Ernährung

Fallstudie: Pflanzenbasierte Ernährung besiegt Morbus Crohn

  • Autor: Carina Rehberg
  • aktualisiert: 27.06.2019
Fallstudie: Pflanzenbasierte Ernährung besiegt Morbus Crohn
©gettyimages.de/sveta_zarzamora

Eine pflanzenbasierte Ernährung (vegetarisch/vegan) könnte eine wirksame Therapieform bei Morbus Crohn zu sein – so eine Fallstudie, die im Juni 2019 im Fachjournal Nutrients veröffentlicht wurde.

Inhaltsverzeichnis

Morbus Crohn: Pflanzliche Ernährung kann hilfreich sein

Morbus Crohn ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, die zu den Autoimmunerkrankungen zählt, in Schüben verläuft und aus Sicht der Schulmedizin als unheilbar gilt. Zu den Symptomen gehören kolikartige Bauchschmerzen, starke Erschöpfung und Durchfälle. Meist erhalten Betroffene starke Medikamente, um die Zahl der Schübe möglichst gering zu halten bzw. die Intensität der Schübe zu minimieren.

Konkrete Ernährungsempfehlungen gibt es von den Ärzten so gut wie nie. Man erhält stets den Tipp, sich gemäss den persönlichen Verträglichkeiten und Unverträglichkeiten zu ernähren, da es keine spezielle Ernährung gegen Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa gäbe, womit die Patienten in Ernährungsfragen sich selbst überlassen bleiben.

Eine pflanzenbasierte Ernährung könnte jedoch dabei helfen, die Zahl der Schübe zu verringern, wie schon eine Studie vom Mai 2010 zeigte. Lesen Sie hier mehr darüber:

  • Vegetarische Ernährung bei Morbus Crohn: Nach einem Jahr mit vegetarischer Ernährung waren noch 100 Prozent der MC-Patienten frei von Symptomen, während in der nicht-vegetarischen Gruppe bereits 67 Prozent schon wieder einen Schub erlitten hatten. Nach zwei Jahren waren bei den Vegetariern immer noch 92 Prozent schubfrei, bei den Nicht-Vegetariern waren es nur noch 25 Prozent.

Fallstudie: Erst vegetarische Ernährung konnte bei Morbus Crohn helfen

Im Juni 2019 veröffentlichten US-Wissenschaftler im Fachjournal Nutrients eine interessante Fallstudie(1). Ein Mann, Ende Zwanzig, litt an Morbus Crohn. Ihn quälten seit einigen Jahren starke Müdigkeit, Blähungen, immer wieder starke Bauchschmerzen, Übelkeit und Magen-Darm-Geschwüre.

Sein Zustand besserte sich zwar dank medikamentöser Behandlung etwas, doch wurde er nie symptomfrei und litt nach wie vor an Erschöpfung, Blähungen und immer wiederkehrenden starken Bauchkrämpfen. Die Behandlung (inkl. intravenös verabreichter Medikamente) fand vom Januar 2015 bis Anfang 2017 statt.

Schliesslich strich der Patient im Rahmen eines 40-tägigen religiösen Events alle tierischen Lebensmittel und auch alle verarbeiteten Produkte aus seinem Speiseplan, woraufhin plötzlich alle seine Symptome verschwanden.

Vollständige Remission nach Ernährungsumstellung

Zuvor hatte sich der Patient „normal“ ernährt: Täglich Fleisch, Milchprodukte, Weissmehlprodukte, verarbeitete Lebensmittel und nur wenig Obst und Gemüse. Jetzt ass er vorwiegend Früchte, Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte. Nach kurzer Zeit erlebte er eine komplette Remission seiner Erkrankung. Auch konnte der Patient alle seine Medikamente absetzen. Rückfälle traten seither nicht wieder auf.

Nur wenn er ausnahmsweise zur alten Ernährungsweise zurückkehrte, bemerkte er unmittelbar Anflüge der quälenden Symptome des Morbus Crohn, so dass er sich dazu entschied, dauerhaft bei der pflanzenbasierten Ernährung zu bleiben. Tierische Produkte kommen nur noch einmal pro Woche oder seltener auf den Tisch.

Nach 6 Monaten keine Anzeichen mehr von Morbus Crohn

Die Erfahrung mit der heilenden Wirkung der vegetarischen Ernährung führte dazu, dass der Patient auch seine Lebensweise umkrempelte. Er machte Yoga zum Stressabbau und begann mit Kraftsport und Ausdauertraining (Laufen). Schon 6 Monate nach seiner Ernährungsumstellung zeigten Untersuchungen, dass seine Darmschleimhaut vollständig verheilt war und es keine sichtbaren Anzeichen mehr für einen Morbus Crohn gab.

“Diese Fallstudie gibt vielen hundertausend Morbus-Crohn-Patienten Hoffnung, die nach wie vor an schmerzhaften Symptomen leiden“, sagt Studienautorin Dr. Hana Kahleova, Leiterin der klinischen Forschungsabteilung am Physicians Committee for Responsible Medicine (einer gemeinnützigen Organisation, die sich für die pflanzenbasierte Ernährung einsetzt und für die 12.000 Ärzte ihr Fachwissen zur Verfügung stellen).

Pflanzenbasierte Ernährung: Ausschliesslich positive Nebenwirkungen

Mit der üblicherweise empfohlenen Diät (bzw. mit dem Tipp: „Essen Sie das, was Sie vertragen“) schaffen es nur 10 Prozent der schulmedizinisch behandelten Patienten, dass ihre Erkrankung in eine langfristige Remission geht. 50 Prozent hingegen müssen sich innerhalb der ersten 10 Jahre nach der Diagnose opererieren lassen.

Die Studienautoren erkären, dass eine pflanzenbasierte Ernährung u. a. reichlich Ballaststoffe liefere, die zu einer umfassenden Darmgesundheit beitragen könnten. Sie nähren die Darmflora, die nun wiederum für eine Schutzwirkung gegen Morbus Crohn und andere Verdauungsprobleme sorge.

“Diese Fallstudie bestätigt wieder einmal, dass unsere Nahrung tatsächlich unsere Medizin sein kann“, sagt Dr. Kahleova. „Natürlich verhilft eine pflanzenbasierte Ernährung nicht nur dazu, dass es bei Morbus Crohn zu einer Remission kommt. Sie hat überdies ausschliesslich positive Nebenwirkungen. Schliesslich reduziert sie das Risiko für Herzkrankheiten, Diabetes und vielen Krebsformen.“

Zusätzlich sollte bei Morbus Crohn die Darmflora berücksichtigt werden, da MC-Patienten häufig eine bestimmte Candida-Form beherbergen (Candida tropicalis), die bekämpft werden sollte, bevor man sodann mit Probiotika die Darmflora wieder neu aufbaut – wie eine Studie vom Oktober 2017 ergeben hatte. Nähere Informationen dazu finden Sie hier:

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Quellen

  • (1) Kelsea Sandefur et al., Crohn's Disease Remission with a Plant-Based Diet: A Case Report, Nutrients, Juni 2019