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Misteltherapie

Misteltherapie

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(Zentrum der Gesundheit) - In der Medizin hat der Gebrauch von Misteln eine lange Tradition. Der römische Historiker Gajus Plinius Secundus (23-79 n.Chr.) soll die Mistel als alles heilendes Wundermittel beschrieben haben. So ist es allerdings nicht!

Mistel - Ein kleiner Halbparasit als grosser Helfer

Allerdings enthält die Weissbeerige Mistel (Viscum album) Inhaltsstoffe, wie Mistellektine, Viscotoxine, Oligo- und Polysaccharide, Lipide und verschiedene andere. Darum wurde die "Misteltherapie" um 1920 von Rudolf Steiner und Ita Wegman (beide Begründer der Anthroposophischen Medizin) unter anderem zur Behandlung von Krebserkrankungen eingeführt.

Sie ist in Deutschland eine der bei Krebserkrankungen am häufigsten eingesetzten komplementär-medizinischen Therapien. Seit Anbeginn gibt es etliche Untersuchungen und Analysen zum Einfluss von Mistelextrakten (VAE) auf das Tumorwachstum.

In vitro üben die Eigenschaften von VAE zytotoxische und wachstumshemmende Effekte auf eine Vielzahl von Tumorzellinien, Lymphozyten und Fibroblasten aus. VAE sind auch für ihre immunmodulierende Aktivität bekannt. In vitro und in vivo aktivieren sie Monozyten/Makrophagen, Granulozyten, natürliche Killer-Zellen (NK-Zellen), T-Zellen (vor allem T-Helferzellen) und induzieren verschiedenste Zytokine.

D.h., die medizinisch bedeutsamen Bestandteile der Mistel sind bestimmte Glykoproteine (Lektine) und stark wirksame Eiweissstoffe (Viscotoxine), denen eine zellzerstörende (zytotoxische) und eine das Immunsystem beeinflussende (immunmodulierende) Wirkung zugesprochen wird.

Insgesamt werden nach sehr unterschiedlichen Laboruntersuchungen drei Hauptprinzipien der Wirkungsweise von Mistelextrakten diskutiert:

  • Auslösung einer Apoptose (gesteuertes "Selbstmord"-Programm von Zellen)
  • Beeinflussung des Immunsystems (Immunmodulation)
  • Schutz der DNA gesunder Körperzellen gegenüber den in der Tumortherapie angewendeten Chemotherapeutika

Mistellektin I, ein wichtiger Inhaltstoff der Mistelextrakte, wird auch rekombinant hergestellt und unterliegt für den Einsatz in der klinischen Onkologie der eingehensten Testreihe.
Im Fall des Mistellektins ist das Lektin die B-Kette eines doppelkettigen Proteins mit der Molekülmasse 60 000. Das ebenfalls häufig vorkommende ML-III hat eine Molekülmasse von 50 000. In Bezug auf die relativen Anteile von ML-I und ML-III lassen sich deutliche Unterschiede und Abhängigkeiten von der Mistelart, der Erntezeit und den einzelnen Organen der Mistel aufzeigen.

Das ist das Besondere an der anthroposophischen Präparation: Hier werden Mistelpflanzen verschiedener Wirtsbäume als wichtig angesehen. Dabei gilt der Gesamtextrakt, der durch Prozessstandardisierung gewährleistet wird.

Nicht-anthroposophische Präparationen verwenden Mistelpflanzen nur eines Wirtsbaumes (Pappel); hier wird die Wirkung des ML I als zentral erachtet, dessen Konstanz durch Inhaltsstoff-Standardisierung (bzw. Normierung) gewährleistet wird.
Für die Misteltherapie bei Krebserkrankung stehen verschiedene Präparationen zur Verfügung:

Die anthroposophisch hergestellten Mistelpräparate: Abnobaviscum®, Helixor®, Iscador®, Iscucin® und Isorel® sowie die sonstigen Präparate Cefalektin®, Eurixor® und Lektinol®.

Die zytotoxischen Wirkungen von VAE werden also vor allem durch die Apoptose-induzierenden Mistellektine hervorgerufen, während die Viscotoxine den nekrotischen Zelltod induzieren - so die grundsätzlichen Erfahrungen.
In der Onkologie werden Mistelextrakte meist subkutan injiziert, häufig aber auch direkt in den Tumor, in Körperhöhlen (intrapleural, intraperitoneal, intrapericardial) oder als intravenöse Infusion; gelegentlich werden sie auch oral oder intravesikal gegeben. Die Dosierung wird individuell an die Krankheitslage angepasst, meist parallel zur Chemotherapie, Bestrahlung oder Hormontherapie eingesetzt - ohne dass Wechselwirkungen zu erwarten wären.

Ob und in welcher Weise die Mistel eine Wirksamkeit gegen Krebs besitzt, ist seit ihrer Einführung in die Krebstherapie ein Streitpunkt zwischen Wissenschaftsmedizinern und Vertretern anthroposophischer Heilkunde sowie Paramedizinern. Ein Wirksamkeitsnachweis nach empirisch- wissenschaftlichen Kriterien steht nach wie vor aus, weshalb die Mistel-Therapie leider von den meisten Ärzten abgelehnt wird. Will heissen: Die klinische Wirksamkeit der Mistel wird äusserst kontrovers diskutiert.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde eine Vielzahl klinischer Studien durchgeführt, um aufgelaufene Fragen zu klären. Es gibt über 100 klinische Studien unterschiedlichster Methodik. Genau das ist das Problem: Wenn man ausschliesslich doppelblinde, randomisiert kontrollierte Studien mit hoher Fallzahl als evident akzeptiert, wird man auf viele Fragen keine ausreichenden Antworten finden, (mit der Einschränkung, dass doppelte Verblindung, bei der weder Arzt noch Patient wissen, ob ein Mistelextrakt oder ein Kontrollpräparat gespritzt wird, bei subkutaner Mistelgabe kaum möglich ist, da sie leicht für Patient und Arzt entblindbar ist). Wer jedoch auch sorgfältig durchgeführte andere Studientypen akzeptiert, kann ein grosses Spektrum an interessanter Evidenz und wichtigen klinischen Beobachtungen finden.

Letztendlich zeigen die vorhandenen Studien - unter Berücksichtigung der Qualität und der potentiellen Schwächen- überwiegend einen Vorteil für die Misteltherapie. Eine Verminderung der Nebenwirkungen konventioneller onkologischer Therapien ist auf jeden Fall belegt. Mehr als anzunehmen ist generell eine Verbesserung der Lebensqualität. Diese wird in jedweder Schrift gegen die Mistel-Therapie ausdrücklich genannt! Eine Verbesserung der Überlebenszeit unter Misteltherapie ist möglich, scheint aber neben der Dosierung, Wirtsbaum- und Präparatewahl von der Dauer der Misteltherapie abhängig.

Nichtsdestotrotz ist die Mistel Therapie auch offiziell auf einem guten Weg vorwärts! Nach eine aktuell (Mai 2007) rechtskräftig gewordenen Urteil des Sozialgericht. Dresden (Az.: S 18 KR 534/05) muss eine gesetzliche Krankenkasse die Misteltherapie auch in der adjuvanten Situation erstatten und nicht mehr nur in der palliativen Situation nachdem andere Therapien ausgereizt sind. Dieses Urteil wurde vom Bundessozialgericht in der 3. Instanz, Az.: B 1 KR 31/06 R bestätigt.

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