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Kaffee schürt den Zucker-Hunger

Kaffee schürt den Zucker-Hunger

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(Zentrum der Gesundheit) – Kaffee ist nicht nur aufgrund seines Koffeingehalts problematisch. Auch die Röststoffe, die bei vielen Menschen zu Sodbrennen und anderen Unverträglichkeitsreaktionen führen, sind nicht der einzige Nachteil, den der Kaffee bereit hält. Denn Kaffee wirkt ausserdem appetitanregend. Natürlich trinken viele Menschen Kaffee, ohne etwas dazu essen zu müssen. Genauso viele bekommen beim Kaffeetrinken allerdings erst so richtig Hunger – und zwar auf Süsses. Denn Kaffee macht Lust auf Zucker. Und Zucker ist bekanntlich alles andere als gesund.

Kaffee betäubt Geschmacksinn für Süsses

Geht es Ihnen auch manchmal so? Sie holen sich im Coffee Shop nicht nur einen Coffee to go, sondern gleich noch einen Donut dazu? Das kann einerseits Gewohnheit sein, andererseits haben Forscher jetzt gezeigt (und im Journal of Food Science veröffentlicht), dass Kaffee den Appetit nach Zuckrigem erwachen lässt. Und nicht nur das. Koffein scheint den Geschmackssinn für Süsses zu betäuben. Süsses schmeckt plötzlich gar nicht mehr so süss. Also muss man immer mehr Süsses, immer mehr Zucker essen, um seinen Heisshunger nach Süssem endlich stillen zu können.

Kaffee, das alltägliche Aufputschmittel

Kaffee ist zweifellos eines der beliebtesten Getränke weltweit. Allein 57 Prozent der Deutschen trinken mehrmals täglich Kaffee. In der Schweiz sind es fast 61 Prozent. Mit nur einer Tasse täglich begnügen sich in Deutschland immerhin 25 Prozent, womit über 80 Prozent einer ganzen Bevölkerung täglich Kaffee trinken. Oft ist Kaffeetrinken keine selbstbestimmte Tätigkeit mehr. Denn hört man auf, dann folgt alsbald der typische Koffein-Entzugskopfschmerz. Also trinkt man lieber weiter Kaffee, nicht weil man will, sondern weil man muss.

Kaffee ist daher eine Droge, ein legales Aufputschmittel, dessen Allgegenwart dazu führt, dass es in den Industrienationen inzwischen kaum noch Menschen gibt, die ohne ihren Morgenkaffee ansprechbar und belastbar, geschweige denn leistungsfähig wären.

Zuckersucht folgt der Koffeinsucht

Wenn man dann auch noch zu jenen Menschen gehört, die zum Kaffee stets etwas Süsses brauchen, dann ist man nicht nur Opfer einer Koffeinsucht, sondern gleich auch noch einer Zuckersucht. Das kann für manche Menschen völlig unproblematisch sein und folgenlos bleiben, andere aber verstärken damit bestehende Krankheiten oder werden gar erst krank dadurch.

Denn Zucker begeistert nicht nur Ihre Kariesbakterien und Ihren Zahnarzt, sondern führt ausserdem zu Reaktionen im Körper, die nun wiederum chronischen Krankheiten Tür und Tor öffnen. Es beginnt mit Blutzuckerschwankungen, die weiteren Heisshunger auf Kohlenhydrate auslösen, Übergewicht begünstigen, der Darmflora schaden, dadurch das Immunsystem schwächen und langfristig chronische Entzündungsprozesse fördern. Chronische Entzündungsprozesse wiederum – so weiss man längst – sind die treuen Begleiter einer jeden chronischen Krankheit, ob diese nun Diabetes, Rheuma, Arteriosklerose, Demenz, Krebs oder Herzinfarkt heisst.

Kaffee lässt Süsses weniger süss schmecken

Ernährungswissenschaftler Dr. Robin Dando von der Cornell University in Ithaca/New York bemühte für eingangs erwähnte Studie 107 Freiwillige, die in zwei Gruppen eingeteilt wurden. Eine Gruppe erhielt eine Tasse mit starkem Kaffee (er enthielt 200 mg Koffein), die andere Gruppe erhielt entkoffeinierten Kaffee, der geschmacklich jedoch so aufgepeppt war, dass er von koffeinhaltigem Kaffee nicht unterschieden werden konnte. Beide Gruppen tranken den Kaffee mit Zucker.

Die Koffein-Gruppe empfand ihren Kaffee jedoch als weniger süss, als es die koffeinfreie Gruppe tat. Gab man nun den Probanden eine Zuckerlösung zu trinken, wurde auch diese von der Koffeingruppe als weniger süss bewertet als von der koffeinfreien Gruppe.

Koffein blockiert körpereigenen Schutzmechanismus

Koffein blockiert die Adenosinrezeptoren im Gehirn, was die aufputschende Wirkung des Koffeins verursacht. Normalerweise – also ohne die Gegenwart von Koffein – würde sich der Botenstoff Adenosin an diese Rezeptoren binden. Adenosin ist ein Stoff, der das Gehirn bzw. die Nervenzellen im Gehirn vor Überanstrengung schützt.

Sobald sich Adenosin an die Rezeptoren auf den Nervenzellen bindet, dann ist dies das Signal für die entsprechende Nervenzelle, dass sie etwas weniger arbeiten kann. Koffeinhaltiger Kaffee hebt diese entspannende und schützende Wirkung auf. Er sorgt dafür, dass man wacher wird, obwohl man vielleicht gerade Ruhe benötigen würde.

Kaffee verstärkt Lust auf Süsses

Das Blockieren der Adenosinrezeptoren hat jedoch noch ganz andere Wirkungen. Es führt zu einer reduzierten Fähigkeit, Süsses zu schmecken. Die Folge ist, dass man immer häufiger einen Heisshunger nach Süssem entwickelt. Man will endlich wieder Süsses schmecken. Doch der Süsshunger lässt sich – nach dem Genuss von Kaffee – einfach nicht mehr so leicht stillen und man verlangt nach mehr Süssem, als dies ohne Kaffee der Fall wäre.

"Wenn Sie Kaffee trinken, dann ändert dieser Ihre Geschmackswahrnehmung", erklärt Dr. Dando. "Wenn Sie also direkt nach dem Genuss von Kaffee oder anderen koffeinhaltigen Getränken etwas essen, dann kann es durchaus sein, dass die Lebensmittel anders schmecken, als Sie es gewöhnt sind."

Kaffee macht wach – ob mit oder ohne Koffein

Eine zweite Erkenntnis der Wissenschaftler rund um Dr. Dando war, dass nicht nur koffeinhaltiger Kaffee wach macht, sondern offenbar auch entkoffeinierter. Beide Gruppen waren nach dem Trinken ihres Kaffees sogar gleich agil und aktiv – unabhängig davon, ob sie nun koffeinhaltigen oder koffeinfreien Kaffee tranken.

Schon allein die Handlung des Kaffeetrinkens erhöht also die Wachheit, was man auf den guten alten Placeboeffekt zurückführt. Man weiss, dass man wach wird, wenn man etwas trinkt, das wie Kaffee schmeckt. Also wird man wach, auch wenn man nur etwas trinkt, das wie koffeinhaltiger Kaffee schmeckt, aber kein koffeinhaltiger Kaffee ist.

Dr. Dando erklärt, dass Kaffeetrinker diesbezüglich wie Pawlowsche Hunde reagieren. Immer wenn eine Glocke läutete, gab es für diese berühmten Hunde Futter und ihnen lief das Wasser im Munde zusammen. Alsbald sabberten sie schon dann, wenn nur die Glocke läutete, aber von Futter weit und breit nichts zu sehen war.

Sie brauchen also kein Koffein, um wach zu werden. Sie bilden sich das nur ein. Denn Sie schaffen es auch, völlig ohne Koffein wach zu werden. Allerdings wohl nur, wenn Sie etwas zu sich nehmen, von dem Sie denken, dass es Koffein enthalte.

Wach und munter werden ohne Kaffee

Sie könnten natürlich auch andere Massnahmen ergreifen, um wach zu werden. Denn wenn Sie morgens Probleme mit dem Fitwerden haben, regelmässig ins 11-Uhr-Loch fallen oder sich nach dem Mittagessen einfach nicht mehr konzentrieren können, dann brauchen Sie in Wirklichkeit keinen Kaffee, sondern ganz andere Dinge: Tipps dazu finden Sie hier: Melatoninspiegel natürlich erhöhen

Und wenn Sie bei sich eine Zuckersucht beobachten – ob mit oder ohne Kaffee, dann finden Sie hier Tipps, wie Sie die Zuckersucht überwinden können: Ausstieg aus der Zuckersucht

Quellen:


Ausbildung zum Ernährungsberater an der Akademie der Naturheilkunde

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