Kräutertinkturen selber herstellen
Tinkturen sind Kräuterauszüge in Alkohol. Sie können leicht selbst hergestellt werden. Man braucht weder spezielle Geräte noch außergewöhnliche Zutaten. Oft findet sich bereits alles im Haushalt:
Gläser mit Schraubverschluss, Schnaps, getrocknete Kräuter (oder frische aus dem Garten) und Filtertüten.
Das einzige, was es eventuell noch zu kaufen gilt, wären kleine Dunkelglasfläschchen mit Tropfeinsatz zum Aufbewahren der Kräutertinktur. Doch sind diese schon für wenige Euro erhältlich.
Welche Kräutertinkturen kann man leicht herstellen?
Für eine Baldriantinktur brauchen Sie die fein zerkleinerte Wurzel des Baldrians, der am besten im späten Herbst oder im zeitigen Frühjahr geerntet wird (oder im Fachhandel getrocknet gekauft werden kann).
Für eine Johanniskrauttinktur benötigen Sie die gelben Blüten des Johanniskrauts, die ab Mai bis Juni blühen, sattorangefarbene Ringelblumenblüten ergeben im Sommer eine Ringelblumentinktur und junge Brennnesselblätter eine Brennnesseltinktur für die Gelenke.
Die Niere kann mit einer Goldrutentinktur unterstützt werden, wofür Sie die Blüten und Blätter der Goldrute ernten. (Vergessen Sie hier jedoch nicht, täglich sehr viel Wasser zu trinken.).
Bei Zahnfleischentzündungen tupft man die Tinktur aus den Wurzeln der Nelkenwurz oder auch eine Nelkentinktur auf das Zahnfleisch, Warzen bestreicht man mit einer Kardenwurzeltinktur und über eine Kastanienblütentinktur freuen sich Ihre Venen.
Sobald Sie sich entschieden haben, welche Kräutertinkturen Sie herstellen möchten und die entsprechenden Pflanzen organisiert haben, gehen Sie nach dem folgenden Rezept vor.
Die Zutaten für Kräutertinkturen
Für die Herstellung von Kräutertinkturen benötigen Sie gerade einmal fünf Zutaten:
Gefäße
Um Ihre Kräutertinkturen bequem ansetzen zu können, benötigen Sie weithalsige Gläser, die sich zudem gut verschließen lassen (am besten mit Schraubverschluss). Große Einmachgläser sind gut geeignet oder andere verschließbare Gläser.
Pflanzenmaterial
Abhängig von der Art des Kräuterauszugs benötigen Sie die jeweiligen Pflanzenteile - Kräuter, Blätter, Blüten, Rinden, Samen oder Wurzeln.
Wenn Sie die Kräuter kaufen, achten Sie auf biologische Qualität. Sie können für die Herstellung einer Tinktur frische oder getrocknete Pflanzen verwenden.
Aus Schleimstoff-Pflanzen wie Eibisch, Malve und Spitzwegerich kann man keine Tinktur herstellen, da Alkohol die Schleimstoffe zerstört.
Alkohol
Für Kräutertinkturen ist ein Doppelkorn oder auch Wodka ideal. Wichtig ist ein Alkoholgehalt von mindestens 40 bis 50 Vol.%. Dieser ist ideal für Blätter, weiche Kräuter und Blüten. Auch für Gewürze wie Anis, Kümmel, Dill, Wacholder und Vanille genügen 40 bis 50 Vol.%.
Für Wurzeln, Rinden und viele Gewürze (z. B. Nelken, Zimt, Kardamom, Muskatnuss, Fenchel) ist 60 bis 70 Vol.% besser, damit alle Wirkstoffe aus den Pflanzenteilen gezogen werden können.
Dazu können Sie 96-prozentigen Alkohol in Lebensmittel- oder Pharmaqualität kaufen, z. B. Weingeist 96 % (Apotheke) oder Primasprit 96 % (online).
Achten Sie darauf, dass der Alkohol ausdrücklich zur Herstellung von Lebensmitteln bzw. zur innerlichen Anwendung geeignet ist. Dies muss auf der Flasche stehen.
Diesen hochprozentigen Alkohol können Sie dann selbst auf 70 % verdünnen. Nehmen Sie dazu 73 ml vom 96-prozentigen Alkohol und geben 27 ml Wasser hinzu. Das Ergebnis sind 100 ml 70-prozentiger Alkohol.
Verwenden Sie destilliertes Wasser oder abgekochtes (und abgekühltes) Wasser.
Filterpapier (z. B. Kaffeefilter)
Wenn der Kräuterauszug fertig ist, wird er gefiltert (einfach in ein weiteres weithalsiges Gefäß durch den Filter tropfen lassen), um hernach in Dunkelglasfläschchen abgefüllt zu werden.
Dunkelglasfläschchen
Kräutertinkturen sollten möglichst dunkel, kühl und verschlossen aufbewahrt werden. Dazu füllt man sie in Dunkelglasfläschchen ab (Pipetten- oder Tropffläschchen – gibt es leer in der Apotheke) und lagert diese an einem kühlen, dunklen Platz, wo sie mindestens ein Jahr, meistens aber sehr viel länger haltbar bleiben.
Die Herstellung – Grundrezept für Kräutertinkturen
Für die meisten Kräutertinkturen können Sie nach dem folgenden Grundrezept vorgehen:
Glas mit Pflanzenmaterial füllen
Füllen Sie Ihr Glas zu einem Drittel bis fast zur Hälfte mit zerkleinerten Wildkräutern, Heilpflanzen, Blüten oder Wurzelstückchen. Sorgen Sie dafür, dass die Kräuter dicht an dicht liegen.
Alkohol darüber gießen
Gießen Sie nun mindestens so viel Alkohol darüber, dass die Kräuter vollkommen bedeckt sind und höchstens so viel, dass man die Tinktur anschließend noch gut verschütteln kann.
Wer es genauer möchte: Bei frischen Pflanzenteilen, die einen hohen Wassergehalt haben (Blätter, Blüten) beträgt das Mischverhältnis mit Alkohol 1:2, bei getrockneten Pflanzenteilen oder auch Rinden und Wurzeln ist es meist 1:10.
Dies bedeutet: 1 Teil Pflanzenmaterial (in Gramm) werden mit 2 bzw. 10 Teilen Alkohol angesetzt (in Millilitern).
Verschließen Sie dann das Glas.
Glas dunkel stellen und täglich schütteln
Stellen Sie das Glas (oder die Gläser) an einen ungestörten Platz, am besten in einen dunklen Küchenschrank. Schütteln Sie Ihre Tinktur einmal täglich gut durch.
Ziehdauer
Die Ziehdauer hängt vom Pflanzenmaterial ab. In der Pharmazie oder Phytotherapie spricht man von Mazeration. Der Begriff steht für das Einweichen von zerkleinertem Pflanzenmaterial in einem Lösungsmittel (hier: Alkohol) über eine definierte Zeit, um Inhaltsstoffe herauszulösen.
Kurzmazeration (5–10 Tage)
Diese Zeit genügt für sehr weiche Blätter, frische, wasserreiche Pflanzen und stark aromatische Drogen, wie etwa frischer Ingwer oder Minze.
Standardmazeration (2–4 Wochen)
Diese Zeit gilt für die Mehrzahl aller Kräutertinkturen, also für getrocknete Wurzeln, Samen und Gewürze, z. B. Baldrianwurzel, Nelken, Kardamom, Piment, getrocknete Johanniskrautblüten, getrocknete Goldrute, getrocknete Kastanienblüten.
Langmazeration (4–6 Wochen)
Diese Ziehdauer betrifft harte Pflanzenteile, harzreiche Pflanzen und grob geschnittenes Material, z. B. Muskatnuss, Zimtrinde, Baumrinden.
Filtern und in Dunkelglasfläschchen füllen
Lassen Sie den Kräuterauszug durch einen Filter laufen, verwerfen Sie die Kräuter und füllen Sie die Tinktur in kleine Dunkelglasfläschchen mit Tropfeinsatz oder Pipette.
Fläschchen beschriften
Beschriften Sie die Fläschchen sorgfältig mit dem Namen der Tinktur und dem Herstellungsdatum. Nur so können Sie später die Haltbarkeit abschätzen.
Kräutertinkturen anwenden und dosieren
Die selbst hergestellten Kräutertinkturen können innerlich und äußerlich eingesetzt werden:
Innerliche Anwendung
Sofern nicht anders (z. B. von einem Arzt/Heilpraktiker) angegeben, werden Kräutertinkturen innerlich 1–3-mal täglich mit 20–30 Tropfen eingenommen. Die Tropfen können pur oder in etwas Wasser, Tee oder Saft verdünnt eingenommen werden.
Diese Dosierung gilt für üblich angesetzte Kräutertinkturen aus milden bis mäßig wirksamen Pflanzen (z. B. Blätter, Blüten, Bitterkräuter).
Stärker wirksame Tinkturen (z. B. aus Gewürzen, Wurzeln oder Samen) werden entsprechend niedriger dosiert; hier genügen häufig 5–15 Tropfen pro Gabe.
Äußerliche Anwendung
Kräutertinkturen können auch direkt äußerlich angewendet werden. Dabei werden sie pur oder verdünnt auf die Haut oder Schleimhäute aufgebracht, ohne weitere Verarbeitung. Typische Anwendungsformen sind:
Einreibungen
Der Kräuterauszug wird in kleiner Menge auf die betroffene Hautstelle gegeben und sanft einmassiert.
Dies ist pur möglich, wenn es sich um kleine Hautareale, unempfindliche Haut und eine wärmende, durchblutungsfördernde Anwendung handelt, z. B. bei Muskelverspannungen, punktuellen Schmerzen oder Erkältungs-Einreibungen (Brust, Rücken).
Der Alkohol verdunstet rasch, was erst kühlend wirkt, dann wärmend.
Bei größeren Flächen ist es besser, die Tinktur mit einem Basisöl zu mischen (1 Teil Tinktur auf 3-5 Teile Öl). Dadurch wird die Haut weniger gereizt und man kann die Wirkstoffe besser einmassieren.
Sie können Mandel- oder Jojobaöl oder ein anderes Basisöl nehmen.
Umschläge und Auflagen
Der Kräuterauszug wird mit Wasser verdünnt (1 EL Tinktur auf 5 bis 10 EL Wasser), ein Tuch darin getränkt und auf die gewünschte Stelle aufgelegt. Die stärkere Verdünnung z. B. bei Kindern anwenden.
Spülungen und Mundanwendungen
Stark wirksame Kräutertinkturen werden verdünnt (z. B. 5-10 Tropfen auf 100 ml Wasser) für Mundspülungen oder Gurgellösungen verwendet, z. B. bei Zahnfleischproblemen.
Betupfen einzelner Hautstellen
Die Tinktur wird punktuell mit einem Wattestäbchen oder Tuch aufgetragen.
Sicherheitshinweis
Je nach Pflanze und Hautempfindlichkeit kann eine Verdünnung sinnvoll oder erforderlich sein. Denn alkoholische Kräutertinkturen können auf empfindlicher oder verletzter Haut reizend wirken.
Kräutertinkturen ohne Alkohol
Wer Alkohol meiden möchte, gibt die einzunehmende Tinkturmenge in eine Tasse mit heißem Wasser und lässt diese abkühlen. Auf diese Weise verdunstet ein Großteil des Alkohols.
Sollten Sie jedoch überhaupt keinen Alkohol zu sich nehmen dürfen, dann wäre es besser, Sie steigen auf alkoholfreie Kräuterzubereitungen um - z. B. auf Glycerite, also Pflanzenauszüge in Glycerin.
Ein empfehlenswertes Buch über die Zubereitung und Wirkung von Heilpflanzen-Tinkturen ist Heilpflanzen-Tinkturen - Wirksame Pflanzenauszüge selbst gemacht.
Glycerite - alkoholfreie Pflanzenauszüge
Kräutertinkturen lassen sich auch alkoholfrei herstellen - mit pflanzlichem Glycerin und Wasser. Sie heißen dann nicht mehr Tinkturen, sondern Glycerite.
Zwar sind sie keine 1:1-Ersatzstoffe für alkoholische Tinkturen, aber für viele Anwendungen eine sinnvolle Alternative, wenn Alkohol nicht in Frage kommt.
Glycerin gehört zwar in der Chemie zur Stoffklasse der Alkohole, hat aber ganz andere Eigenschaften als Ethanol (Trinkalkohol). Glycerin schadet der Leber nicht, wirkt nicht berauschend, kann in der Schwangerschaft und für Kinder verwendet werden und schmeckt süßlich.
Glycerin ist gut geeignet als Lösungsmittel für Bitterstoffe, Gerbstoffe, wasserlösliche Pflanzenstoffe und viele andere aromatischen Komponenten. Nicht gut geeignet ist es für fettlösliche Stoffe, für Harze und ätherische Öle.
Glycerite sind in jedem Fall milder als Tinkturen.
Glycerite selbst herstellen - Die Anleitung
Wenn Sie Glycerite selbst herstellen möchten, brauchen Sie pflanzliches Glycerin (Ph. Eur. oder Lebensmittelqualität), Wasser (destilliert oder abgekocht) und getrocknetes Pflanzenmaterial.
Verhältnis: Glycerin zu Wasser
Ein bewährtes Glycerin-Wasser-Mischungsverhältnis ist: 60 % Glycerin und 40 % Wasser.
Verhältnis: Pflanzenteile zu Glycerin/Wasser
Das Pflanze-Glycerin/Wasser-Verhältnis ist: 1 : 5, also 1 g getrocknete Pflanze pro 5 ml Glycerin-Wasser-Gemisch
Beispiel: 20 g Droge und 100 ml Glycerin-Wasser-Mischung (60/40)
Wichtig ist hygienisches Arbeiten, denn im Gegensatz zu Alkohol desinfiziert Glycerin nicht. Es hat also keine antimikrobielle Wirkung.
So gehen Sie vor
Zerkleinern Sie die Pflanzenteile grob, geben Sie sie in ein verschließbares Glas und übergießen sie mit der Glycerin-Wasser-Mischung. Dann wird das Glas verschlossen und bleibt 2 bis 4 Wochen bei Raumtemperatur stehen. Es wird täglich geschüttelt, dann gefiltert, abgefüllt und dunkel gelagert.
Die Herstellung ist also identisch zur Herstellung von alkoholhaltigen Tinkturen.
Halbar sind Glycerite nicht ganz so lang, nämlich maximal 1 Jahr bei kühler, dunkler Lagerung.
Dosierung
Von Glyceriten nimmt man die 2–3-fache Tropfenmenge im Vergleich zur alkoholischen Tinktur.
Wenn man also von alkoholischen Tropfen 20 Tropfen nimmt, sind es bei Glyceriten 40 bis 60 Tropfen.
Welche Pflanzen eignen sich besonders gut für Glycerite?
Sehr gut geeignet für Glycerite sind Melisse, Kamille, Salbei, Pfefferminze, Baldrian (mild), Fenchel, Anis, Kümmel.
Weniger geeignet sind Nelke, Myrrhe, harzige Wurzeln, Muskatnuss.
Fazit: Kräutertinkturen selber machen, lohnt sich!
Kräutertinkturen lassen sich also aus den verschiedensten Heilpflanzen und Pflanzenteilen leicht selber machen. Es ist eine sehr einfache Methode, pflanzliche Wirkstoffe in eine haltbare und gut einnehmbare Form zu verwandeln.
Und wenn Sie keinen Alkohol vertragen/zu sich nehmen möchten, dann wählen Sie als Lösungsmittel Glycerin und stellen sich Glycerite her.
Update 11.2.2026
Wir haben den Artikel umfangreich erweitert und ergänzt.