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  • Sucht nach Tabak und Alkohol
23 min

Ganzheitliche Wege aus der Sucht

Haben Sie das Gefühl, dass eine Substanz oder eine Verhaltensweise die Kontrolle über Ihr Leben gewonnen hat? Können Sie darauf nicht mehr verzichten, obwohl Sie wissen, dass diese Ihnen nicht guttut? Erfahren Sie in diesem Artikel, ob Sie möglicherweise an einer Sucht leiden und wie ein Ausstieg aus der Sucht gelingen kann. Eine Reihe naturheilkundlicher Mittel und Methoden können Sie dabei unterstützen.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Aktualisiert: 03 Dezember 2022

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Was versteht man unter einer Sucht?

Eine Sucht bezeichnet die zwanghafte Befriedigung eines Bedürfnisses, das durch körperliche und/oder psychische Abhängigkeit gekennzeichnet ist. Das bedeutet, dass ein Entzug sowohl zu Schwitzen, Übelkeit oder Zittern (körperliche Symptome) aber auch zu Unwohlsein, Nervosität oder Aggressivität (psychische Symptome) führen kann.

Das Bedürfnis äußert sich durch einen unerträglichen Zustand innerer Spannung und Leere und kann durch Befriedigung nur kurzfristig aufgehoben werden. Anschließend wiederholt es sich in gesteigerter Form. Das heißt, um die gleiche angenehme Wirkung zu erzielen, muss eine höhere Dosis der Substanz eingenommen bzw. dem Verhalten häufiger nachgegangen werden (auch als Toleranzentwicklung bezeichnet) ( 1 ).

Welche Süchte gibt es

Jedes menschliche Bedürfnis kann sich zu einer Sucht entwickeln – dabei wird zwischen einer Sucht unterschieden, bei der Betroffene Substanzen zu sich nehmen (substanzgebundene Süchte) und einer Sucht, bei der einem Verhalten exzessiv nachgegangen wird (substanzungebundene Süchte oder Verhaltenssüchte).

Während erstere sowohl zu körperlicher als auch zu psychischer Abhängigkeit führen können und Entzugserscheinungen auf beiden Ebenen verursachen, sobald die Substanz weggelassen wird, kommt es bei Verhaltenssüchten lediglich zur psychischen Abhängigkeit.

Folgende Süchte dienen nur als Beispiele - es gibt noch viele weitere Verhaltensweisen und Substanzen, die zu einer Sucht führen können.

Substanzen, die süchtig machen können:

  1. Sucht nach Alkohol
  2. Sucht nach Nikotin (lesen Sie dazu unseren Artikel 10 Tipps, um Nichtraucher zu werden)
  3. Sucht nach Opioiden - Schmerzmittel mit dem stärksten körperlichen Suchtpotential, z. B. Morphium, Heroin, Opium
  4. Sucht nach Cannabis
  5. Sucht nach Stimulantien - z. B. Kokain, Amphetamine
  6. Sucht nach Halluzinogenen - z. B. LSD
  7. Sucht nach Beruhigungs- und Schlafmitteln - z. B. Benzodiazepine, Barbiturate

Verhaltensweisen, die süchtig machen können:

  1. Sucht nach Essen (ob Sie möglicherweise von einer Essstörung betroffen sind, lesen Sie in unserem Artikel Essstörungen ganzheitlich betrachtet)
  2. Sucht nach Arbeit
  3. Sucht nach Einkaufen
  4. Sucht nach Sex
  5. Sucht nach Glücksspiel
  6. Sucht nach Surfen im Internet
  7. Sucht nach Sammeln
  8. Sucht nach Fernsehen

Wie Sie eine Sucht erkennen

Egal, ob eine Sucht substanzgebunden oder substanzungebunden ist – jede erdenkliche Form der Abhängigkeit weist sechs typische Merkmale auf. Wenn drei davon bei Ihnen zutreffen, besteht die Möglichkeit, dass Sie von einer Sucht betroffen sind ( 2,) ( 3 ). Überprüfen Sie dazu Ihre Gedanken, wenn das jeweilige Bedürfnis bei Ihnen wieder besonders stark wird:

  1. Ich brauche das“ – Sie verspüren ein starkes Verlangen oder einen Zwang zum Konsum der Droge. Bei einer Verhaltenssucht wie dem Glücksspiel oder dem Essen, wollen Sie dieses immer wieder tun.
  2. Ich kann es nicht mehr stoppen“ - Sie haben wenig bis keine Kontrolle über Beginn, Menge und Beendigung des Konsums. Bei einer Verhaltenssucht können Sie Ihr Sucht-Verhalten nur schwer kontrollieren.
  3. Es geht nicht mehr ohne“ – Sie können nicht mehr auf Ihr Suchtmittel oder Ihr Sucht-Verhalten verzichten. Selbst dann nicht, wenn Ihre Gesundheit Schaden nimmt oder Beziehungen und Freundschaften zerbrechen.
  4. Ich bin nicht mehr ich selbst“ - Wenn Sie mit dem Verhalten oder Suchtmittel aufhören, treten Entzugserscheinungen auf. Das können Unruhe, Angst, Zittern, Schwitzen, Schlafstörungen oder Halluzinationen sein. Bei Verhaltenssüchten zeigen sich zum Beispiel Aggressionen oder Nervosität.
  5. Es wird einsam um mich herum“ – Das wichtigste im Leben von Suchtkranken ist die Befriedigung von Sucht. Alles andere, sei es die Familie, der Beruf oder die Hobbies, verlieren an Bedeutung.
  6. Ich brauche immer mehr“ – Um denselben positiven Effekt bei sich zu erzielen, muss die Dosis im Laufe der Zeit erhöht werden. Das heißt, Sie müssen immer mehr von ihrem Suchtmittel konsumieren bzw. ihrem Sucht-Verhalten immer häufiger nachgehen, um sich anschließend besser zu fühlen.

Wodurch entsteht eine Sucht?

Anders als häufig angenommen, gibt es weder eine typische Persönlichkeit, die eher zu einer Sucht neigt, noch muss das Leben von Betroffenen zwangsläufig schwieriger und unglücklicher verlaufen sein. Auch die Erblichkeit wird häufig betont.

Doch betrachtet man diese am Beispiel der Alkoholabhängigkeit, kann man erkennen, dass lediglich die Alkoholverträglichkeit und die Fähigkeit der Leber, Alkohol abzubauen, erblich sind ( 4 ). Eltern können jedoch durch ihr eigenes Suchtverhalten einen Einfluss auf ihre Kinder haben. Trinken diese beispielsweise häufig Alkohol, neigen auch die Kinder vermehrt dazu, selbst zu trinken.

Viele weitere Faktoren können die Entstehung beeinflussen, darunter unter anderem die folgenden ( 5 ) ( 6 ) ( 7 ):

  1. Geschlecht, Gewicht und gesundheitliche Verfassung: Wer weniger wiegt oder gesundheitlich angeschlagen ist, verspürt bei geringerer Dosis eine Wirkung. Wird das Suchtmittel beispielsweise von Anfang an mit unangenehmen Nebenwirkungen wie Übelkeit in Verbindung gebracht, ist das Risiko, eine Abhängigkeit zu entwickeln, geringer als bei Menschen, die von Natur aus viel „vertragen“ und den Rausch in vollen Zügen genießen.
  2. Art der Konfliktlösung: Wer mit sich selbst zufrieden ist, ein gesundes Konfliktlöseverhalten an den Tag legt (z. B. durch aktives Ansprechen von Problemen) und gesunde Beziehungen eingehen kann, bildet seltener eine Sucht aus. Gesunde Beziehungen zeichnen sich unter anderem durch Vertrauen, Ehrlichkeit und offene Kommunikation aus. Werden Konflikte unter den Tisch gekehrt, fällt es jemandem schwer, Gefühle zu zeigen oder hat gar den Zugang dazu verloren, sucht dieser eher Zuflucht in Rauschmitteln oder Sucht-Verhalten.
  3. Persönliches Umfeld: Menschen, die sozial gut eingebunden sind, einen erfüllenden Job haben oder sich in ihrem schulischen Umfeld wohl und gut aufgehoben fühlen, neigen weniger dazu, eine Sucht auszubilden. Dasselbe gilt auch für Menschen, die ein aktives Freizeitleben führen (z. B. in einer Gruppe Sport betreiben) und den Rückhalt ihrer Familie spüren.
  4. Einstellung zu Suchtmitteln: Wer sich häufig in Gesellschaft aufhält, in der gern und viel Alkohol getrunken wird und in der die Folgen möglicherweise verharmlost werden, neigt auch selbst eher dazu, sich an den Alkoholgenuss zu gewöhnen. Dies gilt auch für andere Suchtmittel und Verhaltensweisen.
  5. Negative Verstärkung: Das bedeutet, dass eine Verhaltensweise mit höherer Wahrscheinlichkeit wieder gezeigt wird, wenn sie einen unangenehmen Zustand beendet oder reduziert. Häufig empfinden Betroffene Angst, Anspannung, Traurigkeit oder Langeweile, die für die Zeit der Suchtbefriedigung etwa durch Essen, Glücksspiel oder Alkoholkonsum kurzfristig weniger oder gar nicht mehr empfunden werden.
  6. Vorliegen einer psychischen oder körperlichen Erkrankung: Sucht kann auch als Mittel zur „Selbstmedikation“ entwickelt werden. Leidet eine Person etwa an einer Depression oder Angststörung, kann versucht werden, diese etwa mit exzessiver Internetnutzung oder Glücksspiel selbst zu „behandeln“. Etwa der Hälfte aller Suchterkrankungen liegen psychische Probleme zugrunde. Auch somatische Erkrankungen, also körperliche Symptome, die nicht durch eine körperliche Erkrankung erklärt werden können, wie etwa Kopf- oder Rückenschmerzen, können dazu führen, dass Betroffene versuchen, diese durch eine Sucht erträglicher zu gestalten.

Was Sucht mit der „Suche“ zu tun hat (Rüdiger Dahlke)

Der ganzheitliche Mediziner Rüdiger Dahlke sieht einen engen Zusammenhang von Sucht und Suche. So ist der Mensch im Laufe seines Lebens ein Reisender oder Suchender – er sucht das, nach dem er sich tief im Inneren wirklich sehnt. Auf dieser Reise wird er einer Reihe an Prüfungen und Gefahren ausgesetzt. Lässt er sich davon abschrecken und projiziert das eigentliche Ziel seiner Suche auf etwas, das er auf seinem Weg gefunden hat – etwa den Alkohol, das Essen oder Zigaretten - wird er süchtig.

Dahlke beschreibt das Suchtverhalten als Ersatzziel, das den Hunger nach dem eigentlichen Ziel aber nie stillen kann. Durch Angst, Bequemlichkeit und Verblendung wird dennoch an der Sucht festgehalten. Der Betroffene gesteht sich nicht ein, dass er eigentlich weitersuchen müsste.

So sehnt sich beispielsweise der Alkoholiker nach einer konfliktfreien, heilen Welt. Er ist jedoch nicht bereit, bewusst in die Konflikthaftigkeit des Lebens zu gehen und sie zu lösen, indem er sich damit auseinandersetzt. Stattdessen betäubt er die Probleme und Konflikte in seinem Leben und spült sie mit dem Alkohol runter. Durch den Alkohol ist er also kurzfristig in der heilen Welt, nach der er sich im wirklichen Leben sehnt ( 8 ).

Welche Therapieform für welche Sucht geeignet ist

Je nach Sucht gibt es unterschiedliche Therapieformen. Ein Entzug von Substanzen, die schwere körperliche oder psychische Entzugserscheinungen auslösen, sollte am besten in einer Suchtklinik erfolgen. Dazu zählen etwa Alkohol, Benzodiazepine, Opioide, Barbiturate oder Kokain. Vor allem das Absetzen von Alkohol kann lebensgefährlich werden, wenn es zum sogenannten „Alkoholdelir“ mit Symptomen wie Krampfanfällen oder Halluzinationen kommt. Durch die Einnahme von Medikamenten können die Entzugserscheinungen jedoch gezielt reduziert werden.

Auch bei Verhaltenssüchten ist eine stationäre Therapie möglich, jedoch nicht unbedingt notwendig - hier kann etwa die kognitive Verhaltenstherapie (siehe unten) mit regelmäßigen Einheiten beim Psychotherapeuten gute Erfolge erzielen.

Wie ein Entzug von Alkohol, Drogen und Medikamenten abläuft

Ein stationärer Entzug in einer auf Sucht spezialisierten Klinik verläuft in zwei Phasen:

1. Körperlicher Entzug: Bei einem Alkoholentzug dauert es etwa 3-7 Tage, bis die Entzugserscheinungen abgeklungen sind, wobei zur Linderung häufig Medikamente verabreicht werden (z. B. zur Schmerzlinderung oder Krampflösung).

In vielen Entzugseinrichtungen wird zusätzlich zur körperlichen Entgiftung ein psychosoziales Unterstützungsprogramm angeboten, um Betroffene dazu zu motivieren, weitere Hilfe in Anspruch zu nehmen und dauerhaft abstinent zu bleiben. Dieses beinhaltet etwa Gruppentherapien, Informationsveranstaltungen oder Maßnahmen zur Entspannung und Ablenkung. Je nach Art der Entzugsbehandlung dauert diese etwa 1-2 Wochen.

2. Entwöhnungsbehandlung: Ohne weitere Behandlung nach dem Entzug sind die Chancen, dauerhaft abstinent zu bleiben, gering. Denn ohne Alkohol, Drogen oder Medikamente realisieren Betroffene häufig erst, welche Probleme durch ihre Sucht entstanden sind oder schon vorher bestanden haben.

Daher soll im Rahmen der mehrwöchigen Entwöhnungsbehandlung an den Ursachen und dem Umgang ohne das Suchtmittel gearbeitet werden. Warum wurde zum Suchtmittel gegriffen und welche Alternativen gibt es dazu? Bestehen möglicherweise zusätzliche kräftezehrende Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen? Wie ist das soziale Umfeld des Betroffenen beschaffen und litt möglicherweise schon ein Elternteil an einer Sucht?

Wie es nach dem Entzug weitergeht

Nach der stationären Therapie sollte eine ambulante Therapie mit regelmäßigen Einheiten beim Psychotherapeuten sowie die Teilnahme an therapeutisch geleiteten Selbsthilfegruppen erfolgen. Denn das sogenannte „Suchtgedächtnis“ macht es möglich, dass es auch nach längerer Zeit der Abstinenz zu einem Rückfall kommen kann. Dabei merkt sich das Gehirn, in welchen Situationen das Suchtmittel eine angenehme Wirkung verursacht hat und zeigt ein Verlangen danach.

Wie bei den einen der Anblick oder Duft eines guten Essens das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt, können bei Menschen, die alkohol- oder medikamentenabhängig sind, frühere Situationen, in denen das Suchtmittel konsumiert wurde (z. B. bei Stress) zu einer Reihe körperlicher Reaktionsweisen und einer starken Sehnsucht danach führen.

Kognitive Verhaltenstherapie bei einer Sucht

Kognitive Verhaltenstherapie – eine Form der Psychotherapie – ist das Mittel der Wahl bei der Behandlung von Süchten. Dabei werden etwa bei Verhaltenssüchten die übermäßigen Verhaltensweisen (z. B. das Videospielen) genau analysiert:

In welchen Situationen tritt das Verhalten der Sucht auf? Wann tritt es nicht auf? Und welche Konsequenzen hat das Verhalten kurz – oder langfristig? Schritt für Schritt wird das Verhalten reduziert und parallel nach alternativen Aktivitäten gesucht, die den Betroffenen helfen, unangenehme Gefühle zu reduzieren und angenehme Gefühle auf nicht-schädigende Weise herbeizuführen (z. B. Ersetzen von Videospielen durch Outdoor-Aktivitäten).

Außerdem wird an den Ursachen der Sucht gearbeitet. So können Unsicherheiten im Kontakt mit anderen Menschen ein Grund sein, der dazu führt, sich eher online zu bewegen statt in der Realität.

EMDR erfolgreich bei der Behandlung einer Sucht

EMDR ( Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist eines der effektivsten Verfahren zur Behandlung von Traumafolgestörungen, bei dem ein belastendes Ereignis durch die Stimulation beider Gehirnhälften (z. B. durch Augenbewegungen) verarbeitet werden soll. Der Patient soll sich an das traumatische Erlebnis (z. B. die Trennung der Eltern) erinnern und folgt dabei den Fingern des Therapeuten mit den Augen, während dieser seine Hand auf Augenhöhe abwechselnd nach rechts und links bewegt. Dies soll dazu führen, dass die belastende Erinnerung Stück für Stück verblasst und die Symptome des Traumas aufgelöst werden ( 9 ).

In einer Studie wurde gezeigt, dass zwei Einheiten mit EMDR zusätzlich zur Entzugsbehandlung das Verlangen nach Alkohol reduzieren konnten und sich somit auch zur Therapie einer Sucht anbieten könnten. Man nimmt an, dass die Bildung des Suchtgedächtnisses jener des Traumagedächtnisses ähnelt.

Anstatt der Erinnerung eines traumatischen Erlebnisses sollen sich die Teilnehmer an Rückfälle und das intensive Verlangen nach Alkohol erinnern. Dadurch soll das Suchtgedächtnis aktiviert werden und ähnlich wie beim Traumagedächtnis die Erinnerungen allmählich verblassen und die Symptome (in diesem Fall das Verlangen) im Laufe der EMDR-Sitzungen reduziert werden ( 10 ).

Sowohl kognitive Verhaltenstherapie als auch EMDR werden von Psychotherapeuten, Ärzten mit psychotherapeutischer Ausbildung oder von Heilpraktikern für Psychotherapie angeboten, die sich auf das jeweilige Gebiet spezialisiert haben.

Naturheilkundliche Methoden bei einer Sucht

Neben klassischen Therapiemöglichkeiten existieren eine Reihe naturheilkundlicher Mittel und Methoden, die bei einer Sucht bzw. im Entzug erstaunliche Wirkungen erzielen können und begleitend eingesetzt werden können.

Kudzuwurzel bei Sucht nach Alkohol

Kudzu (Pueraria lobata) ist in Ostasien heimisch und wird bereits seit fast tausend Jahren bei Alkoholmissbrauch und Alkoholvergiftung eingesetzt. Seitdem kommt die Pflanze bei Fieber, Durchfall, Brechreiz sowie als schweißtreibendes und blutdrucksenkendes Mittel zur Anwendung. Tierstudien zeigten, dass einige in der Kudzuwurzel enthaltene Wirkstoffe – darunter Daidzin, Daidzein und Puerarin – bei der Sucht nach Alkohol hilfreich sein könnten, da sie zu einer Verringerung des Alkoholkonsums führten ( 11 ).

Auch klinische Studien am Menschen bestätigten diese Ergebnisse ( 12 ) ( 13 ). Eine Studie zeigte, dass sich nach 4 Wochen Behandlungsdauer ein durchschnittlicher Konsum von 28 alkoholischen Getränken pro Woche um 34-57% reduzierte. Die Teilnehmer nahmen dreimal täglich je zwei Kudzu-Kapseln (mit je 500 mg Kudzu-Extrakt) ein - insgesamt also 3000 mg Kudzu pro Tag (morgens zwischen 6 Uhr und 8.30 Uhr, nachmittags zwischen 14 Uhr und 16.30 Uhr und abends zwischen 21 Uhr und 23.30 Uhr). Das Präparat stammte von der Marke Natural Pharmacia International (auf ihrer Homepage wird es als Alkontrol Herbal bezeichnet, ist aber im Handel unseres Wissens nach nicht erhältlich) ( 12 ).

Erfahrungsberichten zufolge sollen Kudzu-Kapseln auch bei der Raucherentwöhnung helfen. Durch die Einnahme sollen sich Entzugserscheinungen wie Reizbarkeit und innere Unruhe sowie das Verlangen nach Zigaretten verringern.

Kava reduziert Verlangen nach Suchtmittel

Kava ( Piper methysticum) – auch Rauschpfeffer genannt - wird häufig von Inselbewohnern des pazifischen Raumes sowie von australischen Ureinwohnern zur Behandlung von Schlaflosigkeit oder Angststörungen verwendet. Außerdem wird es in der Volksmedizin zur Alkohol- und Raucherentwöhnung eingesetzt.

Sogenannte Kavalactone sind dabei für die positiven Effekte der Pflanze verantwortlich. Diese haben sowohl muskelentspannende und schmerzhemmende als auch angst- und krampflösende Eigenschaften. Außerdem beeinflussen sie Neurotransmitter (Noradrenalin und Dopamin), die eine bedeutende Rolle bei der Aufrechterhaltung einer Sucht spielen ( 11 ).

Teilnehmer einer Studie berichteten von geringerem Verlangen nach Alkohol, Tabak, Kokain und Heroin durch die Einnahme dieser Pflanze ( 14 ). Kava birgt selbst bei höheren Dosen (400 bzw. 600 mg) kein Suchtpotential, die empfohlene Tagesdosis bei einer Sucht liegt jedoch bei 60-120 mg ( 15 ) ( 16 ).

Kava-haltige pflanzliche Arzneimittel sind seit 2019 in Deutschland, der Schweiz und Österreich verboten, da sie im Verdacht stehen, Leberschäden zu verursachen. Eine genauere Untersuchung zeigte jedoch, dass für den Großteil der Schäden andere Ursachen ausschlaggebend waren (Medikamente, Alkohol, Hepatitis-Infektionen). In Deutschland gibt es daher nur mehr homöopathische Kava-Mittel ab der Potenz D5 zu kaufen. Ganz anders dagegen sieht es in Amerika aus. Dort gibt es mittlerweile sogar unzählige Bars, in denen Getränke mit Kava angeboten werden. Auch in Neuseeland und Australien ist Kava frei erhältlich. Für LeserInnen aus diesen Regionen ist Kava daher eine Option.

Tabernanthe iboga und Voacanga africana bei Sucht nach Drogen?

Tabernanthe iboga (kurz auch Iboga genannt) und Voacanga africana (auch als Voacangastrauch bekannt) gehören zur Familie der Hundsgiftgewächse und sind in der traditionellen afrikanischen Medizin weit verbreitet. Sie werden in niedrigen Dosen gegen Müdigkeit und Hunger und in höheren Dosen für religiöse Rituale verwendet oder um Nahtod-Erfahrungen auszulösen.

Das in den beiden Pflanzen enthaltene Halluzinogen Ibogain hat in den letzten Jahren aufgrund seiner Anti-Sucht-Wirkung für großes Interesse gesorgt. So soll dadurch die langfristige Drogenabstinenz von Heroin, Psychostimulantien und Kokain gefördert werden. Erfahrungsberichte belegen, dass schon eine einzige Dosis davon Entzugserscheinungen und das Verlangen nach Drogen für längere Zeit beseitigen kann.

Eine vorläufige Untersuchung von Teilnehmern mit Sucht nach Opiaten zeigte, dass diese keine nennenswerten Entzugserscheinungen zeigten und drei der sieben Teilnehmer 14 Wochen nach der Einnahme von Ibogain immer noch abstinent blieben (die Dosis lag zwischen 700 mg und 1800 mg) ( 17 ).

In Tierversuchen wurde auch das Verlangen nach Kokain und Morphium reduziert ( 18 ) ( 19 ). Die Wirkweise von Ibogain hängt mit der veränderten Freisetzung von Neurotransmittern zusammen, die mit Drogenmissbrauch in Verbindung gebracht wird. Da eine Überdosierung der Pflanzen tödlich sein kann, sollte diese nur unter medizinischer Aufsicht konsumiert werden.

Kamillentee wirkt beruhigend und lindert Übelkeit

Die Kamille ist ein natürliches Beruhigungs- und Entspannungsmittel, das dabei hilft, das Verlangen nach Alkohol zu reduzieren. Ihre heilenden Eigenschaften können bei einem Entzug außerdem das Verdauungssystem beruhigen und Übelkeit lindern. Um Kamillentee zuzubereiten, verwenden Sie die getrockneten Blüten der Pflanze. Übergießen Sie einen Esslöffel der Kamillenblüten mit heißem Wasser und lassen Sie den Tee etwa drei Minuten ziehen. Seihen sie die Blüten anschließend ab und trinken Sie 1-3 Tassen pro Tag. Die positive Wirkung entfaltet sich, wenn Sie den Tee regelmäßig trinken ( 20 ).

Bei Sucht: Homöopathie wirkt unterstützend

In einem Modellprojekt im Vivantes Klinikum Spandau wurden 72 Patienten, die an einer Sucht litten – 29 davon mit der Hauptdiagnose Alkoholabhängigkeit - sowohl im stationären als auch im ambulanten Setting homöopathisch behandelt. Am häufigsten wurden die homöopathischen Mittel Arsenicum album und Lycopodium clavatum eingesetzt.

Bei akutem Alkoholentzugssyndrom mit ängstlicher Unruhe, Zittern und Schwäche wurde Arsenicum album häufig erfolgreich eingesetzt.

Der Lycopodium-Patient zeichnet sich durch eine narzisstisch-depressive Struktur aus, die in vielen Fällen bei chronisch-alkoholkranken Menschen vorhanden ist. Bei Symptomen, die auf die Entwicklung eines Delirs hinweisen (dazu zählen u.a. Schwitzen, Zittern und Schlafstörungen) oder bei schweren Unruhezuständen war vor allem eine Verabreichung von Arsenicum album, Nux vomica und Belladonna von erstaunlicher Wirksamkeit ( 21 ).

Um einen Erfolg in der Behandlung zu erzielen, sollte das passende Mittel jedoch von einer fachlich geschulten Person ausgewählt werden. Bei der Selbstbehandlung wird empfohlen, die Potenz C12 zu verwenden. 2-3 Globuli können bis zu vier Mal am Tag eingenommen werden. Lassen Sie diese im Mund zergehen und essen und trinken Sie am besten 15 Minuten vor und nach der Einnahme nichts ( 22 ).

Der Vollständigkeit halber: Die Homöopathie zählt (genau wie die im Folgenden erwähnte Akupunktur) nicht zu jenen Heilverfahren, die die Kriterien der evidenzbasierten Medizin erfüllen.

Akupunktur bei Sucht reduziert Entzugserscheinungen

Seit vielen Jahrzenten wird Akupunktur bei der Behandlung von Substanzabhängigkeit eingesetzt. Schon 1972 entdeckte ein Neurochirurg durch Zufall, dass Patienten, die an einer Sucht litten, nach der Akupunktur kein Verlangen nach Drogen und Alkohol mehr hatten. Dies wurde später auch in einer Studie an 40 opioidabhängigen Personen bestätigt. Auch neuere Untersuchungen zeigen, dass Akupunktur im Vergleich zu anderen Substanzen die beste Wirkung beim Entzug von Opioiden hat.

Die ursprünglich angewandte Ganzkörperakupunktur wurde schließlich von Dr. Michael Smith zur Ohr-Akupunktur mit fünf Akupunktur-Punkten in der Ohrmuschel weiterentwickelt und erfolgreich bei Patienten, die an einer Sucht nach Drogen litten, angewandt. Heute stellt sie eine bewährte Behandlungsmethode für Entzugssymptome dar und wird in vielen Behandlungszentren in Europa und der USA angeboten.

Ernährung bei Sucht: Ketogene Diät hilft

Auch die Ernährung kann bei einer Sucht bzw. beim Entzug hilfreich sein, z. B. die ketogene Diät. Bei der ketogenen Ernährung wird ein Großteil der Kalorien in Form von Fetten verzehrt (75 bis 90 Prozent). Ein mäßiger Teil wird in Form von Proteinen zu sich genommen (so viel, wie zur Proteinbedarfsdeckung notwendig ist) und ein kleiner Teil in Form von Kohlenhydraten (5 bis 10 Prozent bzw. maximal 50 g Kohlenhydrate).

Eine neuere Studie zeigt, dass Acetat – ein Nebenprodukt des Alkoholstoffwechsels - und der Glukosestoffwechsel bei der Entstehung von Entzugserscheinungen eine wichtige Rolle spielen. Bei alkoholkranken Menschen ist der Glukose-Stoffwechsel im Gehirn reduziert. Daher ging man lange davon aus, dass bei Alkoholabhängigkeit eine verringerte Gehirnaktivität besteht. Acetat kann bei regelmäßigem Alkoholkonsum jedoch als alternative Energiequelle die Glukose ersetzen.

Durch einen Entzug steht nun plötzlich viel weniger Acetat zur Verfügung, während der Glukose-Stoffwechsel erst langsam wieder einsetzt und ein kurzfristiger Mangel entsteht. Dadurch kommen Entzugserscheinungen wie Angstgefühle, Zittern oder ein starkes Verlangen nach Alkohol zustande.

Durch die ketogene Ernährung erhöhen sich durch den Abbau von Fettsäuren sogenannte Ketonkörper im Blut und im Gehirn. Diese können von Körper und Gehirn als alternative Energiequelle zu Glukose verwendet werden und somit die Entzugserscheinungen reduzieren.

An 19 stationären Patienten mit Alkoholabhängigkeit konnte gezeigt werden, dass durch ketogene Ernährung während des körperlichen Entzugs weniger Benzodiazepine (Psychopharmaka, die Entzugserscheinungen lindern) gebraucht wurden als in der Kontrollgruppe, die die Standarddiät erhielten ( 23 ). Auch in einer Studie an Ratten führte die Diät zu einer Reduktion der Entzugserscheinungen ( 32 ).

Da Fette einen Großteil dieser Ernährungsform ausmachen, sollte unbedingt darauf geachtet werden, gesunde Fette zu sich zu nehmen, z. B. Nüsse und Nussmuse, Ölsaaten wie Kürbiskerne oder Sonnenblumenkerne, Avocados und Oliven oder kaltgepresste Öle wie Leinöl oder Walnussöl.

Weitere Möglichkeiten, wie Sie Ihren Körper unterstützen können

Durch die Belastung einer langjährigen Sucht braucht Ihr Körper Unterstützung auf allen Ebenen, um sich wieder regenerieren zu können.

Vitamine und Mineralstoffe bei Sucht

Eine Sucht, z. B. nach Alkohol, Koffein, Schmerzmitteln oder Heroin kann die Verdauungsprozesse schädigen, sodass Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren schlechter aufgenommen werden können. Somit erhält auch das Gehirn weniger Nährstoffe und es kommt zu mehr Entzugssymptomen. Vor allem B-Vitamine, antioxidative Vitamine (Vitamin A, Vitamin E und Vitamin C ), Vitamin D sowie die Aminosäuren Tyrosin und Tryptophan spielen eine bedeutende Rolle ( 24 ) ( Kürbiskerne ). Konkrete Dosierungen dieser einzelnen Stoffe sind jedoch leider nicht bekannt.

Da sich Menschen, die mit einer Sucht Probleme haben, jedoch häufig auch einseitig ernähren oder generell zu wenig essen, sollten zunächst mögliche Mängel überprüft werden, die dann mit individuell passenden Dosen gezielt behoben werden können.

Bei Sucht Leber stärken

Da die Leber wichtig für die Entgiftung ist und bei regelmässigem Substanzkonsum stark belastet wird, kann diese mit bitteren Heilpflanzen wie Mariendistel, Artischocke oder Löwenzahn unterstützt werden.

Probiotika und Präbiotika

Die Unterstützung des Darms spielt eine bedeutende Rolle bei Süchten. So konnten Probiotika in einer Tierstudie die Toleranz für Opioide senken – die Mäuse benötigten also eine geringere Dosis für denselben schmerzstillenden Effekt ( 26 ). Durch Präbiotika gingen Depressions- und Suchtsymptome sowie Darmdurchlässigkeit und Leberschäden zurück ( 27 ). Während der Begriff Probiotika die für unsere Gesundheit förderlichen Bakterienstämme im Darm bezeichnet, ist mit dem Wort Präbiotika die Nahrung (z. B. Zwiebeln, Pastinaken) gemeint, die diese Bakterienstämme benötigen.

*Hier erhalten Sie eine kombinierte Kur für den Darm. Sie besteht aus einem Probiotikum und einem Präbiotikum ( Inulin ).

Gesunde Ernährung und Bewegung

Um den Körper bestmöglich bei der Erholung von einer Sucht zu unterstützen, achten Sie darauf, viel frisches Gemüse und Obst sowie hochwertige Fette und Proteine aus pflanzlichen Quellen zu sich zu nehmen. Auch Bewegung, vor allem an der frischen Luft, bringt die Entgiftungsorgane wie Leber und Niere in Schwung.

Entspannung

Entspannungstraining kann Entzugserscheinungen lindern sowie die Selbstwirksamkeit erhöhen. Hilfreich können etwa autogenes Training oder die progressive Muskelentspannung nach Jacobson sein ( 28 ).

Psychedelika in der Suchttherapie

Psychedelika sind halluzinogen wirkende Substanzen, die in höheren Dosen zu einer Art Rauschzustand oder verändertem Bewusstsein führen können. In den letzten Jahren wuchs das Interesse am Einsatz solcher Substanzen in der Psychotherapie. Vor allem für psychische Erkrankungen, bei denen klassische Therapieformen oftmals wenig erfolgsversprechend sind – dazu zählt auch die Sucht - stellen Psychedelika eine vielversprechende Alternative dar. Denn sie fördern die Offenheit und Phantasie sowie die Entstehung neuer Perspektiven und versetzen Menschen, die an einer Sucht leiden, in die Lage, sich eher Herausforderungen und Erinnerungen zu stellen und mit mehr Widerstandskraft darauf zu reagieren.

Mit Ecstasy die Psyche stärken

Studien der letzten Jahre zeigten, dass die überwachte Einnahme von MDMA (auch als Ecstasy bekannt) während der Psychotherapie wirksam bei schwerer und chronischer posttraumatischer Belastungsstörung ist.

Dennoch ist zu beachten, dass Überdosierungen dieser Substanz zu psychischen und körperlichen Schäden führen können. Daher sollte eine Therapie dieser Art nur unter medizinischer Aufsicht erfolgen ( 29 ).

Ayahuasca, Magic Mushrooms und Peyote im Einsatz gegen die Sucht

Einige Psychedelika wurden auch bei Süchten erforscht. Dazu zählen unter anderem Psilocybin (Stoff aus Magic Mushrooms), Ayahuasca (Amazonas Schlingpflanze mit dem Wirkstoff Dimethyltryptamin (DMT)) und Peyote (Kaktus mit dem Wirkstoff Meskalin).

Psilocybin

Psilocybin ist der psychoaktive Inhaltsstoff der „Magic Mushrooms“. Der Stoff könnte eine Hilfe im Entzug sein. Er zeigte bei schweren Depressionen zusammen mit einer Psychotherapie signifikante, schnelle und anhaltende Effekte. Dabei wurden keine ernsthaften Nebenwirkungen beobachtet.

Auch bei Süchten – sowohl bei Nikotinsucht als auch bei Alkoholsucht – zeigten Studien mit Psilocybin gute Erfolge. So waren in einer Untersuchung 75 % der nikotinabhängigen Teilnehmer, die Psilocybin zusammen mit kognitiver Verhaltenstherapie erhielten, nach 2,5 Jahren noch immer abstinent. Bei Alkoholsucht tranken die Teilnehmer nach 12 Wochen Psychotherapie und Psilocybin deutlich weniger und verspürten auch ein geringeres Verlangen nach Alkohol ( 30 ).

Auch dieser Stoff sollte nur vom begleitenden Arzt verordnet und seine Einnahme entsprechend kontrolliert erfolgen, da falsche Dosierungen durchaus zu Nebenwirkungen führen können.

Peyote

Der halluzinogene Kaktus ist in Mexiko heimisch und gilt als zentrales Element bei Ritualen der größten Glaubensgemeinschaft nordamerikanischer Indianer – der Native American Church. Vor etwa 30 Jahren wurde er auch im Programm des Public Health Hospital in Oklahoma zur Behandlung von Alkoholsucht aufgenommen. Peyote soll unter anderem die Fähigkeit haben, die Einstellung des Betroffenen gegenüber Alkohol zu verändern.

Ayahuasca

Eine vorläufige Beobachtungsstudie aus Kanada zeigte, dass eine Kombination aus einer Gruppenberatung über vier Tage und zwei Ayahuasca-Zeremonien zu einer selbstberichteten Reduktion von Alkohol-, Tabak– und Kokainkonsum führte. Zudem berichteten die Teilnehmer von allgemein positiven und dauerhaften Veränderungen sowie mehr Hoffnung, Achtsamkeit, Lebensqualität und Selbstbestimmung ( 31 ).

Wo psychedelika-unterstützte Therapien angeboten werden

Derzeit dürfen lediglich in der Schweiz im Rahmen von Ausnahmebewilligungen psychedelika-unterstützte Therapien durchgeführt werden. In Deutschland und Österreich hingegen ist dies noch nicht möglich. Zu Psychotherapien unter der Gabe von LSD oder MDMA ist unter anderem der Schweizer Psychiater Peter Gasser berechtigt. Bewilligungen werden jedoch nur in der Schweiz wohnhaften Personen erteilt.

Da die Forschung zu Psychedelika derzeit in vollem Gange ist, können Sie eine Therapie dieser Art auch in Form einer Studienteilnahme in Anspruch nehmen. Auch in anderen Ländern werden psychedelika-unterstützte Therapien angeboten - so auch in einer Entzugsklinik in Serbien, in der mit Ayahuasca gearbeitet wird oder im Centro Takiwasi im peruanischen Amazonasgebiet.

Ayahuasca-Zeremonien werden auch in Österreich, der Schweiz und in Deutschland angeboten. Diese sind jedoch nicht therapeutisch begleitet. In Österreich ist Ayahuasca im Rahmen von religiösen Ritualen legal und wird beispielsweise von „ Spirit & Vision“ angeboten. Die Zeremonien werden nach Vorbild der Amazonas-Schamanen durchgeführt. In Deutschland und der Schweiz befindet sich die Rechtslage betreffend Ayahuasca im Graubereich. Die Pflanze ist nicht verboten, jedoch das darin enthaltene DMT. Dennoch werden auch in diesen beiden Ländern Ayahuasca-Zeremonien angeboten.

Wo Sie Hilfe bei einer Sucht finden

Wollen Sie als Betroffener Hilfe in Anspruch nehmen, können Sie sich an Ihren Hausarzt, an eine Sucht- und Drogenberatungsstelle oder eine Klinik mit einer Spezialisierung auf Sucht wenden. Auch von der Organisation Caritas gibt es in jeder Stadt oder größeren Gemeinde Suchtberatungsstellen.

Mithilfe der folgenden Adressen können Sie eine Suchtberatungsstelle in Ihrer Nähe finden:

  1. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen
  2. Österreichischer Suchthilfekompass
  3. Schweizerische Koordinations- und Fachstelle Sucht


Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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Quellen
  1. 1) Sucht. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik. Abgerufen am 9.6.2022.
  2. (2) 6 Merkmale, an denen Sie eine Sucht erkennen. Diakonie Düsseldorf. Abgerufen am 9.6.2022.
  3. (3) Leucht, S., Förstl, H., & Bäuml, J. (2012). Kurzlehrbuch Psychiatrie und Psychotherapie. Stuttgart: Thieme.
  4. (4) Lindenmeyer, J. (2016). Lieber schlau als blau (9. überarbeitete Auflage). Beltz Psychologie Verlags Union.
  5. (5) Substanzkonsum. Psyberlin. Abgerufen am 9.6.2022.
  6. (6) Verhaltenssucht. Psyberlin. Abgerufen am 9.6.2022.
  7. (7) Suchtdreieck. My Way Betty Ford Klinik. Abgerufen am 9.6.2022.
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