Arnika-Substanz im Verhältnis 1:10 verdünnt und 10-mal verschüttelt wurde (D1), davon wiederum 1 Teil genommen und wieder im Verhältnis 1:10 verdünnt und 10-mal verschüttelt wurde (D2) – dieses Verfahren wird insgesamt 6-mal durchgeführt. D6 bedeutet also, dass die Substanz 6-mal um das 10-fache verdünnt wurde.

Beispiel Thuja occidentalis C60

Thuja occidentalis C60 bedeutet entsprechend, dass die Substanz 60-mal um das 100-fache verdünnt wurde. Man nimmt also beispielsweise 1 ml Ursubstanz und mischt diese mit 99 ml Wasser-Alkohol-Gemisch, verschüttelt sie 10-mal (D1) und nimmt von dieser Mischung wieder 1 ml. Dazu kommen erneut 99 ml Wasser-Alkohol-Gemisch usw.

Ab Potenzen von D30 und C30 wird üblicherweise von Hochpotenzen gesprochen (streng genommen schon ab D23 = Loschmidt’sche Zahl, ab der keine Substanz mehr in der Verdünnung nachgewiesen werden kann). Die höchste D-Potenz ist D1000 – die höchste C-Potenz C1000. Hochpotenzen werden meist von erfahrenen Homöopathen eingesetzt.

Der Grund dafür ist, dass sich Hochpotenzen nicht nur auf den Körper, sondern auch auf den Geist und die Seele auswirken sollen. Niedrige Potenzen (D6 oder D12) eignen sich dagegen auch zur Selbstbehandlung von Laien, da sie eher bei akuten Beschwerden eingesetzt werden.

Homöopathische Mittel zur Selbstanwendung

Wie Sie homöopathische Mittel bei akuten Alltagsbeschwerden wie z. B. Schnupfen oder Kopfschmerzen bei sich selbst anwenden können, erfahren Sie im Artikel Globuli und andere homöopathische Mittel richtig anwenden .

Unterschied: Klassische Homöopathie und klinische Homöopathie

Wie bereits erwähnt gibt es viele verschiedene Varianten und Ausprägungen der Homöopathie. Die klassische Homöopathie nach Hahnemann gilt als Ursprung. Daneben gibt es auch die klinische bzw. die sog. Komplexmittel-Homöopathie:

Während in der klassischen Homöopathie lediglich ein einzelner Wirkstoff zur Anwendung kommt (Einzelmittel), man in der Regel also nicht verschiedene homöopathische Mittel kombiniert – werden in der klinischen bzw. Komplexmittel-Homöopathie neben den Einzelmitteln auch mehrere dieser Mittel zu sogenannten Komplexmitteln kombiniert. Bei diesen ist auf dem Etikett „comp.“ zu lesen, was für compositum (= zusammengesetzt) steht ( 2 ).

So sind etwa die in Apotheken käuflichen homöopathischen Präparate zu erklären, die für bestimmte Indikationen wie Blasenentzündung, Kopfschmerzen, Heuschnupfen usw. angeboten werden. In diesen Präparaten werden mehrere Mittel kombiniert, die sich in der klassischen Homöopathie bereits bei vielen Menschen als wirksam herausgestellt haben.

Wir erinnern uns: Die klassische Homöopathie sucht nach dem einen – für die individuelle Person passenden – Heilmittel. Aus diesem Grund geht bei Einzelmitteln aus der Verpackung auch keine Indikation hervor – denn sie können für zahlreiche unterschiedliche Beschwerden zum Einsatz kommen und gelten als weitaus individueller.

Die klinische Homöopathie richtet sich dagegen nicht nach der individuellen Person mit ihrer spezifischen Lebenssituation, Symptomen usw. sondern nach der Diagnose. Sie geht eher nach dem Giesskannen- oder Schrotschussprinzip vor und richtet sich etwas mehr an schulmedizinischem Denken aus – es wird also davon ausgegangen, dass eines der enthaltenen Mittel oder die Kombination daraus dann schon wirken/treffen wird.

Beispiel: Komplexmittel bei Heuschnupfen

Während in der klassischen Homöopathie zahlreiche Einzelmittel wie z. B. Sabadilla D4 (Mexikanisches Läusekraut), Galphimia glauca D4 (Kleiner Goldregen), Cardiospermum halicacabum D4 (Ballonrebe) oder auch Luffa operculata D6 (Schwammgurke) bei Heuschnupfen in Frage kommen, gibt es Komplexmittel zu kaufen, die alle diese Wirkstoffe kombinieren – z. B. das Mittel Heuschnupfen Nr. 1 von Similasan.

Anwendungsgebiete der Homöopathie

Da die Homöopathie zum Ziel hat, die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen, kann sie bei allen möglichen Beschwerden (auch chronischen und psychischen Erkrankungen) zum Einsatz kommen. Erst wenn eine Erkrankung bereits so weit fortgeschritten ist, dass der Körper nicht mehr in der Lage ist, sich selbst zu heilen – z. B. wenn Organe verletzt wurden oder die Selbstheilkräfte komplett erschöpft sind – sind die Grenzen der Homöopathie erreicht ( 3 ).

Besonders verbreitet ist die Anwendung der Homöopathie in der Bevölkerung bei den folgenden Beschwerden und Krankheiten:

  1. Wechseljahresbeschwerden
  2. Kopfschmerzen
  3. Asthma bronchiale bei Kindern
  4. Heuschnupfen
  5. Erkrankungen, die den Hals, die Nase oder die Ohren betreffen
  6. Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  7. Erkrankungen der Nieren, der Leber und des Harnsystems
  8. Magen-Darm-Erkrankungen

Sogar bei Knochenbrüchen kommt die Homöopathie zum Einsatz – jedoch nur zur Unterstützung der Heilung, wie etwa zum Abschwellen oder zur Behandlung damit einhergehender Blutergüsse. Bei einem Knochenbruch (und anderen akuten Beschwerden) wird also immer auch ein Arzt aufgesucht.

Warum ist die Homöopathie so umstritten?

Die rund 200 Jahre alte Homöopathie erfreut sich in der Bevölkerung wachsender Beliebtheit, ist aber gleichzeitig stark umstritten. Auf der einen Seite steht die Schulmedizin, die diese Therapie komplett ablehnt, auf der anderen Seite naturheilkundlich orientierte Ärzte und Heilpraktiker, die auf ihre Wirkung schwören. Nachfolgend gehen wir auf die wichtigsten Kritikpunkte ein ( 4 ) ( 5 ) ( 6 ).

Homöopathische Mittel enthalten keinen Wirkstoff mehr

Der wohl grösste Kritikpunkt von Schulmedizinern an der Homöopathie ist, dass homöopathische Mittel gar nicht wirken können, weil sie so stark verdünnt sind, dass sie keinen Wirkstoff mehr enthalten und wenn doch, so nur noch Spuren, die jedoch keinerlei pharmakologische Wirkung haben können. Lediglich Potenzen bis D4 und C2 (die vom Verdünnungsgrad, nicht jedoch von der Potenzierung her gleichzusetzen sind) könnten aus Sicht der Schulmedizin pharmakologische Wirkungen zeigen.

Ab D6 und C3 seien bereits die chemisch-physikalischen Grenzen erreicht – bei Hochpotenzen ab D24 und C12 sei eine Wirkung komplett ausgeschlossen. Ein Mittel der Potenz D6 entspräche etwa einem Tropfen Wirkstoff in einer halbvollen Badewanne. Die Potenzierung D22 entspräche gar einem Tropfen Wirkstoff im Pazifik. Dass die Wirksamkeit homöopathischer Heilmittel mit zunehmender Verdünnung steigen soll, sei ausserdem mit dem naturwissenschaftlichen Weltbild nicht vereinbar.

Homöopathen sind sich natürlich bewusst, dass vom Ausgangsstoff kaum bis gar nichts mehr im Heilmittel vorhanden ist. Sie erklären die Wirksamkeit der Heilmittel mit dem Potenzieren, bei dem die Energie und die Informationsweitergabe des Ausgangsstoffes verstärkt wird. Wissenschaftlich nachprüfbar ist dies mit den üblichen Methoden der Wissenschaft (noch) nicht, weshalb die Homöopathie aus schulmedizinischer Sicht lediglich ein Glaubenskonzept darstellt.

Vertreter der Homöopathie entgegnen darauf, dass der Mensch vieles noch nicht wisse, dass dies allerdings nicht bedeute, dass es nicht dennoch so sei. Sie sehen darin keinen Widerspruch zum naturwissenschaftlichen Weltbild. Denn nicht alles was heilt, muss ins naturwissenschaftliche Weltbild passen.

Ähnlichkeitsprinzip widerspricht der Schulmedizin

Auch das Ähnlichkeitsprinzip, bei dem ebenjene Substanz, die beim Gesunden zu Symptomen führt, einen Kranken mit denselben Symptomen heilt, steht im Gegensatz zur Schulmedizin. Denn in der Schulmedizin werden Medikamente verabreicht, die die Symptome bekämpfen:

So wird bei einer Entzündung ein Entzündungshemmer verabreicht, bei Fieber ein fiebersenkendes Medikament usw. Homöopathische Mittel dienen dagegen dazu, die Symptome noch leicht zu verstärken (evtl. Erstverschlimmerung), um die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen.

Aus ganzheitlicher Sicht ist dies nachvollziehbar, denn Symptome widerspiegeln die Anstrengung des Körpers sich selbst zu heilen: Fieber beispielsweise ist eine Abwehrreaktion des Immunsystems, um Viren und Krankheitserreger unschädlich zu machen. Ein fiebersenkendes Medikament würde diese Bemühungen des Körpers zunichtemachen und sozusagen „gegen“ den Körper arbeiten, anstatt ihn zu unterstützen.

Homöopathie ist nicht überprüfbar und nicht wissenschaftsbasiert

Vertreter der Schulmedizin argumentieren weiter, dass die Wirksamkeit der Homöopathie trotz zahlreicher klinischer Studien, nicht bewiesen werden konnte. Trat in Studien ein Effekt auf, so führt die Schulmedizin dies auf ein qualitativ minderwertiges Studiendesign oder auf den Placeboeffekt zurück, obwohl Homöopathie - lt. homöopathisch arbeitender Therapeuten - gerade bei Kindern und Tieren grosse Erfolge zeigt, bei denen der Placebo-Effekt kaum/keine Rolle spielt.

Tatsächlich eignen sich klinische Studien nicht, um die Wirksamkeit der klassischen Homöopathie zu überprüfen, denn das homöopathische Heilmittel wird individuell ausgesucht. Es kann also sein, dass fünf Patienten mit denselben Symptomen alle ein unterschiedliches Mittel bekommen – je nach Ausprägung der Krankheit und ihrer körperlichen Konstitution.

Bei über 1500 homöopathischen Mitteln ist es entsprechend schwierig wiederholbare Resultate in Studien zu erzielen. Klinische Studien beruhen jedoch darauf, dass jeder Proband genau dasselbe Mittel verabreicht bekommt und eignen sich daher nicht zur Überprüfung einer Wirksamkeit der Homöopathie ( 1 ).

Studie zu klinischer Homöopathie

Einzig die klinische Homöopathie ist in klinischen Studien überprüfbar, weil jeder Proband dasselbe Mittel bekommt – und zu verschiedenen Komplexmitteln liegen auch bereits vielversprechende Studien vor, wenn auch mit geringer Teilnehmerzahl ( 10 ) ( 11 ):

Eine klinische Studie von 2021 untersuchte die Wirkung des homöopathischen Komplexmittels Traumeel S u. a. bezüglich Schmerzen und Schwellung nach einer operativen Zahnentfernung. Verglichen wurde die Wirkung mit dem Stoff Dexamethason , der bei solchen Eingriffen üblicherweise zum Einsatz kommt.

Den 17 Probanden wurde auf beiden Seiten des Gebisses jeweils ein Backenzahn gezogen. Die eine Hälfte erhielt eine Spritze Traumeel S (2.2 mg) und die andere eine Spritze Dexamethason (8 mg). Nach 15 Tagen wurde der Backenzahn auf der anderen Seite des Gebisses gezogen, wobei die Probanden dann jenes Mittel bekamen, dass sie zuvor noch nicht erhalten hatten.

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Traumeel S und Dexamethason sich in ihrer Wirkung kaum unterscheiden und Traumeel S deshalb eine gute Alternative zu dem Wirkstoff darstellt. Bei Dexamethason handelt sich um ein Glucocorticoid, das zahlreiche Nebenwirkungen nach sich ziehen kann, wie Sie in der Gebrauchsinformation nachlesen können (u. a. Linsentrübung, Magen-Darm-Geschwüre und Osteoporose).

Traumeel S besteht aus den folgenden Inhaltsstoffen: Arnica montana D2 (Arnika); Calendula officinalis D2 (Ringelblume); Hamamelis virginiana D1 (Virginische Zaubernuss); Achillea millefolium D3 (Gemeine Schafgarbe); Atropa belladonna D2 (Schwarze Tollkirsche); Aconitum napellus D2 (Blauer Eisenhut); Chamomilla recutita D3 (Echte Kamille); Symphytum officinale D6 (Echter Beinwell); Bellis perennis D2 (Gänseblümchen); Echinacea angustifolia D2 (Schmalblättriger Sonnenhut); Echinacea purpurea D2 (Purpur-Sonnenhut); Hypericum perforatum D2 (Echtes Johanniskraut) ; Mercurius solubilis Hahnemanni D6 (Quecksilberoxid; Hepar sulphuris D6 (Kalkschwefelleber).

Wie Sie sehen, liegen die Inhaltsstoffe fast alle in niedrigen Potenzen vor. Das ist bei Komplexmitteln häufig der Fall, weshalb sie auch bei Ärzten beliebter sind als Hochpotenzen, denn die Wirkung lässt sich auch noch pflanzenheilkundlich erklären.

Der Gebrauchsinformation ist zu entnehmen, dass es sich um ein wesentlich nebenwirkungsärmeres Mittel handelt als Dexamethason. Treten doch einmal Nebenwirkungen auf, so sind es meist Überempfindlichkeitsreaktionen bzw. allergische Symptome auf die Inhaltsstoffe. Wer aber von einer entsprechenden Allergie (z. B. auf Korbblütler) weiss, nimmt das Mittel gar nicht erst ein.

Jedoch wurde diese Studie ohne Placebogruppe durchgeführt.

Nicht dieselben Zulassungskriterien wie für Arzneimittel

Weiter kritisieren Schulmediziner, dass für homöopathische Mittel nicht dieselben Zulassungskriterien gelten wie für Arzneimittel. Die Wirksamkeit von Arzneimitteln muss in klinischen Studien nachgewiesen werden.

Für homöopathische Mittel gilt dies nicht. Zwar muss die Wirksamkeit neben der Unbedenklichkeit und der Qualität auch nachgewiesen werden, jedoch kann dies auch durch systematisch aufbereitete medizinische Erfahrungen erfolgen ( 7 ).

Auch aufgrund der sogenannten Arzneimittelprüfung kann ein homöopathisches Mittel zugelassen werden: Dabei wird die potenzierte Substanz gesunden Probanden verabreicht und die Wirkung bei Erkrankungen dann auf Basis des Ähnlichkeitsprinzips abgeleitet. Die Vergleichsgruppe erhält ein Placebo. Solche Arzneimittelprüfungen finden noch heute in Form von randomisierten Doppelblindstudien statt und stellen einen wichtigen Bestandteil der homöopathischen Forschung dar. Zusammengefasst werden die Ergebnisse solcher Untersuchungen in Symptomenlexika und Computer-Programmen, die den Homöopathen zur Verfügung stehen.

Werden homöopathische Mittel ohne Angabe eines spezifischen Anwendungsgebiets (z. B. Schnupfen) in den Verkehr gebracht oder mindestens um den Faktor 1:10.000 verdünnt (ab D4 und C2) muss die Wirksamkeit gar nicht nachgewiesen werden. Der Wirkstoff muss in dem Fall allerdings bereits als homöopathisches Mittel bekannt sein.

Endlose Debatten um Sinn oder Unsinn der Homöopathie

Weiter solle die Einnahme homöopathischer Mittel bei leichten Beschwerden wie etwa Schürfwunden und Prellungen, die ohnehin von selbst heilen, zu einer psychischen Abhängigkeit führen, so dass jedes „Wehwehchen“ zur Globuli-Einnahme führe. Dies vermittle vor allem Kindern ein falsches Bild – nämlich, dass Wunden und Verletzungen ohne Globuli-Einnahme nicht heilen würden. Ausserdem seien Homöopathen generell unglaubwürdig und die Homöopathie könne sogar schaden, wenn dafür auf schulmedizinische Behandlungen verzichtet werde.

Diese Debatte läuft bereits seit 200 Jahren. Für die Schulmedizin ist das Totschlagargument die fehlende wissenschaftliche Evidenz – für die Homöopathie nicht, denn die Wirksamkeit zeige sich in der Praxis.

Die Vorteile der Homöopathie

Auch wenn die Wirksamkeit der Homöopathie aus wissenschaftlicher Sicht nicht belegt werden kann, kamen viele Untersuchungen dennoch zu interessanten Ergebnissen ( 8 ) ( 9 ):

  1. Die Homöopathie verbessert die Symptome und die Lebensqualität von Patienten häufig gleich gut wie konventionelle Behandlungen (siehe Absatz „Studie zu klinischer Homöopathie“).
  2. Die Homöopathie hat häufig weniger Nebenwirkungen als konventionelle Behandlungen.
  3. Die Homöopathie geht häufig mit geringeren Kosten einher als konventionelle Behandlungen: Ein 10-g-Fläschchen Globuli kostet meist zwischen 5 und 6 Euro (Unterschiede je nach Marke und Mittel möglich) und enthält zwischen 1100 und 1300 Globuli, was sehr lange hält, wenn man bedenkt, dass meist nur um die 5 Globuli auf einmal eingenommen werden.

Weniger Nebenwirkungen in der Homöopathie

Häufig liest oder hört man, die Homöopathie habe keine Nebenwirkungen. Das stimmt nicht ganz. Tatsächlich hat auch die Homöopathie Nebenwirkungen, wie ein Review von 2020 zeigt: Jedoch treten bei konventionellen Therapien signifikant häufiger Nebenwirkungen auf als bei homöopathischen Behandlungen. Bei beiden handelt es sich fast ausschiesslich um schwache bis moderate Nebenwirkungen – schwere Nebenwirkungen traten kaum auf.

In Anbetracht dessen, dass homöopathische Heilmittel in hohen Potenzen keinen Wirkstoff mehr enthalten, macht es Sinn, dass in der Homöopathie seltener Nebenwirkungen auftreten. Denn wo kein Wirkstoff da ist, können auch keine Nebenwirkungen auftreten – so die Schulmedizin. Homöopathische Mittel in niedrigen Potenzen können hingegen Nebenwirkungen haben.

Bei den aufgetretenen Nebenwirkungen handelte es sich grösstenteils um Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel, Dermatitis, Atemwegsbeschwerden und allergische Reaktionen ­– leider wurden die Nebenwirkungen im besagten Review nicht nach Homöopathie und Schulmedizin aufgeschlüsselt, so dass nicht hervorgeht, welche Nebenwirkung bei welcher Therapie auftrat.

Unterschied Nebenwirkung und Erstverschlimmerung

Nebenwirkungen müssen jedoch von der sogenannten Erstverschlimmerung unterschieden werden. Dabei handelt es sich um eine temporäre Verschlimmerung der Symptome, die eintreten kann (aber nicht muss), wenn das richtige homöopathische Mittel für die individuellen Beschwerden gefunden wurde.

Denn das homöopathische Heilmittel stellt wie erwähnt den Reiz dar, der die Selbstheilungskräfte in Gang bringt. Nach der Erstverschlimmerung setzt der Besserungsprozess ein, denn nun kommen die Selbstheilungskräfte des Körpers zum Zug. Im obigen Review wurden Erstverschlimmerungen vor allem bei Hauterkrankungen wie Psoriasis und Dermatitis identifiziert .

Bei einer Nebenwirkung handelt es sich um ein unerwünschtes Ereignis. Es treten Symptome auf, die zuvor nicht da waren. Bei der Erstverschlimmerung handelt es sich hingegen um ein erwünschtes Ereignis, denn es zeigt an, dass das passende Heilmittel gefunden wurde. Bei einer Erstverschlimmerung verschlimmern sich kurzzeitig nur die bereits vorhandenen Symptome und klingen anschliessend ab.

In unserem Artikel zur Anwendung homöopathischer Mittel, den wir weiter oben im Absatz „Homöopathische Mittel zur Selbstanwendung“ verlinkt haben, gehen wir genauer auf die Erstverschlimmerung ein und erklären, wie Sie die Erstverschlimmerung von einer Verschlimmerung der Krankheit unterscheiden.

Anamnese wirkt sich positiv auf Behandlung aus

Ein möglicher Grund, weshalb viele Menschen sich der Homöopathie zuwenden, ist ausserdem die intensive Anamnese. Denn während ein Arzt oftmals nur wenig Zeit hat, um sich intensiv mit seinem Patienten zu befassen, ihn ausgiebig zu beraten und ihm womöglich auch seine Ängste zu nehmen, ist das bei der Homöopathie anders.

In die Anamnese werden alle Lebensumstände der Patienten miteinbezogen. Der Therapeut nimmt sich Zeit und hört dem Patienten zu, anstatt über seinen Kopf hinweg Entscheidungen zu treffen. Der Patient fühlt sich entsprechend verstanden und als Teil der Entscheidungsfindung. Dies ist eine der Stärken der klassischen Homöopathie: Der Patient geht bereits mit einem positiven Grundgefühl aus der ersten Sitzung, was sich sodann auch positiv auf den weiteren Verlauf der Behandlung auswirkt.

Wirkt die Homöopathie?

Die einfache Antwort auf diese Frage lautet: Ja, die Homöopathie wirkt. Warum genau, lässt sich allerdings nicht sagen. Ob es nun das „Gedächtnis“ des Trägerstoffes ist, das sich durch die Verschüttelung an den Wirkstoff in den homöopathischen Mitteln "erinnert" oder eine Art Information an den Trägerstoff weitergegeben wird oder wie die Schulmedizin behaupten würde, der Placeboeffekt.

Dass die Homöopathie nur wirkt, wenn man daran glaubt, ist allerdings eher unwahrscheinlich. So stark die mentale Komponente sein mag, sie steht nicht über allem. Bestimmt kennen Sie auch jemanden, der zunächst nicht an die Homöopathie geglaubt hat und dann eines Besseren belehrt wurde – oder haben Sie diese Erfahrung bereits selbst gemacht? Für die Schulmedizin sind dies Einzelfälle bzw. Zufälle – für die Homöopathie sind es Beweise für die Wirksamkeit in der Praxis.

Wer darf sich Homöopath nennen?

Es gibt auch Schulmediziner mit homöopathischer Weiterbildung. Allerdings beschliessen immer mehr Landesärztekammern die Zusatzbezeichnung Homöopathie aus ihrer Weiterbildungsordnung zu streichen. Als Grund dafür werden die fehlenden wissenschaftlichen Belege angeführt. Dadurch könnten auch die Lernziele in der Weiterbildung zum Homöopathen nicht überprüft werden.

Im Mai 2022 beschloss der Deutsche Ärztetag zudem die Zusatzbezeichnung Homöopathie aus der bundesweiten Musterweiterbildungsordnung zu streichen, an der sich die 17 Landesärztekammern in Deutschland orientieren.

Ärzte dürfen zwar weiterhin Homöopathie ausüben und sich nach wie vor in Homöopathie ausbilden lassen, jedoch ist die Bezeichnung bei neu ausgebildeten Homöopathen nicht mehr anerkannt. Ärzte, die die Zusatzbezeichnung bereits haben, verlieren diese nicht. Sprich: Wenn der Nachwuchs fehlt, stirbt die Homöopathie aber zumindest unter den Ärzten irgendwann aus.

Neben Ärzten dürfen auch Heilpraktiker homöopathisch tätig sein. Dafür benötigen sie eine Zusatzausbildung, die jedoch nicht einheitlich geregelt ist wie bei Ärzten.

Sind Homöopathen Ärzte?

Homöopathen können also Ärzte sein, müssen aber nicht, da auch Heilpraktiker sich zum Homöopathen weiterbilden können. Viele Krankenkassen kommen dem Bedürfnis in der Bevölkerung nach und übernehmen die Kosten für homöopathische Behandlungen (trotz schulmedizinischer Kritik). Schliesslich stellt dies ein wichtiges Kriterium für die Krankenkassenwahl dar. In der Regel übernehmen Krankenkassen die Behandlungen jedoch nur, wenn sie von einem Arzt mit Weiterbildung in Homöopathie verordnet wurden.

Fazit: Ist Homöopathie sinnvoll oder nicht?

Anstatt als Gegensatz sollten die Homöopathie und die Schulmedizin als Ergänzung zueinander gesehen werden. Beispielsweise wenden sich Personen mit chronischen Erkrankungen oftmals der Homöopathie zu, wenn die schulmedizinische Behandlung nicht angeschlagen hat oder zu starken Nebenwirkungen führt. Die Homöopathie kann also eine Ergänzung zur Schulmedizin darstellen – und solange sie Menschen hilft, ist sie als sinnvoll zu betrachten.

Schüssler Salze: Eine Weiterentwicklung der Homöopathie

Eine Behandlungsmethode, die aus der klassischen Homöopathie hervorgegangen ist, ist die Therapie mit Schüssler Salzen. Bei der Behandlung mit Schüssler Salzen werden im Unterschied zur Homöopathie nur Substanzen angewendet, die im Körper selbst auch vorkommen. Weitere Informationen dazu finden Sie unter vorigem Link.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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Quellen
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