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Fertigprodukte/Junk Food
McDonald’s vom britischen Gesundheitsminister engagiert

  • Autor: Zentrum der Gesundheit
  • aktualisiert: 03.08.2016
McDonald’s vom britischen Gesundheitsminister engagiert
© Photographee.eu - Shutterstock.com

Fast-Food-Industrie soll für gesündere Briten sorgen und arbeitet zu diesem Zweck seit neuestem mit dem britischen Gesundheitsministerium zusammen. Es ist so, als beauftrage man die Tabakindustrie ein Konzept gegen das Rauchen zu entwickeln. Lobbyisten an die Macht!

Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben

Der britische Gesundheitsminister engagierte verschiedene Vertreter der Fast-Food- und Lebensmittel-Industrie, damit diese bei der Neufassung des Weissbuches „Gesundheit“ tatkräftig mitwirken können.

Verbraucherschutzverbände sind indessen der Meinung, eine solche Aktion nütze in etwa genau so viel, als übertrage man der Tabakindustrie die Verantwortung für den Schutz der Nichtraucher.

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Die Briten sollen gesünder werden

Die Briten lieben Fast Food wie kein anderes Volk der Erde. Sie sind überdurchschnittlich häufig übergewichtig. Alkoholprobleme greifen um sich. Diabetes breitet sich mit Riesenschritten aus und die Folgen von Bewegungsmangel kosten jährlich annähernd 2 Milliarden Pfund.

Das britische Gesundheitssystem ist vollkommen überlastet und verkündete daher, dass Sparmassnahmen nötig seien und die Gesundheitsvorsorge effizienter werden müsse. Doch wie der Bevölkerung eine gesündere Ernährung nahe bringen?

Fast-Food- und Lebensmittel-Industrie kümmern sich um Gesundheitsvorsorge

Gesundheitsminister Andrew Lansley hatte dazu eine nicht ungewöhnliche Idee. Er setzte fünf Arbeitsgruppen ein, die sich um die neuen Regeln für eine erfolgreiche Gesundheitsvorsorge kümmern sollten. Ungewöhnlich hingegen waren die Mitglieder der Arbeitsgruppen.

Laut der Zeitung „Guardian“ tummelten sich dort Vertreter von McDonald’s, Kraft Foods, Unilever, Kellogg’s und Pepsi, also im Grunde gerade jene Konzerne, deren Produkte als Mitverursacher des jämmerlichen Gesundheitszustandes der Briten gelten.

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McDonald’s soll Ernährungsprobleme lösen

So leitet der Chef des britischen Wein- und Spirituosenverbands jene Gruppe, die sich mit den gesundheitlichen Folgen des Alkohols befassen soll, während Pepsi mit der Aufgabe betraut wurde, das Problem kalorienreicher Ernährung in Augenschein zu nehmen.

McDonald’s (gemeinsam mit anderen Vertretern der Lebensmittelindustrie, etwa führenden Supermarktketten) gehört der Gruppe an, die sich allgemein mit Ernährungsproblemen wie Fettleibigkeit zu widmen hat.

Mit der mangelhaften Freude an Bewegung hat sich diejenige Gruppe zu beschäftigen, die vom Chef des Dachverbands der privaten Fitnesscenter geleitet wird.

Big Business macht Gesundheitspolitik

Lansley ist offenbar der Meinung, dass er die Industrievertreter so weit bringen kann, dass sie sich ihrer Verantwortung dem Volke gegenüber bewusst werden und infolgedessen entsprechende Massnahmen ergreifen werden, ohne das irgendwelche Gesetze oder Vorschläge wie etwa Preiserhöhungen von Alkohol und Fast Food von Seiten der Regierung nötig würden.

Verbraucherschützer sind jedoch der Ansicht: „Das funktioniert nicht.“ Im Zweifel würde sich die Industrie für ihre eigenen Interessen einsetzen und sicher nicht der Gesundheit der Bevölkerung Vorrang geben.

So fragt sich Professor Sir Ian Gilmore, Leberspezialist und bis vor kurzem Präsident des Royal College of Physicians, wie diese freiwillige Partnerschaft mit beispielsweise der Spirituosen-Industrie, die ja schon allein für ihre Aktionäre Gewinne einfahren möchte, zur längst überfälligen Einschränkung des Alkoholkonsums in der Bevölkerung führen soll.

Unabhängige Mitglieder der Arbeitsgruppen schütteln nur noch mit dem Kopf und sagen über Lansleys „Alle-an-einen-Tisch“-Methode: „Das ist nicht ‚Big Society‘, sondern ‚Big Business‘.“

Lobbypolitik vom Feinsten

Offenbar ist der Gesundheitsminister schon lange von seiner Strategie überzeugt. Bereits in der Opposition hatte Lansley hochrangige Vertreter der Lebensmittelindustrie um sich geschart und sie dazu angehalten, einen Massnahmenkatalog zur Gesundheitsvorsorge für die künftige konservative Regierung zu entwerfen.

Inzwischen hat sich der Einfluss der Industrie so erweitert, dass laut „Guardian“ nicht – wie üblich – Beamte die Entwürfe vorbereiten, die dann in den Arbeitsgruppen besprochen werden.

Neuerdings stammen die Entwürfe direkt von den Vertretern der Fast-Food- und Lebensmittelindustrie, und die Beamten des Gesundheitsministeriums dürfen diese dann noch ein wenig kommentieren.

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