Arthritis-Medikament Celecoxib schadet den Herzklappen

Schmerzmittel, die bei Gelenkbeschwerden eingesetzt werden, sind schon lange im Gespräch, dem Herzen zu schaden, z. B. Ibuprofen und Diclofenac, die laut einer Studie von 2016 das Risiko für Herzstillstand erhöhen können. Ein Jahr zuvor (2015) hatte eine weitere Studie gezeigt, dass ASS, Ibuprofen und andere rezeptfreie Schmerzmittel zu einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle führen. Und im Jahr 2018 wurde bestätigt, dass Diclofenac die Gefahr nicht nur für Herzinfarkt und Schlaganfall, sondern auch für Herzversagen und Kammerflimmern steigen lassen kann.

Celecoxib nun ist ein Wirkstoff, der entzündungshemmend und schmerzlindernd wirkt und daher ebenfalls gerne bei Arthritis-Schmerzen verordnet wird. Die Substanz ist unter dem Markennamen Celebrex® im Handel und wird vom Pharmakonzern Pfizer vertrieben.

In einer Studie, die im Februar 2019 von Forschern der Vanderbilt University in Tennessee veröffentlicht wurde, zeigte sich anhand einer Auswertung Tausender von Patientendaten, dass Celecoxib offenbar das Herz angreifen und zu Problemen der Herzklappen in Form einer Aortenklappenstenose führen kann.

Nimmt man Celecoxib, so steigt das Risiko für eine Aortenklappenstenose um 20 Prozent. Die Einnahme von Ibuprofen und Naproxen - zwei weiteren Schmerzmitteln, die gern bei Arthritis eingenommen werden - zeigte in dieser Untersuchung kein derartiges Risiko.

Celecoxib könnte zur Verkalkung der Herzklappen führen

Bei einer Aortenklappenstenose verengt sich der Klappendurchgang (in der linken Herzkammer), meist durch eine Verkalkung oder Vernarbung, so dass sich das Blut zurück in die Lunge staut, was zu einer Leistungsminderung und Luftnot führen kann, also im Grunde zu Symptomen, die an eine linke Herzinsuffizienz erinnern.

Die Vanderbilt-Forscher behandelten ausserdem im Labor Aortenklappenzellen mit Celecoxib und stellten fest, dass das Medikament zu einer beschleunigten Verkalkung der Zellen führte, was natürlich eine Erklärung für das erhöhte Risiko einer Aortenklappenstenose wäre.

Celecoxib im Vergleich zu Ibuprofen und Naproxen

Celecoxib gehört – wie auch z. B. Ibuprofen oder Naproxen – zu den sog. NSAR, den Nicht-Steroidalen Anti-Rheumatika, im Engl. NSAID abgekürzt. Allerdings zählt Celecoxib hier zu einer Untergruppe, den sog. Cox-2-Hemmern, denen man nachsagt, nicht so sehr wie die übrigen NSAR den Magen-Darm-Trakt anzugreifen.

Doch ist diesbezüglich der Unterschied gering, wie sich in einer Studie von 2016 ergab, die u. a. im Ärzteblatt vorgestellt wurde. Hier kam es unter Celecoxib-Einnahme bei 1,1 Prozent der Patienten zu Magen-Darm-Problemen, unter Naproxen-Einnahme bei 1,5 Prozent und unter Ibuprofen-Einnahme bei 1,6 Prozent der Patienten.

Noch 2016 galt Celecoxib als nicht schädlicher für das Herz als Ibuprofen oder Naproxen

Interessant ist, dass genau diese Studie von 2016 ursprünglich durchgeführt wurde, um zu beweisen, dass Celecoxib für das Herz nicht schädlicher sei als Naproxen oder Ibuprofen. Die Studie wurde von Pfizer gesponsert, dem Hersteller von Celecoxib. Daher verwundert es auch nicht, dass das Ergebnis wie gewünscht ausfiel und es für Celecoxib in Sachen Herzschädlichkeit erst einmal Entwarnung gab.

Allerdings – so die Vanderbilt-Wissenschaftler – habe man sich seinerzeit eher auf akute thrombotische Ereignisse fokussiert (Blutgerinnselbildung in den Herzgefässen), langfristige Folgen wie eine mögliche Verkalkung der Herzklappen aber nicht berücksichtigt.

Neue Studie: Celecoxib kann zu langfristigen Herzschäden führen

Auch die Vanderbilt-Forscher hatten den Zusammenhang zwischen Celecoxib und einer Herzklappenverkalkung nur durch Zufall entdeckt. Sie waren auf der Suche nach einem Medikament gegen die Aortenklappenstenose. Denn obwohl diese sehr weit verbreitet ist (bei jedem vierten Menschen über 65), gibt es bislang keine Therapie – bis auf den operativen Einsatz einer künstlichen Herzklappe.

Da Celecoxib ein Protein an sich binden kann, dass die Verkalkung der Aortenklappe fördert, wollte man testen, ob die Gabe von Celecoxib die Aortenklappenverkalkung rückgängig machen würde. Doch es zeigte sich das komplette Gegenteil. Die Verkalkung wurde durch das Medikament vestärkt und das Gewebe versteifte zusehends.

Keines der Medikamente ist für das Herz harmlos

Schaut man sich die Geschichte der beiden Medikamente (Celecoxib und Naproxen) und ihrer jeweiligen Hersteller an (Pfizer und Bayer), dann scheint es sich hier um ein ewiges Auf-und-ab zu handeln.

Schon im Jahr 2004 fielen die Pfizer-Aktien plötzlich um 19 Prozent, weil schon damals der Verdacht aufgekommen war, dass Celecoxib dem Herzen schaden könnte. Eine Woche später aber erholten sich die Pfizer-Aktien um immerhin 4 Prozent, weil es nun hiess, dass auch Naproxen dem Herzen schaden könnte, was dazu führte, dass die Bayer-Aktien um mehr als 9 Prozent in den Keller rauschten.

Naturheilkundliche Therapien bieten oft nebenwirkungsfreie Linderung der Beschwerden

Insgesamt zeigt sich eine enorme Unsicherheit und Uneinheitlichkeit in Bezug auf die Wirkungen und Nebenwirkungen der genannten Medikamente, so dass es unbedingt empfehlenswert scheint, andere Therapiemethoden in Erwägung zu ziehen.

Denn gerade bei chronisch entzündlichen Erkrankungen wie der Arthritis zeigen inzwischen zahlreiche Studien, dass naturheilkundliche und ganzheitliche Massnahmen zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden führen können – und sich dabei auch äusserst positiv auf das Herz auswirken.

Unser Tipp

Bitte nutzen Sie unsere Suchfunktion und geben „Arthritis“ oder „Rheuma“ ein. Sie finden daraufhin zahlreiche Selbsthilfe-Massnahmen, die Sie bei dieser Erkrankung nebenwirkungsfrei umsetzen können.

Quellen

  • Paddock C, Study ties arthritis pain reliever to heart valve disease, Medical News Today, 26. Februar 2019
  • Bowler MA, Raddatz MA et al., Celecoxib Is Associated With Dystrophic Calcification and Aortic Valve Stenosis, JACC: Basic to Translational Science, 22. Februar 2019
  • Nissen SE et al., Cardiovascular Safety of Celecoxib, Naproxen, or Ibuprofen for Arthritis, Dezember 2016, The New England Journal of Medicine