Risiko für die Gesundheit

E-Zigaretten schaden dem Herzen genauso wie normale Zigaretten

  • Autor: Carina Rehberg
  • aktualisiert: 03.10.2018
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E-Zigaretten schaden dem Herzen genauso wie normale Zigaretten
© istockphoto.com/diego_cervo

E-Zigarette werden gerne als Alternative zu normalen Zigaretten gepriesen. Möglicherweise sind sie auch tatsächlich eine gute Idee zur Rauchentwöhnung. Anschliessend jedoch sollte man auch den E-Zigaretten-Konsum an den Nagel hängen. Denn die gesundheitlichen Auswirkungen sind auch beim Dampfen alles andere als harmlos und überdies noch nicht einmal vollumfänglich bekannt. In einer Studie vom Juli 2018 ergab sich beispielsweise, dass E-Zigaretten dem Herz-Kreislauf-System genauso schaden wie herkömmliche Zigaretten.

E-Zigaretten belasten Herz und Kreislauf

Nikotinhaltige E-Zigaretten schädigen – laut einer Studie, die im Juli 2018 im Fachjournal SAGE, Vascular Medicine veröffentlicht wurde – die Gesundheit der Blutgefässe ähnlich stark bzw. höchstwahrscheinlich sogar stärker als herkömmliche Tabakzigaretten.

Die Studie wurde von Dr. Klaas Frederik Franzen, Lungenfacharzt am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck durchgeführt. Franzen und Team überprüften die Organfunktionen während und zwei Stunden nach dem fünfminütigen Dampfen bzw. Rauchen einer nikotinhaltigen E-Zigarette, einer nikotinfreien E-Zigarette und einer herkömmlichen Tabakzigarette.

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Blutdruck steigt nach dem Dampfen – und bleibt länger erhöht als nach dem Rauchen

Es zeigte sich, dass die nikotinhaltige E-Zigarette dieselben schädlichen Auswirkungen auf den Blutdruck und die Herzfrequenz hatte wie die herkömmliche Zigarette aus Tabak. Der systolische Blutdruck erhöhte sich nach dem Dampfen der E-Zigarette für eine Dauer von 45 Minuten ganz signifikant, während es nach dem Rauchen nur 15 Minuten waren.

Auch die Herzfrequenz stieg nach dem Dampfen für die Dauer von 45 Minuten – und zwar um mehr als 8 Prozent. Bei den herkömmlichen Zigaretten waren es nur 30 Minuten. Nikotinfreie E-Zigaretten hingegen zeigten keinen Einfluss – weder auf Blutdruck noch auf Herzfrequenz.

E-Zigaretten für die Gesundheit genauso gefährlich wie Tabak

Franzen et al. geben an, dass die E-Zigarette für die Gesundheit genauso gefährlich sein kann wie die herkömmliche Zigarette: „Die erhöhten Parameter bei nikotinhaltigen E-Zigaretten weisen darauf hin, dass wir hier ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko vorliegen haben – genauso wie bei Zigaretten.“

Es handelte sich um die erste Studie, die direkt am Menschen die Auswirkungen der E-Zigarette auf die Herz-Kreislauf-Funktionen untersuchte. Dennoch wurde bisher von der E-Zigaretten-Lobby rundheraus behauptet – etwas vorschnell, wie sich nun zeigte – E-Zigaretten seien unschädlich oder wenigstens weniger schädlich für das Herz-Kreislauf-System als herkömmliche Zigaretten.

Tierstudien hatten schon vorher gezeigt, dass E-Zigaretten die Blutgefässe schädigen können – und aus epidemiologischen Studien weiss man, dass das Dampfen das Risiko für Atemwegserkrankungen erhöht. Zusätzlich hat sich in Untersuchungen ergeben, dass E-Zigaretten die Zellen der Mundschleimhaut töten und ferner das Immunsystem schwächen.

Franzen regte nun an, dass künftige Studien die langfristigen Auswirkungen des Dampfens auf den Blutdruck und die Gefässgesundheit überprüfen sollten, was also auch noch nicht geschehen ist.

Besser weder rauchen noch dampfen!

Nikotinhaltige E-Zigaretten sollten ausschliesslich zur Rauchentwöhnung über einen festgelegten Zeitpunkt von einigen Wochen hinweg genutzt werden. Dauerhaft sollten Sie nicht zu E-Zigaretten greifen, schon gar nicht zu nikotinhaltigen. Da jedoch auch nikotinfreie E-Zigaretten laut verschiedener Studien gesundheitsschädlich sein können – sie enthalten Schwermetalle, Formaldehyd und andere bedenkliche Chemikalien – empfehlen wir, dauerhaft weder zu rauchen noch zu dampfen.

(Hinweis: Die nikotinhaltige E-Zigarette enthielt in der Studie 24 mg Nikotin pro Milliliter Liquid. Im Normalfall enthalten Liquids nicht mehr als 20 mg Nikotin pro Milliliter, meist deutlich weniger. Wir haben bei Dr. Franzen am 11. Juli 2018 per E-Mail den Grund für den übermässig hohen Nikotingehalt angefragt und warten derzeit auf seine Antwort.

Update: Bis heute - 24.8.2018 - haben wir noch keine Reaktion erhalten.

Update: Am 2.9.2018 schrieb uns Herr Dr. Franzen:

"Vielen Dank für Ihr Interesse und die Kenntnisnahme von unserer wissenschaftlichen Arbeit. Während der Konzeption der Studie und der ethischen Prüfung waren diese Konzentrationen noch zugelassen, sodass wir diese Studie im Sinne eines Proof-of-Principle Studie angelegt haben und sich im Rahmen von länger angelegten Studien die aktuell zulässigen Nikotingehalte Verwendung finden sollen. Für weitere Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung und verbleiben mit freundlichen Grüßen, Dr. Klaas F. Franzen, MaHM"

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