Gesundheit

Demenz: Gestörte Darmflora könnte Mitursache sein

  • Autor: Carina Rehberg
  • aktualisiert: 29.03.2019
Demenz: Gestörte Darmflora könnte Mitursache sein
© gettyimages.de/MonicaNinker

Bei chronischen Erkrankungen gilt inzwischen meist auch eine Darmflorastörung als Mitursache. Selbst bei Demenzkranken ist die Darmflora eine deutlich andere als bei gesunden Personen.

Inhaltsverzeichnis

Darmflorastörung vermutlich auch bei Demenz Mitursache

Längst weiss man, dass der menschliche Körper zahlreichen Mikroorganismen als Wohnstätte dient. Sie leben auf der Haut, im Mund (Mundflora), selbst tief in den Lungen und natürlich in Form der Darmflora im Darm.

Je weiter die Forschung in Sachen Darmflora voranschreitet, umso mehr Positives erfährt man über die Bakteriengemeinschaft in unserem Verdauungssystem. Kommt es jedoch zu einer Störung der Darmflora, dann sind Verdauungsbeschwerden beileibe nicht die einzige Folge.

Es scheint die Gesamtgesundheit des Menschen bedroht zu sein und er wird anfällig für allerlei Krankheiten, ganz gleich ob Diabetes, Schizophrenie, Demenz und Alzheimer – so ein Forscherteam rund um Dr. Naoki Saji vom Forschungszentrum für Gedächtnisstörungen (Center for Comprehensive Care and Research on Memory Disorders) am Zentrum für Geriatrie und Gerontologie im japanischen Obu.

Demente Menschen haben andere Darmflora als Gesunde

Die japanischen Wissenschaftler entdeckten in ihrer Studie, dass die Darmflora von dementen Menschen anders zusammengesetzt ist als bei gesunden Menschen und präsentierten ihre Ergebnisse bei der jährlichen International Stroke`s Conference Anfang 2019 in Honolulu.

Sinn der Studie war, herauszufinden, ob manche Darmbakterien eines Tages bei der Diagnose oder Therapie von Demenzerkrankungen helfen könnten. Als Teilnehmer dienten 128 Patienten (Männer und Frauen) im durchschnittlichen Alter von 74,2 Jahren.

Man wertete nun die aktuellen kognitiven Fähigkeiten mittels neuropsychologischer Tests aus, untersuchte die Gehirne aller Teilnehmer im MRT und analysierte anhand von Stuhlproben die Zusammensetzung der Darmflora. Einige der Patienten hatten bereits eine Demenzdiagnose, andere nicht.

Bei Demenz weist die Darmflora weniger nützliche Bakterien auf

Es zeigten sich auffällige Unterschiede zwischen der Darmflora von Demenzpatienten und der Darmflora gesunder Menschen. Der Spiegel der sog. nützlichen Bakterien (Bacteroides) war bei Demenzpatienten eher niedrig. Gleichzeitig war ihre Darmflora von grösseren Mengen sog. Ruminococcus-Bakterien besiedelt. Bei Menschen ohne Demenz verhielt es sich genau umgekehrt.

Bei etlichen chronischen Erkrankungen konnte bereits dieser Überhang an Ruminococcus-Bakterien beobachtet werden, z. B. bei Divertikulitis, bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder bei Allergiker-Kindern (Heuschnupfen und Asthma). 

Bei Demenz hohe Zahl an Fäulnisbakterien

Bei den Demenzkranken fand man im Stuhl ausserdem eine hohe Belastung mit Ammonium, Indol, Skatol und Phenol – den Stoffwechselprodukten von sog. Fäulnisbakterien (z. B. Klebsiella, Clostridium u. a.).

Gerade Indol und Skatol sorgen – wenn sie in übergrossen Mengen enthalten sind – für einen penetrant riechenden Stuhl (natürlich gemeinsam mit der Schwefelwasserstoffsäure, die den bekannten Faule-Eier-Geruch bildet und auch am Mundgeruch beteiligt ist). Die beiden Verbindungen entstehen auch – genau wie Ammonium – wenn viel Fleisch und Wurst gegessen wird.

Gesunde Darmflora hemmt Entzündungen

Die Studie ist nicht die erste, die Zusammenhänge zwischen einer gestörten Darmflora und Demenz annehmen lässt. Wie genau die Darmflora jedoch das Gehirn beeinflusst, ist nicht vollständig geklärt. Manche Experten glauben – wie in Protein & Cell im Februar 2017 zu lesen war – dass die Darmbakterien das Immunsystem und auf diese Weise Entzündungsprozesse beeinflussen können. Da chronische Entzündungen auch mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenzen in Verbindung stehen, wäre dies bereits ein Teil der Erklärung.

Bei Demenz immer auch an die Darmflora denken!

Noch ist jedoch nicht geklärt, ob die kranke Darmflora die Folge einer Demenzerkrankung sein könnte oder ob sie tatsächlich ursächlich an der Entstehung beteiligt ist, also bei der Demenzentwicklung tatkräftig mitwirkt. Allerdings glaubt Dr. Sajis Forscherteam: „Darmbakterien sind ein unabhängiger und wichtiger Risikofaktor bei Demenz.“

Es spricht also nichts dagegen, bei Demenz, anderen chronischen Erkrankungen oder natürlich auch vorbeugend die Ernährung so zu gestalten, dass Fäulnisbakterien keine Chance haben (mit einer pflanzenbasierten Ernährung) und die Darmflora über die regelmässige Einnahme von Probiotika positiv zu beeinflussen. und damit die Darmflora aufzubauen.

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Quellen

  • Chua HH et al., Intestinal Dysbiosis Featuring Abundance of Ruminococcus gnavus Associates With Allergic Diseases in Infants, Gastroenterology. 2018 Jan;154(1):154-167
  • Hansen SGK et al., Two Cases of Ruminococcus gnavus Bacteremia Associated with Diverticulitis, Journal of Clinical Microbiology, 2013
  • Hall AB et al., A novel Ruminococcus gnavus clade enriched in inflammatory bowel disease patients, Genome Med. 2017 Nov 28;9(1):103. doi: 10.1186/s13073-017-0490-5
  • Labor Dr. Bayer, Gesunder Darm, kranker Darm, Diagnostischer Leitfaden für Darm-assoziierte Erkrankungen, Kompetenzzentrum für komplementärmedizinische Diagnostik
  • Newman T, Dementia: Could gut bacteria play a role?, Medical News Today, Februar 2019
  • Rashad A et al., Human gut microbiota: the links with dementia development, Protein Cell. 2017 Feb; 8(2): 90–102