Nebenwirkungen von Blutdruckmedikamenten (Betablocker)

Blutdruckmedikamente: Ursache für Lungenkrebs?

  • Autor: Carina Rehberg
  • aktualisiert: 27.10.2018
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Blutdruckmedikamente: Ursache für Lungenkrebs?
© gettyimages.de/Zbynek Pospisil

Viele Menschen nehmen Medikamente gegen Bluthochdruck. Wie alle Medikamente muss man mit Nebenwirkungen rechnen. Mit Krebs als möglicher Nebenwirkung will man die Patienten dann aber doch nicht belasten. Und so kam es im Sommer 2018 zu zahlreichen Rückrufen, weil man in manchen Blutdruckmedikamenten (Valsartan) krebserregende Verunreinigungen gefunden hatte. Wenige Monate später stellte sich heraus, dass andere Blutdrucksenker ganz ohne Verunreinigung krebserregend sein können. Die sogenannten ACE-Hemmer sollen Lungenkrebs begünstigen.

Inhaltsverzeichnis

Was verursacht Bluthochdruck?

Ein Viertel der Weltbevölkerung soll an zu hohem Blutdruck leiden. In Deutschland sind es allein 20 bis 30 Millionen Betroffene. Fast alle lassen sich deshalb behandeln und nehmen Blutdrucksenker ein. Denn Bluthochdruck gilt als Risikofaktor Nr. 1 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – und diese wiederum zählen zu den häufigsten Todesursachen.

Warum so viele Menschen an Bluthochdruck leiden, ist nicht bekannt. Allerdings liegt der dringende Verdacht nahe, dass die üblichen beklagenswerten Lebensumstände (Übergewicht, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkohol) den hohen Blutdruck in jedem Falle mitbedingen, denn ändert man diese „Umstände“, sinkt der Blutdruck meist zuverlässig in die erwünschten Bereiche.

Welche Blutdrucksenker gibt es?

Nicht wenige Betroffene wünschen sich einfach eine Tablette zum Einnehmen, denn aufwändige Änderungen des Lebensstils sind nicht jedermanns Sache. Leider genügt in vielen Fällen eine einzelne Tablette nicht mehr. Daher kombinieren Ärzte immer häufiger zwei oder mehr Mittel, um den Blutdruck zu senken.

Zur Auswahl stehen die folgenden Blutdrucksenker-Kategorien:

  • ACE-Hemmer
  • AT1-Rezeptor-Antagonisten (auch Sartane genannt)
  • Betablocker
  • Calcium-Antagonisten
  • Diuretika
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Warum wirken Blutdrucksenker manchmal nicht?

Doch auch Kombinationen unterschiedlicher Blutdrucksenker wirken nicht immer, und schnell ist von therapieresistentem Bluthochdruck die Rede. Eine Bleibelastung könnte – so eine aktuelle Studie vom Oktober 2018 – bei manchen Betroffenen dafür verantwortlich sein, was zeigt, wie wenig man bis heute noch über die möglichen Ursachen des Bluthochdrucks weiss und wie sinnvoll es gleichzeitig wäre, über die aus ganzheitlicher Sicht so oft empfohlene Entgiftung nachzudenken.

Zu den Ursachen des therapieresistenten Bluthochdrucks zählt man ausserdem recht häufig die fehlerhafte Verordnung des jeweiligen Arztes, der gerade bei einer Kombination verschiedener Blutdrucksenker die einzelnen Mittel oft in zu geringer Dosis verschreibt, obwohl man hier (laut der entsprechenden Leitlinie) zu den jeweiligen Maximaldosen greifen sollte.

Je höher die Dosis, umso höher natürlich auch die Gefahr von Nebenwirkungen. Diese zählen sodann auch zu einer weiteren Ursache „therapieresistenten“ Blutdrucks. Denn wer an Nebenwirkungen leidet, setzt gerne eigenmächtig seine Tabletten ab, kommuniziert dies nicht unbedingt seinem Arzt und wird weiter hohen Blutdruck haben (wenn er sonst nichts ändert).

Welche Nebenwirkungen können Blutdrucksenker verursachen?

Diuretika beispielsweise können die Mineralstoffspiegel im Blut senken, so dass es zu Symptomen eines Magnesium- oder Kaliummangels kommen kann. Auch können sie – genau wie Betablocker – die Blutfett- und Blutzuckerwerte verschlechtern. Die Liste der Betablocker-Nebenwirkungen enthält ferner Durchblutungsstörungen, Schwindel, Durchfall und kalten Händen und Füssen.

Bei Calciumantagonisten kann es zu Kopfschmerzen und Wassereinlagerungen kommen und bei ACE-Hemmern zusätzlich zu chronischem Reizhusten. Wird letzterer zu hartnäckig, soll man auf Sartane (AT1-Rezeptorblocker) ausweichen, heisst es. Diese jedoch führen relativ häufig zu Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit und galten ferner lange Zeit als krebserregend, was man inzwischen widerlegen konnte – wenn sie nicht gerade mit krebserregenden Substanzen verunreinigt sind, wie im Medikamentenskandal vom Sommer 2018 geschehen.

Können Blutdrucksenker das Krebsrisiko erhöhen?

Ganz ohne Verunreinigung sollen jedoch nun die ACE-Hemmer das Krebsrisiko erhöhen können, nämlich das von Lungenkrebs – so eine Studie, die im Oktober 2018 im Fachjournal The BMJ veröffentlicht wurde. ACE-Hemmer erkennt man an der Endung -pril. Die Wirkstoffe heissen z. B. Ramipril, Captopril, Enalapril oder Lisinopril.

Besonders hoch sei das Lungenkrebsrisiko bei Patienten, die ACE-Hemmer länger als 5 Jahre lang einnehmen, berichten die kanadischen Forscher. Da Blutdrucksenker sehr oft langfristig oder sogar dauerhaft verordnet werden, ist eine fünfjährige Einnahme keinesfalls selten und die neu entdeckte Nebenwirkung führt so zu einer grossen Zahl an Patienten mit nun erhöhtem Lungenkrebsrisiko.

Vielleicht könnte dies auch eine Erklärung dafür sein, warum viele Menschen an Lungenkrebs erkranken, aber nie geraucht haben.

Wie erhöhen ACE-Hemmer das Lungenkrebsrisiko?

ACE-Hemmer verhindern den Abbau des entzündungsfördernden Bradykinin und der sog. Substanz P in der Lunge. Beide Stoffe lassen sich regelmässig auch im Gewebe von Lungentumoren nachweisen. Von Bradykinin weiss man sogar, dass es das Wachstum von Lungenkrebs geradezu stimuliert.

Nach 6 Jahren steigt das Lungenkrebsrisiko um 14 Prozent

Bislang jedoch standen eindeutige Studien zu diesem Zusammenhang aus. Dr. Laurent Azoulay, Professor an der McGill University in Kanada wollte hier Klarheit schaffen und analysierte für seine Studie die Daten von annähernd einer Million Patienten, die zwischen 1995 und 2015 mit der Einnahme von Blutdrucksenkern begonnen hatten. Alle Patienten waren zu diesem Zeitpunkt krebsfrei. Nach Ablauf von etwa 6 Jahren zeigte sich, dass ACE-Hemmer zu einem um 14 Prozent erhöhten Risiko für Lungenkrebs führten.

Man verglich das Lungenkrebsrisiko dabei mit jenem von Patienten, die Sartane nahmen, also nicht etwa mit dem Risiko von Personen, die gar keine Medikamente nahmen.

In der Auswertung wurden andere mögliche Risikofaktoren wie das Alter, Geschlecht, Gewicht, Alkohol- und Nikotinkonsum, bestehende Lungenerkrankungen etc. berücksichtigt, nicht jedoch die Ernährung.

Nach 10 Jahren steigt das Lungenkrebsrisiko um 31 Prozent

Das erhöhte Lungenkrebsrisiko zeigte sich insbesondere nach einer ACE-Hemmer-Einnahme ab 5 Jahren. Nach einer Einnahme von mehr als 10 Jahren war es sogar um 31 Prozent höher als unter Sartan-Einnahme. Natürlich gilt es abzuwägen, ob die Vorteile der ACE-Hemmer im Einzelfall nicht überwiegen, wenn sie den Patienten vor lebensverkürzenden Herz-Kreislauf-Geschehnissen bewahren und stattdessen das Lungenkrebsrisiko ein wenig steigen lassen, das ja nicht umgehend zur Krankheit führen muss.

Was kann man bei Bluthochdruck tun, wenn man Medikamente vermeiden möchte?

Nichtsdestotrotz sollten Studienergebnisse wie das vorliegende insbesondere eines bewirken, nämlich dass Ärzte und Patienten vor einer Medikamenteneinnahme zunächst andere Massnahmen überprüfen und umsetzen, die dann u. U. den Blutdruck ganz ohne Medikamente und so auch ohne Krebsrisiken senken können.

In Studien zeigte sich längst, dass eine Änderung der Lebensweise bei vielen Patienten mindestens genauso gut den Blutdruck senken kann wie Medikamente – nur ohne Nebenwirkungen.

Dazu gehören eine spezifische Ernährung (einen Ernährungsplan finden Sie am Ende des Links), Bewegung, wo erforderlich eine Gewichtsabnahme, Alkohol- und Nikotinabkehr, gezielte und damit individuell angepasste Nahrungsergänzungen sowie ein umfassendes Stressmanagement. Selbst Heilpflanzen können bei Bluthochdruck oft erfolgreich und nebenwirkungsfrei eingesetzt werden.

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Quellen

  • Angiotensin converting enzyme inhibitors and risk of lung cancer: population based cohort study, BMJ, 2018, (Quelle als PDF)
  • EMA untersucht Verunreinigung in valsartanhaltigen Arzneimitteln, Juli 2018, Deutsche Apothekerzeitung, (Quelle als PDF)
  • Blei im Schienbein könnte mit resistentem Bluthochdruck einhergehen, 25.10.2018, Dtsch Arztebl, (Quelle als PDF)