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Lichttherapie bei Prostatakrebs

Lichttherapie bei Prostatakrebs

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(Zentrum der Gesundheit) – Die Ergebnisse einer Phase-III-Studie vom Dezember 2016 zeigen, dass die Lichttherapie (die sog. photodynamische Therapie) bei der Hälfte der an der Studie teilnehmenden Prostatakrebs-Patienten in die Remission führen konnte. Remission bedeutet, dass bei erfolgreicher Therapie keine Anzeichen der Krankheit mehr vorliegen. Die Männer hatten ursprünglich Prostatakrebs im Frühstadium. Nach der Lichttherapie war bei fast 50 Prozent der Patienten vom Krebs nichts mehr zu sehen.

Bei Prostatakrebs: Lichttherapie als Alternative zur OP oder Bestrahlung

Der Prostatakrebs ist beim Mann inzwischen die häufigste Krebsform – noch vor dem Darm-, Lungen- und Hautkrebs. In den Vereinigten Staaten werden jährlich über 180.000 Neuerkrankungen festgestellt, in Deutschland über 70.000 und in der Schweiz über 6.000.

So lange es sich um einen lokalisierten Prostatakrebs handelt, also um einen Krebs, der noch keine Metastasen ins umliegende Gewebe oder in andere Organe hinein gebildet hat, gilt der Prostatakrebs als ein Krebs mit niedrigem Risiko. Er wird meist engmaschig überprüft, indem regelmässig der PSA-Wert gemessen wird, rektale Untersuchungen durchgeführt werden oder auch gelegentlich eine Biopsie nötig wird. Therapiert wird der Prostatakrebs meist erst, wenn er beginnt, sich auszubreiten.

Dann jedoch kann es u. a. zur operativen Entfernung der Prostata sowie des umliegenden Gewebes kommen. Auch eine Radiotherapie, also Bestrahlung mit ionisierender Strahlung wird häufig eingesetzt. Die Nebenwirkungen dieser Therapieformen sind beträchtlich. Sie umschliessen u. a. Verdauungsbeschwerden, eine Harninkontinenz und eine lebenslange Impotenz.

Lichttherapie (photodynamische Therapie) bei Prostatakrebs

Prof. Mark Emberton, Urologe und leitender Wissenschaftler am University College in London und seine Kollegen sind der Meinung, dass die Lichttherapie, auch photodynamische Therapie genannt, all diese nebenwirkungsreichen und invasiven Therapieformen überflüssig machen könnte, wenn der Prostatakrebs schon im frühen Stadium mit dieser Therapieform behandelt wird.

Die photodynamische Therapie wurde von Forschern des Weizmann Institute of Science in Isreal entwickelt – in Zusammenarbeit mit dem Biotechnologieunternehmen STEBA Biotech mit Hauptsitz in Luxemburg. Sie wurde bislang eher bei Haut- oder Augenproblemen eingesetzt, z. B. bei der Makuladegeneration, um die unerwünschte Gefässbildung im Auge zu unterbinden.

Im Rahmen der Behandlung mit der photodynamischen Therapie wird zunächst lokal eine lichtempfindliche Substanz (WST11) injiziert. Die Substanz stammt von Bakterien, die normalerweise auf dem Grund der Meere leben. Diese Substanz wird anschliessend örtlich über einen Laser aktiviert und gibt jetzt freie Radikale ab, die gezielt die Krebszellen in der Prostata töten.

In der Phase-III-Studie von Emberton und Kollegen an mehreren hundert Männern, die an einem lokalisierten Prostatakrebs litten, stellten die durchführenden Ärzte fest, dass die photodynamische Therapie Prostatakrebszellen töten kann, ohne das umliegende Gewebe dabei zu zerstören.

Eine Phase-III-Studie ist eine klinische Studie an einer grösseren Patientenzahl. Es handelt sich um die letzte Studie, bevor ein Medikament oder eine Therapieform die Zulassung erhält.

Die photodynamische Therapie verringerte überdies die Notwendigkeit einer radikalen Therapieform, wie z. B. die Entfernung der Prostata oder die Bestrahlung der kompletten Prostata mit ionisierender Strahlung (Radiotherapie). Letztere zerstört im Gegensatz zur Lichttherapie auch gesundes Gewebe und hat daher wie oben erklärt merkliche Nebenwirkungen.

Prof. Embertons Studie wurde am 19. Dezember 2016 im Fachjournal The Lancet Oncology veröffentlicht.

Lichttherapie – Die Studie

An der Untersuchung nahmen 413 Männer aus 10 europäischen Ländern teil, die alle die Diagnose "lokalisierter Prostatakrebs im Frühstadium" erhalten hatten und unter ärztlicher Beobachtung standen.

206 dieser Patienten erhielten die beschriebene Lichttherapie, die übrigen 207 dienten als Kontrollgruppe, erhielten also keine Therapie.  

In den darauf folgenden zwei Jahren wurden beide Gruppen regelmässig untersucht. Die PSA-Werte wurden alle drei Monate genauso überprüft wie die Funktionstüchtigkeit der Harnwege und die Erektionsfähigkeit. Nach einem und nach zwei Jahren wurde überdies eine Biopsie durchgeführt.

Komplette Remission bei 49 Prozent der Patienten nach Lichttherapie

Nach Ablauf der zwei Jahre stellten die Forscher rund um Emberton fest, dass 49 Prozent der Patienten, die eine Lichttherapie erhalten hatten, eine vollständige Remission erfahren hatten. In der Kontrollgruppe waren es nur 13,5 Prozent.

Während sich ferner in der Kontrollgruppe schliesslich 30 Prozent der Männer einer radikalen Therapie unterziehen mussten, waren es in der Lichttherapie-Gruppe nur 6 Prozent.

Und selbst wenn die Lichttherapie nicht zur Remission führte (was bei 51 Prozent der behandelten Patienten der Fall war), zeigten sich dennoch Vorteile im Vergleich zur Kontrollgruppe: So schritt der Krebs in der Kontrollgruppe beispielsweise dreimal so schnell voran als bei den lichttherapierten Patienten.

Lichttherapie: Nebenwirkungen?

Bei der Lichttherapie konnten lediglich geringfügige Nebenwirkungen beobachtet werden. Nur wenige Männer hatten nach der Therapie Harnwegs- oder Erektionsprobleme – und innerhalb von drei Monaten verschwanden diese Nebenwirkungen wieder. Langfristige oder anhaltende Nebenwirkungen traten keine auf.

Unsere Ergebnisse sind sehr gute Neuigkeiten für Männer mit lokalisiertem Prostatakrebs im Frühstadium, da sich nun eine Möglichkeit bietet, den Krebs ohne Entfernung oder Zerstörung der Prostata frühzeitig zu beseitigen", erklärt Professor Emberton in The Lancet Oncology.

In der Prostatakrebstherapie lag die Forschung bislang Jahrzehnte hinter den Therapieformen anderer Krebsformen, z. B. des Brustkrebses. Noch im Jahr 1975 wurde fast jeder Frau mit Brustkrebs die Brust entfernt. Seit damals jedoch verbesserten sich die Therapiemethoden stets weiter, so dass es heute nur noch selten zur Entfernung der kompletten Brust kommt. Bei Prostatakrebs jedoch wird immer noch sehr häufig die ganze Prostata entfernt oder bestrahlt. Die Lichttherapie kann hier den dringend erforderlichen Fortschritt darstellen.

"Lichttherapie könnte bei Früherkennung jeden Prostatakrebs in Remission schicken"

Nach Professor Embertons Ansicht sind sogar noch deutlich höhere Erfolgsquoten als in der Studie möglich, nämlich dann, wenn man mit Hilfe der Magnetresonanztomographie und gezielten Biopsien jene Prostatakrebspatienten ausfindig macht, die besonders gut auf eine Lichttherapie ansprechen würden. Er fügt hinzu:

Mit dieser Vorgehensweise sollten wir in der Lage sein, fast alle früh erkannte lokalisierte Prostatakrebse in Remission zu schicken."

Möglicherweise können mit der Lichttherapie auch andere Krebsformen behandelt werden, wie z. B. Brust- oder Leberkrebs, was sich in den nächsten Jahren zeigen wird.

Die Martini-Klinik an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf arbeitete an der Zulassungsstudie der photodynamischen Therapie mit und schreibt auf ihrer Webseite, dass die Lichttherapie bei Prostatakrebs aller Voraussicht nach ab Mitte 2017 verfügbar sein wird.

Über die Suchmaschine finden Sie u. U. Ärzte, die schon jetzt mit der Lichttherapie arbeiten. Geben Sie bitte "photodynamische Therapie Prostatakrebs" als Suchwort ein.

Prostatakrebs: Ganzheitliche Massnahmen

Aus ganzheitlicher Sicht sollte man sich allein auf eine bestimmte symptomatische Therapieform – wozu die Lichttherapie gehört – nicht verlassen. Auch ist zu bedenken, dass sich die wenigsten Männer, die an Prostatakrebs in einem gut therapierbaren Stadium leiden, routinemässig untersuchen lassen. Sie wissen es also gar nicht, dass sie Prostatakrebs haben, den man jetzt noch gut behandeln könnte.

Eine gesunde Lebens- und Ernährungsweise sowie bestimmte gezielte naturheilkundliche Massnahmen können ebenfalls zur Prävention von Prostatakrebs beitragen und dafür sorgen, dass dieser gar nicht erst auftritt oder aber zeitlebens in einem unauffälligen Stadium verharrt. Selbstverständlich können diese Massnahmen auch parallel zu jeder schulmedizinischen Therapie inklusive der Lichttherapie eingesetzt werden, wenn ein bereits behandlungsbedürftiger Prostatakrebs besteht.

Sie finden die entsprechenden Informationen hier:
 

Quellen:


Ausbildung zum Ernährungsberater an der Akademie der Naturheilkunde


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