Zentrum der Gesundheit
Folsäure in der Schwangerschaft reduziert Autismusrisiko beim Kind

Folsäure in der Schwangerschaft reduziert Autismusrisiko beim Kind

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(Zentrum der Gesundheit) – Für Mütter, die vor und während der Schwangerschaft mit Schadstoffen in Berührung kommen – etwa mit Pestiziden – besteht ein erhöhtes Risiko, ein autistisches Kind zu bekommen. Wenn diese Mütter jedoch in der Zeit der Empfängnis umfassend mit Folsäure versorgt sind, kann das Autismusrisiko des Kindes trotz einer bestehenden Schadstoffbelastung merklich reduziert werden – so Forscher der University of California im September 2017. Problematisch ist hier, dass die meisten Frauen erst dann an eine Folsäureversorgung denken, wenn sie bereits schwanger sind.

Geringeres Autismusrisiko durch Folsäure

Folsäure wird von Schwangeren im Allgemeinen zur Vorbeugung des offenen Rückens (Spina bifida) eingenommen. Eine Verbindung zum Autismusrisiko ist dagegen den wenigsten Menschen bekannt.

Die Folsäure – ein Vitamin aus der Gruppe der B-Vitamine – kann in Sachen Spina bifida nur vorbeugend wirken, wenn man mit der Einnahme schon ab 4 Wochen vor der Empfängnis (was ideal wäre) oder im Laufe der ersten 8 Schwangerschaftswochen beginnt. Eine spätere Einnahme hat in Bezug auf den offenen Rücken keinen präventiven Effekt mehr.

Meist werden vom Arzt Präparate mit 400 bis 600 µg Folsäure verordnet. Das muss sein, heisst es, da man diese Menge nicht einmal mit einer überdurchschnittlich gesunden Ernährung zu sich nehmen könnte. Das jedoch stimmt nicht, wie wir an einem Beispiel-Ernährungsplan in unserem Artikel Folsäure – Wie Sie einen Mangel beheben erklärt haben.

Allerdings nimmt man mit der Ernährung keine Folsäure auf, sondern Folat. Folsäure ist die synthetische Form dieses B-Vitamins, Folat ist die natürliche Form. Der Einfachheit halber wird meist nur von Folsäure gesprochen, einfach weil dieser Begriff den meisten Menschen geläufig ist.

Folsäure bessert nach 12 Wochen Autismus bei Kindern

Nun scheint Folsäure aber nicht nur das Ungeborene vor dem offenen Rücken schützen zu können, sondern auch einen positiven Einfluss auf das Autismusrisiko zu haben. Wir haben schon hier (Folsäure bei Autismus) von einer Studie aus dem Jahr 2016 berichtet, in der autistische Kinder 12 Wochen lang eine hohe Folsäuredosis erhalten hatten und sich daraufhin ihre autistischen Symptome gebessert hatten.

Die Folsäuretherapie schlug jedoch nur bei Kindern an, bei denen man gleichzeitig sog. Folsäurerezeptorantikörper nachweisen konnte, was bedeutet, dass die Folsäure sicher kein Heilmittel für jedes einzelne autistische Kind darstellt.

Folsäure kompensiert erhöhtes Autismusrisiko durch Belastung mit Pestiziden

Im September 2017 schrieben Wissenschaftler der University of California im Journal Environmental Health Perspectives, dass Folsäure, wenn sie von der werdenden Mutter eingenommen wird, schon in der Schwangerschaft das Autismusrisiko senken kann. Sie bestätigten damit die Ergebnisse einer norwegischen Studie aus dem Jahr 2013.

Der vor Autismus schützende Effekt der Folsäureprophylaxe wurde selbst bei einer bestimmten Gruppe von Frauen festgestellt, nämlich bei jenen, die während der Schwangerschaft Pestiziden ausgesetzt sind, also z. B. in einer landwirtschaftlich genutzten Region leben.

Wenn Frauen in der Schwangerschaft häufig mit Pestiziden in Kontakt kommen, so weiss man, steigt ihr Risiko, ein autistisches Kind zu bekommen. Diesem pestizidbedingten Autismus kann die Folsäureeinnahme also offenbar ebenfalls vorbeugen.

Kalifornische Studie setzt 800 µg Folsäure ein – Autismusrisiko sinkt

In der kalifornischen Studie zeigte sich, dass Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft täglich 800 µg Folsäure eingenommen hatten, ein signifikant geringeres Risiko hatten, autistisch zu werden als Kinder von Müttern, die weniger oder keine Folsäure einnahmen.

"Wir stellten fest, dass es für die Kinder auch dann ein geringeres Autismusrisiko gab, wenn ihre Mütter regelmässig Pestiziden ausgesetzt waren, aber schon bei der Empfängnis Folsäure genommen hatten", erklärte Rebecca J. Schmidt, Assistenzprofessorin an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften. "Natürlich sollten werdende Mütter versuchen, einen grossen Bogen um Pestizide zu machen. Aber wenn sich der Kontakt zu Agrargiften nicht vermeiden lässt, könnte die Folsäure eine Lösung darstellen, das erhöhte Autismusrisiko aktiv zu verringern."

Untersucht wurden die Daten der Childhood Autism Risks from Genetics and the Environment (CHARGE)-Studie – und zwar von 296 autistischen Kindern zwischen 2 und 5 Jahren sowie 220 Kindern, die sich "normal" entwickelt hatten. Die Belastung mit Pestiziden wurde einerseits über die Befragung der Mütter in Erfahrung gebracht, aber auch mit Hilfe des kalifornischen Berichtes zum Einsatz von Pestiziden, der jährlich neu veröffentlicht wird und wichtige Details zur Pestizidbelastung der einzelnen Wohngegenden enthält.

Folsäure drei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft einnehmen

Die Ergebnisse der Untersuchung lauteten folgendermassen:
 

  • Mütter, die weniger als 800 µg Folsäure einnahmen und Pestiziden ausgesetzt waren, hatten ein sehr viel höheres Risiko, ein autistisches Kind zu bekommen als Mütter, die 800 µg Folsäure nahmen und ebenfalls mit Pestiziden in Berührung kamen.
  • Das Risiko, ein autistisches Kind zu bekommen, stieg noch weiter, wenn die Mütter den Giftstoffen regelmässig ausgesetzt waren.
  • Am besten geschützt waren Mütter, die Pestizide meiden konnten und ausreichend Folsäure einnahmen.
     

Ideal sei es, Folsäure schon mindestens drei Monate vor einer geplanten Empfängnis einzunehmen und dies mindestens bis einschliesslich des dritten Schwangerschaftsmonats beizubehalten. Natürlich könne dadurch das Autismusrisiko nicht gänzlich eliminiert werden. Doch reduziert werden, könne es durchaus, so die Forscher.

Folsäure beeinflusst das An- und Abschalten von Genen

"Folat spielt eine sehr wichtige Rolle bei der DNA-Methylierung – ein Prozess, durch den Gene an- und ausgeschaltet werden – aber auch bei der DNA-Reparatur und -Synthese", sagte Professor Schmidt. "Gerade in Zeiten schnellen Wachstums, wenn es zu einer sehr grossen Zahl an Zellteilungen kommt (wie es bei einem Embryo der Fall ist), ist ein perfekter Ablauf dieser Prozesse für die spätere Gesundheit des Kindes entscheidend. Kommt es hierbei jedoch zu Störungen – z. B. durch einen Folatmangel – können sich genetische Gesundheitsprobleme zeigen, die bei guter Folatversorgung gar nicht in Erscheinung getreten wären."

Zu viel Folsäure ist auch nicht gut

Da im Mai 2016 jedoch eine Studie erschienen war, in der ein zu hoher Folsäurespiegel im Blut von Müttern das Autismusrisiko der Kinder wiederum erhöhte, könnten entsprechende Artikel werdende Mütter verunsichern.

In dieser Studie hatte man 1.391 Mutter-Kind-Paare untersucht und folgendes entdeckt:
 

  • Eine von 10 Frauen hatte nach der Geburt einen Folsäurespiegel, der viermal höher war, als er sein sollte (höher als 59 nmol/l). Das Autismusrisiko der Kinder dieser Frauen verdoppelte sich. Gesunde Folsäurespiegel sollten bei einer Frau in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten gemäss der WHO zwischen 13,5 und 45,3 nmol/l liegen.
  • Man untersuchte jedoch auch den Vitamin-B12-Spiegel der neugebackenen Mütter. War dieser sehr hoch (höher als 600 pmol/l im Serum; bei 6 Prozent der Mütter), verdreifachte sich das Autismusrisiko ihrer Kinder. (Hinweis: Werte von bis zu 665 pmol/l gelten laut manchen Quellen als noch völlig normal. Ein Mangel hingegen liegt bei Werten unter 220 mol/l vor – wobei allein der Serumwert nicht geeignet ist, um einen Vitamin-B12-Mangel nachzuweisen).
  • Waren beide Spiegel extrem hoch, dann hatte das Kind ein um das 17,6Fache erhöhtes Autismusrisiko.
     

Mögliche Ursachen zu hoher Folsäure-Werte

Wie aber kam es bei den Müttern überhaupt zu diesen hohen Folsäure- und Vitamin-B12-Werten? Die Mehrheit der untersuchten Mütter hatte während der gesamten Schwangerschaft Multivitaminpräparate eingenommen. Da in den USA überdies manche Lebensmittel (viele Fertigprodukte, ausserdem Mehl und somit Back- und Teigwaren) mit B-Vitaminen angereichert sind, kann es leicht zu einer Überdosierung kommen. Natürlich könnte es auch sein, dass manche Menschen genetisch bedingt höhere Vitaminmengen resorbieren als andere oder aber Probleme beim Abbau von Überschüssen haben.

In Europa sind angereicherte Lebensmittel noch nicht so weit verbreitet. Wer überdies aufmerksam einkauft, sieht schon in der Zutatenliste, ob das jeweilige Produkt angereichert ist und kann es meiden, wenn er/sie derzeit ein Folsäurepräparat einnimmt.

Wie nimmt man die Folsäure ein, um das Autismusrisiko zu mindern?

Wir empfehlen, vor der Empfängnis und in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft ein Folsäurepräparat einzunehmen. Die Dosierung desselben würden wir am durchschnittlichen Folatgehalt der Ernährung festmachen.

Ab dem vierten Schwangerschaftsmonat würden wir keine hochdosierten Folsäurepräparate mehr nehmen und stattdessen dazu raten, sich allein auf die natürlichen Folatgehalte der Ernährung zu verlassen. Natürlich muss es sich dabei um eine folatreiche Ernährung handeln – siehe Link oben im Text.

Da eine folatreiche Ernährung aber gleichzeitig auch eine gesunde und vitalstoffreiche Ernährung ist und man in der Schwangerschaft ja grundsätzlich gesund essen möchte, dürfte auf die beschriebene Weise weder die Folatversorgung ein Problem werden noch das Risiko einer Überversorgung drohen.

Während der Schwangerschaft wird immer wieder Blut genommen, um z. B. den Eisenwert zu überprüfen. Regen Sie im Zweifel einfach auch eine Überprüfung Ihres Folsäurewertes an. Dann sehen Sie, ob Ihre Werte im Rahmen sind, ob sie zu niedrig oder womöglich zu hoch sind und können dann Ihre Nahrungsergänzung bzw. Ernährung entsprechend anpassen.

Um das Autismusrisiko des Kindes weiter zu reduzieren, sollten auch möglichst wenige Medikamente während der Schwangerschaft genommen werden. Denn immer wieder werden Antidepressiva, Paracetamol oder auch Asthmamedikamente mit der Gefahr, ein autistisches Kind zu bekommen, in Verbindung gebracht.

Quellen:


Ausbildung zum Ernährungsberater an der Akademie der Naturheilkunde


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