Zentrum der Gesundheit
  • Junger Mann dampft eine E-Zigarette und das Paar dampft somit passiv mit
21 Oktober 2021
3 min

Passivdampfen: Doch nicht so harmlos wie gedacht

Nicht nur beim Rauchen, auch beim Dampfen werden Giftstoffe an die Umgebung abgegeben. Studien zufolge ist das Passivdampfen gefährlicher, als bisher angenommen wurde.

Fachärztliche Prüfung: Dr. med. Jochen Handel

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Stellt das Passivdampfen ein Gesundheitsrisiko dar?

Lange wurde proklamiert, dass die E-Zigarette für die Gesundheit keine Gefahr darstellt. Schon gar nicht in puncto Passivdampfen. Das war für viele Menschen ein Grund, um vom Glimmstängel auf die E-Zigarette umzusteigen. Inzwischen mehren sich jedoch die Hinweise, dass das Dampfen keineswegs ungefährlich ist.

Demzufolge stellt sich die Frage, ob weiterhin mit gutem Gewissen gedampft werden kann, z. B. wenn sich Kinder im Raum befinden. Laut einer Übersichtsarbeit (5) kommen die meisten Forscher zum Schluss, dass auch das Passivdampfen ein Gesundheitsrisiko darstellen kann.

Passivdampfen kann Asthma verschlimmern

Laut einer im Jahr 2019 am Maine Medical Center durchgeführten Studie (1) verwenden rund 5 Prozent aller US-Amerikaner, die Kinder haben, die E-Zigarette. Dabei kann Passivdampf möglicherweise ähnlich schädlich sein wie Tabakrauch.

Im Rahmen einer im Jahr 2019 in der Fachzeitschrift Chest veröffentlichte Studie (6) wurden die Daten von 70.000 Schülern zwischen 11 und 17 Jahren analysiert. 11.830 von ihnen litten an Asthma bronchiale. Rund ein Drittel von ihnen war dem Passivdampf von E-Zigaretten ausgesetzt.

Die Forscher stellten fest, dass betroffene Kinder und Jugendliche häufiger an Asthma erkranken und dass bei ihnen öfter eine akute Verschlimmerung auftritt als in der Vergleichsgruppe. Das Studienergebnis war im Übrigen unabhängig von anderen Einflussfaktoren wie dem Wohnort.

Ärzte seien deshalb in der Pflicht, dampfende Eltern sowie Asthma-Patienten künftig über die potentiellen Risiken aufzuklären.

Auch beim Dampfen wird Nikotin freigesetzt

Vonseiten der Industrie und der Dampfer selbst wird oft darauf verwiesen, dass E-Zigaretten viel gesünder seien als das Tabakrauchen, da beim Dampfen kein Verbrennungsprozess stattfinde. Dem ist nichts entgegenzusetzen. Doch die meisten Dampfer verwenden Liquids, die Nikotin enthalten.

Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (7) sind der Nikotingehalt und das damit verbundene Suchtpotenzial von E-Zigaretten im Schnitt gleich hoch wie bei Zigaretten. Laut einer Studie (4) an der Medical University of Silesia in Polen wird Nikotin nicht nur beim Rauchen, sondern auch beim Dampfen in der Umgebung freigesetzt.

Es wurden verschiedene E-Zigaretten getestet und die Nikotinkonzentration in der Luft lag zwischen 0,8 und 6,2 Mikrogramm pro Kubikmeter. Bei Zigaretten ist diese zwar 10-mal höher, doch in Innenräumen könne selbst eine geringere Nikotinexposition – z. B. bei Kindern, Schwangeren und Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen – zu gesundheitlichen Problemen führen.

Dampf von E-Zigaretten enthält zahlreiche Schadstoffe

Die Werbung verspricht, dass E-Zigaretten weniger Schadstoffe enthalten als Zigaretten. Fakt ist aber, dass es sich um keine standardisierten Produkte handelt und sich in Liquids neben Nikotin somit alle möglichen gesundheitsschädlichen Substanzen verbergen können. Dazu zählt z. B. der Aromastoff Diacetyl, der zu Atemwegserkrankungen führen kann. (8)

Laut Analysen (3) am Roswell Park Cancer Institute befinden sich nicht nur in Liquids, sondern auch im Dampf einige toxische Substanzen. Der Gehalt ist meist zwar geringer als im Tabakrauch, in manchen Fällen aber vergleichbar hoch. Aus den Vernebelungsmitteln kann z. B. krebserregendes Formaldehyd gebildet werden.

Die Forscher vom Maine Medical Center verweisen darauf (1), dass der Dampf mit flüchtigen organischen Verbindungen, Schwermetallen und ultrafeinen Partikeln angereichert ist, denen Passivraucher durch Einatmen oder Hautkontakt ausgesetzt sind.

Passivdampfen ist ein wachsendes Problem

Dr. Stanton Glantz (2), Direktor vom Center for Tobacco Control Research and Education, gab an, das das Passivdampfen ein wachsendes Problem sei. Denn: "Je mehr wir darüber lernen, desto gefährlicher werden E-Zigaretten".

Wer auf E-Zigaretten dennoch nicht verzichten möchte, kann natürlich weiterhin dampfen, jedoch nicht in Gegenwart von Nichtrauchern und Nichtdampfern. Leben Kinder im Haushalt, sollte man auch diese vor dem Passivdampfen schützen und sich überdies seiner Vorbildfunktion bewusst sein.

Denn wenn Eltern dampfen, dauert es möglicherweise nicht lange, bis auch Kinder und Jugendliche zur E-Zigarette greifen. Dampfen aber – so erste Studien – könnte sich bei jungen Menschen negativ auf die Entwicklung des Gehirns auswirken, vom Suchtpotenzial einmal ganz abgesehen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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Quellen
  1. (1) Jenny L. Carwile et al, Electronic Cigarette Use in US Households With Children – The “New” Secondhand Smoke, JAMA Pediatr, 2019
  2. (2) Steven Reinberg, E-cigarettes used in 5 percent of U.S. homes with kids, MedicalXpress, Mai 2019
  3. (3) Goniewicz ML et al, Levels of selected carcinogens and toxicants in vapour from electronic cigarettes, Tob Control, März 2014
  4. (4) Jan Czogala et al, Secondhand Exposure to Vapors From Electronic Cigarettes, Nicotine Tob Res, Juni 2014
  5. (5) Evanthia P. Perikleous et al, E-Cigarette Use Among Adolescents: An Overview of the Literature and Future Perspectives, Front Public Health, März 2018 
  6. (6) Bayly JE et al, Secondhand Exposure to Aerosols From Electronic Nicotine Delivery Systems and Asthma Exacerbations Among Youth With Asthma, Chest, 2019
  7. (7) Bundesinstitut für Risikobewertung, Vorläufige Risikobewertung von Tobacco Heating-Systemen als Tabakprodukte, Mitteilung Nr. 015/2017 des BfR vom 27. Juli 2017
  8. (8) Christoph Hutzler et al, Ingredients and emissions of e-cigarettes, Umweltbundesamt, 2016