Risiko für die Gesundheit

Psychische Störung durch Fleisch- und Wurstwaren

  • Autor: Carina Rehberg
  • aktualisiert: 11.08.2018
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Psychische Störung durch Fleisch- und Wurstwaren
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Bei einer Studie an 1.000 Personen, die teilweise an psychischen Störungen litten, zeigte sich, dass manche Fleisch- und Wurstwaren, wie etwa Salami, Würstchen und Rauchfleisch die sog. Manie verstärken können. Bei der Manie handelt es sich um eine psychische Störung, die sich in grundlos euphorischer Stimmung und Hyperaktivität äussert. Betroffene schlafen weniger, überschätzen sich selbst und machen in manischen Phasen daher oft Dinge, die sie hinterher bereuen. Weniger Wurst könnte dabei helfen, seltener oder kürzere manische Episoden zu erleben.

Mögliche Ursache psychischer Störungen: Nitrate in manchen Fleischprodukten

In einer Studie, die am 18. Juli 2018 im Fachmagazin Molecular Psychiatry veröffentlicht wurde, entdeckten Forscher der Johns Hopkins University, dass Personen, die wegen einer manischen Episode in der Klinik vorstellig wurden, mit 3,5-mal höherer Wahrscheinlichkeit Fleischwaren gegessen hatten, die mit Nitraten behandelt waren, als dies bei Menschen ohne ernsthafte psychische Störungen der Fall war. Mit keinem anderen Lebensmittel konnte ein derartiger Zusammenhang beobachtet werden.

Zuvor hatten bereits Experimente mit Ratten ergeben, dass die Tiere manieähnliche Symptome entwickelten, wenn man ihrer Nahrung wenige Wochen lang Nitrate zusetzte. Die Nitratmenge entsprach dabei im Verhältnis jener, die in einem einzigen Trockenfleischsnack (Beef Jerky Stick) oder Hotdog enthalten ist.

Art der Ernährung ist ein wichtiger Risikofaktor für psychische Erkrankungen

Man kennt zwar einige Risikofaktoren (inkl. Erbanlagen, Trennung, Verlust) für die Entstehung manischer Phasen (die beispielsweise auch bei der bipolaren Störung auftreten können), doch eine konkrete Ursache konnte bislang nicht ausgemacht werden. Daher suchen Forscher die Ursachen zunehmend im Bereich der Ernährung, die hier eine massgebliche Rolle spielen könnte.

Studienautor Dr. Robert Yolken, Professor für Neurovirologie an der Johns Hopkins University in Baltimore ist der Meinung, dass die vorliegenden Studienergebnisse darauf hinweisen, dass bestimmte Ernährungsformen sowie die Zusammensetzung der Darmflora zur Entstehung einer Manie und anderer psychischer Störungen beitragen können.

Ernährung umstellen und Risiko für manische Episoden reduzieren

„Künftige Untersuchungen in diesem Bereich könnten dazu führen, dass wir bei entsprechend anfälligen Personen mit einer gezielten Ernährungsumstellung das Risiko für manische Episoden reduzieren können“, so Yolken, Experte für Infektionskrankheiten, der u. a. den Zusammenhang zwischen Viren (die mit der Nahrung übertragen werden) und psychischen Störungen erforscht.

Da in Yolkens Studie jedoch nicht die Menge der verzehrten entsprechend konservierten Fleischprodukte berücksichtigt wurde, lässt sich keine Angabe machen, wie viel Trocken- oder Rauchfleischprodukte das Manie-Risiko erhöhen können.

Glutenfreie Lebensmittel

Nitrate in Wurst und Würstchen

Nitrate werden schon sehr lange als Konservierungsstoffe für Dörr- und Rauchfleischprodukte, aber auch für Wurst und Würstchen eingesetzt und gelten als Risikofaktor für einige Krebsformen und neurodegenerative Erkrankungen. Daher vermutet Yolken, dass es dieser Stoff sein könnte, der sich so negativ auf die Psyche auswirkt.

Bestätigt wurde der Verdacht durch einen weiteren Rattenversuch. Ein Teil der Tiere erhielt Rauchfleisch mit Nitrat, ein anderer Teil nitratfreies Rauchfleisch und ein dritter Teil diente als Kontrollgruppe. Es zeigte sich, dass die Nitratgruppe an Schlafstörungen und Hyperaktivität litt, während sich die nitratfreie Gruppe genauso unauffällig verhielt wie die Kontrollgruppe.

Darmflora ändert sich bei nitrathaltiger Ernährung und beeinflusst jetzt die Psyche negativ

Untersuchte man die Darmflora der Ratten, zeigten sich deutliche Unterschiede, wenn die Tiere nitrathaltige Nahrung erhalten hatten. Auch manche Mechanismen im Gehirn unterschieden sich von jenen der nitratfreien Gruppe. Die Gehirnveränderungen erinnerten an Veränderungen, die auch bei der bipolaren Störung beobachtet werden können.

Probiotika reduzieren Zahl der manischen Episoden

In einer Studie mit Menschen, die an der bipolaren Störung litten, gab Yolken einem Teil der Probanden nach einer manischen Episode Probiotika, um deren Darmflora positiv zu beeinflussen. Das Ergebnis war, dass die Probiotika-Gruppe in den kommenden sechs Monaten seltener eine erneute manische Episode erlitt als die Teilnehmer, die keine Probiotika erhalten hatten.

Manie und bipolare Störung: Nitratfreie Ernährung und Probiotika

Bei einer Manie bzw. manischen Episode erleben die Betroffenen ein übermässiges Hochgefühl. Sie verspüren eine starke Erregung und sind extrem energiegeladen. Im Verlauf einer solchen Phase werden häufig Dinge getan (Verträge abgeschlossen, Käufe getätigt, Versprechungen gegeben etc.), die anschliessend wieder bereut werden und mühevoll rückgängig gemacht werden müssen.

Die manische Episode kann wochen- oder monatelang anhalten. Tritt sie im Rahmen der bipolaren Störung auf, wird sie immer wieder von ebenso lang andauernden depressiven Phasen abgelöst. Aber auch bei anderen psychischen Störungen können manische Episoden beobachtet werden. Allein die bipolare Störung betrifft in den USA 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung.

Wie die oben beschriebenen Studien zeigen, empfiehlt es sich bei einer Manie oder bipolaren Störung oder auch bei anderen psychischen Störungen nitrathaltige Fleisch- und Wurstprodukte zu meiden und mit Hilfe von hochwertigen Probiotika die Darmflora positiv zu beeinflussen.

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Quellen

  • Yolken RH et al., Nitrated meat products are associated with mania in humans and altered behavior and brain gene expression in rats, Molecular Psychiatry, Juli 2018, (Quelle als PDF)