Kein Ernährungsunterricht für Medizinstudenten

Das Fach Ernährung wird im Medizinstudium weltweit nach wie vor stiefmütterlich behandelt. Medizinstudenten erhalten also nicht das nötige Wissen, um ihre späteren Patienten in Ernährungsfragen beraten zu können, so ein Review über 24 Studien, der 2019 im Fachmagazin The Lancet Planetary Health veröffentlicht wurde (2).

Weltweit sterben pro Jahr 11 Millionen Menschen an ernährungsbedingten Krankheiten (1). Eine schlechte Ernährung ist somit der grösste Risikofaktor für einen vorzeitigen Tod. Wobei mit „schlechter Ernährung“ nicht etwa Mangelernährung oder Hunger gemeint ist, sondern zu viel Salz, zu viel Fleisch, zu viele gezuckerte Getränke, zu viele Kalorien und damit Übergewicht und gleichzeitig zu wenige gesunde Lebensmittel. Die 9 Millionen Menschen, die jährlich verhungern, sind bei den oben genannten 11 Millionen also nicht mit eingerechnet.

Das Fach Ernährung gibt es im Medizinstudium nicht

Zu den ernährungsbedingten Krankheiten, die einen vorzeitigen Tod mit sich bringen können, gehören in erster Linie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch Diabetes Typ 2 und manche Krebsformen. Folglich sollte man auch von seinem Arzt erwarten können, dass er sich in Ernährungsfragen gut auskennt.

Man sollte insbesondere bei einer bereits bestehenden ernährungsbedingten Krankheit vom Arzt eine Ernährungsberatung erhalten, damit die Krankheit schnellstmöglich wieder ausheilen kann. Und will man einer ernährungsbedingten Krankheit vorbeugen – etwa weil diese in der eigenen Familie weit verbreitet ist – sollte der Arzt auch präventiv beraten können.

Das aber ist nicht der Fall. Kaum ein Arzt weiss in Ernährungsfragen mehr, als man auch in der Regenbogenpresse nachlesen könnte. Das ist jedoch kein Wunder, da in allen (in oben genannter Studie) überprüften Ländern das Fach Ernährung in der medizinischen Ausbildung so gut wie gar nicht vorkommt.

Ernährung muss zum Pflichtfach im Medizinstudium werden

Studienautorin Dr. Lauren Ball von der Griffith University in Australien sagte: „Obwohl die richtige Ernährung für die Gesundheit von so grosser Bedeutung ist, verfügen Medizinstudenten nach Abschluss ihres Studiums nicht über die erforderlichen Kenntnisse, so dass sie ihre Patienten auch nicht entsprechend beraten können. Neu ist dieser Zustand nicht – und er hält schon viel zu lange an. Der Ernährungsunterricht für Medizinstudenten muss unbedingt verbessert werden und sollte ausserdem zum Pflichtfach im Medizinstudium werden.

Die Übersichtsarbeit von Balls Team umfasst 24 Studien aus den Jahren 2012 bis 2018. Sie stammen aus den USA (11), Europa (4), dem Mittleren Osten (1), Afrika (1) und Australien (7). Es zeigte sich darin, dass Medizinstudenten gerne mehr über Ernährung lernen würden, ihre Ausbildung diesen Wunsch aber nicht erfüllte. Ernährung spiele eine untergeordnete Rolle im Medizinstudium, den Fakultätsmitgliedern fehle es überdies sowohl am entsprechenden Interesse als auch an den erforderlichen Kenntnissen in Sachen Ernährung.

Medizinstudenten beklagen selbst mangelhaftes Wissen im Bereich der Ernährung

Die Studenten beklagten daher einstimmig ihr mangelhaftes Wissen im Bereich der Ernährung, was sich auch anhand einer Studie belegen liess. Darin zeigte sich, dass die Hälfte der Medizinstudenten die nötige Punktezahl in Tests nicht erreichten, wenn darin auch Ernährungsfragen auftauchten.

Gibt es doch einmal einen Ernährungsunterricht, so werde dieser eher wie ein einmaliger Kurs abgehalten. Er ist also nicht wie ein normales Fach nachhaltig in der Medizinerausbildung integriert.

Werden hingegen Online-Kurse oder praktische Kochkurse angeboten oder besteht die Möglichkeit, von Ernährungsfachleuten zu lernen, dann ergaben sich daraus auch langfristige Vorteile für die Patienten und Gesundheitssysteme.

Ernährungsausbildung für Medizinstudenten nützt nicht nur den Patienten, sondern auch der Umwelt!

Die Autoren der Studie fordern,

  • dass eine Ausbildung im Fach Ernährung für alle Medizinstudenten Pflicht werden sollte,
  • dass ausserdem weltweite Richtlinien erlassen werden sollten, die das erforderliche Wissensniveau (in Sachen Ernährung) künftiger Ärzte festlegen und
  • dass mehr Mittel für die Entwicklung neuer Möglichkeiten des Ernährungsunterrichts an den medizinischen Fakultäten zur Verfügung gestellt werden müssen.

Dr. Stephen Davies von der Northwestern University,Feinberg School of Medicine, Chicago, schrieb in einem Kommentar dazu, dass eine umfassende Ernährungsausbildung der Medizinstudenten nicht nur den Patienten zugute komme, sondern auch der Umwelt, nämlich dann, wenn Ernährungsempfehlungen gegeben werden, wie sie z. B. kürzlich von der EAT-Lancet Commission vorgeschlagen wurden.

Im Bericht der EAT-Lancet Commission on Food, Planet, Health, der Anfang 2019 in The Lancet veröffentlicht wurde, raten zahlreiche unabhängige Wissenschaftler zu einer pflanzenbasierten Ernährungsweise mit nur sehr kleinen Fleisch-, Fisch-, Eier- und Milchproduktemengen (3, 4).

Ihr Arzt kann Sie in Ernährungsfragen nicht beraten!

Noch gäbe es viel zu tun, fährt Davies fort, bis für einen entsprechenden Unterricht der Studenten gesorgt sei. Glasklar sei jedoch, dass die derzeitige Ernährungsausbildung in der Medizin vollkommen unzureichend sei und zwar weltweit. „Unsere Patienten haben Besseres verdient, genauso unser Planet!“, findet Dr. Davies.

Quellen

  1. Ashkan Afshin, Christopher J L Murray et al., Health effects of dietary risks in 195 countries, 1990–2017: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2017, The Lancet, 2019; 393 (10184): 1958 DOI:
  2. The Lancet, Despite growing burden of diet-related disease, medical education does not equip students to provide high quality nutritional care to patients: Researchers call for improved nutrition education to be integrated into the medical curriculum, ScienceDaily, 18. September 2019
  3. Willett W et al., Food in the Anthropocene: the EAT–Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems, Januar 2019, The Lancet Commissions, Volume 393, Issue 10170, P447-492
  4. EAT, abgerufen am 6.9.2019, How was the EAT-Lancet Commission funded?

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