Gesunde Ernährung beugt chronischer Nierenkrankheit vor

Die chronische Nierenkrankheit (auch chronisches Nierenversagen genannt) bezeichnet eine Erkrankung, bei der die Nieren über einen langen Zeitraum hinweg kontinuierlich ihre Funktionsfähigkeit verlieren. Im Endstadium müssen die Patienten eine regelmässige Dialysebehandlung in Anspruch nehmen oder auf eine Nierentransplantation hoffen.

Weltweit sind annähernd 500 Millionen Erwachsene von der chronischen Nierenkrankheit betroffen. Ihre Lebenserwartung sinkt, da sie häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden als nierengesunde Menschen. Auch sind sie anfälliger für Lungenentzündungen und andere Infektionskrankheiten.

Laut einer Studie – die im September 2019 im Clinical Journal of American Society of Nephrology veröffentlicht wurde – kann eine gesunde Ernährung der chronischen Nierenkrankheit vorbeugen, was nicht nur das Leid des Einzelnen und seiner Familie massiv reduzieren würde, sondern auch die Kosten der Gesundheitssysteme (1).

Risiko für chronische Nierenkrankheit sinkt um 30 Prozent

Forscher der medizinischen Fakultät der Bond University in Queensland/Australien hatten für die Übersichtsarbeit alle relevanten Studien (die bis Februar 2019 erschienen waren) mit insgesamt über 630.000 Teilnehmern analysiert. Wissenschaftlich begleitet wurden die Teilnehmer der 18 Studien im Durchschnitt 10,4 Jahre lang.

Wer sich gesund ernährte, so zeigte sich, konnte einer chronischen Nierenkrankheit vorbeugen. Das Risiko, Opfer einer solchen Erkrankung zu werden, sank um 30 Prozent.

Mit „gesunder Ernährung“ ist hier eine Ernährung gemeint, die den folgenden Kriterien entspricht:

  • Viel Obst und Gemüse
  • Reichlich Nüsse und Hülsenfrüchte
  • Vollkornprodukte
  • An tierischen Produkten Fisch und fettarme Milchprodukte
  • Nur wenig rotes Fleisch und wenige verarbeitete Fleischprodukte
  • Wenig Salz
  • Selten oder nie mit Zucker gesüsste Getränke

Gesunde Ernährung verhindert jene Krankheiten, die überhaupt erst zu Nierenschäden führen

„Unsere Ergebnisse unterstützen bereits bestehende Belege für die Vorteile einer gesunden Ernährungsform – wie etwa der mediterranen Ernährung, der DASH-Diät oder auch einer Ernährung nach den offiziellen Richtlinien“, sagte Studienautor Dr. Jaimon Kelly. Schliesslich sei bekannt, dass eine gesunde Ernährung sehr gut zur Prävention vieler chronischer Krankheiten eingesetzt werden könne, z. B. zur Prävention von Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Bluthochdruck, Arteriosklerose), Demenz und Krebs.

Da gerade ein Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck mit zu den wichtigsten Krankheiten gehören, die überhaupt erst zur einer chronischen Nierenkrankheit führen, kann man mit einer gesunden Ernährung doppelt vorbeugen: Erst dem Diabetes und Bluthochdruck und damit automatisch einer Nierenkrankheit.

Gesunde Ernährung kann alle diese Krankheiten aber auch heilen!

Bestehen nun aber ein Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck bereits, dann kann man ebenfalls mit einer gesunden Ernährung sehr viel erreichen. Typ-2-Diabetes gilt in vielen Fällen sogar als heilbar, wenn man seine Lebens- und Ernährungsweise gesünder gestaltet – und auch der Blutdruck pendelt sich meist wieder ein, wenn man gesund isst und lebt.

Aber auch die schon bestehende chronische Nierenkrankheit kann in ihrem Fortschreiten deutlich gebremst werden, wenn man auch noch im Nachhinein die Ernährung umstellt (3). Wie genau die Ernährung aussehen soll, hängt von der Schwere der Erkrankung ab.

Die richtige Ernährung für die Nieren

Ist noch keine Dialyse erforderlich, kann die Ernährung meist problemlos auf die bei uns beschriebene Ernährungsweise umgestellt werden, da diese automatisch auch die Grundregeln einer nierengesunden Ernährung berücksichtigt. Diese Regeln lauten:

  • Nicht zu viel Eiweiss, aber auch nicht zu wenig (unter 1,3 g, besser zwischen 0,8 und 1 g Eiweiss pro Kilogramm Körpergewicht bleiben)
  • Nicht zu viel Salz, am besten bei 5 bis 6 g pro Tag bleiben, dabei unbedingt den hohen Salzgehalt vieler Fertigprodukte berücksichtigen (salzige Snacks, Wurst, Käse, Backwaren, Fertigsuppen etc.), was bedeutet, dass man diese besser weitgehend meidet und seine Mahlzeiten aus frischen Zutaten selbst zubereitet und salzarm würzt.
  • Kaliumarm muss die Ernährung nur dann sein, wenn auch tatsächlich hohe Kaliumwerte gemessen werden, was meist erst im Endstadium bzw. bei Dialysepflicht der Fall ist. Da insbesondere Kräuter, Gemüse und Salate kaliumreich sind, müssen diese also keinesfalls gemieden werden, wie früher öfter behauptet wurde. Im Gegenteil. Der Verzehr von Gemüse und Obst kann eine metabolische Azidose genauso gut beheben wie die Gabe von Natriumhydrogencarbonat. Bei der metabolischen Azidose können die Nieren die im Stoffwechsel anfallenden Säuren nicht mehr umfassend ausscheiden, was zu einem noch rascheren Verlust der Nierenfunktion beiträgt (4).
  • Kranke Nieren können Phosphate nicht mehr so gut ausscheiden. Steigende Phosphatspiegel aber erhöhen das Risiko für Knochenerkrankungen und Verkalkungen der Gefässe mit nachfolgenden Herz-Kreislauf-Ereignissen. Da Phosphate insbesondere in eiweissreicher Kost und auch in vielen Fertigprodukten (in vielen Wurst- und Käsesorten, Backwaren mit Backpulver, Softdrinks etc.) enthalten sind, ist die Einschränkung des Phosphatverzehrs gerade mit einer eiweissarmen und gesunden Ernährung kein Problem (5).

Nierenkrankheiten mit gesunder Ernährung verhindern

„Mit Hilfe unserer Studie könnte man nun Präventionsprogramme für die chronische Nierenkrankheit entwickeln“, hofft Dr. Kelly. Denn – wie oben erklärt – kann eine gesunde Ernährung nicht nur eine Nierenkrankheit verhindern, sondern sie auch in ihrem Fortschreiten bremsen, wenn sie bereits besteht.

Dazu wäre es jedoch erst einmal erforderlich, Ärzte in Sachen Ernährung auszubilden, damit Patienten von Anfang an entsprechend beraten werden können. Das Medizinstudium aber umfasst den Bereich Ernährung so gut wie gar nicht, so dass man besser selber tätig wird und sich eigenverantwortlich um eine gesunde Ernährungs- und Lebensweise kümmert.

Liebe Ärztinnen und Ärzte, liebe Studierende der Medizin: So lange das Medizinstudium und auch die Facharztausbildung zum Internisten oder Allgemeinmediziner das Thema Ernährung nur am Rande enthält, liegt es an Ihnen, sich weiterzubilden, um Ihre PatientInnen umfassend beraten zu können. Denn immer mehr Menschen möchten nicht nur Medikamente nehmen, sondern selbst etwas für Ihre Gesundheit tun. Lesen Sie die Werke von z. B. Dr. C. B. Esselstyn, Dr. T. C. Campbell oder Frau Dr. Johanna Budwig, die mit ihrer Ernährungsmedizin sehr gute (Heil-)Erfolge erziel(t)en.

Quellen

  1. Katrina E. Bach, Jaimon T. Kelly et al., Healthy Dietary Patterns and Incidence of CKD, Clinical Journal of the American Society of Nephrology CJASN, 2019
  2. American Society of Nephrology, A healthy diet may help prevent kidney disease, ScienceDaily, 24. September 2019
  3. Jaimon T. Kelly et al., Healthy Dietary Patterns and Risk of Mortality and ESRD in CKD: A Meta-Analysis of Cohort Studies, CJASN, Februar 2017
  4. Prof. Dr. med. Jörg Radermacher, Ernährungstherapie bei Nierenerkrankungen, Ernährungs Umschau, 4/2013
  5. Prof. Dr. Hans Hauner, Institut für Ernährungsmedizin, Klinikum rechts der Isar, TU München, Phosphatarme Ernährung bei Nierenerkrankungen, Stand 2016

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