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  • Antibiotika in der Schwangerschaft – Kranker Darm beim Kind
13 Februar 2022
4 min

Antibiotika in der Schwangerschaft: Kranker Darm beim Kind

Eine Antibiotika-Gabe in der späten Schwangerschaft oder der frühen Stillzeit kann Jahre später zu chronischen Darmerkrankungen beim Nachwuchs führen.

Chronische Darmentzündungen, wenn die Mutter Antibiotika nahm

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie z. B. Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa beeinträchtigen die Lebensqualität enorm. Ursachen dieser als Autoimmunerkrankungen geltenden Beschwerden kennt die Schulmedizin offiziell nicht. Eine mögliche Ursache könnte jedoch die Antibiotikaeinnahme der eigenen Mutter während der Schwangerschaft oder frühen Stillzeit sein.

Eine Studie von Forschern der University of Chicago Medicine zeigt, dass sich bei Probanden, die eine genetische Veranlagung für chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) aufweisen, eine solche Krankheit entwickeln kann, wenn die Mutter in der späten Schwangerschaft oder in den ersten Wochen nach der Geburt des Kindes Antibiotika eingenommen hat ( 1 ) ( 2 ).

Kranke Darmflora wird an Kinder übertragen

Die Antibiotika-Therapie verursachte bei der Mutter anhaltende Änderungen der Darmflora, die an den Nachwuchs weitergegeben wurden. Doch nur der Nachwuchs entwickelte die chronisch entzündliche Darmerkrankung – nicht die Mutter.

Der Zeitpunkt, zu dem Antibiotika gegeben werden, ist also für das spätere Krankheitsrisiko ganz entscheidend. Besonders ungünstig scheint es für eine Antibiotikatherapie in der Schwangerschaft und Stillzeit zu sein, da sich das Immunsystem des Kindes in dieser Zeit entwickelt und somit besonders anfällig ist für Einflüsse von aussen.

"Die Neugeborenen erbten von ihrer Mutter eine sehr veränderte, ja regelrecht verzerrte Darmflora", erklärte Dr. Eugene B. Chang, Professor für Medizin an der University of Chicago und Autor der Studie, die im Juli 2017 in Cell Reports veröffentlicht wurde.

Antibiotikabedingte Darmflorastörung bleibt bei den Nachkommen viele Jahre bestehen

In der Darmflora der Mütter hatten die Darmbakterien aus der Gruppe der Bacteroidetes(z. B. Lactobacillen) zahlenmässig stark abgenommen, während die Darmflora plötzlich aus deutlich mehr Bakterien aus der Familie der Firmicutes undVerrucomicrobia bestand. Die Darmflorastörung blieb vier bis acht Wochen nach dem Absetzen der Antibiotika bestehen.

Bei den Nachkommen konnte man ganz ähnliche Veränderungen der Darmflora beobachten. Bei ihnen jedoch blieb die gestörte Darmflora bis ins Erwachsenenalter bestehen.

Bei Müttern, die keine Antibiotika erhalten hatten, waren diese Veränderungen nicht beobachtbar, auch nicht bei ihren Kindern.

Werden Antibiotika also in der Schwangerschaft oder auch in der frühen Kindheit eingesetzt (ob direkt oder über die Muttermilch), können sie die Entwicklung einer normalen Darmflora verhindern, die jedoch für ein leistungsfähiges Immunsystem erforderlich wäre.

Wenn das Kind dann auch noch eine genetische Vorbelastung hat, also z. B. die Veranlagung für eine bestimmte chronische Erkrankung wie die genannte chronisch entzündliche Darmkrankheit oder eine andere Autoimmunerkrankung, dann wird genau diese durch eine Darmflorastörung begünstigt.

Antibiotika können in der nächsten Generation zu chronischen Krankheiten führen

Natürlich sollten Schwangere oder stillende Mütter nun nicht jede Antibiotikaeinnahme rundheraus ablehnen. Denn es gibt durchaus Infektionen, die für das Kind gefährlicher sein können als eine Antibiotikaeinnahme. Doch sollte man sich eben nicht bei jeder Erkältung und jedem Insektenstich sofort Antibiotika verschreiben lassen, sondern diese Mittel nur sehr gezielt und nur dann einsetzen, wenn es nicht mehr anders geht.

Wir Ärzte sollten immer daran denken, welche Auswirkungen, insbesondere auch langfristige Auswirkungen Antibiotika auf die Gesundheit haben können und dass sie auf diese Weise chronische Erkrankungen mitverursachen können", betont Professor Chang.

Einige frühere epidemiologische Studien hatten bereits gezeigt, dass die Einnahme von Antibiotika wenige Wochen vor bis nach der Geburt beim Menschen das Risiko für chronisch entzündliche Darmerkrankungen erhöhen kann. Ein konkreter Beweis für diesen Zusammenhang hat jedoch noch gefehlt, da es kaum möglich ist, entsprechende klinische Studien mit Schwangeren und Neugeborenen durchzuführen. Zu viele Faktoren beeinflussen die Darmflora, die zudem bei jedem Menschen eine andere Zusammensetzung aufweist. Daher war die oben vorgestellte Studie mit Mäusen durchgeführt worden.

Langfristige Auswirkungen von Antibiotika während der Schwangerschaft werden kaum untersucht

Zum Einsatz kam ein Antibiotikum aus der Gruppe der Cephalosporine, die zu jenen Antibiotika zählen, die in der Schwangerschaft gerne eingesetzt werden. Auch Amoxicillin und Nitrofurantoin gelten als in der Schwangerschaft unbedenklich, während vor Clindamycin, Chinolonen, Makroliden, Doxycyclinen und Phentoxymethylpenicillin gewarnt wird. Diese könnten zu Geburtsfehlern führen – so Forscher im August 2017 im British Journal of Clinical Pharmacology ( 3 ).

Schon im Mai 2017 las man ferner im Canadian Medical Association Journal, dass die Antibiotika aus den Gruppen der Makrolide, Chinolone, Tetracycline und der Sulfonamide sowie das Antibiotikum Metronidazol in der frühen Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für eine spontane Fehlgeburt in Verbindung stehen, Cephalosporine und Penicilline jedoch nicht ( 4 ).

Diese Studien zeigen, dass man sich insbesondere um die unmittelbaren Folgen einer Antibiotikaeinnahme in der Schwangerschaft kümmert, nicht aber um die langfristigen Folgen, die ein Kind im Laufe seiner Kindheit oder gar erst im Erwachsenenalter erleiden wird.

Sie zeigen, dass Antibiotika, die nicht gerade Fehlgeburten oder Missbildungen verursachen, in der Schwangerschaft als unbedenklich gelten. Gerade diese Antibiotika hatten aber in oben vorgestellter Studie als langfristige Folge beim Nachwuchs eine chronisch entzündliche Darmerkrankung begünstigt.

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Antibiotika in der Schwangerschaft – Probiotika in der Schwangerschaft

Selbst wenn also eine Antibiotikaeinnahme unumgänglich ist – ob bei der Mutter oder beim Kind – sollte man sich immer um einen Schutz der Darmflora kümmern und kurweise ein Probiotikum einnehmen: Darmflora aufbauen – Die Anleitung und Darmflora bei Kindern aufbauen

Auch ohne Antibiotikatherapie hat sich die Einnahme von Probiotika in der Schwangerschaft und Stillzeit als sinnvoll erwiesen, da sie z. B. Koliken beim Kind vorbeugen können und auch das Allergierisiko des Kindes reduzieren können.

Mögliche Folgen von Antibiotika, wenn diese von Kindern eingenommen werden, lesen Sie hier:

  1. Kinderrheuma durch Antibiotika
  2. Antibiotika erhöhen Allergierisiko bei Kindern
  3. Antibiotika bei Kindern: Übergewicht, Asthma und Stoffwechselerkrankungen


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Quellen
  1. (1) Eugene B. Chang, MD et al. Peripartum Exposure to Antibiotics Promotes Persistent Gut Dysbiosis, Immune Imbalance, and Colitis in Genetically Prone Offspring.Cell Reports, Juli 2017, (Antibiotika in der späten Schwangerschaft und während der Stillzeit fördern anhaltende Darmdysbiose, Störungen des Immunsystems und Colitis bei genetisch prädisponiertem Nachwuchs)
  2. (2) University of Chicago Medical Center. "Antibiotics taken late in pregnancy can increase risk for inflammatory bowel diseases in offspring." ScienceDaily, 11. Juli 2017, (Antibiotika, die in der späten Schwangerschaft genommen werden, können das Risiko für entzündliche Darmerkrankungen beim Nachwuchs erhöhen)
  3. (3) Flory T. Muanda et al., Use of antibiotics during pregnancy and the risk of major congenital malformations: a population based cohort study, August 2017, British Journal of Clinical Pharmacology, (Einsatz von Antibiotika während der Schwangerschaft und das Risiko von grösseren angeborenen Fehlbildungen: eine bevölkerungsbezogene Kohortenstudie)
  4. (4) Flory T. Muanda et al., Use of antibiotics during pregnancy and risk of spontaneous abortion, Mai 2017, CMAJ, (Einsatz von Antibiotika während der Schwangerschaft und Risiko spontaner Fehlgeburt)