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Ginkgo: Wirkung und Anwendung

Ginkgo biloba hat als Heilpflanze zur Behandlung kognitiver Beschwerden wie Alzheimer eine lange Tradition. Wissenswertes zur Wirkung und Anwendung des Ginkgos erfahren Sie hier.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Aktualisiert: 22 Januar 2023

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Ginkgo biloba: Was ist das?

Ginkgo biloba (Ginkgo oder Ginko genannt) ist ein in China heimischer Baum aus der Familie der Ginkgogewächse. Sein Name stammt aus dem Chinesischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Silberaprikose“. Der Name rührt daher, dass die Samen mit ihrer fleischigen Samenschale und ihrer silbrig-gelben Farbe ähnlich aussehen wie Aprikosen.

Der Baum gilt ausserdem als heilig, wird daher häufig in Tempelanlagen gepflanzt und so auch als Tempelbaum bezeichnet. Er ist ein Symbol für Hoffnung, Fruchtbarkeit und ein langes Leben – nicht zuletzt deshalb, weil er der wohl älteste Baum unserer Zeit ist. Schon vor 300 Millionen Jahren soll er die Erde begrünt haben. Er gilt daher als lebendes Fossil und Wunderbaum zugleich. Denn selbst heute zählt er zu jenen Bäumen, die besonders gut mit Umweltbelastungen (Streusalz, Abgase) und Trockenzeiten zurecht kommen, weshalb er inzwischen weltweit bevorzugt in Städten und Parks angepflanzt wird.

So bot ein Ginkgo-Baum in einem Heidelberger Park Johann Wolfgang von Goethe Anlass zu seinem bekannten Ginkgo-Gedicht, das er gemeinsam mit einem Ginkgo-Blatt als Zeichen seiner Zuneigung an Marianne von Willemer sandte. Das Gedicht trug zur Verbreitung des Wunderbaums in Deutschland bei und brachte ihm seinen weiteren Namen Goethebaum ein.

Ginkgo-Extrakte aus den Blättern des Baumes

Aus den Blättern des Baumes werden Extrakte hergestellt, die die geistige Leistungskraft fördern und bei Demenzerkrankungen wie Alzheimer helfen sollen. Weitere Anwendungsgebiete sind Tinnitus sowie leichte Durchblutungsstörungen, die sich in kalten Händen und Füssen oder auch Schwindel äussern. Extrakte aus Ginkgo-Blättern gehören weltweit zu den am häufigsten eingesetzten pflanzlichen Heilmitteln.

Ginkgo-Samen als Lebensmittel

Die gekochten Samen sind zudem Bestandteil der traditionellen chinesischen und japanischen Küche. In Japan werden sie zum Beispiel für das Gericht „Chawanmushi“ verwendet – eine Art Eierstich mit Hühnchen und Garnelen, der als Vorspeise gereicht wird. Man gibt die Samen aber auch zu einer Schale gedämpftem Reis oder röstet sie und isst sie mit etwas Salz bestreut. Sie haben ein leicht bitteres Aroma.

Ginkgo in der Traditionellen Chinesischen Medizin

In der traditionellen chinesischen Medizin ist der Wunderbaum ein unentbehrliches Naturheilmittel, das bereits seit 5000 Jahren zum Einsatz kommt. Es werden nicht nur Extrakte aus den Blättern, sondern auch Abkochungen aus den Samen oder Wurzeln verwendet ( 1 ).

Im Zentrum stehen dabei sowohl kognitive Beschwerden, wie Konzentrationsschwäche und ein nachlassendes Erinnerungsvermögen als auch Verdauungsbeschwerden sowie Erkrankungen der Atemwege wie Husten und Asthma. Die Einnahme von Ginkgo ist zudem eine beliebte präventive Massnahme, um dem natürlichen Alterungsprozess und damit einhergehenden Beschwerden entgegenzuwirken.

Wie wirkt Ginkgo?

Der gesundheitsfördernde Effekt des Wunderaums ist auf die Inhaltsstoffe seiner Blätter, Samen und Wurzeln zurückzuführen:

  1. Flavonoide (Quercetin und Kaempferol)
  2. Terpenoide (Ginkgolid A, Ginkgolid B, Ginkgolid C und Bilobalid)
  3. Ginkgolsäure

Die Flavonoide Quercetin und Kaempferol wirken antioxidativ (gegen oxidativen Stress). Sie haben die Fähigkeit, freie Radikale zu neutralisieren und damit der Entstehung zahlreicher Krankheiten entgegenzuwirken. Denn über einen längeren Zeitraum kann oxidativer Stress unter anderem zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Entzündungen, Krebs und Demenz beitragen (1).

Da die beiden Stoffe auch als Phytoöstrogene gelten, also östrogenähnlich wirken, können Ginkgo-Extrakte bei Wechseljahresbeschwerden eingesetzt werden, wenn diese auf einen Östrogenmangel zurückzuführen sind. Aufgrund der möglichen östrogenähnlichen Wirkung wird andererseits von Ginkgo-Extrakten abgeraten, wenn ein hormonabhängiger Brustkrebs vorliegt/vorlag ( 16 ).

Die Ginkgolide A, B und C sowie das Bilobalid wirken hingegen allesamt durchblutungsfördernd. Sie erweitern die Blutgefässe, was den Blutfluss verbessert und die Sauerstoffversorgung des Gewebes steigert.

Die Ginkgolsäure soll in grossen Mengen zellschädigend wirken, weshalb in Ginkgo-Arzneimitteln und qualitativ hochwertigen Ginkgo-Nahrungsergänzungen maximal 5 ppm (5 µg/g) davon enthalten sein darf.

Der Wunderbaum bei Alzheimer: Gute Forschungslage

Gingko-Extrakt gehört zu den am besten erforschten und am häufigsten verwendeten pflanzlichen Mitteln für die Behandlung von Alzheimer. Mehrere klinische Studien zeigen, dass der Wunderbaum die Gehirnleistung von Patienten mit Demenzerkrankungen tatsächlich verbessern kann (1).

Eine Metaanalyse chinesischer Forscher von 2015 untersuchte neun Studien mit insgesamt 2561 Patienten. Zum Einsatz kam der standardisierte Ginkgo-Extrakt EGb 761. Auf die Zusammensetzung dieses Extrakts gehen wir weiter unten im Absatz „Ginkgo-Extrakt: Welche Präparate sind gut?“ genauer ein ( 2 ).

In einer Dosierung von 240 mg pro Tag eingenommen über 5 bis 6 Monate führte dieser Extrakt bei Patienten mit leicher bis moderater Demenz zu einer Verlangsamung des kognitiven Verfalls. Dies wird auf die verbesserte Durchblutung des Gehirns zurückgeführt, wodurch sich das Gedächtnis und die Konzentration verbessern. Die Forscher hoben die gute Verträglichkeit des Extrakts hervor.

Die geistige Leistungsfähigkeit der Demenzpatienten wird in solchen Studien meist durch viele verschiedene Tests und Skalen erfasst. So müssen sie sich zum Beispiel Bilder merken, Konzentrationsaufgaben lösen, oder es wir ausgewertet, wie gut sie ihre Aufgaben im Alltag bewältigen können.

So führte die Einnahme von 240 mg des Extrakts nach 24 Wochen beispielsweise dazu, dass 53 von 163 Alzheimer-Patienten beim Gedächtnis-Test um mindestens drei Punkte besser abschnitten (auf einer Skala von 0 bis 27) – also in der Lage waren sich mehr Bilder zu merken ( 6 ).

Ein Expertengremium asiatischer Länder kam 2019 ebenfalls zum Schluss, dass der Ginkgo-Extraxt EGb 761 einen Platz in der Alzheimer-Therapie verdient hat. Der Extrakt sei in seiner Wirkung vergleichbar mit schulmedizinischen Alzheimer-Therapien wie der Einnahme von Acetylcholinesterase-Hemmern. Seine Verträglichkeit sei jedoch besser und er könne deshalb eine wirksame Alternative für Patienten darstellen, die die schulmedizinische Therapie nicht vertragen ( 3 ).

Unter nachfolgendem Link berichten wir über weitere Naturheilverfahren bei Alzheimer.

Ginkgo bei Tinnitus

In einem Cochrane-Review von 2022 untersuchten Forscher 12 Studien mit insgesamt 1915 Tinnitus-Patienten. Aufgrund der aktuell unzureichenden Forschungslage konnten sie keine generelle Empfehlung für den Wunderbaum bei Tinnitus aussprechen. Der Grund dafür sei unter anderem, dass Tinnitus sehr subjektiv wahrgenommen werde. So gebe es etwa keinen Standardtest, der die Lautstärke von Tinnitus erfasse ( 4 ).

*Hier finden Sie einen Ginkgo-Extrakt

Nichtsdestotrotz werden Ginkgo-Präparate häufig bei Tinnitus eingenommen und sogar von vielen Ärzten in Europa als erste Therapieoption empfohlen. Die Ursache von Tinnitus kann eine Durchblutungsstörung des Innenohrs sein. Die Therapie mit Ginkgo-Extrakt zielt darauf ab, die Durchblutung des Innenohrs zu fördern. Zum Einsatz kam in Studien ebenfalls der standardisierte Extrakt EGb 761, der bei Tinnitus folgendermassen angewandt werden kann:

  1. Verabreichung von 200 mg des Extrakts täglich während 10 Tagen über eine Infusion
  2. Einnahme von täglich 120 bis 240 mg des Extrakts während mindestens 12 Wochen

Die Verfasser des oben genannten Cochrane-Reviews kamen zum Schluss, dass bei der Einnahme von Ginkgo genauso wenige Nebenwirkungen auftreten wie bei der Einnahme von Placebos. Obwohl der Nutzen bisher also nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte, sind zumindest auch keine Nebenwirkungen zu erwarten.

Einzig die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten wie etwa Blutgerinnungshemmern habe man nicht auswerten können. Auf mögliche Wechselwirkungen der Wunderbaumpräparate mit Medikamenten gehen wir im Absatz „Wechselwirkungen mit Medikamenten“ genauer ein.

Ginkgo bei Schwindel

Ginkgo-Extrakte werden auch zur Behandlung von Schwindel eingenommen. Schwindel kann zum Beispiel altersbedingt oder in Zusammenhang mit einer Durchblutungsstörung auftreten.

Eine europäische Forschergruppe untersuchte den Effekt des Ginkgo-Extrakts EGb 761 in einer Meta-Analyse von 2018. Hierfür zogen sie fünf klinische Studien mit insgesamt 1927 Demenzpatienten heran, von denen 1040 zudem unter Schwindel litten. Die Probanden hatten täglich 240 mg des Extrakts über einen Zeitraum von 22 bis 26 Wochen eingenommen ( 5 ).

Neben der oben bereits erwähnten positiven Wirkung auf das Gedächtnis und die Konzentration führte die Einnahme des Extrakts zu einer Verbesserung des Schwindels um 18 bis 31 Prozent – verglichen mit den Personen, die ein Placebo einnahmen. Erfasst wurde dabei die Schwere und die Häufigkeit des Schwindels durch die Angaben der Probanden. Die Forscher schlossen daraus, dass der Extrakt auch bei Schwindel hilfreich ist.

Weitere mögliche Wirkungen des Wunderbaums

Es werden viele weitere positive Wirkungen des Wunderbaums beschrieben, die bisher aber nur unzureichend bzw. nur in Tierstudien nachgewiesen wurden. Beschwerden, bei denen sich die Einnahme von Ginkgo-Extrakten positiv auswirken könnte, umfassen ( 10 ) ( 11 )( 12 ) ( 14 ):

  1. das metabolische Syndrom ( Bluthochdruck, erhöhter Blutzucker, hohe Blutfettspiegel, Übergewicht)
  2. Angstzustände
  3. das prämenstruelle Syndrom (PMS)
  4. Glaukom (grüner Star)
  5. Depressionen
  6. Migräne

Wie wird der Wunderbaum eingenommen?

Nachfolgend erfahren Sie, wie Ginkgo eingenommen wird, damit eine nachhaltige Wirkung zu erwarten ist.

Ginkgo-Extrakt: Welche Präparate sind gut?

Ginkgo-Extrakt gibt es in den meisten Fällen in Form von Tabletten oder Kapseln zu kaufen. Präparate findet man in der Apotheke, in Drogerien oder im Internet. Oft wird empfohlen, auf Arzneimittel mit Ginkgo zurückzugreifen, da diese im Vergleich zu Nahrungsergänzungen besser sein sollen. Der Grund dafür ist, dass Arzneimittel standardisiert sind und ein Höchstgehalt an Ginkgolsäure vorgeschrieben ist (5 ppm).

Längst orientieren sich aber auch die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln an den Angaben für standardisierte Ginkgo-Extrakte. In Arzneimitteln wird etwa der standardisierte Extrakt EGb 761 verwendet, der sich folgendermassen zusammensetzt (1)(2):

  1. 5 bis 7 Prozent Terpenoide (u. a. 3,1 Prozent Ginkgolide und 2,9 Prozent Bilobalid),
  2. 22 bis 27 Prozent Flavonoidglykoside (u. a. Quercetin und Kaempferol),
  3. 5 bis 10 Prozent organische Säuren wobei maximal 5 ppm Ginkgolsäure enthalten sein darf.

Mit diesem Extrakt wurden bisher auch die meisten Studien durchgeführt. Doch auch Nahrungsergänzungen können von sehr guter Qualität sein, zumal sie oft nicht die in Apothekenprodukten üblichen Zusatzstoffe enthalten, wie z. B. Croscarmellose-Natrium, hochdisperses Siliciumdioxid, Lactose-Monohydrat, Magnesiumstearat (Ph.Eur.) [pflanzlich], mikrokristalline Cellulose, sprühgetrockneter Glucose-Sirup, Macrogol 3350, Poly(vinylalkohol), Talkum, Titandioxid (E 171), Eisen(III)-hydroxid-oxid x H2O (E 172)

Achten Sie beim Kauf von Ginkgo-Nahrungsergänzungen darauf, dass diese auf ähnliche Gehalte standardisiert sind wie Arzneimittel, maximal 5 ppm Ginkgolsäure enthalten und ohne Zusatzstoffe auskommen.

Die Dosierung

Generelle Dosierempfehlungen für Ginkgo-Extrakt gibt es nicht. Als Richtwert gelten jedoch 120 bis 240 mg Extrakt täglich, wobei in Studien auch geringere Dosen ab 40 mg zum Einsatz kamen.

Die Tagesdosis kann entweder morgens auf einmal eingenommen werden oder auf zwei Dosen jeweils morgens und abends aufgeteilt werden. Der Extrakt kann, muss aber nicht zu den Mahlzeiten genommen werden (3).

Wunderbaumpräparate entfalten ihre gesundheitsfördernde Wirkung nur langsam, so dass sich erste positive Effekte oftmals erst nach mehreren Wochen, wenn nicht gar Monaten der Einnahme einstellen.

*Hier finden Sie einen Ginkgo-Extrakt

Ginkgo als Tee

Ginkgo-Tees dürften vielen Menschen bekannt sein. In Bezug auf ihre Wirkung scheiden sich jedoch die Geister. Das maximale Wirkpotential des Wunderbaums wird vermutlich nur bei der Einnahme hochkonzentrierter Extrakte erreicht ( 7 ).

Zudem muss der Gehalt an Ginkgolsäure in Ginkgo-Tees nicht kontrolliert werden (die ab bestimmten Mengen schädlich sein kann). Der Verbraucher hat daher kaum eine Möglichkeit zu erfahren, wie viel Ginkgolsäure in den Blättern enthalten ist – es sei denn, der Gehalt wird freiwillig ausgewiesen. Wir haben jedoch kein Produkt gefunden, bei dem dies der Fall war.

Zwar sind beim gelegentlichen Konsum des Tees keine negativen Wirkungen der Ginkgolsäure zu erwarten – vom regelmässigen Konsum wird jedoch abgeraten.

Gibt es Nebenwirkungen?

Zu den möglichen, wenn auch seltenen Nebenwirkungen von Ginkgo-Präparaten zählen Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen. Bei krankhaft erhöhter Blutungsneigung wird von einer Einnahme abgeraten, da die durchblutungsfördernde Wirkung des Wumderbaums diese Neigung unter Umständen verstärken könnte.

Tees aus Ginkgo-Blättern, die frei im Handel erhältlich sind, können Ginkgolsäuren in potenziell gesundheitsschädlichen Mengen enthalten, da sie keiner Kontrolle unterliegen. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Magenschleimhautentzündungen und allergische Reaktionen. Wie schon weiter oben erwähnt, enthalten Ginkgo-Extrakte östrogenähnlich wirkende Stoffe, sodass Ginkgo-Präparate bei hormonabhängigem Brustkrebs nicht ratsam sind.

Mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten

Ginkgo soll die Wirkung gerinnungshemmender Arzneimittel (sogenannter Antikoagulantien; umgangssprachlich auch „Blutverdünner“) verstärken können, was zu einem höheren Blutungsrisiko führen soll. Dieser Zusammenhang ist jedoch nicht zweifelsfrei nachgewiesen.

Weitere Wirkstoffe, die die Blutgerinnung hemmen sind zum Beispiel Acetylsalycylsäure, Diclofenac und Ibuprofen. Personen, die solche Medikamente einnehmen, sollten vorsichtshalber zunächst mit ihrem Arzt sprechen, bevor sie zu Präparaten aus dem Wunderbaum greifen.

Aufgrund der östrogenähnlichen Wirkung von Ginkgo-Extrakten sollen diese nicht eingenommen werden, wenn Anti-Östrogene genommen werden (z. B. Tamoxifen).

Vergiftung durch Ginkgo?

Sowohl die Samen als auch die Blätter des Wunderbaums enthalten die Substanz Ginkgotoxin (Samen: max. 14 µg/g, Blätter: max. 7 µg/g) ( 8 ). Ginkgotoxin ist strukturell mit Vitamin B6 verwandt und kann deshalb den Vitamin-B6-Stoffwechsel stören. Vermutlich konkurrieren beide um dieselben Rezeptoren – jedenfalls ist Ginkgotoxin besser fettlöslich, weshalb es einfacher durch die Blut-Hirn-Schranke gelangt. In der Folge können hohe Mengen Ginkgotoxin zu einem Vitamin-B6-Mangel führen, der sich in Vergiftungserscheinungen mit epilepsieartigen Krampfanfällen und Lähmungen äussert.

Vergiftungsfälle traten beim Verzehr von 15 bis 60 rohen Samen auf – betroffen waren meist Kinder, wenn diese die Samen unter den Bäumen fanden (und diese verspeisten). Wie zu Beginn erwähnt, kommen die Samen in der traditionellen chinesischen Medizin zum Einsatz und sind Bestandteil chinesischer und japanischer Gerichte. Gekocht reduziert sich der Gehalt an Ginkgotoxin in den Samen auf ein Minimum. Dennoch ist in asiatischen Ländern bekannt, dass man nicht zu viele Samen während einer Mahlzeit zu sich nehmen darf.

Gegengift für Ginkgotoxin ist Vitamin B6

Vergiftungserscheinungen durch Ginkgotoxin konnten in der Vergangenheit mit einer hohen Dosis von 50 mg Vitamin B6 behandelt werden ( 9 ).

(Der normale Tagesbedarf an Vitamin B6 liegt bei etwa 1,5 mg; allerdings enthalten auch Hochdosis-Vitamin-B-Komplexpräparate oft um die 50 mg Vitamin B6 pro Tag; offiziell wird jedoch dazu geraten nicht mehr als 25 mg Vitamin B6 pro Tag zu sich zu nehmen. Diese Dosis gilt als UL (= Tolerable Upper Intake Level), was bedeutet, dass dies jene Menge ist, die man pro Tag gerade noch zu sich nehmen kann, ohne Nebenwirkungen befürchten zu müssen. Es ist also die wahrscheinlich unbedenkliche tägliche Zufuhrmenge) ( 15 ).

Bei der Einnahme von Extrakten aus den Blättern sind bisher sehr selten Vergiftungsfälle aufgetreten – diese können durch die geringe Anzahl an Fallberichten jedoch nicht einmal zweifelsfrei auf den Extrakt zurückgeführt werden. Der Gehalt an Ginkgotoxin in den Ginkgo-Blättern ist natürlicherweise geringer als in den Samen und muss auf Präparaten nicht wie die Ginkgolsäure ausgewiesen werden. Vorsichtshalber wird Personen, die an Epilepsie leiden oder zu Krampfanfällen neigen, geraten, eine Einnahme zuvor mit einem Arzt zu besprechen. Forscher vermuten, dass Ginkgotoxin den Abbau von Antiepileptika beschleunigen könnte (8)( 13 ).

Reduziert werden könnte das Nebenwirkungsrisiko in Sachen Vitamin B6, wenn Sie vielleicht sowieso schon ein Vitamin-B-Komplex-Präparat regelmässig zu sich nehmen oder zumindest dies während der Ginkgo-Einnahmezeit tun.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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Quellen
  1. (1) Singh SK et al. Neuroprotective and Antioxidant Effect of Ginkgo biloba Extract Against AD and Other Neurological Disorders. Neurotherapeutics. 2019 Jul;16(3):666-674.
  2. (2) Tan MS et al. Efficacy and adverse effects of ginkgo biloba for cognitive impairment and dementia: a systematic review and meta-analysis. J Alzheimers Dis. 2015;43(2):589-603.
  3. (3) Kandiah N, Ong PA et al. Treatment of dementia and mild cognitive impairment with or without cerebrovascular disease: Expert consensus on the use of Ginkgo biloba extract, EGb 761®. CNS Neurosci Ther. 2019 Feb;25(2):288-298.
  4. (4) Sereda M, Xia J, Scutt P, Hilton MP, El Refaie A, Hoare DJ. Ginkgo biloba for tinnitus. Cochrane Database Syst Rev. 2022 Nov 16;11(11):CD013514.
  5. (5) Spiegel R, Kalla R, Mantokoudis G, Maire R, Mueller H, Hoerr R, Ihl R. Ginkgo biloba extract EGb 761® alleviates neurosensory symptoms in patients with dementia: a meta-analysis of treatment effects on tinnitus and dizziness in randomized, placebo-controlled trials. Clin Interv Aging. 2018 Jun 13;13:1121-1127.
  6. (6) Ihl R, Tribanek M, Bachinskaya N; GOTADAY Study Group. Efficacy and tolerability of a once daily formulation of Ginkgo biloba extract EGb 761® in Alzheimer's disease and vascular dementia: results from a randomised controlled trial. Pharmacopsychiatry. 2012 Mar;45(2):41-6.
  7. (7) Die Sicherheit von Ginkgoblätter-haltigen Tees kann wegen mangelnder Daten nicht beurteilt werden, Gesundheitliche Bewertung Nr. 021/2010 des BfR vom 9. Dezember 2009.
  8. (8) Leistner E, Drewke C. Ginkgo biloba and ginkgotoxin. J Nat Prod. 2010 Jan;73(1):86-92.
  9. (9) Jang HS, Roh SY, Jeong EH, Kim BS, Sunwoo MK. Ginkgotoxin Induced Seizure Caused by Vitamin B6 Deficiency. J Epilepsy Res. 2015 Dec 31;5(2):104-6.
  10. (10) Eisvand F, Razavi BM, Hosseinzadeh H. The effects of Ginkgo biloba on metabolic syndrome: A review. Phytother Res. 2020 Aug;34(8):1798-1811.
  11. (11) Achete de Souza G, de Marqui SV, Matias JN, Guiguer EL, Barbalho SM. Effects of Ginkgo biloba on Diseases Related to Oxidative Stress. Planta Med. 2020 Apr;86(6):376-386.
  12. (12) Ozgoli G, Selselei EA, Mojab F, Majd HA. A randomized, placebo-controlled trial of Ginkgo biloba L. in treatment of premenstrual syndrome. J Altern Complement Med. 2009 Aug;15(8):845-51.
  13. (13) Mei N, Guo X, Ren Z, Kobayashi D, Wada K, Guo L. Review of Ginkgo biloba-induced toxicity, from experimental studies to human case reports. J Environ Sci Health C Environ Carcinog Ecotoxicol Rev. 2017 Jan 2;35(1):1-28.
  14. (14) Kang JM, Lin S. Ginkgo biloba and its potential role in glaucoma. Curr Opin Ophthalmol. 2018 Mar;29(2):116-120.
  15. (15) Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vitamin B 6- kritische Überdosierungen in Sportlerprodukten? Dokument aktualisiert am: 06.06.2019, abgerufen am 29.12.2022
  16. (16) Oh SM, Chung KH. Estrogenic activities of Ginkgo biloba extracts. Life Sci. 2004 Jan 30;74(11):1325-35.