Alltägliche Chemikalien in der Schwangerschaft schaden dem Kind

Wenn Mütter in der frühen Schwangerschaft – im ersten Trimester – bestimmte Kosmetikartikel, bestimmte Körperpflegemittel oder auch bestimmte Gebrauchsgegenstände nutzen, dann setzen sie damit ihr Kind gefährlichen Chemikalien aus, die zu einem niedrigeren IQ des Kindes führen können.

Wissenschaftler der Icahn School of Medicine an der Mount Sinai University in New York und der Karlstad University in Schweden veröffentlichten ihre Studie im Oktober 2019 im Fachmagazin Environment International. Es handelt sich um die erste Studie, in der die Einflüsse hormonell wirksamer Chemikalien auf die embryonale Entwicklung des Nervensystems bei Kindern untersucht wurden.

Diese Chemikalien können den IQ Ihres Kindes reduzieren

Die Wissenschaftler überprüften anhand von Blut- und Urinproben die Chemikalien-Belastung von 718 schwangeren Müttern. Dazu wurden die Werte von 26 Chemikalien bestimmt, u. a. von den folgenden:

  • Bisphenol A (BPA), ein Weichmacher, der sich in Kunststoffverpackungen von Lebensmitteln und Getränken befinden kann
  • Bisphenol F (BPF), ein Stoff, der immer häufiger statt BPA eingesetzt wird
  • Pestizide aus Rückständen in Lebensmitteln, z. B. Chlorpyrifos, ein Insektizid, das seit 2006 in der EU zugelassen ist und seit einiger Zeit im Gespräch ist, ungeborene Kinder so zu beeinflussen, dass sie im späteren Leben ein erhöhtes Risiko für ADHS haben (Aufmerksamkeitsstörungen),
  • Phthalate in PVC-Kunststoffen und manchen Kosmetikprodukten
  • Polyfluoridierte Alkylverbindungen, die in manchen Putzmitteln enthalten sind
  • Triclosan z. B. in antibakteriellen Seifen

Einige der 26 Chemikalien sind auch als sog. endokrine Disruptoren bekannt, also Stoffe, die das Hormonsystem des Menschen irritieren können. Bei manchen anderen vermutet man bislang eine solche Wirkung nur, da sie über ähnliche Eigenschaften verfügen oder nur in Tierstudien hormonelle Wirkung zeigten.

Diese Chemikalie wirkt sich besonders negativ auf den IQ aus

Als man nun nach sieben Jahren die Kinder, der Studienteilnehmerinnen untersuchte, zeigte sich, dass die Kinder – besonders die Jungs – der während der Schwangerschaft am meisten belasteten Mütter einen niedrigeren IQ hatten.

Am stärksten auf den IQ der Kinder wirkte sich offenbar Bisphenol F (BPF) aus. Der Stoff wird inzwischen gerne statt des in Verruf geratenen BPA eingesetzt, ist jedoch nicht minder problematisch. Carl-Gustaf Bornehag, Professor an der Karlstad University betonte daher, dass BPF für Kinder keinesfalls sicherer sei als BPA.

Aber auch die anderen oben genannten Chemikalien wirkten sich auf die embryonale Entwicklung des Nervensystems in Sachen IQ negativ aus – und das, wo es immer wieder heisst, dass sich die Chemikalien nur kurz im Körper aufhielten, was wiederum darauf hinweist, dass selbst ein so kurzer Aufenthalt dieser Stoffe im menschlichen Körper deutlich schädliche Auswirkungen haben kann.

Schäden durch Chemikalien in der Schwangerschaft sind irreversibel

In den meisten Studien dieser Art werden häufig nur die Auswirkungen einer einzelnen Chemikalie untersucht, was aber zu nur wenig realistischen Ergebnissen führt, denn wir Menschen sind bekanntlich stets mehreren Chemikalien gleichzeitig ausgesetzt.

Selbst wenn die Dosis der einzelnen Chemikalie niedrig ist und im Grunde nicht schädlich wäre, können viele Chemikalien gleichzeitig – alle in niedrigen Dosen – in ihrer Gesamtheit durchaus beträchtlichen Schaden anrichten und mit dem menschlichen Hormonsystem interagieren, erklärte Eva Tanner, Wissenschaftlerin für Umweltmedizin an der Mount Sinai University.

Etliche der genannten Chemikalien passieren die Plazenta und setzen das ungeborene Kind stets dem Risiko irreversibler Schäden aus, da gerade in dieser Phase der Entwicklung Schäden nicht mehr rückgängig zu machen sind und den jeweiligen Menschen sein ganzes Leben lang belasten.

In der vorgestellten Studie wurden die Einflüsse nur in der frühen Schwangerschaft untersucht. Wie sich Chemikalien im zweiten oder dritten Trimester auswirken, weiss man dabei noch gar nicht.

Wie man Chemikalien in der Schwangerschaft vermeidet

Schwangere Frauen und auch Frauen, die schwanger werden möchten, sollten daher – so auch die Forscher – unbedingt versuchen, den Kontakt mit den genannten Chemikalien zu vermeiden, um ihre zukünftigen Kinder vor entsprechenden Schäden zu schützen.

Am einfachsten gelingt dies mit Hilfe der folgenden Tipps:

  • Kunststoffe, wo immer möglich vermeiden (besser unverpacktes Obst und Gemüse kaufen, z. B. auf dem Markt, dem Hofladen etc., Wasser nicht in Plastikflaschen kaufen etc.)
  • Biolebensmittel bevorzugen
  • Kosmetika, Putzmittel und Körperpflegemittel aus dem Naturkosmetiksektor bzw. im Bioladen kaufen

Quellen

  • Eva M. Tanner, Carl-Gustaf Bornehag et al., Early prenatal exposure to suspected endocrine disruptor mixtures is associated with lower IQ at age seven. Environment International, 2019
  • The Mount Sinai Hospital / Mount Sinai School of Medicine. "Chemicals in consumer products during early pregnancy related to lower IQ, especially in boys, ScienceDaily, 24. Oktober 2019