Risiko für die Gesundheit

Bluthochdruck durch Phosphate in Lebensmitteln?

  • Autor: Maria Köpf
  • aktualisiert: 05.09.2018
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Bluthochdruck durch Phosphate in Lebensmitteln?
© istockphoto.com/okskaz

Phosphate sind die Evergreens der Lebensmittel- und Agrarwirtschaft: kaum ein Lebensmittel, das nicht mit Hilfe eines künstlich zugesetzten Phosphats gedopt oder gedüngt wird. Besonders Wurst, Käse, Softdrinks und viele Fertigprodukte sind Quellen für künstliche Phosphate. Im August 2018 belegt ein Forscherteam der Universität Basel, dass zugesetzte Phosphate einen hohen Blutdruck begünstigen können. Selbst bei gesunden Menschen erhöhen Phosphatzusätze in Lebensmitteln das Risiko, Bluthochdruck, Nierenschäden oder Osteoporose zu entwickeln.

Wo sind Phosphate enthalten?

Phosphate wie Natriumphosphat werden in der Lebensmittelindustrie häufig eingesetzt: Sie konservieren Fleisch- und Wurstwaren, machen Käse streichfähig oder verdicken Puddings und Sossen, verstärken den Geschmack von Backmischungen oder verhindern, dass Babybrei verklumpt. Inzwischen soll sich der Konsum in Europa von künstlichen Phosphaten deutlich gesteigert haben.

Natürliche Phosphatverbindungen in naturbelassenen Lebensmitteln (z. B. in Getreide und Nüssen) sind für den Menschen nicht schädlich, denn Phosphor zählt zu den essentiellen Mineralstoffen. So liefert der Stoff beispielsweise Energie für alles, was wir tun. Er stabilisiert gemeinsam mit Calcium Knochen und Zähne und ist überdies ein wichtiger Baustoff der DNA (Erbsubstanz).

Während man das natürliche Phosphat jedoch nur teilweise aufnimmt (und daher nie zu viel), wird freies Phosphat aus Lebensmittelzusätzen effektiv resorbiert und erhöht so den Phosphatspiegel im Blut.

Wie Phosphate den Blutdruck erhöhen können

Der Phosphatspiegel beeinflusst den Calciumspiegel. Der Calcium-Einstrom in die Zellen wiederum spielt eine entscheidende Rolle für den Blutdruck sowie die Erregung und Kontraktion des Herzens. Hohe Phosphatspiegel können also über die Erhöhung des Calciumspiegels den Blutdruck und auch den Puls erhöhen.

Calcium kann sich zudem mit Phosphaten zu Calciumphosphat verbinden – einer Verbindung, die Knochen und Zähne stärken kann, die sich aber auch im Innern der Blutgefässe an die Gefässwände anlagern und dort zu einer Verkalkung beitragen könnte, was natürlich ebenfalls – allerdings erst langfristig – den Blutdruck negativ beeinflusst.

In einer Studie der Universität Basel zeigte sich der systolische und diastolische Blutdruck an gesunden jungen Menschen nach 6 Wochen erhöht, wenn diese eine phosphatreiche Ernährung erhielten. Der systolische Blutdruck stieg um 4,1 mmHg, der diastolische Blutdruck um 3,2 mmHg. Gleichzeitig veränderte sich auch die Herzpulsrate um bis zu 4 Schläge pro Minute.

Studienautor Reto Krapf erklärte:

„Unsere Ergebnisse belegen, dass eine phosphatreiche Ernährung zu einem Anstieg von Herz-Kreislauf-Beschwerden und einer erhöhten Sterblichkeit führen kann.“

Hoher Blutdruck sinkt, wenn Lebensmittel mit künstlichen Phosphaten gemieden werden

Krapfs Forscherteam demonstrierte anschliessend, dass sich der phosphatbedingte Effekt auf Blutdruck und Herzpulsrate glücklicherweise reversibel zeigte – nach 2 Monaten einer Ernährung ohne Phosphatzusätze pendelten sich die Werte wieder auf Normallevel ein. Lässt man also Fertigprodukte und Lebensmittel mit künstlich zugesetztem Phosphat weg, erholen sich Puls und Blutdruck bald wieder.

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Phosphate schaden den Nieren

Phosphate sind jedoch nicht nur eine Belastung für das Herz-Kreislaufsystem, auch die Nieren können von einer phosphatreichen Ernährung beeinträchtigt werden. Nephrologen (Spezialisten für Nierenerkrankungen) sprechen von einer erhöhten Sterblichkeit bei Nierenpatienten, wenn sich diese phosphatreich ernähren.  

Phosphate erhöhen das Osteoporoserisiko

Nimmt man Phosphat und Calcium in gesundem Rahmen ein, herrscht im Körper ein optimales Gleichgewicht. Bei Verschiebungen zur westlich geprägten phosphatreichen Kost kann es jedoch laut gross angelegter Studien zu Knochenerweichung oder sogar zu Osteoporose (Knochenschwund) kommen.

Die Nebenschilddrüsen schütten bei phosphatreicher Ernährung verstärkt ein Hormon (Parathormon) aus, das den Knochenabbau fördert. Auch kann im Darm das Calcium bei gleichzeitiger Anwesenheit von phosphatreicher Nahrung nur schlecht resorbiert werden, so dass sich ein Calciummangel ergeben kann.

Wie sieht eine phophatarme Ernährung aus?

Wie so oft ist auch hier die Lösung eine naturbelassene und vollwertige Ernährung (z. B. eine mediterrane Ernährung), in der Wurst, Käse, Softdrinks (Cola u. ä.) und Fertigprodukte grösstenteils gemieden werden und man sich vorwiegend von Obst und Gemüse, Salaten, Kartoffeln, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten ernährt. Eine derart phosphatbewusste Ernährung kann verhindern, dass extreme Phosphatspitzen im Blut den Blutdruck kurz- und mittelfristig in die Höhe schiessen lassen.

Wie Sie Phosphate in Fertigprodukten oder in Restaurants erkennen

Wenn Sie Fertigprodukte kaufen, achten Sie auf die Inhaltsstoffliste. Wenn Sie am Imbiss, in Restaurants oder in der Kantine essen, beachten Sie die Fussnoten, die an den Gerichten erscheinen. Zugesetztes Phosphat erkennen Sie am Hinweis „mit Phosphat“ oder auch an den folgenden E-Nummern: E338, E339, E340, E341, E450, E451 und E452.

Natürlich ist eine phosphatreiche Ernährung nicht die einzige mögliche Ursache für Bluthochdruck, doch ist sie einer von vielen Risikofaktoren, die mit einer gesunden Ernährung ausgeschaltet werden können. Weitere Risikofaktoren für Bluthochdruck sowie ganzheitliche Massnahmen, die helfen, den Blutdruck auf natürliche Weise zu senken, finden Sie in unserem entsprechenden Hauptartikel.

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Quellen

  • Reto Krapf, Jaber Mohammad et al., A Controlled Increase in Dietary Phosphate Elevates BP in Healthy Human Subjects, Journal of the American Society of Nephrology, 2018, (Quelle als PDF)
  • Pressemeldung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGN), Mediterrane Küche empfiehlt sich auch für nierenkranke Menschen, 2017, (Quelle als PDF)
  • Eberhard Ritz, Kai Hahn et al., Gesundheitsrisiko durch Phosphatzusätze in Nahrungsmitteln, Deutsches Ärzteblatt, 2012, (Quelle als PDF)
  • Virpi E. Kemi, Merja U.U. Kärkkäinen, Low calcium:phosphorus ratio in habitual diets affects serum parathyroid hormone concentration and calcium metabolism in healthy women with adequate calcium intake, British Journal Nutrition, 2010, (Quelle als PDF)