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Ballaststoffe in der Schwangerschaft senken das Zöliakie-Risiko

  • Autor: Carina Rehberg
  • aktualisiert: 12.06.2019
Ballaststoffe in der Schwangerschaft senken das Zöliakie-Risiko
© gettyimages.de/nd3000

Die Ernährung der Mutter in der Schwangerschaft hat offenbar einen deutlichen Einfluss auf das Zöliakie-Risiko des Kindes. Praktiziert die werdende Mutter beispielsweise eine ballaststoffreiche Ernährung, sinkt das Zöliakie-Risiko ihres Kindes.

Inhaltsverzeichnis

Mutter kann Zöliakie-Risiko ihres Kindes mit bestimmter Ernährung reduzieren

Immer wieder heisst es, einer Zöliakie könne man nicht vorbeugen. In einer Studie(1) jedoch, die am 6. Juni 2019 bei der Jahreskonferenz der Europäischen Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung (ESPGHAN) vorgestellt wurde, ergab sich, dass die Mutter das Zöliakie-Risiko ihres Kindes reduzieren kann, wenn sie sich ballaststoffreich ernährt.

Was ist eine Zöliakie?

Zöliakie bezeichnet eine angeblich erblich bedingte und lebenslang bestehende Glutenunverträglichkeit, die man zu den Autoimmunerkrankungen zählt. Sobald Gluten gegessen wird, reagiert der Darm mit Durchfall und Entzündungen. Auch Verstopfung, Blähungen, Migräne, Bauchschmerzen und Depressionen sowie Mangelerscheinungen aufgrund schlechter Nährstoffverwertung können sich bei einer Zöliakie zeigen.

Was ist Gluten?

Gluten ist ein Eiweiss, das sich in vielen Getreiden befindet, z. B. in Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste. Zöliakie-Betroffene ernähren sich daher ein Leben lang glutenfrei und wählen statt glutenhaltiger Getreide Alternativen wie Reis, Mais, Quinoa, Amaranth, Kastanien etc.

Je mehr Ballaststoffe die Mutter isst, umso geringer das Zöliakie-Risiko ihres Kindes

Wissenschaftler aus Norwegen zeigten in obengenannter Studie an Daten von mehr als 88.000 Kindern, dass sich das Zöliakie-Risiko des Kindes in den ersten 11 Lebensjahren um jeweils 8 Prozent pro 10 g Ballaststoffe (in der Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft) senken liess. Mütter, die am meisten Ballaststoffe zu sich nahmen (mehr als 45 g pro Tag), konnten das Zöliakie-Risiko ihrer Kinder um 34 Prozent senken – im Vergleich zu jenen Müttern, die weniger als 19 g Ballaststoffe täglich verzehrten.

Ballaststoffe aus Obst und Gemüse besser als aus Getreide

Dabei zeigten sich die Ballaststoffe aus Früchten und Gemüse wirksamer als jene aus Getreide. Ob die Mutter in der Schwangerschaft glutenhaltige Lebensmittel verzehrte oder nicht, hatte keine Auswirkung auf das Zöliakie-Risiko des Kindes. Nach ersten Mäusestudien aber vermutet man, dass eine glutenfreie Ernährung der Mutter in der Schwangerschaft das Diabetes-Typ1-Risiko des Kindes senken kann.

Mehr zum Thema lesen Sie hier: Glutenfreie Ernährung in der Schwangerschaft reduziert das Diabetes-Risiko beim Kind

Schützt die Darmflora vor Zöliakie?

“Derzeit gibt es noch sehr wenige Anhaltspunkte zum Einfluss der Ernährung während der Schwangerschaft auf das Zöliakie-Risiko des Kindes“, erklärte Dr. Ketil Størdal, leitender Wissenschaftler der Studie. “Da dies die erste Studie zum mütterlichen Ballaststoffverzehr während der Schwangerschaft ist, können wir noch nicht versprechen, ob eine konkrete Ernährungsmassnahme der schwangeren Frau Zöliakie bei ihrem Kind vorbeugen kann. Doch überprüfen wir derzeit, ob der Ballaststoffverzehr der Mutter in irgendeiner Form die Darmflora des Kindes beeinflusst und auf diese Weise vor einer Zöliakie schützen kann.“

Oft leiden Kinder an Zöliakie – und der Arzt erkennt die Krankheit nicht

Zöliakie betrifft 1 Prozent der Bevölkerung, heisst es in vielen offiziellen Quellen, wobei nicht einmal alle Betroffenen Symptome zeigen würden. Tunde Koltai hingegen, Vorsitzende der Vereinigung der Europäischen Zöliakiegesellschaften (AOECS), macht darauf aufmerksam, dass viele Kinder an Zöliakie leiden, aber keinem Arzt vorgestellt werden oder dieser die Erkrankung nicht diagnostiziert, so dass Menschen mit Zöliakie-Diagnose nur einen kleinen Teil der Betroffenen ausmachen würden und die Dunkelziffer hoch sei.

Unerkannte Zöliakie kann zu schweren Folgeschäden führen

Gerade bei Kindern sei es jedoch enorm wichtig, rechtzeitig die richtige Diagnose zu stellen, so Koltai, da es andernfalls zu Komplikationen und Entwicklungsstörungen kommen könne, etwa Gewichtsverlust, Verzögerung der Pubertät, Eisenmangelanämie, chronische Müdigkeit und Osteoporose.

Tunde Koltai plädiert daher für Aufklärung der Öffentlichkeit über Zöliakie und für Programme zur frühzeitigen Erkennung einer Zöliakie bei Kindern, damit kein Kind infolge einer Glutenunverträglichkeit an Symptomen und möglicherweise schweren Folgeerkrankungen leiden muss, die man mit einer glutenfreien Ernährung ganz einfach hätte verhindern können.

Mehr zum Thema glutenfreie Ernährung lesen Sie hier:

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Quellen

(1)Størdal, K et al., High fiber during pregnancy reduces risk of celiac disease in children, research finds, vorgestellt bei der 52. Jahreskonferenz der European Society of Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition (ESPGHAN), 6. Juni 2019, https://www.eurekalert.org/pub_releases/2019-06/sh-hfd053019.php