Kaiserschnitt erhöht Risiko für Übergewicht des Kindes

In Deutschland und der Schweiz sind mittlerweile 20 Prozent aller Kinder übergewichtig, ein grosser Teil davon gilt sogar als adipös (fettleibig). Da Übergewicht insbesondere im Kindesalter nicht nur die körperliche Gesundheit beeinträchtigt, sondern auch eine massive psychische Belastung darstellen kann, sind neue Erkenntnisse zu den Ursachen des kindlichen Übergewichts mehr als willkommen.

„Wir wissen längst, dass ein mütterliches Übergewicht gerne auch zu übergewichtigen Kindern führt“, sagt Studienleiterin Dr. Anita Kozyrskyj von der University of Alberta.
„In unserer aktuellen Untersuchung jedoch zeigte sich ausserdem, dass die Geburtsart (z. B. ein Kaiserschnitt) ebenso einen Einfluss auf das spätere Gewicht des Kindes hat. Auch die Darmflora ist in diesem Zusammenhang entscheidend.”

Risiko steigt um das Fünffache

Im Februar 2018 erschien der entsprechende Artikel im Fachjournal JAMA Pediatrics. Kozyrskyj und Kollegen schrieben darin: Wenn eine übergewichtige Frau bei einer natürlichen (vaginalen) Geburt ein Baby bekommt, dann ist das Risiko des Kindes, übergewichtig zu werden, dreimal höher als bei einer normalgewichtigen Mutter. Wenn eine übergewichtige Frau nun aber per Kaiserschnitt ihr Baby zur Welt bringt, dann erhöht sich sein Risiko für Übergewicht um das Fünffache. Der Zusammenhang bleibt auch dann bestehen, wenn man andere Risikofaktoren berücksichtigt.

Kaiserschnitt verändert Darmflora – und Darmflora begünstigt Übergewicht

“Irgendetwas muss also bei einem Kaiserschnitt geschehen, was das Risiko für Übergewicht steigen lässt”, so Kozyrskyj, die zu den weltweit führenden Forschern auf dem Gebiet der Darmflora gehört.

“In früheren Studien hatten wir gezeigt, dass die Zusammensetzung der Darmflora eines Kindes von der Art der Geburt beeinflusst wird. Möglicherweise finden wir hier auch die Erklärung für das erhöhte Übergewichtsrisiko nach einem Kaiserschnitt.“

In einer weiteren Untersuchung standen Kozyrskyj und ihrem Forscherteam über 930 Mütter und ihre Kinder zur Verfügung (im Rahmen der sog. AllerGen's CHILD Study). Anhand von Stuhlproben überprüfte man die Darmflora der Kinder und schaute nach Zusammenhängen zu ihrem Gewicht im Alter von einem und drei Jahren.

Die Forscher fanden bei den übergewichtigen Kindern besonders hohe Werte einer bestimmten Bakterienfamilie, den sog. Lachnospiraceae, die zur Gruppe der Clostridien gehören. Offenbar verändert besonders ein Kaiserschnitt die Darmflora dahingehend, dass sich Bakterien ansiedeln, die Übergewicht fördern, indem diese Bakterien die Nahrung besser verwerten und so auch mehr Kalorien bereitstellen.

“Da kindliches Übergewicht ein wachsendes Problem unserer Gesellschaft darstellt, bestärken unsere Ergebnisse jene, die sich gegenüber der wachsenden Zahl an Kaiserschnitten stets kritisch äussern. Auch die vermutete Rolle der Darmflora wird in Bezug auf Übergewicht noch einmal bestätigt“, fügte Kozyrskyj hinzu.

Massnahmen, die bei Übergewicht in der Kindheit hilfreich sein können, haben wir hier zusammengefasst: Übergewichtiges Kind – Was tun?

Quellen

  • Hein M. Tun, Anita L. Kozyrskyj et al., Roles of Birth Mode and Infant Gut Microbiota in Intergenerational Transmission of Overweight and Obesity From Mother to Offspring. JAMA Pediatrics, 2018
  • University of Alberta Faculty of Medicine & Dentistry, C-sections and gut bacteria increase risk of childhood obesity, ScienceDaily, 22. Februar 2018

Ihre Ausbildung zum ganzheitlichen Ernährungsberater

Gesunde Ernährung ist Ihre Leidenschaft? Sie lieben die basenüberschüssige, naturbelassene Ernährung? Sie möchten gerne die Zusammenhänge zwischen unserer Nahrung und unserer Gesundheit aus ganzheitlicher Sicht verstehen? Sie wünschen sich nichts mehr als all Ihr Wissen rund um Gesundheit und Ernährung zu Ihrem Beruf zu machen?

Die Akademie der Naturheilkunde bildet Menschen wie Sie in 12 bis 18 Monaten zum Fachberater für holistische Gesundheit aus. Wenn Sie mehr über das Fernstudium an der Akademie der Naturheilkunde wissen möchten, dann erfahren Sie hier alle Details sowie Feedbacks von aktuellen und ehemaligen TeilnehmerInnen.

Hinweis zu Gesundheitsthemen

Diese Informationen werden nach bestem Wissen und Gewissen weitergegeben. Sie sind ausschliesslich für Interessierte und zur Fortbildung gedacht und keinesfalls als Diagnose- oder Therapieanweisungen zu verstehen. Wir übernehmen keine Haftung für Schäden irgendeiner Art, die direkt oder indirekt aus der Verwendung der Angaben entstehen. Bei Verdacht auf Erkrankungen konsultieren Sie bitte Ihren Arzt oder Heilpraktiker.