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  • Glutenhaltige Backwaren

Gluten vernebelt die Sinne

Wenn man – meist kurze Zeit nach dem Essen – das Gefühl hat, das eigene Gehirn befinde sich in einem Nebel, wenn man sich einfach nicht konzentrieren und auch nicht mehr klar denken kann, wenn man sich fühlt, als habe man Drogen genommen, obwohl das keineswegs der Fall war, dann ist man nicht unbedingt in der Anfangsphase einer Demenz oder gar geisteskrank, sondern leidet womöglich an einer Glutenunverträglichkeit.

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04 September 2021

Gluten – Von der Schulmedizin lange ignoriert

Gluten - der Proteinkomplex mancher Getreidearten - kann zum sog. Brain Fog (zu dt. "Gehirnnebel") führen. Brain Fog hat nichts mit Alzheimer, nichts mit Demenz und auch nichts mit Depressionen oder geistigen Krankheiten zu tun – obwohl die Symptome oft an diese Zustände erinnern.

Leider ignoriert die Schulmedizin den Brain Fog grösstenteils, obwohl es immer mehr Betroffene zu geben scheint, sagt Arzt und Ernährungsmediziner Dr. med. Lawrence Wilson. Und so findet man über ein vernebeltes Gehirn und den damit verbundenen Mangel an geistiger Klarheit in der medizinischen Literatur kaum Hinweise.

Wenn das Brötchen Verwirrung stiftet

Betroffene verbringen möglicherweise viele Stunden ihres ganzen Lebens in einem geistigen Nebel und sind nicht in der Lage, sich zu konzentrieren, schnelle Schlüsse zu ziehen, Informationen richtig zu verarbeiten und in der Schule oder am Arbeitsplatz mitzuhalten.

Ein solcher Zustand kann im Tagesverlauf immer wieder auftreten, nämlich immer dann, wenn man etwas Glutenhaltiges isst, etwa das Frühstücksbrötchen, dann das Sandwich zwischendurch oder die Nudeln zum Abendessen.

Vernebelt Gluten das Gehirn?

Die genannten Lebensmittel werden meist aus glutenhaltigem Getreide hergestellt, z. B. Weizen, Roggen, Kamut, Dinkel und Gerste. Laut Dr. Wilson kann genau dieses Gluten (bei empfindlichen Menschen) die beschriebenen Symptome auslösen. Es kommt zu bestimmten Reaktionen im Gehirn. Dort wird das sensible Gleichgewicht von Hormonen und anderen Botenstoffen gestört. Als Folge davon können verschiedene psychische Probleme entstehen, angefangen von Depressionen, Autismus bis hin zu Schizophrenie.

Es kann sich aber auch einfach "nur" Brain Fog entwickeln. Und so steigt in diesem Fall nach jeder glutenhaltigen Mahlzeit der beschriebene "Nebel" auf und führt zu geistigen Einbrüchen. Brain Fog ist also das Ergebnis einer Nahrungsmittelunverträglichkeit, nämlich einer Unverträglichkeit bzw. Überempfindlichkeit gegenüber Gluten.

Gluten – Das Opium im Weizen

Gluten ist schwer verdaulich. Oft wird es nicht vollständig in einzelne Aminosäuren zerlegt. Es bleiben unvollständig verdaute Gluten-Bruchstücke zurück. Diese Protein-Bruchstücke nennt man Peptide. Je nach Zustand der Darmschleimhaut können sie - wenn ein Leaky Gut Syndrom vorliegt - die Schleimhaut passieren und gelangen in die Blutbahn.

Gluten-Peptide können nun körpereigene Stoffe (Endorphine) nachahmen, die im Gehirn wichtige Funktionen innehaben und am Schmerz- oder auch Glücksempfinden und an der Steuerung des Hungergefühls beteiligt sind. Man nennt die Gluten-Peptide auch opioide Peptide. Das Wort "opioid" stammt dabei von "Opium" ab und weist auf die benebelnde Wirkung dieser Peptide hin.

Die Folgen einer Glutenunverträglichkeit

Gluten-Peptide können ausserdem allergische Reaktionen auslösen. Diese können sich in Schwellungen und Entzündungen äussern. Im Gegensatz zu einem Insektenstich beispielsweise am Arm, dessen Schwellung leicht erkennbar und auch unmissverständlich spürbar ist, spürt man Schwellungen im Darm, die durch eine allergische Reaktion ausgelöst werden, nicht unbedingt.

Noch schwieriger zu entdecken sind allergische Entzündungen, wenn sie im Gehirn stattfinden. Das Gehirngewebe hat nicht – wie etwa die Haut – die Möglichkeit, sich über Juckreiz, Schmerzen oder Schwellungen bemerkbar zu machen. Daher verlaufen allergische Entzündungen im Gehirn – beispielsweise aufgrund von Gluten-Peptiden – sehr subtil, wie etwa durch ein vernebeltes Gefühl im Kopf.

Eisenmangel durch Glutenunverträglichkeit

Eine Glutenunverträglichkeit hat also ihre Ursache im Darm, macht sich jedoch nicht unbedingt über Verdauungsbeschwerden bemerkbar, sondern oftmals sogar einfach „nur“ mit einer chronischen Müdigkeit und dem Gefühl, nicht leistungsfähig zu sein.

Da in Verbindung mit einer schweren Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) gelegentlich auch eine Blutarmut eintrifft, glaubt man häufig, die ständige Müdigkeit käme von einem Eisenmangel. Die schlechte Eisenresorption ist jedoch nur die Folge der Glutenunverträglichkeit. Meidet man in diesem Fall das Gluten, wird Eisen wieder resorbiert und die Blutarmut verschwindet.

Leider kann Gluten auch das Gegenteil einer Müdigkeit, nämlich eine chronische Nervosität auslösen. Selbst Haut- und Zahnprobleme können die Folgen einer Glutenunverträglichkeit sein.

Ursachen der Glutenunverträglichkeit

Die interessanteste Frage ist jetzt aber: Wie kann sich eine solche Glutenunverträglichkeit – an der bekanntlich nicht jeder leidet – überhaupt erst entwickeln?

1. Magensäuremangel

Eine mangelhafte Proteinverdauung kann auf einen Magensäuremangel hinweisen. Ein Magensäuremangel wiederum kann verschiedene Ursachen haben. Dazu zählt die regelmässige Einnahme von Medikamenten, welche die Magensäureproduktion hemmen.

Andererseits kann ein Mangel an Zink und Vitamin B6 zu einem Magensäuremangel führen. Beide Mikronährstoffe haben Einfluss auf die Magensäureproduktion. Auch eine jahrelange chronische Übersäuerung des Gewebes (damit ist nicht Sodbrennen gemeint) aufgrund einer jahrelangen säureüberschüssigen Ernährungs- und Lebensweise kann die Magensäureproduktion irgendwann einmal erschöpfen. Ganzheitliche Massnahmen zur natürlichen Förderung einer gesunden und ausgeglichenen Magensäureproduktion finden Sie hier: Sodbrennen

2. Beschädigte Darmschleimhaut

Wenn nun im Magen ein Magensäuremangel herrschte, dann erreichen unvollständig verdaute Gluten-Partikel den Darm. Normalerweise sollten keine unvollständig verdauten Partikel die Darmschleimhaut passieren können. Dies geschieht nur dann, wenn die Darmschleimhaut geschädigt ist.

Die wichtigsten Ursachen für eine geschädigte Darmschleimhaut sind eine gestörte Darmflora (z. B. aufgrund von Antibiotika, Abführmitteln oder anderen Medikamenten, aufgrund von Stress, aufgrund von ungesunder Nahrung etc.) und Lebens- bzw. Ernährungsgewohnheiten, die chronische Entzündungsprozesse fördern (wenig Bewegung, wenig Sonnenlicht, wenige Omega-3-Fettsäuren, Hormonungleichgewicht etc.).

3. Gluten übersäuert und schadet der Darmschleimhaut

Nun wartet Gluten nicht einfach ab, bis die in Punkt 1 und 2 beschriebenen Zustände irgendwann einmal eintreffen. Gluten ist direkt daran beteiligt, dass Punkt 1 und 2 überhaupt erst entstehen.

Glutenhaltige Getreide sind also - besonders bei übermässigem Verzehr - an der Förderung einer chronischen Übersäuerung und an der Zerstörung der Darmflora beteiligt. In anderen Worten: Gluten schafft bei entsprechend empfindlichen Menschen selbst die Voraussetzungen für eine Glutenunverträglichkeit.

Klarer Kopf durch glutenfreie Ernährung

Da bei einer einmal entwickelten Glutenüberempfindlichkeit schon der Verzehr von kleinen Glutenmengen ausreicht, um nebulöse Zustände (oder andere typische Symptome) zu verursachen, lohnt sich das Experiment glutenfreie Ernährung ganz ausserordentlich. Nur dann finden Sie heraus, ob auch bei Ihnen das Gluten für die verminderte Leistungsfähigkeit, für Konzentrationsstörungen und auch für Ihren Brain Fog verantwortlich ist.

Das Experiment sollte mindestens vier Wochen lang konsequent durchgeführt werden und eignet sich auch hervorragend für Kinder. Schon bald werden Sie klare Gedanken fassen können, Ihre Konzentrationsfähigkeit wird sich genauso verbessern wie Ihr Auffassungs- und Lernvermögen. Selbst die Stimmung kann sich deutlich heben und die Nebelschwaden werden sich endlich verziehen. Zur Unterstützung haben wir für Sie im nachfolgenden Link über 100 glutenfreie Rezepte zusammengestellt.

Glutenfreie Ernährung bei Parkinson

Selbst bei der Parkinson-Krankheit könnte die glutenfreie Ernährung u. U. die Symptome bessern - nämlich dann, wenn gleichzeitig eine Zöliakie vorliegt, also eine schwere Glutenunverträglichkeit, bei der durch den Verzehr von Gluten die Darmschleimhaut geschädigt wird. Dabei kann es sich auch um eine asymptomatische Zöliakie handeln, was die Diagnostik besonders schwierig macht.

Lesen Sie hier den Fallbericht eines Parkinson-Patienten, dem es dank glutenfreier Ernährung schon bald wieder sehr gut ging.

Glutenfreie Ernährung – Die Praxis

Gluten ist in den geläufigen Getreidearten enthalten und damit in all jenen Nahrungsmitteln, die diese Getreide in irgendeiner Form enthalten. Das sind in der Hauptsache Back-, Konditor- und Teigwaren (Mehl, Brot, Nudeln, Kuchen, Kekse, süsse Teilchen etc.). Doch sind natürlich auch in sehr vielen Fertigprodukten (Suppen, Sossen, Desserts, Süssigkeiten etc.) glutenhaltige Mehle beispielsweise als Bindemittel enthalten und sollten gemieden bzw. mit glutenfreien Produkten ersetzt werden.

Die glutenfreie Ernährung ist nicht schwer, erfordert nur in der ersten Zeit ein bisschen Umgewöhnung und Flexibilität:

  1. Statt Mehl aus Weizen, wählen Sie Mehl aus Buchweizen, Mais oder Hirse. Beim Backen sollten Sie sich jedoch an spezielle Rezepte für glutenfreie Kuchen, Brote etc. halten, da glutenfreies Mehl – gerade aufgrund des fehlenden Glutens – nicht über dessen Bindefähigkeit verfügt.
  2. Statt Brot aus Weizen oder Roggen wählen Sie Mais-Vollwert-Brote, Hirse-Vollwert-Brote, Reis-Vollwert-Brote oder Buchweizen-Vollwert-Brote.
  3. Statt Hartweizenpasta kommen Buchweizennudeln, Maisnudeln oder auch einmal Sojanudeln auf den Tisch. Achten Sie jedoch darauf, dass es sich um 100prozentige glutenfreie Nudeln handelt und nicht etwa Hartweizen beigemischt wurde.
  4. Achten Sie beim Kauf von Haferflocken darauf, dass diese glutenfrei sind oder wählen Sie Müslis und Flakes aus glutenfreien Getreide- und Pseudogetreidearten.
  5. Wenn Sie bisher glutenhaltige Sossenbinder oder Mehl zum Sossenbinden nahmen, dann können Sie jetzt Johannisbrotkernmehl zum Binden nehmen, welches nicht einmal aufgekocht werden muss und sich daher auch für kalte Dessertsaucen eignet.

Achten Sie beim Einkauf auf das Symbol für Glutenfreiheit. Es handelt sich dabei um eine durchgestrichene Getreideähre. Besonders viele glutenfreie Produkte finden Sie im Reform- und Naturkost-(Online-)Handel. 

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Ramona, Absolventin

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Quellen
  • Dr. Lawrence Wilson "Brain Fog" Jan. 2011, The Center For Development
  • Patrick Holford "Brain Allergies" Safe Harbor
  • Jeremy E. Kaslow "The Celiac Disease of Mental Illness" derived in large part from a lecture James V. Croxton, M.A. 2002