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Durchfall in der 3. Welt

Durchfall in der 3. Welt

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(Zentrum der Gesundheit) - Die amerikanische Gesundheitsbehörde NIH (National Institutes of Health) definiert das Wort Durchfall als ungeformte, wässerige Stühle, die mehr als dreimal pro Tag auftreten.

Als akuten Durchfall wird ein kurzfristig auftretender Durchfall bezeichnet, der weniger als drei Wochen andauert. Von anhaltendem Durchfall spricht man, wenn er länger als vierzehn Tage dauert und unter chronischem Durchfall versteht man ständig wiederkehrende Schübe von Durchfall. Einen durch Infektionen verursachten, blutigen Durchfall bezeichnet man als Dysenterie (früher Ruhr)

Unterschiedliche Arten von Durchfall

Der Schweregrad von Durchfallerkrankungen kann sehr unterschiedlich verlaufen. Durch den teilweise immens hohen Wasserverlust kann der Körper so weit austrocknen, dass die Erkrankung letztlich zum Tode führt.

Ein häufig auftretender oder länger anhaltender Durchfall wirkt sich immer auch auf die gesamtgesundheitliche Situation des Körpers aus und steht oft in direktem Zusammenhang mit der Ernährung.

Dieses Thema findet in medizinischen Kreisen immer mehr Aufmerksamkeit, zum einen weil die Durchfallerkrankung weltweit stark verbreitet ist und zum anderen weil die medizinische Behandlung hohe Kosten verursacht. Die Häufigkeit der Erkrankung kann allerdings durch geeignete Maßnahmen deutlich reduziert werden.

Ursachen von Durchfall

Durchfall hat viele mögliche Ursachen. Die meisten Durchfälle werden allerdings durch eine Infektion verursacht. So konnte z.B. gezeigt werden, dass im ländlichen Bangladesch 86 % aller Durchfälle durch Infektionen verursacht werden. Diese Ursache trifft für den größten Teil der Dritten Welt zu.

Die Infektionen entstehen meist durch schlechte hygienische Verhältnisse, einem verminderten Zugang zu sauberem Wasser und einem mangelnden Verständnis über die Übertragung und Behandlung von Erkrankungen.

Die Darmschleimhaut verändert sich

Unabhängig von der Ursache entsteht der Durchfall immer aufgrund einer Veränderung der Darmschleimhaut. Eine normale Verdauung ist immer dann gewährleistet, wenn ein Gleichgewicht zwischen Flüssigkeit und Nährstoffen im Darm vorliegt. Eine Störung dieses Prozesses kann durch Mikroorganismen, Toxine oder eine falsche Ernährung verursacht werden und führt zu einer veränderten Zusammensetzung des Stuhles.

Auch die Motilität (Beweglichkeit) der Darmwand wird dadurch gestört. Aufgrund der viel zu schnellen Darmpassage kann der Dickdarm nicht genügend Flüssigkeit zurückhalten, woraus ein verstärkter Verlust an Wasser und Nährstoffen resultiert. Dieser Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten kann zur Dehydrierung des betroffenen Menschen führen.

Ein Wasserverlust von 5 % des Körpergewichts, der auf starke Durchfälle zurückzuführen ist, kann zu gravierenden Körperreaktionen führen. Die Symptome reichen von Schwindelanfällen und Herzrasen über Verwirrtheitszustände, bis hin zum Koma. Ein Verlust von 10% des Körpergewichts kann zu einer Azidose, zum Schockzustand und schließlich zum Tod führen.

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Durchfall in Entwicklungsländern

Durchfall ist eine Haupttodesursache in vielen Ländern der Welt, besonders aber in den Entwicklungsländern. Dort sind Kinder am häufigsten von dieser Erkrankung betroffen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt die Ursache für 3,5 Millionen Todesfälle pro Jahr auf Durchfallerkrankungen zurück.
80 % dieser Todesfälle treten bei Kindern unter 5 Jahren auf. Kinder reagieren am empfindlichsten, da bei ihnen bereits ein geringer Flüssigkeitsverlust zu einer starken Dehydrierung führen kann.

Kinder in Entwicklungsländern erleiden durchschnittlich 4-mal im Jahr Durchfall, die meisten dieser Fälle werden durch Magen-Darminfektionen verursacht. Infektiöse Durchfälle tragen erheblich zur Mangelernährung bei, da kaum noch Nährstoffe vom Darm absorbiert werden können. Diese Mangelernährung schwächt das Immunsystems, so dass der Körper weitere Infektionen immer schwerer abwehren kann.

Ernährung verdoppelt das Durchfall-Risiko

Studien haben gezeigt, dass eine schlechte Ernährung das Risiko einer Durchfallerkrankung verdoppeln kann. Darüber hinaus wurde belegt, dass die akuten Durchfälle bei unterernährten Kindern bis zu dreimal länger anhalten.

Der durch den Durchfall bedingte Appetitmangel führt - aufgrund der verminderten Nahrungsaufnahme - wiederum zu einem Nährstoffmangel. Daraus resultiert eine zunehmende Unterernährung, die zu einer deutlichen Beeinträchtigung der geistigen und körperlichen Entwicklung führt.

Auch das überall vorhandene bakteriell verunreinigte Wasser, das zum Kochen, Trinken und Waschen benutzt wird, trägt in Entwicklungsländern sehr zu den immer wieder auftretenden Durchfällen bei.

Das Ernährungsverhalten vor und nach einer Durchfallerkrankung ist sehr wichtig. Dazu gehört auch das Verhalten der Mütter. In den Entwicklungsländern werden immer weniger Kinder gestillt, Sie erhalten somit auch nicht die erforderlichen Nährstoffe über die Muttermilch, so dass sich das Immunsystem dieser Kinder gar nicht erst stabil aufbauen kann.

Sind die Mütter beispielsweise durch Krankheit gezwungen, frühzeitig mit dem Stillen aufzuhören, wird die wertvolle und sterile Muttermilch durch Fertigmilch, Haferschleim oder Getreidegerichte ersetzt, die aber nicht den gleichen Gehalt an Proteinen und Fetten enthalten, wie die Muttermilch. Wenn diese Nahrung dann noch mit verschmutztem Wasser zubereitet wird, ist der Durchfall des Säuglings vorprogrammiert.

Durch ungenügende Kenntnis der Mütter wird den Kindern während einer Durchfallerkrankung oftmals die Nahrung vorenthalten, aus Angst, dass durch die Nahrungsaufnahme die Symptomatik noch verschlimmert wird. Allerdings benötigen gerade diese Kinder nahezu 100% mehr Eiweiße. Die WHO empfiehlt daher während einer akuten Durchfallphase das Stillen beizubehalten, bzw. den Kindern entsprechend nährstoffreiche Nahrung zuzuführen.

Antibiotika scheinbar wirkungslos

Die wichtigste Behandlung bei allen Durchfallerkrankungen ist die Rehydrierung, um die starken Flüssigkeits- und Elektrolytverluste möglichst schnell wieder auszugleichen. Alleine durch diese Maßnahme konnte weltweit die Sterblichkeitsrate bei Durchfallerkrankungen deutlich gesenkt werden. Allerdings muss in allen Fällen der erhöhte Bedarf an Nährstoffen ebenfalls berücksichtigt werden.

Eine Behandlung mit Antibiotika konnte die Sterblichkeitsrate nur in sehr begrenztem Umfang verringern und auch Medikamente, die die Motilität des Darmes herabsetzen, zeigten nahezu keine Wirkung.



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