Diese Aminosäure könnte bei Autoimmunerkrankungen problematisch sein

Wenn man darauf achtet, Lebensmittel zu verzehren, die arm an Methionin sind, dann könnte diese Massnahme bei Hochrisiko-Patienten offenbar das Fortschreiten von entzündlichen Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen verlangsamen oder sogar deren Ausbruch verzögern – so eine Studie, die im Februar 2020 im Fachjournal Cell Metabolism veröffentlicht wurde.(1)

Viele menschliche Zellarten sind in der Lage, eigenständig Methionin herzustellen. Manche Immunzellen aber (T-Zellen), die den Körper normalerweise vor Krankheitserregern schützen, können genau das nicht. Sie sind darauf angewiesen, dass wir das von ihnen benötigte Methionin, mit der Nahrung zu uns nehmen.

Diese Lebensmittel enthalten viel Methionin

Methionin ist eine Aminosäure, die zu den essentiellen Aminosäuren zählt. Sie ist also lebensnotwendig und muss regelmässig verspeist werden. Da Aminosäuren die Bausteine der Proteine sind, finden sich Aminosäuren – und so auch Methionin – in fast allen Lebensmitteln, natürlich besonders in den proteinreichen Lebensmitteln.

Doch selbst proteinreiche Lebensmittel enthalten nicht immer auch gleich viel Methionin. Sehr hohe Methioninwerte enthalten tierische Produkte wie Fleisch und Eier, während pflanzliche Proteinquellen ärmer an Methionin sind, so dass eine methioninarme oder methioninreduzierte Ernährung gleichzeitig eine pflanzenbasierte Ernährung ist.

Die Ergebnisse der hier vorgestellten Studie deuten also auf einen weiteren Vorteil einer (vorwiegend) pflanzlichen (veganen/vegetarischen) Ernährung hin.

Methionin in Lebensmitteln

Nachfolgend einige Lebensmittel und ihr Methioningehalt in mg pro 100 g (4):

  • Whey Protein Isolat Pulver: 2.000 mg (je nach Marke unterschiedlich)
  • Reisproteinpulver: 1.900 mg (je nach Marke unterschiedlich, Tagesdosis liegt bei 15 – 30 g)
  • Pferdefleisch mager, gegart: 1.846 mg
  • Whey Protein Pulver: 1.700 mg (je nach Marke unterschiedlich)
  • Rindfleisch getrocknet: 1.606 mg
  • Brennnesselpulver: 1.063 mg (allerdings pro Portion (max. 10 g) höchstens 106 mg)
  • Fisch gegart: 595 – 1.049 mg
  • Hartkäse mind. 30 % Fett i. Tr.: 886 mg
  • Sonnenblumenkernmehl entfettet: 869 mg
  • Bierhefetabletten: 862 mg (aber pro Tagesdosis (z. B. 7 g) nur 60 mg)
  • Brathähnchen Brust: 832 mg
  • Paranüsse: 815 mg
  • Schweineschnitzel mager, gegart: 784 mg
  • Rindersteak mager, gegart: 779 mg
  • Spirulinapulver: 726 mg (pro Tagesdosis (z. B. 4 g) nur 29 mg)
  • Sojawürstchen: 273 mg
  • Mandeln: 270 mg
  • 1 Ei gekocht (M, 60 g): 231 mg
  • Tempeh: 208 mg
  • Tofu: 70 - 205 mg
  • Walnüsse: 173 mg
  • Haferflocken: 163 mg
  • Kichererbsen gekocht: 103 mg
  • Vollkornbrot: 90 – 120 mg
  • Linsen gekocht: 88 mg
  • Vollkornnudel gekocht: 86 mg
  • Kuhmilchjoghurt vollfett: 79 mg
  • Kuhmilch fettarm: 78 mg
  • Hirse gekocht: 73 mg
  • Naturreis gekocht: 46 mg
  • Brokkoli gegart: 41 mg
  • Grüne Bohnen gegart: 27 mg
  • Lauch gegart: 25 mg
  • Himbeeren: 20 mg
  • Sauerkraut: 15 mg
  • Möhre frisch: 10 mg
  • Gurke frisch: 5 mg
  • Apfel: 3 mg
  • Sojadrink: 0 mg (je nach Quelle)

Methioninarme Ernährung dämpft überaktives Immunsystem

„Methionin ist sehr wichtig für ein gesundes Immunsystem. Dennoch zeigen unsere Studienergebnisse, dass es für Menschen mit entzündlichen Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen sinnvoll sein könnte, weniger Methionin zu sich zu nehmen. Denn weniger Methionin dämpft die Aktivität besagter Immunzellen, die nicht nur Krankheitserreger bekämpfen, sondern auch an Autoimmunprozessen beteiligt sind, so dass die jeweilige Krankheit nun gelindert werden könnte“, erklärte Studienautor Russell Jones vom Van Andel Institute in Michigan.(2)

„Unsere Studie stellt somit die Basis für künftige Ernährungsrichtlinien bei den genannten Krankheitsbildern dar“.

Autoimmunerkrankungen: Der aktuelle Stand der Wissenschaft

Bei Autoimmunerkrankungen attackiert das Immunsystem nach aktuellem Stand der Wissenschaft statt Krankheitserregern fälschlicherweise gesundes körpereigenes Gewebe. Im Falle der Multiplen Sklerose – der häufigsten entzündlichen Erkrankung des Zentralen Nervensystems – sind es die Myelinscheiden (die die Nervenzellen im Gehirn und im Rückenmark schützen), die von Immunzellen plötzlich angegriffen werden. Folglich funktioniert nun die Nachrichtenübermittlung vom Gehirn in den Körper und umgekehrt nicht mehr richtig. Es kommt zu Symptomen wie Taubheitsgefühlen, Muskelschwäche, Koordinations- und Gleichgewichtsschwierigkeiten sowie kognitiven Störungen.

Nach wie vor bietet die Schulmedizin keine zufriedenstellenden Therapien bei Autoimmunerkrankungen an. Die vorhandenen Medikamente gehen ausserdem mit teilweise starken Nebenwirkungen einher. So steigt dadurch z. B. das Krebsrisiko und auch das Risiko für Infektionen (da im Allgemeinen das Immunsystem unterdrückt wird und der Körper somit anfälliger für Krankheiten aller Art wird).

Wie Methionin Autoimmunprozesse antreibt

Während einer Immunantwort (Reaktion des Immunsystems auf einen Krankheitserreger oder eine andere schädliche Substanz) durchdringen die T-Zellen den betroffenen Körperbereich, um die Erreger zu eliminieren.

Jones und Kollegen stellten fest, dass die Aminosäure Methionin aus der Nahrung diesen Prozess regelrecht antreibt. Methionin hilft dabei, T-Zellen so umzuprogrammieren, damit sie sich schnell vermehren und spezialisieren können, um auf diese Weise der Bedrohung noch schneller Herr werden können.

Ein Teil dieser neu programmierten T-Zellen verursacht Entzündungen – ein eigentlich normaler Vorgang bei jeder Immunantwort, damit diese möglichst schnell und erfolgreich ein Ende findet, nämlich dann, wenn der Erreger besiegt ist.

Entzündungsprozesse aber können auch Gewebeschäden verursachen, z. B. das Nervengewebe schädigen, wie es bei der Multiplen Sklerose der Fall ist.

Methioninarme Ernährung hemmt Autoimmunprozesse, ohne das Immunsystem zu stören

Reduziert man nun bei einer vorliegenden Multiplen Sklerose den Methioningehalt der Nahrung, dann wird die beschriebene Umprogrammierung der T-Zellen gebremst und ihre Fähigkeit, Entzündungen im Gehirn und im Rückenmark zu erzeugen, wird eingeschränkt – zumindest bei den Mäusen, die in Jones Studie als Probanden eingesetzt wurden. Das Ergebnis war, dass die Multiple Sklerose der Tiere langsamer fortschritt oder auch deutlich später in Erscheinung trat.

„Wenn man den Methioningehalt in der Ernährung reduziert, dann entfernt man praktisch den Treibstoff, der andernfalls zu dieser überaktiven und entzündlichen Immunantwort führen würde. Gleichzeitig wird das übrige Immunsystem nicht – wie es bei den typischen immunsuppressiven Medikamenten der Fall ist – beeinträchtigt“, erklärte Jones.

Methioninreduzierte Ernährung hilft auch bei Krebs

Natürlich müsse man nun – so Jones – die Ergebnisse dieser Studie erst beim Menschen überprüfen, bevor man hier konkrete Ernährungsrichtlinien veröffentlichen könne. Auch will man eventuell Medikamente entwickeln, die darauf abzielen, den Methioninstoffwechsel zu hemmen.

Bei Jones Studie handelt es sich um die neueste Studie (Stand Februar 2020) zum Thema „Methioninreduzierte Ernährung als mögliche Therapie bei Krankheiten“. Im Jahr 2019 hatte ein Team der Duke University bereits entdeckt, dass eine methioninreduzierte Ernährung (ebenfalls bei Mäusen) die Wirkung der herkömmlichen Krebstherapie (Chemo und Bestrahlung) verbessern konnte.(3)

Und im Jahr 2012 war eine Studie erschienen (5), in der sich gezeigt hatte, dass sich mit einer methioninarmen Ernährung das Krebswachstum besser unter Kontrolle bringen lasse. Näheres dazu lesen Sie hier: Vegane Ernährung bei Krebs

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Quellen

  1. Dominic G. Roy, Russell G. Jones et al., Methionine Metabolism Shapes T Helper Cell Responses through Regulation of Epigenetic Reprogramming. Cell Metabolism, 2020
  2. Van Andel Research Institute, Dietary interventions may slow onset of inflammatory and autoimmune disorders, ScienceDaily, 8. Februar 2020
  3. Gao X, Locasale JW et al., Dietary methionine influences therapy in mouse cancer models and alters human metabolism, Juli 2019
  4. Nährwertrechner, Methionin
  5. Cavouoto P et al., A review of methionine dependency and the role of methionine restriction incancergrowth control and life-span extension. CancerTreat Rev. 2012 Oktober