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Nebenwirkungen der Cholesterinsenker

Nebenwirkungen der Cholesterinsenker

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(Zentrum der Gesundheit) - Cholesterinsenkende Medikamente stehen schon lange unter Verdacht, Krebs zu verursachen. Dr. Thomas Newman, ein Cholesterinexperte von der Universität von Kalifornien in San Francisco und sein Kollege Dr. Stephen Hulley analysierten die im Physicians Desk Reference, dem umfassenden amerikanischen Medikamentenverzeichnis, veröffentlichten Fakten sowie Bevölkerungsstudien über Krebs und Cholesterinwerte und klinische Versuche über Cholesterinsenkungen, um eine klare Verbindung zwischen einigen beliebten cholesterinsenkenden Medikamenten und einem Krebsrisiko aufzudecken.

Die 50 Jahre alte Cholesterin-Lüge

Vor etwa 50 Jahren stellten Ärzte zum ersten Mal die Hypothese auf, dass die Senkung des Blut-Cholesterinspiegels Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern würde. Man erzählte den Menschen, dass sich Herzinfarkte durch eine Senkung des Cholesterinspiegels - entweder mit Hilfe von Medikamenten oder durch reduzierte Fettzufuhr - vermeiden liessen.

Dies wiederum hatte zur Folge, dass sich die gesamte Nahrungsmittel- und pharmazeutische Industrie, auf die Ermittlung von hohen Blutcholesterinwerten konzentrierte und diese mit Hilfe von verarbeiteten, fettarmen Nahrungsmitteln und der Vermeidung von vielen gesunden Nahrungsprodukten, wie zum Beispiel Eiern, zu senken versuchte.

Der Industrie war dieses Thema willkommen

Seitdem hat die Industrie das Thema "Fett" geradezu ausgeschlachtet. Den Menschen werden langfristige Medikamentenbehandlungen aufgezwungen, wenn entsprechende Untersuchungen einen hohen Cholesterinwert aufzeigten. Dadurch hat sich die Anzahl der Verschreibungen von cholesterinsenkenden Medikamenten vervielfacht

Auch die Hamburger-Kette McDonalds hat sich darauf eingestellt und wirbt mit einem geringen Fettgehalt der Hamburger in Ärzte-Zeitungen. Diese Anzeigen wiederum sollen die Mediziner veranlassen, ihre Patienten auf die angeblich gesundheitlichen Vorzüge des Big Macs und "HappyMeals" hinzuweisen.

Zusammenhang Cholesterin und Herzkrankheiten nicht bewiesen

Bisher ist es nicht gelungen, eine Ursache-Wirkung Beziehung zwischen Cholesterin und Herzkrankheit zu beweisen. Die Schulmedizin nimmt lediglich an, dass Herzinfarktopfer einen höheren Blut-Cholesterinspiegel haben, von dem man wiederum annimmt, dass er die Ursache für die Herzerkrankungen ist.

Es ist ausserdem vermutet worden, dass eine hohe nahrungsbedingte Cholesterinaufnahme einen hohen Blut-Cholesterinspiegel zur Folge hat, der eine Reihe von Reaktionen auslöst, die dann zum Herzinfarkt führen.

Cholesterin-Medikamente machen krank

Nach vielen Jahre Jahren mit dieser "präventiven" Medizin, tauchen Beweise dafür auf, dass möglicherweise weder cholesterinsenkende Medikamente noch viele der empfohlenen Diäten mit künstlich verringertem Cholesteringehalt zur Vermeidung von Herzkrankheit beitragen; sie könnten sogar das Sterberisiko vergrössern.

Viele Behandlungssysteme, die von der Medizin empfohlen werden, könnten in der Tat zu den Hauptursachen für Herzerkrankungen gehören. Auch konnte kein cholesterinsenkendes Medikament im Laufe der Zeit bewiesenermassen die Gesamtsterblichkeitsziffern senken.

In vielen Fällen ist die Anzahl von Herzinfarkten vielleicht gefallen, aber die Anzahl von Todesfällen auf Grund von Herzproblemen ist nicht nennenswert zurückgegangen und insgesamt haben die von anderen Faktoren verursachten Todesfälle zugenommen.

Cholesterin verursacht nicht automatisch Herzkrankheiten

In letzter Zeit gibt es neue wissenschaftliche Beweise dafür, dass Cholesterin vielleicht nicht die Hauptursache für Herzerkrankungen ist. Eine Studie von fast 20.000 Männern und Frauen in Kopenhagen bewies, dass nur für diejenigen, deren Cholesterinwert zu den höchsten 5 Prozent gehörte, die Gefahr bestand, eine Herzkrankheit zu bekommen. Hier zeigt sich die erstaunliche Tatsache, dass die meisten Herzpatienten einen normalen Cholesterinwert haben.

Obwohl viele kleine Studien dieses seit langer Zeit andeuten, sagte es eine der umfassendsten Herzforschungsstudien schliesslich eindeutig: Cholesterin kann nicht als die einzige Ursache für Herzkrankheit angesehen werden.

Verschiedene Ursachen für Herzerkrankungen

In den 50er Jahren begann eine Sieben-Länder-Studie mit dem Ziel, die Ursachen der Herzkrankheit zu ergründen. Beim Vergleich der in 25 Jahren zusammengetragenen Daten kamen die Forscher jedoch zu dem Ergebnis, dass es sich bei den Risikofaktoren um eine komplexe Mischung von Faktoren handelt. Diese beinhaltete Cholesterin, das Rauchen, hohen Blutdruck und speziell die Ernährung.

Die Bedeutung der Ernährung ergibt sich aus den festgestellten Unterschieden in der Anzahl von Herzerkrankungen in den verschiedenen Ländern. Viele Bevölkerungen mit einer hohen Häufigkeit von Herzerkrankungen, haben keinen entsprechend hohen Fettgehalt in ihrer Ernährung.

Zum Beispiel reiste eine Gruppe holländischer Forscher nach Minsk (Weissrussland), wo es eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Herzerkrankungen gab. Sie nahmen Fettgewebeproben von einer Gruppe von Männern und Frauen, die wegen kleinerer Probleme ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Auf Grund der Analyse der Fettproben konnten die Forscher keine Beweise finden, dass diese Minskproben einen ungewöhnlich hohen Wert an gesättigten Fetten oder einen ungewöhnlich niedrigen Wert an essentiellen Fettsäuren (EFAs) enthielten, die beide als Risikofaktoren für Herzkrankheiten betrachtet werden. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die in der Nahrung befindlichen Fette wahrscheinlich nicht die Hauptursache für die Herzerkrankungen in dieser Gegend waren.

Blutgerinnungsfaktor eine der Ursachen?

Andere Forschungen kamen zu dem Ergebnis, dass wir eventuell das Cholesterin, dem wir die Schuld zuschieben, zu Unrecht verdächtigen.

Eine Studie entdeckte, dass das Problem mit grösserer Wahrscheinlichkeit auf den Blutgerinnungsfaktor Fibrinogen zurückzuführen ist. Männer, die einen Fibrinogenwert in den oberen 20 Prozent hatten, hatten eine viermal höhere Wahrscheinlichkeit, eine Herzkrankheit zu erleiden, als jene mit Werten in den unteren 20 Prozent.

Raucher haben anscheinend einen hohen Fibrinogenwert, was die seit langem geäusserten Befürchtungen hinsichtlich eines Zusammenhangs zwischen Rauchen und Herzinfarkt erklären würde. Andere Forschungen geben hohen Werten der Aminosäure Homocystein die Schuld.

Die neueste Theorie geht davon aus, dass ihr grösster Risikofaktor ein niedriger Melatoninwert ist. Ärzte an der Universität Wien fanden, dass Menschen mit Herzproblemen eine Tendenz haben, nachts geringere Mengen dieses Hormons zu produzieren.

Normalerweise wird bei gesunden Menschen Melatonin während des Schlafens freigesetzt. Dies unterbricht oder verlangsamt die Tätigkeit der endokrinen Drüsen, die das Wachstum und den Metabolismus beeinflussen.

Cholesterin kein Risiko für Herzerkrankungen?

Ob sich dieses als neues "Risiko" herausstellt oder ob es sich hier um die neueste falsche Spur handelt, bleibt offen. Die Tatsache ist, dass Cholesterin sich für gar nichts als Risikofaktor bewiesen hat.

Eine neue, bedeutende Studie aus Kalifornien entdeckte, dass anscheinend weder hohe noch niedrige Cholesterinwerte irgendeinen Einfluss auf irgendwelche bedeutenden Krankheiten haben, einschliesslich Herzkrankheit und Krebserkrankungen. Die Forscher an der Universität von Südkalifornien, die ungefähr 2.000 Todesfälle in einer Gruppe von 7.000 Männern japanischer Abstammung und mittleren Alters analysierten, kamen zu dem Ergebnis, dass der vorzeitige Tod durch andere Risikofaktoren, nie jedoch ausschliesslich durch Cholesterin, verursacht wurde.

Selbst bei älteren Patienten, die logischerweise das grösste Risiko tragen, gelang es der Wissenschaft nicht, eine Beziehung zwischen hohen Cholesterinwerten und Herzerkrankungen herzustellen. Eine grosse Gruppe von Patienten im Alter über 70 wurde über vier Jahre beobachtet. Ein hoher Cholesterinspiegel (über 240 Milligramm pro Deziliter) verursachte kein grösseres Risiko an irgendetwas zu sterben, einschliesslich Herzerkrankungen, einem Herzinfarkt oder einer instabilen Angina pectoris.

Fettarme Ernährung kann zu einem Gesundheitsrisiko führen

Bei Frauen könnte eine fettarme Ernährung sogar zu einem erhöhten Risiko von Herzerkrankungen führen. In einer Gruppe mit 15.000 schottischen Frauen wurde beobachtet, dass diejenigen, die einen höheren Cholesterinspiegel als Männer hatten, eine geringere Wahrscheinlichkeit hatten, an Herzerkrankungen zu sterben als die Männer mit den höchsten Werten.

Wenn der Cholesterinspiegel einer Frau gesenkt wird, scheint sich auch der Wert der hochverdichteten Lipoproteine (HDL) zu senken. Es handelt sich hier um das gute Cholesterin, das in der Tat gegen Herzerkrankungen schützt.

Unabhängig vom Geschlecht weisen die Erfahrungswerte darauf hin, dass die Anzahl von Menschen, denen mit cholesterinsenkenden Medikamenten geholfen werden kann, sehr gering ist. In einer Studie profitierten nur diejenigen, die anfänglich ein sehr hohes Risiko für eine Erkrankung der Herzkranzgefässe hatten.

Bei denjenigen, die ein mittleres Risiko hatten, führten die Medikamente zu keinerlei Veränderungen, und bei Patienten mit einem geringen Risiko war die Wahrscheinlichkeit, an der Behandlung zu sterben, grösser wie wenn sie nicht behandelt wurden.

Senkung des Cholesterins bedeutet keine Prävention

Selbst wenn sie kurzfristig den Cholesterinspiegel senken, könnte es sein, dass Cholesterinmedikamente keinen langfristigen Nutzen in der Prävention von Arterienkrankheiten haben. Selbst nach Jahren der Einnahme von Simvastatin, einem cholesterinsenkenden Medikament, waren die Patienten mehrerer europäischer Behandlungszentren in ihren Bemühungen, der Verstopfung ihrer Arterien vorzubeugen, nicht erfolgreicher, als sie ohne Einnahme des Medikaments gewesen wären.

Angesichts dieser Flut neuer Beweise traten zahlreiche Ärzte an die Öffentlichkeit und gaben Ihrer Sorge hinsichtlich der überhand nehmenden Behandlung mit cholesterinsenkenden Mitteln Ausdruck. Michael Oliver, Direktor des Wynn Institut for Metabolic Research (Institut für Stoffwechselforschung) im nationalen Herz- und Lungeninstitut in London, betonte, dass es in allen grossen Studien bis zum heutigen Datum einen deutlichen Mangel an Beweisen dafür gibt, dass irgendwelche Medikamente Leben retten.

Skepsis der Ärzte sollen durch Studien zerstreut werden

Diese wachsende Skepsis unter Ärzten wurde 1994 durch die Veröffentlichung einer einzigen Studie, der skandinavischen Simvastatin Überlebensstudie, praktisch beiseite gekehrt. Die Studie schien die Anwendung cholesterinsenkender Medikamente, zumindest bei Patienten mit Herzleiden und hohem Cholesterinwert, zu rechtfertigen. Die Studie, die 4S genannt wurde, beobachtete 4.444 Patienten ("vier" war hier offensichtlich das Leitmotiv) mit einem Herzleiden und hohen Cholesterinwerten.

Nach fünfeinhalb Jahren hatte die Gruppe, die Cholesterinmedikamente erhielten, eine um 42 Prozent niedrigere Rate tödlicher Herzinfarkte und ein Drittel weniger Herzleiden als die Gruppe, der Placebos verabreicht wurden. (Frauen in der Gruppe hatten nicht die gleichen verbesserten Überlebenstatistiken; obwohl nur ein Fünftel der Studienteilnehmer Frauen waren, lag in der Placebogruppe die Sterblichkeitsziffer halb so hoch wie bei den Männern, was wiederum andeutet, dass ein hoher Cholesterinspiegel ein bedeutungsloser Indikator für künftige Herzerkrankungen bei Frauen sein könnte).

Innerhalb einer Woche hatte die medizinische Presse sich wieder an den fahrenden Cholesterinzug angekoppelt und proklamierte: "Simvastatin rettet Leben." Michael Brown und Josef Goldstein, die Nobelpreisträger des Jahres 1985 für ihre Arbeit im Zusammenhang mit Cholesterin, brachen ein langes Schweigen über die Cholesterin-Kontroverse. Im Rahmen einer Versammlung der American Heart Association (amerikanischer Herzverband) in Dallas, Texas sprachen sie 1994 über die in der skandinavischen Studie enthaltenen "wegweisenden" Ergebnisse und "definitiven Antworten."

Der 4S Studie folgte innerhalb kürzester Zeit eine schottische Studie, die westschottische Studie zur Prävention von Gefässerkrankungen (WOSCOP Studie). Diese stellte die Behauptung auf, dass Pravastatin, ein weiteres cholesterinsenkendes Medikament der "Statingruppe", bei Männern, die einen hohen Cholesterinspiegel aber keine Vorgeschichte von Herzerkrankungen hatten, ein Drittel der Herzinfarkte verhindern könnte.

Weitere Studien, unter anderem eine Studie, die alle vorhergehenden überprüfte, kamen zu dem Ergebnis, dass Pravastatin die Anfälligkeit für Herzinfarkte um mindestens 60 Prozent reduziert und das Verhärten der Arterien verlangsamen könnte.

Obwohl es viele wichtige Unterschiede zwischen diesen Untersuchungen gab, war die Wirkung auf die breite Masse der Mediziner elektrisierend. Die WOSCOP Studie wurde allgemein so interpretiert, dass ansonsten gesunde Männer mit hohen Cholesterinwerten durch die Einnahme cholesterinsenkender Medikamente ihr Risiko, an einer Herzkrankheit zu sterben, um beinahe ein Drittel senken könnten. Allen Patienten mit erhöhten Cholesterinwerten wurden ungeachtet ihres Alters oder Geschlechtes auf unbegrenzte Zeit cholesterinsenkende Medikamente verschrieben.

Ein Krankenhaus in Dundee/Schottland, führte Statistiken über die Anzahl der verordneten Cholesterinmedikamente vor und nach der Veröffentlichung der 4S Studie, und stellte eine bemerkenswerte Zunahme sowohl im prozentualen Anteil der Patienten fest, bei denen Cholesterin gemessen wurde (um ein Drittel) als auch im Anteil der Patienten, denen Medikamente verschrieben werden (um fast das Achtfache).

Bei vielen Patienten, die das Medikament erhielten, handelte es sich um ältere Menschen oder Frauen, obwohl die Medikamente eigentlich gar nicht im Hinblick auf diese Patientengruppen untersucht worden waren. Obwohl die 4S Studie bei Frauen nur einen begrenzten Nutzen der cholesterinsenkenden Medikamente aufzeigte und obwohl Frauen gar nicht in der WOSCOPS Studie eingeschlossen waren, sind doch mehr als die Hälfte aller Cholesterinpatienten, die in den USA das Medikament erhalten, Frauen.

Werden Studien manipuliert?

Nur einige unerschrockene Dissidenten haben die Struktur der 4S Studie in Frage gestellt und haben, wie sie es sehen, auf eine Anzahl von elementaren Fehlern hingewiesen. Zuerst einmal durfte jeder, der an einer Erkrankung der Herzkranzgefässe litt, an der Studie teilnehmen, ganz gleich ob seine Krankheit von verhärteten Arterien verursacht wurde oder nicht.

In der Gruppe die behandelt wurde, gab es zusätzlich 38 Menschen, die zum Zeitpunkt ihrer Aufnahme in die Studie bereits einen chirurgischen Bypass- Eingriff oder eine Angioplastie (Gefässaufdehnung) hinter sich hatten, und deren Sterbewahrscheinlichkeit aus diesem Grunde geringer war. Und in der Kontrollgruppe gab es 54 mehr Raucher, was unter Umständen einen Einfluss auf die höhere Sterblichkeitsrate in dieser Gruppe gehabt haben könnte.

Ungenaue Wissenschaften - Placebos mit Nebenwirkungen

William Stehbens von der medizinischen Fakultät Wellington in Neuseeland wies darauf hin (und als Pathologe sollte er es wissen), dass das Diagnostizieren von CHD oder die Messung des Erkrankungsgrades bei der Arteriosklerose eine sehr ungenaue Wissenschaft ist - bis der Patient stirbt.

In der 4S Studie lag der tatsächliche Unterschied in der Sterberate unter Einbeziehung sämtlicher Todesursachen zwischen den zwei Gruppen bei nur 3,3 Prozent. Zu guter Letzt bemerkt Stehbens fast beiläufig, dass die Kontrollgruppe ein Placebo einnahm, das Methyl-Zellstoff enthielt, das, wenn es Kaninchen intravenös verabreicht wird, zu Gewebeablagerungen in den Arterien führt. Dieser Zustand ist vergleichbar mit den Auswirkungen der Arteriosklerose.

In der WOSCOP Studie war die Anzahl der Todesfälle in der Kontrollgruppe (die das Medikament nicht nahm) auf Grund von Herzerkrankungen höher als in der Gesamtbevölkerung. Sie lag näher an den durchschnittlichen Todesraten für Menschen, die 10 Jahre oder älter sind. Dies deutete darauf hin, dass der Gesundheitszustand bestimmter Patienten, die ausgewählt wurden, um den "Durchschnittsbürger" darzustellen, schlechter als normal war.

Ausserdem ist zu sagen, dass Pravastatin in der WOSCOPS Studie zwar den Cholesterinwert und die Anzahl von Herzinfarkten bzw. Todesfällen aufgrund von Herzinfarkten reduzierte, jedoch nicht wesentlich zur Lebensrettung bei Erkrankungen der Herzkranzgefässe oder anderen Ursachen beitrug. Eine Überprüfung aller Studien mit Pravastatin konnte nicht darstellen, dass eine Reduzierung von Herzinfarkten zu einem erheblichen Anstieg der Überlebensrate führt.

Unerhebliche Überlebensraten

Verbesserungen in der Todesrate wurden - mit Ausnahme von Herzinfarkten - nicht als "statistisch bedeutsam" betrachtet. Und selbst wenn man die Überlebensstatistiken von Herzinfarkten mit einbezieht, verbesserte sich die Gesamtüberlebensrate über fünf Jahre im WOSCOPS Versuch insgesamt nur von 96 auf 97 Prozent und in der 4S Untersuchung von 87,7 auf 91,3 Prozent.

Lebenslängliche Medikamentengabe belastet den Organismus nicht unerheblich

Dies bedeutet, dass vielen Menschen ohne Vorgeschichte von Herzinfarkten eventuell auf Lebenszeit die Einnahme cholesterinsenkender Medikamente verordnet wird - für einen äusserst minimalen Nutzen. Das andere Problem mit einer cholesterinsenkenden "lebenslänglichen Medikamentenverschreibung" ist, dass es immer noch sehr viel gibt, das wir nicht über diese Art von Medikament wissen.

Patienten wird geraten, Statine bis zu ihrem Tode einzunehmen, obwohl der Nutzen dieser Medikamente bei älteren Menschen nicht geprüft worden ist. In der Tat zeigen andere Forschungen, dass ein höherer Cholesterinspiegel bei Menschen über 55 Jahren ein geringerer Risikofaktor (oder möglicherweise sogar irrelevant) ist. Und natürlich wissen wir nicht, welche Auswirkung diese Medikamente auf jemanden haben, der sie über viele Jahre einnimmt.

Dr. Thomas Newman von der Universität von Kalifornien in San Francisco, der sehr viel über die medizinische Politik in den USA, in Bezug auf Cholesterin, schrieb, hat epidemiologische Daten untersucht, die erkennen lassen, dass diese Medikamente weniger wohltuend sind für Frauen, ältere Menschen und jüngere Männer (in den beiden grossen Cholesterinstudien handelte es sich bei allen Teilnehmern um Männer mittleren Alters).

Erhöhte Todesrate bei Frauen durch Medikamente?

Es gibt eventuell sogar eine leicht erhöhte Todesrate bei Frauen, die cholesterinsenkende Medikamente einnehmen. In jedem Fall sind sich die Ärzte uneinig darüber, ob Frauen ihr Cholesterin senken sollten. Frühere Beweise haben gezeigt, dass das Risiko einer Frau, ein Herzleiden zu bekommen, durch eine cholesterinarme Ernährung nicht reduziert wird. Es gibt keine Beweise, die hohe Cholesterinwerte bei Frauen mit Herzleiden im späteren Leben in Verbindung bringen.

Einige Forscher haben auch bemerkt, dass in der 4S Studie die Anzahl der Patienten, die an allen möglichen Ursachen starben, leicht erhöht war. Obwohl diese Zahl nicht als bedeutungsvoll betrachtet wurde, benötigen wir mehr Studien über die Medikamente, um festzustellen, ob diese cholesterinsenkenden Mittel für die Zunahme der Todesfälle aufgrund anderer Ursachen verantwortlich sein könnten. Bislang wissen wir, dass eine niedrige Blutcholesterinkonzentration eine Gehirnblutung verursachen kann.

Kosten überwiegen den Nutzen

Nur wenige haben sich die Zeit genommen, die finanziellen Auswirkungen dieser Studie in Betracht zu ziehen. Wenn die WOSCOPS Studie eine 2,2 prozentige Verhütung von Herzinfarkten demonstriert, bedeutet das in die Realität übersetzt, dass 143 Männer, die einen hohen Cholesterinspiegel haben, fünf Jahre lang behandelt werden müssen, um einen Todesfall mit kardiovaskulärer Ursache zu verhindern. In den USA kostet ein Monatsbedarf an Pravastatin für einen Patienten DM 180,- oder DM 10.400,- pro Patient für fünf Jahre. Das bedeutet, dass Medikamente im Wert von DM 1,45 Millionen gekauft und eingenommen werden müssen, um eventuell einen Todesfall zu verhindern.

Da die Häufigkeit des Auftretens von Herzerkrankungen bei Frauen mittleren Alters nur etwa ein Viertel der Erkrankungen bei Männern beträgt, könnte es sogar DM 5,8 Million kosten, den Tod einer Frau durch Herzkrankheit zu verhindern. Und wenn wir dann über die Fälle von nur leicht erhöhtem Cholesterin reden, steigt die Anzahl der Menschen, die behandelt werden müssen, um einen Herzanfall zu verhindern, sogar noch höher.

Ein gewaltsames Ende wahrscheinlicher

Das grösste Problem mit der Cholesterinsenkung ist, dass Patienten, die sich einem cholesterinsenkenden Programm anschliessen, mit grösserer Wahrscheinlichkeit an anderen Ursachen sterben werden. Anfang der neunziger Jahre wurde eine Reihe gross angelegter Studien veröffentlicht, die aufzeigten, dass Patienten, die eine Cholesterindiät machten oder Medikamente einnahmen, sehr viel wahrscheinlicher an einem gewaltsamen Tod starben , einschliesslich Selbstmord, als jene, die keine Diät machten. Diese bizarre Verbindung wurde als "reiner Zufall" abgetan - bis sie von einer Anzahl späterer internationaler Studien bestätigt wurde.

Niedrige Cholesterinwerte für Selbstmord mit verantwortlich?

Eine neue Untersuchung aus Italien bestätigte, dass Menschen mit niedrigen Cholesterinwerten tatsächlich zum Selbstmord neigen. Wissenschaftler in Corso studierten den Blutgehalt von 300 Menschen, die einen Selbstmordversuch unternommen hatten, im Vergleich zu der gleichen Anzahl von Menschen, die niemals versucht hatten, sich das Leben zu nehmen. In fast allen Fällen hatten die Personen in der Selbstmordgruppe zu dem Zeitpunkt, als sie versuchten sich umzubringen, einen niedrigeren Cholesterinwert.

Cholesterinsenkende Medikamente oder sogar eine sehr fettarme Ernährung tragen möglicherweise zu einer Abnahme des Gehirnhormons Serotonin bei, das normalerweise negative Impulse kontrolliert, wie zum Beispiel aggressives Verhalten. In Tierstudien mit Mäusen zeigte sich bei reduzierten Cholesterinwerten auch eine Abnahme in der Anzahl der Serotonin-Rezeptoren im Gehirn der Tiere.

Eine Auswirkung der neuen Antidepressivakategorie "selektiver Serotoninwiederaufnahmehemmer" (SSR1), beispielsweise Fluoxetine (Prozac), ist, dass Serotonin am Erreichen bestimmter Zellen im Nervensystem gehindert wird. Patienten, die dieses Medikament nehmen, haben in vielen Fällen über das Auftreten gewaltsamer oder selbstmörderischer Tendenzen berichtet.

Erhöhte Depressionen bei niedrigem Cholesterin

Eine Studie in einer geriatrischen Abteilung in Italien stellte fest, dass unter den älteren Menschen das Risiko des Auftretens von Depressionen am höchsten bei den Patienten mit der niedrigsten Blutkonzentration war.

Wissenschaftler an der Universität von Kalifornien in San Diego haben ihre eigene Theorie über die Verbindung zwischen niedrigen Cholesterinwerten und gewaltsamen Todesfällen. Die Forscher aus Kalifornien fanden heraus, dass in der Gruppe der über Siebzigjährigen Depressionen dreimal häufiger bei Menschen mit niedrigem Blutcholesterinspiegel auftraten.

Desweiteren stellten sie fest, dass das Ausmass von Depressionen mit dem Cholesterinspiegel korrelierte: je niedriger das Cholesterin, um so deprimierter ist der Patient.37 Dieses Problem kommt vielleicht nur bei älteren Menschen vor, weil es bei jüngeren Menschen keine Beweise gibt für eine Beziehung zwischen Gewalt und Medikamenten, die eingenommen werden, um Cholesterinwerte zu kontrollieren.

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Menschen, die an Gewichtsabnahmeprogrammen teilnehmen, reduzierte Tryptophanwerte in ihrem Blut haben. Auch Frauen, die sich einer sehr fettarmen Diät unterziehen, haben niedrigere Tryptophanwerte und eine bedeutsame Veränderung in ihren Serotoninwerten.

Tryptophan verantwortlich?

Serotonin wird hauptsächlich aus Tryptophan, einer essentiellen Aminosäure, abgeleitet. Wir erhalten Tryptophan aus bestimmten Nahrungsmitteln, hauptsächlich von Proteinen und diätetischen Nahrungsergänzungsprodukten. Wenn man die Ernährung in mehreren Ländern vergleicht, dann haben jene mit einer niedrigeren Tryptophanaufnahme eine höhere Selbstmordrate. Wir haben auch Beweise dafür, dass Patienten, die unter starken Depressionen leiden, einen niedrigen Tryptophanwert haben, und es geht ihnen schlechter, wenn ihre Nahrungsaufnahme weniger Tryptophan enthält. Wenn sie sich von ihren Depressionen erholen, erhöhen sich auch ihre Tryptophanwerte.

Andere Beweise haben aufgezeigt, dass je höher der Cholesterinwert ist, umso höher ist das Risiko von Selbstmorden während eine Gesamtübersicht nicht in der Lage war, diese Verbindung herzustellen.

Aber vielleicht liegt die Antwort in der Veränderung unserer Nahrungsmittelaufnahme im Verlauf des letzten Jahrhunderts. In dieser Zeit hat sich das Verhältnis von den zwei Kategorien essentieller Fettsäuren verändert. Es ist erkennbar, dass die Omega-3-Fettsäuren, die man in fetthaltigen Fischen und Flachskornöl findet, abgenommen haben. Bei einer Veränderung dieses Verhältnisses (was entweder in einer fettreichen oder fettarmen Nahrungsaufnahme der Fall wäre), zeigte sich hei den Patienten eine Zunahme der Depression.

Ganz gleich wie die Beziehungen sind, es ist offensichtlich, dass die Medizin noch nicht die delikaten Beziehungen der hormonellen Mitteilungen, die das Gehirn erhält, versteht, noch die diätmässigen Anforderungen, die notwendig sind, sie aufrechtzuerhalten. Durch ein gut gemeintes Herumprobieren könnte sie wesentlich mehr Schaden anrichten als die schlechteste aller westlichen Ernährungen.

Cholesterinmedikamente - unsicher und unbefriedigend

Cholesterinmedikamente werden auch aus anderen Gründen als unsicher attackiert. Nach einem Versuch der Weltgesundheitsorganisation, der zeigte, dass Clofibrate (Atroid) die Sterblichkeitsziffer von Kranken um 44 Prozent erhöhte, haben viele Ärzte aufgehört, dieses Medikament zu verschreiben. Wenn das Medikament abgesetzt wurde, fiel die Sterblichkeitsziffer wieder auf normale Werte.

Nebenwirkungen auf Rezept

Questran (Colestyramin), ein weiteres Medikament, das routinemässig verschrieben wird, um den Cholesterinwert zu senken, kann Verstopfungen, Blähungen, Sodbrennen, Übelkeit, Durchfall, Magenverstimmungen, Hautausschläge und in seltenen Fällen einen Fettstuhl verursachen. Es kann auch zu Vitamin K Mangel führen, was erhöhte Blutungen zur Folge hat, da die Gerinnungsfähigkeit des Blutes gehemmt wird.

In Tierstudien wurde Colestyramine mit Darmkrebs in Verbindung gebracht. Es wurde von Fällen berichtet, wo Patienten nach der Einnahme von Gemfibrozil, einem weiteren cholesterinsenkenden Medikament, sexuelle Funktionsstörung hatten. Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Einnahme bestimmter Cholesterinmedikamente die Krebsrate um ein Drittel erhöht.

Margaret aus Surrey, England, nahm 18 Monate lang Zocor (Simvastatin) ein. Sie sagt, dass sie das Medikament nie genommen hätte, wenn ihr Arzt ihr die Nebenwirkungen mitgeteilt hätte:

Als ich bei meinem Arzt über diese Wirkungen klagte, tat er sie ab. Zu meiner Klage über einen trockenen Mund, sagte er beispielsweise, dass ich nicht genug Wasser trank. Zum Nasenbluten, das ich noch nie zuvor gehabt hatte, sagte er lediglich, dass ich einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aufsuchen sollte, um meine Nase kauterisieren (verätzen) zu lassen.

Ein Kardiologe half mir; meinen Blutdruck zu senken, wodurch die extreme Kurzatmigkeit, unter der ich gelitten hatte, behoben wurde. Aber seit der Einnahme von Zocor, macht mich die stark zunehmende Atemlosigkeit (bei jeder geringsten Anstrengung) praktisch bewegungsunfähig! Obwohl ich im August aufgehört habe das Medikament zu nehmen, dauert mein schlimmer Juckreiz noch an.

Neulich sah ich eine Anzeige für ein ähnliches Cholesterinmedikament in einer Zeitschrift. Im Kleingedruckten der Anzeige standen eindeutig einige von den Nebeneffekten, an denen ich litt. Warum hat mein Arzt nie in Erwägung gezogen, dass Zocor die Ursache für meine Probleme sein könnte?

Wie Margaret richtig feststellte, sind ein trockener Mund, Kurzatmigkeit, Blutgerinnungsprobleme und Juckreize nur einige von einer Vielzahl der Nebeneffekte von cholesterinsenkenden Medikamenten - inklusive einiger Fälle mit dem Risiko eines Herzinfarktes

Verursachen cholesterinsenkende Medikamente Krebs?

Der neueste Verdacht ist, dass langzeitig eingenommene cholesterinsenkende Medikamente Krebs verursachen könnten. Dr. Thomas Newman, ein Cholesterinexperte von der Universität von Kalifornien in San Francisco und sein Kollege Dr. Stephen Hulley analysierten die im Physician`s Desk Reference, dem umfassenden amerikanischen Medikamentenverzeichnis, veröffentlichten Fakten sowie Bevölkerungsstudien über Krebs und Cholesterinwerte und klinische Versuche über Cholesterinsenkungen, um eine klare Verbindung zwischen einigen beliebten cholesterinsenkenden Medikamenten und einem Krebsrisiko zu entdecken.

Tests, die an Nagetieren durchgeführt wurden, zeigten eindeutig die krebserregende Wirkung der Medikamente, besonders wenn sie über längere Zeit eingenommen werden.

Dr. Newman und Dr. Hulley deuten an, dass die von Patienten eingenommenen Mengen cholesterinsenkender "Statin" Medikamente sich in der Nähe der Menge befindet, die sich als krebserregend hei diesen experimentellen Tieren herausgestellt hat.

In Grossbritannien wird Gemfibrozil, das als Lopid (Deutschland: Gevilon) verkauft wird, mit Tumorwachstum bei Mäusen und Ratten in Verbindung gebracht, aber nur, wenn den Tieren das Zehnfache der empfohlenen täglichen Dosen gegeben wurden.

Obwohl andere Medikamente, die Krebs bei Tieren verursachten, keine Bedrohung für Menschen dargestellt haben, argumentieren Newman und Hulley, dass die Einnahmemenge der cholesterinsenkenden Medikamente bei Menschen sehr viel näher an der Dosis liegt, die Krebs bei Nagetieren verursacht hat.

Das britische pharmazeutische Nachschlagwerk ABPI Data Sheet Compendium berichtet bei Ratten, denen die Überdosis gegeben wird, von einer "bedeutenden Zunahme" von Leberkrebs. Seit ihrer Zulassung sind mehrere cholesterinsenkende Medikamente mit Lungen-, Schilddrüsen-, Hoden- und Lymphknotenkrebs assoziiert worden.

Medikamente zu schnell zugelassen?

Die Wissenschaftler bemerken, dass die Medikamente auf der Grundlage von klinischen Versuchen, die keine 10 Jahre dauerten, von der amerikanischen FDA (Arzneimittelbehörde) genehmigt wurden. Sämtliche Wirkungen dieser Medikamente werden vielleicht aber erst nach 30 Jahre offensichtlich, vor allem, da heutzutage vielen Patienten die jahrzehntelange Einnahme von Medikamenten nahe gelegt wird.

Das krebserregende Potential zweier Medikamente, Lovastatin (BRD: Mevinacor) und Gemfibrozil, wurde in einem Treffen des Medikamentenausschuss der FDA diskutiert. Der Vertreter des Medikamentenherstellers von Lovastatin "spielte die Bedeutung der Studien herunter", behaupten die kalifornischen Forscher. Des Weiteren waren die Daten in Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht aufbereitet worden, was möglicherweise den Ausschuss verwirrt hat.

Obwohl das Medikament genehmigt wurde, scheint es, als ob der FDAAusschuss doch Bedenken gehabt hatte. Seine ursprüngliche Empfehlung lautete, Gemfibrozil nur als Medikament im äussersten Notfall zu verwenden, nachdem körperliches Training, Diäten und Gewichtskontrolle nicht in der Lage waren, den Cholesterinwert zu senken.

Die heutige Beliebtheit des Medikamentes deutet darauf hin, dass es wesentlich öfter benutzt wurde, als es der Ausschuss wollte. Die Verwendung von Cholesterin Medikamenten hat sich im letzten Jahrzehnt verzehnfacht. Im Jahr 1992 wurden allein in den USA 26 Millionen Verschreibungen registriert.

Obwohl Newman und Hulley darin übereinstimmen, dass die Weiterführung bewiesener Schädigungen an Nagetieren auf den Menschen ein unsicheres Unterfangen ist, drängen sie nicht auf ein umfassendes Verbot.

Ihrer Ansicht nach überwiegt bei Männern mit sehr hohen Blutcholesterinwerten und einem dadurch erhöhten kurzfristigen Herzinfarktrisiko der Nutzen der Medikamente, sofern das Medikament nicht länger als fünf Jahre eingenommen wird. Sie glauben aber, dass alle, bei denen kein hohes Risiko besteht, dieses Medikament vermeiden sollten. Das gilt im Besonderen für Menschen, deren Lebenserwartung 20 Jahre übersteigt.

Ernährungsempfehlungen der WHO in Frage gestellt

Obwohl der erneute Glaube an cholesterinsenkende Medikamente den Fokus von der Ernährung als eine vorbeugende Massnahme entfernt, sind die alten Ernährungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die niedrigen Cholesterinwerte und der amerikanische Herzverband in Frage gestellt worden.

Eine Ernährung mit einem hohen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fetten senkt erwiesenermassen den Cholesterinspiegel, nicht jedoch das Risiko einer Herzerkrankung oder zu sterben. In der Tat stellen einige theoretische Studien in Frage, ob eine solche Ernährung nicht sogar die Bildung von Ablagerungen in den Arterien erhöht.

Nach Aussage von Petr Skrabanek und James McCormick haben einige gross angelegte Studien die Auswirkungen der WHO-Empfehlungen untersucht. Die WHO empfiehlt, die Fettaufnahme auf 30 Prozent der gesamten Nahrungsaufnahme zu beschränken, wobei jeweils nicht mehr als 10 Prozent in Form von gesättigten, einfach ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fetten aufgenommen werden sollten. Nachdem 828.000 "Menschenlebensjahre" untersucht worden waren, schrieben sie, dass bei 10.000 Männern pro Jahr 4 Todesfälle weniger zu verzeichnen waren. "Solch ein kleiner Unterschied befindet sich eindeutig innerhalb des Bereichs des Zufalls.

Vegetarische Diät führt zu höherem Wohlbefinden

Es gibt Diät-/Ernährungsmassnahmen, die bewiesenermassen Herzkrankheiten wieder rückgängig machen können. Aber sie sind komplexer als jene, die ganz einfach den Fettgehalt reduzieren.

Eine Gruppe von Patienten wollte feststellen, ob eine umfassende Änderung der Lebensgewohnheiten die Herzkranzgefässverkalkung beeinflussen könnte. Sie befolgten eine fettarme, vegetarische Diät, hörten auf zu rauchen, lernten Stressbewältigungstechniken und unterzogen sich einem moderaten Trainingsprogramm.

Sie wurden mit einer anderen Patientengruppe mit ähnlich verstopften Arterien verglichen, die ihre Lebensgewohnheiten nicht änderten. Nach einem Jahr hatten sich die Arterien des Herzens in der vegetarischen Gruppe um 3 Prozent erweitert, während sie sich in der Kontrollgruppe um 4 Prozent verengt hatten.

Änderung der Lebensgewohnheiten für zum Rückgang von Herzerkrankungen

Insgesamt hatten 82 Prozent der Mitglieder der experimentellen Gruppe eine Verbesserung gezeigt. Dies demonstrierte, dass sich eine schwere Herzkranzgefässverkalkung durch eine umfassende Veränderung der Lebensgewohnheiten auch ohne Medikamente in einem einzigen Jahr umkehren lässt.

Eine neuere Studie, in der die Arterien des Herzens mit einem speziellen CT-Gerät gemessen wurden, zeigte, dass die Erkrankung sich bei 99 Prozent der Patienten über fünf Jahre wieder rückgängig machen liess.

In einer anderen Studie, in der sich Patienten nur einer cholesterinsenkenden Diät unterzogen, waren diese ebenfalls in der Lage, Arterienerkrankungen des Herzens rückgängig zu machen - fast im gleichen Ausmass wie jene, die eine Diät machten und Medikamente nahmen. Bei Läuferinnen wurde festgestellt, dass ihre hochverdichteten Lipoproteinewerte (HDL-das "gute" Cholesterin, das unser Körper braucht und das uns anscheinend vor Herzkrankheiten schützt) anstiegen, je mehr sie trainierten.

Aufgabe des Rauchens äusserst sinnvoll

Das Rauchen aufzugeben ist möglicherweise eine der sinnvollsten Veränderungen Ihrer Lebensgewohnheiten, da das Rauchen wahrscheinlich die Anomalien der Blutgefässe bei Menschen mit hohem Blutcholesterin verschlimmert.

Trotzdem gibt es Unklarheit darüber, welche fettarmen Diäten am geeignetsten sind. Einige der sehr fettarmen Diäten können den HDL- Cholesterinwert verändern oder zu einem niedrigen Wert an essentiellen Fettsäuren führen, was mit einem erhöhten Risiko von Herzinfarkten assoziiert worden ist.55 Selbst die zwei Kardiologen, die die vegetarischen Diätstudien durchführten, konnten sich nicht darüber einig werden, ob die Patienten reine Vegetarier sein oder sich einer kohlenhydratreichen oder kohlenhydratarmen Diät unterziehen sollten.

Margarine und andere "Plastik"-Nahrungsmittel

Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass Patienten, die eine fettarme Diät einhalten, oftmals verarbeitete fettarme Nahrungsmittel konsumieren, die selbst wiederum zur Förderung der Krankheit beitragen können. Die meisten verarbeiteten und fettarmen Nahrungsmittel sind arm an essentiellen Fettsäuren. Wenn sie verzehrt werden, verursacht dies im Normalfall ein Ungleichgewicht in unserem Körper, das dazu führt, dass das "gute" Cholesterin im Körper reduziert und das "schlechte" Cholesterin erhöht wird.

Eines der gefährlichsten fettarmen Nahrungsmittel scheint die Margarine zu sein, die aus hydrogenisiertem Öl hergestellt wird (zu Deutsch: gehärtete Fette). Bei der Hydrogenisierung wird das Öl auf eine hohe Temperatur erhitzt und mit Wasserstoff durchsetzt.

Die Hydrogenisierung wurde erstmals 1912 eingesetzt, damit mehrfach ungesättigte Fette mit Butter und Schmalz konkurrieren konnten. Während der Hydrogenisierung entstehen Trans-Fettsäuren. Diese künstlichen ungesättigten Fettsäuren haben eine andere Molekularstruktur, als man im Gewebe von Menschen und anderen Säugetieren vorfindet. Dieser Produktionsprozess, der in der Herstellung von Margarine benutzt wird, kreiert "TransIsomere" von Fettsäuren, die der chemischen Konfiguration von gesättigten Fetten ähneln. Der Anteil von Trans-Fettsäuren (TFAs) in verarbeiten Nahrungsmitteln kann zwischen 5 und 75 Prozent des gesamten Fettgehaltes schwanken.

Niemand kennt die Inhaltsstoffe

Weder britische noch deutsche Gesetze verlangen von den Herstellern Angaben über die Menge des in einem Produkt enthaltenen hydrogenisierten Fett. Sie müssen nur angeben, ob es vorhanden ist oder nicht.59 TFAs können eine "katastrophale" Auswirkung auf die Fähigkeit Ihres Körpers haben, essentielle Fettsäuren zu verarbeiten, sagt der Ernährungsexperte Dr. Leo Galland, Autor des Buches Superimmunity for Kids (Superimmunität für Kinder, erschienen bei E. P. Dutton).

Erhitzte gehärtete Fette ( Transfettsäuren ) verwandeln sich in Plastik

Hydrogenisierte Fette sind noch gefährlicher, wenn sie erhitzt werden. Sie verwandeln sich dann in eine Substanz, die den in Plastik enthaltenen Polymeren ähnelt.

Gehärtete (hydrogenisierte) Fette findet man in Schnellgerichten wie Pommes frites und Berlinern und in den pflanzlichen Ölen, die zu Backfetten und Keksen verarbeitet werden. Bis zu 10 Prozent des Inhalts einiger Margarinen bestehen aus gehärteten Fetten. Einige Hersteller, wie Van den Berghs, der Hersteller von Flora, haben jetzt alle gehärtete Fette entfernt.

George V. Mann, ein Arzt aus Nashville, Tennessee, der dieses Thema genauestens erforscht und sehr viel darüber geschrieben hat, argumentiert, dass Lipoproteinrezeptoren in den Zellen durch TFAs geschädigt werden. Weil diese Schädigung den Körper an der Verarbeitung cholesterinhaltiger Lipoproteine von geringer Dichte hindert, kurbeln die Zellen die Cholesterinproduktion an, was letztendlich zu einem höheren Cholesterinspiegel im Blut führt. Wir wissen aus zahlreichen Studien, dass sich der Blut-Cholesterinwert bei Menschen, die TFAs zu sich nehmen, schnell erhöht.

Durch Margarine erhöhtes Risiko von Herzkrankheiten

Eine andere, in diesem Fall von der medizinischen Fakultät in Harvard durchgeführte Studie, in der 85.000 Frauen acht Jahre lang beobachtet wurden, stellte fest, dass jene, die Margarine essen, ein erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten haben.

Je mehr TFAs Sie essen (die sich in Ihrem Körperfett ablagern), desto grösser ist wahrscheinlich das Risiko für eine Herzkrankheit. Eine Studie aus Wales zeigte eine klare Verbindung zwischen dem TFA-Wert im Körperfett und Todesfällen auf Grund von Herzerkrankungen.

Nicht nur, dass teilweise gehärtete pflanzliche Öle nicht in der Lage waren, die erwarteten Nutzen als Ersatz für hochkonzentrierte gehärtete Fette zu erfüllen, sie haben auch noch zum "Auftreten von Herzerkrankungen beigetragen," wie die Harvard Studie zusammenfasste.

Dr. Mary Enig, die früher in der Abteilung für Chemie und Biochemie an der Universität von Maryland tätig war, und die 600 Nahrungsmittel auf ihren Gehalt an Transfettsäuren untersuchte, geht davon aus, dass Amerikaner jeden Tag zwischen 11 und 28 Gramm an Transfettsäuren essen, das ist ein Fünftel ihrer täglichen Fettaufnahme.

Herzrkrankungen durch Transfettsäuren?

Um Ihnen eine Vorstellung zu geben wie dies passiert, müssen Sie nur wissen, dass eine grosse Portion Pommes frites, die in teilweise gehärtetem Öl gebraten werden, 8 Gramm Trans-Fettsäuren enthält, genauso viel wie 60 Gramm künstlicher Käse.

Die Harvard Studie geht davon aus, dass TFAs für 6 Prozent aller Todesfälle durch Herzkrankheiten verantwortlich sind. Das sind allein in den USA 30.000 Tote pro Jahr. Und natürlich sind die Herzkrankheitsraten in den nordeuropäischen Ländern, wo die Einnahme von TFAs hoch ist, beträchtlich, während die Herzkrankheitsrate in den Mittelmeerländern, die hauptsächlich Olivenöl als Speisefett verwenden und nur wenig TFAs einnehmen, gering ist.

Eine Epidemie von Herzerkrankungen kann direkt mit der Einführung von teilweise gehärteten Fetten in Nahrungsmitteln in Verbindung gebracht werden. Der erste Ausbruch wurde 1920 aufgezeichnet. Vor dem Ersten Weltkrieg, als Käse und Butter noch zu den Hauptnahrungsmitteln zählten, waren Todesfälle aufgrund von Thrombosen des Herzens selten. Trotzdem brachten die Forscher permanent Herzerkrankungen in Verbindung mit tierischen Fetten, die in der Butter vorkommen, und gaben so den Margarineherstellern die Gelegenheit, behaupten zu können, dass ihre Produkte besser für das Herz seien.

Die einflussreiche EURAMIC Studie, die acht europäische Länder und Israel abdeckte, legte nahe, dass es keine überzeugenden Beweise gibt, die eine Verbindung von Margarine mit Herzproblemen aufzeigen. Aber sie warnte, dass es eine gewisse Verbindung in Ländern geben könnte, wo sehr viel Margarine verwendet wird.

Die EURAMIC Studie begründete ihre Ergebnisse auf zwei Gruppen von Männern. In der einen Gruppe waren Personen mit einem schweren Herzleiden und in der anderen Gruppe Personen, die keine Vorgeschichte von Herzleiden hatten. Sie entdeckten, dass beide Gruppen ein ähnliches Niveau an Trans-Fettsäuren in ihrem Gewebe hatten.

Vollwertige Lebensmittel schützen die Gesundheit

Es gibt hier vielleicht noch ein ganz anderes Problem. In einer Studie über afrikanische Massai, die von Dr. George V. Mann durchgeführt wurde, hatten junge Männer gleich bleibend niedrige Cholesterinkonzentrationen, obwohl ihre Ernährung, hauptsächlich Milch und Rindfleisch, reich an gesättigten Fetten war. Dr. Mann kam zu dem Ergebnis, dass die Massai, die mit ihrer Kuhmilch jeden Tag ca. 4-7 g TFAs aufnahmen, sich unterhalb der Schwelle befanden, bei der die Körperfähigkeit Fett zu verbrennen, anfängt beeinträchtigt zu sein.

In den USA beträgt die durchschnittliche TFA-Aufnahme 12 - 20 g pro Tag. Es ist sogar durchaus möglich, dass die Geschichte noch viel komplizierter ist. Die Massai könnten geschützt sein, weil sie vollwertige Nahrungsmittel essen - obgleich diese gesättigte Fette enthalten -und nicht wie im Westen verarbeitete Produkte konsumieren.

Das Problem mit der heutigen Ernährung

Der Hauptgrund für die bestehende Verwirrung im Zusammenhang mit dem Cholesterinproblem, ist die Entschlossenheit der Mediziner, nach einem einzigen Ernährungsrisikofaktor zu suchen und diesen zu isolieren. Es gibt auch ein grosses (und unangebrachtes) Interesse an wenig systematischen Methoden, an das Ernährungsproblem heranzugehen - insbesondere Mikronährstoffe, die diese oder jene Krankheit bekämpfen.

Indem die Medizin diesen Ansatz verfolgt, blendet sie sich selbst in Bezug auf ein paar offensichtliche Unterscheidungen zwischen den Bewohnern der westlichen Welt und all den etwas "einfacheren" Bevölkerungen mit geringeren Herzerkrankungen, u.a. Kulturen wie die der Eskimos, die sich auf der Basis einer fettreichen Ernährung prächtig entwickeln.

Ungesunde Nahrung erhöht die Sterblichkeitsrate

Zahlreiche Studien zeigen, dass bei primitiveren Bevölkerungen, die anfangen, westliche Nahrungsmittel zu konsumieren, gleichzeitig die Todes-Rate aufgrund von Herzerkrankungen zu steigen beginnt. Aber der Hauptunterschied zwischen dem, was sie essen und dem, was wir essen, liegt nicht im Fleisch oder Fetten, sondern in den vollwertigen Nahrungsmitteln. Der Täter scheint das gross angelegte Umwandeln oder "Zerstückeln" von all dem zu sein, was wir in den Mund tun. Dies schliesst den massiven Zusatz von raffiniertem Zucker ein, der das Blutfett erhöht und das Immunsystem schwächt.

Dr. Stephen Davies, der die gegenwärtigen Ernährungsstrukturen des 20. Jahrhunderts in der westlichen Welt untersuchte und zu den Pionieren in der Ernährungsmedizin in Grossbritannien gehört, weist darauf hin, dass die Menschen sich in den letzten 40.000 Jahren kaum verändert haben -während, zumindest hier im Westen, bei der Nahrungsaufnahme starke Änderungen zu verzeichnen sind.

Er zitiert S. Boyd Eaton und Melvin Konner, die in der Zeitschrift New England Journal of Medicine folgendes über altsteinzeitliche Ernährung geschrieben haben: "Selbst die Entwicklung der Landwirtschaft vor 10.000 Jahren hat anscheinend nur einen minimalen Effekt auf unsere Gene gehabt. Bestimmte Hämoglobinkrankheiten und das Vorhandensein von Darm-Laktase über die Kindheit hinaus, sind neuzeitliche genetische Evolutions-Trends. Aber sonst sind so gut wie keine weiteren Beispiele bekannt.

In anderen Worten, die Ernährungsindustrie ist modern und industriell, aber unser Magen befindet sich noch in der Jäger- und Sammlerphase. Damals konsumierten wir 21 Prozent unserer gesamten nahrungsbedingten Energie in Form von Fetten und 34 Prozent in Form von Protein. Wir nahmen 45,7g Ballaststoffe zu uns und hatten eine enorme Cholesterinaufnahme von 591 mg (verglichen mit dem heute üblicherweise empfohlenen Wert von 300 mg). Heute nimmt der britische Durchschnittsmann 14,1 Prozent seiner nahrungsbezogenen Energie in Form von Proteinen zu sich, 37,6 Prozent in Form von Fetten sowie lediglich 390 mg Cholesterin und 24,9g Ballaststoffe.

Essentielle Fettsäuren wichtig für das Immunsystem

Gemäss dem heutigen Nahrungsstandard hätten die Höhlenmenschen wie Fliegen sterben müssen. Es ist eindeutig, dass Fett nur ein sehr kleiner Teil der ganzen Geschichte ist. Eine der Auswirkungen der modernen Landwirtschaft und der Domestizierung von Tieren, Vögeln und Fischen, ist ein erheblicher Rückgang in unserer Einnahme essentieller Fettsäuren, die, wie wir heute wissen, lebenswichtig für ein gesundes Immunsystem sind.

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