Trinkt eine Schwangere regelmässig Kaffee, kann dies das Wachstum ihres Kindes hemmen
Kinder/Schwangerschaft

Kaffee in der Schwangerschaft: Übergewicht beim Kind

  • Autor: Carina Rehberg
  • aktualisiert: 08.07.2018
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Kaffee in der Schwangerschaft: Übergewicht beim Kind
© istockphoto.com/macniak

Ohne Kaffee geht bei vielen Menschen gar nichts. Verständlich, dass in der Schwangerschaft ebenfalls Kaffee getrunken wird – auch wenn dieser Koffein enthält, eine psychoaktive Substanz mit Suchtpotential. Nicht einmal die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät Schwangeren vom Kaffee ab. Im Gegenteil: Drei Tassen bzw. 300 mg Koffein seien vollkommen in Ordnung. Doch schon ein Bruchteil dieser Menge kann dem Kind schaden und dazu führen, dass dieses später übergewichtig wird und mit den gesundheitlichen Folgeschäden zurechtkommen muss.

Übergewicht beim Kind durch Kaffee in der Schwangerschaft

Trinkt eine Schwangere regelmässig Kaffee, kann dies das Wachstum ihres Kindes hemmen. Dieser Zustand kann sich später jedoch, wenn das Kind älter wird, ins Gegenteil verkehren. Kinder von Kaffeetrinkerinnen sind dann nämlich gerne übergewichtig. Das Trinken von Kaffee in der Schwangerschaft wirkt sich somit auch auf das Körpergewicht des Kindes im späteren Leben aus.

Koffein gelangt barrierefrei zum ungeborenen Kind

Ganz gleich, welchen Experten man bisher zum Thema Kaffee bzw. Koffein in der Schwangerschaft befragte, die Antwort fiel grösstenteils zugunsten des Kaffees aus – und das, obwohl man weiss, dass Koffein über die Plazenta barrierefrei zum Kind gelangt und dieses somit dieselbe Koffeindosis erhält wie die Mutter.

Zusätzlich wird das Koffein in der Schwangerschaft viel langsamer abgebaut, da Östrogene und Gestagene die entsprechenden Leberenzyme (CYP1A2) hemmen. Während beim nichtschwangeren Menschen die Hälfte des Koffeins in spätestens zwei bis acht Stunden abgebaut ist, dauert es in der Schwangerschaft – laut Bundesinstitut für Risikobewertung – bis zu 18 Stunden lang. Das Kind selbst besitzt die entsprechenden Enzyme noch gar nicht, kann sich also nicht eigenständig gegen das Koffein wehren.

Koffein stresst und hemmt Wachstum des Kindes

Trinkt eine schwangere Frau jeden Tag Kaffee, so ist ihr Kind dauerhaft den Auswirkungen eines Aufputschmittels ausgesetzt. Denn Koffein steigert den Herzschlag, verengt die Blutgefässe (so dass der Blutdruck steigt) und steigert die Ausschüttung der Stresshormone. Das ungeborene Kind befindet sich somit in einer permanenten Stresssituation. Kein Wunder kommen Kinder von Kaffeetrinkerinnen oft deutlich kleiner zur Welt (Koffein hemmt das Wachstum des Kindes) oder gar nicht, denn Koffein erhöht das Fehlgeburtenrisiko.

Im November 2017 veröffentlichten australische Forscher zudem eine Studie, in der sich gezeigt hatte, dass Kaffee bzw. koffeinhaltige Getränke ganz enorm zu oxidativem Stress beiträgt – einer wichtigen Mitursache vieler chronischer Erkrankungen.

Lupinenkaffee

Kaffeegenuss wichtiger als Kindeswohl

Trotz allem heisst es von Seiten der DGE (Deutschen Gesellschaft für Ernährung), 3 Tassen Kaffee (à 150 ml) pro Tag seien absolut unproblematisch, was etwa 300 mg Koffein entspricht, wobei der Koffeingehalt natürlich schwanken kann – und zwar pro Tasse zwischen 40 und 120 mg. Die meisten anderen Quellen raten zu nicht mehr als 2 Tassen Kaffee (je 150 ml) oder 4 Tassen Schwarztee (je 200 ml) und damit zu nicht mehr als 200 mg Koffein pro Tag.

Grundsätzlich scheint in Sachen Kaffee der Genuss der Mutter über die Gesundheit des Kindes gestellt zu werden.

Koffein wird gern verharmlost

Die Auswirkungen des Koffeins auf das Kind werden an mancher Stelle auch noch verharmlosend mit einem „Sprint zur Bushaltestelle“ verglichen. Dabei würden Herzschlag und Stoffwechsel genauso angeregt werden wie beim Kaffeetrinken. Wir empfehlen dem Urheber dieses Vergleichs, statt Sport zu treiben, künftig einfach Kaffee zu trinken und sind schon jetzt auf seine Kondition und Fitness gespannt. Möglicherweise zeigt sich dann, dass die Wirkung doch eine ganz andere ist…

Übergewicht im Schulkindalter: schon bei 1 bis 2 Tassen Kaffee täglich

Forscher der University of Gothenburg schrieben im Mai 2018 im Fachjournal BMJ Open, dass schon ein geringfügiger Kaffeekonsum (1 – 2 Tassen pro Tag) während der Schwangerschaft ein gesundheitliches Risiko für das Kind darstellt. Denn auch wenn das Koffein zunächst das Wachstum des ungeborenen Kindes hemmt, erhöht die Koffeinexposition in der Schwangerschaft das Risiko, dass das Kind später übergewichtig wird.

„Es scheint gute Gründe dafür zu geben, die bisherige Empfehlung von nicht mehr als 3 Tassen Kaffee pro Tag für Frauen in der Schwangerschaft deutlich zu reduzieren“, so Verena Sengpiel, Professorin für Geburtshilfe und Gynäkologie an der Sahlgrenska Universitätsklinik in Göteborg/Schweden.

Sengpiel und Kollegen werteten die Daten von annähernd 51.000 schwangeren Frauen aus der Norwegian Mother and Child Cohort Study (MoBa) aus, einer der grössten Studien zur Untersuchung der allgemeinen Gesundheit der Bevölkerung.

Übergewicht erhöht Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes

Es zeigte sich, dass die Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft koffeinhaltige Getränke konsumierten im Vorschul- und Schulkindalter häufiger übergewichtig waren. Wer jedoch in diesem Alter übergewichtig ist, hat ein erhöhtes Risiko, im späteren Leben an Herz-Kreislauf-Beschwerden und Diabetes Typ 2 zu erkranken.

Der Zusammenhang zwischen Koffeinkonsum der Mutter und dem Übergewicht des Kindes konnte nicht nur bei hohem Koffeinkonsum beobachtet werden, sondern auch dann, wenn sich die schwangeren Frauen an den offiziellen Empfehlungen orientierten und nicht mehr als 1 bis 3 Tassen Kaffee pro Tag tranken.

In der Schwangerschaft besser Koffeinquellen meiden

Die schwedischen Ergebnisse werden von mindestens zwei weiteren Studien bestätigt. Dabei geht es selbstverständlich nicht nur um Kaffee, sondern um alle Koffeinquellen, wie etwa Schwarztee, Grüntee, Energydrinks, Cola, Matetee, Weisser Tee, Matcha, Guarana und Kakao bzw. Schokolade. Tabellen mit dem Koffeingehalt der einzelnen Getränke finden Sie leicht im Netz. Einfach „Koffeingehalt Tee Kaffee“ eingeben.

Auch wenn sich Kaffee bzw. Koffein natürlich nicht auf jeden Embryo langfristig gleichermassen negativ auswirkt, so findet Professor Sengpiel, dass Koffein ein Stoff ist, den man leicht umgehen kann, sodass sich die damit in Zusammenhang stehenden Risiken für das Kind problemlos vermeiden lassen.

Weissmehl, Zucker und Medikamente in der Schwangerschaft und ihre Folgen für das Kind

In der schwedischen Studie zeigte sich erneut, wie sehr der Ablauf der Schwangerschaft die spätere Gesundheit eines Menschen beeinflusst. Schon in dieser frühen Phase werden je nach Lebens- und Ernährungsweise der Mutter Gene und Stoffwechselprogramme beim Kind aktiviert oder deaktiviert – und zwar häufig für die Dauer seines ganzen Lebens.

So kann das Kind beispielsweise Asthma entwickeln, weil die Mutter während der Schwangerschaft Säureblocker gegen ihr Sodbrennen eingenommen hatte. Auch Antibiotika in der Schwangerschaft haben Auswirkungen auf das Kind, das nun anfälliger wird für chronisch entzündliche Darmerkrankungen.

Ebenfalls eine Neigung zu Übergewicht kann sich beim Kind dann entwickeln, wenn die schwangere Frau gerne zu Weissmehlprodukten wie Brötchen, Baguette, Kuchen, süssen Teilchen und Knabberzeug gegriffen hat. Anfällig für Asthma und Allergien wird das Kind hingegen, wenn die Mutter in der Schwangerschaft gerne Zucker und zuckerhaltige Produkte verspeiste.

Kaffee-Alternativen

In der Schwangerschaft sollte daher die Gesundheit des Kindes im Mittelpunkt stehen. In Bezug auf das Koffeinthema könnten Sie testen, ob Sie schon für den Kaffeeentzug bereit sind oder wenigstens koffeinärmere Alternativen ausprobieren möchten. Koffeinfrei und besonders lecker ist der Lupinenkaffee, die bislang beliebteste Kaffee-Alternative.

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Zuletzt kommentiert

MichaelSchüssler schrieb am 17.05.2018

Sehr geehrtes Zentrum der Gesundheit-Team,
Das passt jetzt zwar nicht zum Thema, aber sie sind ja das beste Gesundheitsportal das es gibt und drücken bestimmt ein Auge zu :)
Folgende Frage:
Ich leide an einem Magensäuremangel, entstanden ist dieser aufgrund einer gestörten Darmflora (Candida,...) und dem daraus resultierendem Mineralstoff bzw. Nährstoffmangel.
Ich habe mir jetzt betain HCL gekauft, mit folgender Überlegung:
1.Der Magen kann die Nahrung mit dem betain HCL und dem darin enthaltenen Pepsin wieder optimal für die weitergehende Verdauung aufbereiten
2.Ich saniere meinen Darm und schaffe ein gutes Darmmilleu

Danach wird mein Körper wieder mehr oder weniger optimal Nährstoffe aus dem Essen ziehen und die eigene Magensäureproduktion geht wieder los.
Mir ist bewusst,dass sie keine "medizinischen Ratschläge" geben dürfen, ich frage Sie lediglich nach ihrer Meinung haha:)
Herzlichen Dank

Antwort vom Zentrum der Gesundheit

Hallo Michael

Ihre Überlegungen sind sehr logisch und stimmig. Genauso kann man bei Magensäuremangel vorgehen - plus die üblichen Regeln einer gesunden Ernährung.

Gerne hätten Sie die Frage auch bei einem Text zur Magengesundheit posten können. Dann wäre es passend gewesen :-)

Viele Grüsse

Ihr Team vom

Zentrum der Gesundheit

Quellen