Schlechte Luft beeinträchtigt bei Kindern die Entwicklung des Gehirns

In einer Studie, die im Januar 2020 im Online-Magazin PlosOne veröffentlicht wurde, zeigten Forscher des Cincinnati Children's Hospital Medical Center, dass man am Gehirn von 12-jährigen Kindern strukturelle Veränderungen erkennen kann, wenn diese im Säuglingsalter Luftverschmutzung durch Strassenverkehr ausgesetzt waren. (1)

Man beobachtet bei diesen Kindern einen geringeren Anteil an grauer Substanz und auch eine geringere Dicke der Grosshirnrinde als bei Kindern, die im Säuglingsalter einem nur geringen Mass an Luftverschmutzung ausgesetzt waren.

Gehirnveränderungen durch schlechte Luft bleiben dauerhaft bestehen

„Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass die Qualität der Luft die Gehirnentwicklung beeinträchtigt“, erklärte Dr. Travis Beckwith, Autor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Cincinnati Kinderklinik.

Die Veränderungen des Gehirns durch Luftverschmutzung sind natürlich nicht so gravierend wie jene, die man im Laufe einer degenerativen Erkrankung (z. B. Demenz) erkennen kann. Nichtsdestotrotz ist sie gravierend genug, um die Entwicklung verschiedener körperlicher und mentaler Funktionen beeinflussen zu können.

Die graue Substanz beinhaltet Gehirnregionen, die für die Sinneswahrnehmung zuständig sind (Sehen, Hören etc.), aber auch für die Kontrolle der Motorik. Bestimmte Regionen der grauen Substanz in den Stirn- und Scheitellappen und auch im Kleinhirn zeigten in der Magnetresonanztomografie eine um 3 bis 4 Prozent reduzierte Ausprägung, die vermutlich im Säuglingsalter verursacht wird, dann aber leider dauerhaft bestehen bleibt.

Angst, Depressionen und Selbstmordgefährdung durch schlechte Luft

Für die Studie standen 147 Kinder zur Verfügung, die im Alter von 1, 2, 3, 4, 7 und 12 Jahren zu entsprechenden Untersuchungen in die Klinik gekommen waren. Schon frühere Studien hatten gezeigt, dass Luftverschmutzung durch starken Verkehr zur Entstehung von neurodegenerativen Erkrankungen und neurologischen Entwicklungsstörungen beitragen kann.

Im September 2019 etwa wurde eine Untersuchung im Journal Environmental Health Perspectives veröffentlicht. Darin war zu lesen, dass Kinder selbst dann mit psychischen Störungen reagieren (1 bis 2 Jahre später), wenn sie nur kurzfristig – also z. B. über einen Zeitraum von einigen Wochen – schlechter Luft ausgesetzt waren. Auch ergab sich in dieser Studie, dass Kinder aus sozial benachteiligten Wohnvierteln eher für die schädlichen Auswirkungen schlechter Luft empfänglich waren als Kinder aus den „besseren“ Bezirken. Bei den beobachteten psychischen Störungen handelte es sich insbesondere um Angstzustände, Depressionen und eine verstärkte Selbstmordneigung. (2, 3)

Schlechte Luft lässt im Gehirn Entzündungsprozesse entstehen

Eine weitere Studie (veröffentlicht in Environmental Research) bestätigte diese Zusammenhänge. Sie zeigte nicht nur, dass Luftverschmutzung zur Entstehung generalisierter Angststörungen beitragen kann, sondern konnte anhand von Neuroimaging-Untersuchungen belegen, dass in den Gehirnen betroffener Kinder ein erhöhter Myoinositol-Spiegel herrscht – ein Zeichen für ein verstärktes Entzündungsgeschehen.

Die aktuelle Cincinnati-Studie unterstützt diese früheren Ergebnisse und bestätigt, dass schlechte Luft durch den Strassenverkehr die Gehirnstrukturen schon früh im Leben beeinträchtigen kann.

Selbstverständlich wirkt sich schlechte Luft auch bei Erwachsenen nachteilig auf das psychische Befinden aus, so dass man entsprechend belastete Regionen so gut wie möglich meiden sollte – ob als Kind oder Erwachsener.

Schützen Sie Ihr Kind vor Luftverschmutzung

Zum Schutz gegen Luftverschmutzung gibt es viele Möglichkeiten:

  • Denken Sie bei der Wahl Ihres Wohnortes nicht nur an die guten Verkehrsanbindungen, sondern auch an die Luftqualität und die Gesundheit Ihres Kindes (und Ihre eigene).
  • Gehen Sie in der Hauptverkehrszeit nicht nach draussen und wählen Sie – wenn Sie zu Fuss mit Ihrem Kind/Kinderwagen unterwegs sind – stets Wege fernab der verkehrsreichen Strassen.
  • Radeln oder joggen Sie nicht entlang von Strassen mit merklichem Verkehr.
  • Statten Sie Ihre Wohnung mit Pflanzen aus, die dafür bekannt sind, die Luftqualität zu verbessern. Nähere Informationen dazu finden Sie hier: Diese Pflanzen verbessern die Luftqualität in Ihrer Wohnung
  • Statten Sie Ihre Wohnung mit einem Luftreiniger aus.
  • Achten Sie auf eine gute Vitalstoffversorgung, auch bei Ihrem Kind. Denn je besser man mit Vitalstoffen versorgt ist, umso weniger anfällig ist der Organismus für Schäden durch Luftverschmutzung.

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Quellen

  1. Cincinnati Children's Hospital Medical Center, High air pollution exposure in one-year-olds linked to structural brain changes at age 12, 24. Januar 2020, Medicalxpress
  2. Cincinnati Children's Hospital Medical Center Studies link air pollution to mental health issues in children, 25.9.2019, Medicalxpress
  3. Brokamp Cole et al., Pediatric Psychiatric Emergency Department Utilization and Fine Particulate Matter: A Case-Crossover Study, 25 September 2019, Environmental Health Perspectives