Wie die Paleo-Ernährung dem Herzen schadet

Menschen, die sich für die Paleo-Ernährung entschieden haben – so eine Studie – haben im Blut einen Stoff, der mit einer ungünstigen Herzgesundheit in Verbindung steht. Die entsprechenden Forscher sind der Meinung, die Paleo-Diät ist nicht ausgewogen genug und berge daher auch Risiken.

Bei der Paleo-Diät isst man das, was unsere Vorfahren in der Steinzeit gegessen haben könnten, also Fleisch, manche Früchte und Gemüse, Nüsse und Samen. Hülsenfrüchte, Milchprodukte und Getreide gehören hingegen nicht zur Paleo-Ernährung, da man diese Lebensmittel in der Steinzeit angeblich noch nicht kannte bzw. nicht in den heute üblichen Mengen zur Verfügung hatte.

Studienlage ist nicht eindeutig!

Ob die Paleo-Diät nun sinnvoll und gesund sein mag, ist umstritten, was aber nur daran liegt, dass es verschiedene Varianten gibt, was in Studien selten berücksichtigt wird (z. B. viel Fleisch oder wenig Fleisch).

In einer kleinen Studie aus 2016(3) ergab sich beispielsweise, dass die Paleo-Ernährung vor Herzinfarkten und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen könne, da schon nach acht Wochen der Spiegel eines schützenden Stoffes (Interleukin-10, IL-10) ansteige, wenn man wie in der Steinzeit esse. Ein zu niedriger IL-10-Spiegel deute hingegen bei gleichzeitig erhöhten Entzündungswerten auf ein erhöhtes Herzinfarktrisiko hin.

Im selben Jahr erschien eine andere Studie(2) zu diesem Thema, in der genau das Gegenteil herausgefunden wurde (allerdings an Mäusen), nämlich dass die Paleo-Ernährung zu einer ungesunden Gewichtszunahme führe und das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Probleme erhöhe – ebenfalls nach acht Wochen.

Bei Paleo-Ernährung: Schädlicher Stoff im Blut

Im Sommer 2019 dann verkündeten Forscher(1), dass Paleo-Anhänger ihr Herz einem nicht unerheblichen Gesundheitsrisiko aussetzen würden. Sie hatten 44 Paleo-Leute und 47 Teilnehmer, die sich nach den offiziellen Empfehlungen ernährten, untersucht.

Studienleiterin Angela Genoni und ihr Team stellten in der Paleo-Gruppe erhöhte Trimethylamin-N-oxid-Spiegel (TMAO) im Blut fest. Der TMAO-Spiegel steigt mit der Menge tierischer Produkte, die verzehrt werden, insbesondere mit der Menge des verspeisten roten Fleisches. Dieses liefert L-Carnitin, woraus sodann die Darmflora TMAO bildet.

Bei Paleo-Diät: Darmflora ist gestört

“Viele Paleo-Befürworter behaupten, die Paleo-Ernährung sei gut für das Verdauungssystem. Unsere Ergebnisse aber zeigen, dass die Paleo-Ernährung weder für den Darm noch für die Herzgesundheit gut ist”, findet Angela Genoni. „Wir stellten fest, dass die Darmflora weniger nützliche Bakterien aufweist, wenn sich eine Person an der Paleo-Diät orientiert, also weniger Kohlenhydrate zu sich nimmt.“

Warum die Paleo-Diät riskant sein soll

Da Paleo-Anhänger auch kein Getreide und damit kein Vollkorn zu sich nehmen, sinke ausserdem der Ballaststoffanteil der Nahrung, was noch zusätzlich zu Herz-Kreislauf-Beschwerden beitragen könne. Wer hingegen Vollkorn in seine Ernährung einbinde, könne mit einem reduzierten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen rechnen, so Genoni.

“Die Paleo-Diät schliesst Getreideprodukte aus. Doch gerade Vollkornprodukte sind eine fantastische Quelle für resistente Stärke und andere fermentierbare Ballaststoffe, die für die Darm- und Darmfloragesundheit äusserst wichtig sind“, fährt Genoni fort. Stattdessen würde sich nun die Darmflora so verändern, dass sich schädliche Bakterien, wie z. B. das Bakterium Hungatella stark vermehren – und gerade Hungatella produziere mit Vorliebe TMAO.

Fleisch liefert Vorstufe des schädlichen Stoffes

Da man bei der Paleo-Diät häufig grössere Mengen rotes Fleisch isst, das mit L-Carnitin die Vorstufe für TMAO liefert, und weniger Ballaststoffe, die eventuell die schädliche Wirkung des Fleisches kompensieren könnten, wird die Paleo-Diät als herzschädlich bezeichnet.

Die Paleo-Diät muss jedoch keinesfalls aus übermässig grossen Fleischmengen bestehen. Wer sie richtig umsetzt, isst insbesondere grüne Blattgemüse, Wildpflanzen, Wurzeln, Knollengemüse sowie Beeren (also Lebensmittel, die sehr viele Ballaststoffe liefern) und ergänzt mit Nüssen, Samen, Fleisch und Fisch. Es kommt also sehr darauf an, wie genau eine Paleo-Ernährung umgesetzt wird.

Quellen

  • (1)Genoni A, Devine A et al., Long-term Paleolithic diet is associated with lower resistant starch intake, different gut microbiota composition and increased serum TMAO concentrations, Eur J Nutr. 2019 Jul 5. doi: 10.1007/s00394-019-02036-y
  • (2)Lamont BJ, Waters MF, Andrikopoulos S, A low-carbohydrate high-fat diet increases weight gain and does not improve glucose tolerance, insulin secretion or β-cell mass in NZO mice. Nutrition & Diabetes, 2016
  • (3)American Physiological Society (APS), Could the paleo diet benefit heart health?, 26. August 2016

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