Risiko für die Gesundheit

Frankreich verbietet Smartphones an Schulen

  • Autor: Maria Köpf
  • aktualisiert: 08.09.2018
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Frankreich verbietet Smartphones an Schulen
© istockphoto.com/dolgachov

In Frankreich herrscht seit dem 5. August 2018 ein Bann von Handys in Klassenzimmern. Für deutsche Schulen undenkbar – hierzulande haben Eltern und Schüler ein enormes Mitspracherecht für den Umgang mit Handys. Dennoch können die Franzosen Vorreiter für einen bewussteren Umgang von Eltern und Kindern mit digitalen Medien sein. In Deutschland fehlen laut Experten genaue Nutzungsempfehlungen für Kinder und zusätzlich Eltern und Lehrpersonal, die einen positiven Umgang mit Handy und Co. vorleben.

Handys, Tablets und Smartwatches sind in Frankreichs Schulen passé

Frankreichs neues Gesetz verschärft das in unserem Nachbarland bereits seit 2010 geltende Verbot, Mobiltelefone während des Unterrichts zu benutzen. Seit 5. August 2018 dürfen in Frankreich nun auch keine Tablets und Smartwatches mehr während des Unterrichts verwendet werden. Daneben wurde das Gesetz auf die Pausen und Mittagsmahlzeiten ausgeweitet.

Auch in Deutschland: Eine Zukunft ohne Handys an Schulen?

Selbst die grössten Optimisten bezweifeln, dass sich ein flächendeckendes Verbot wie in Frankreich ebenso rasch in Deutschland einführen lässt. Die Schule in Frankreich ist zentral organisiert, in Deutschland ist Bildung allerdings Ländersache und muss sich stets über eine langwierige Kultusministerkonferenz den Weg ebnen.

Nutzungsempfehlungen in Deutschland

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfiehlt in Deutschland, wie viele Minuten Kinder täglich maximal auf den Bildschirm schauen dürfen. So sollen Kinder unter 3 Jahren gar keine, Kinder ab 3 Jahren weniger als 30 Minuten und Kinder ab 6 Jahren unter 45 bis 60 Minuten „Hör- und Bildschirmmedien“ nutzen. Dabei gibt die BZgA leider bis heute zu Kindern von 6 bis 18 Jahren keinerlei Nutzungsempfehlung.

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BLIKK-Studie verkündet: Handys und Computer machen süchtig

Die jüngste BLIKK-Medien-Studie von Mai 2017 um Prof. Rainer Riedel kritisiert Risiken des Medienkonsums. Besorgt ist sie besonders hinsichtlich einer Internet-Abhängigkeit, die sich im Extremfall entwickeln kann. So betonen auch die Studienautoren der BLIKK-Medien-Studie:

„Internetabhängigkeit ist analog zu den substanzgebundenen Süchten als eine behandlungsbedürftige Erkrankung einzustufen.“

Digitale Medien: Kinder können schlechter sprechen

Dabei nahm die vom Bund geförderte BLIKK-Studie insbesondere das Einschlafverhalten, die Sprachentwicklung und die Konzentrationsfähigkeit von Kindern in den Blick.

Die Querschnittsstudie analysierte die Daten von Früherkennungsuntersuchungen von 5.573 Kindern und Teenagern in Deutschland auf Basis von Eltern- und Selbstangaben.

So zeigten laut der Untersuchung knapp 17 Prozent der 3-Jährigen, knapp 21 Prozent der 4-Jährigen und knapp 25 Prozent der 5-Jährigen altersuntypische Sprachschwächen. Befürworter von digitalen Medien führen gerne an, wie diese den Spracherwerb und den Erwerb von Wissen von Kindern unterstützen.

So lesen Apps bereits mittels elektronischer Stimme Geschichten vor und animieren zum Nachsprechen – jedoch kritisiert etwa Experte Prof. Riedel: „Solche Apps können zwar bereits sprachlich animieren – jedoch fehlt hier das für den kindlichen Spracherwerb essentielle Bindungsverhalten zu Eltern, Grosseltern oder anderen Bezugspersonen. Auch fehlt hier eine Korrektur kindlicher Aussprachefehler und das Erklären neuer Wörter.“

Kinder leiden an Konzentrationsstörungen durch Handys und TV

Die LIFE-Studie um Studienleiterin Tanja Poulain machte im Mai 2018 publik: Erhöhter Konsum von Medien erhöht auch das Risiko für Verhaltensauffälligkeiten bei 2- bis 6-Jährigen. Die Langzeitstudie der Forscher um Poulain an der Universität Leipzig untersuchte hierbei 527 Kinder aus Leipzig und der Umgebung.

Die Studienautorin Poulain kam zu dem Schluss:

„Wir haben bei unseren Untersuchungen festgestellt, dass Vorschulkinder, die täglich ihr Smartphone oder einen Computer nutzen, ein Jahr später mehr Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit aufweisen als Kinder, die diese Medien nicht nutzen.“

BfS-Institut warnt: Strahlenschäden möglich

Abseits vom Risiko für Entwicklungsschäden bei Kindern warnt das Bundesinstitut für Strahlenschutz vor den hochfrequenten elekromagnetischen Strahlen von Handys. Deren Auswirkungen wären besonders für Kinder noch nicht absehbar. Eine Studie des BfS, das sogenannte Deutsche Mobilfunk Forschungsprogramm (DMF), untersuchte zwischen 2002 und 2008 ab welcher Intensität an elekromagnetischer Strahlung biologische Wirkungen entstünden.

Die Ergebnisse blieben zwar unter den normierten Grenzwerten, dennoch gab es Hinweise auf biologische Auswirkungen. Daher rät das BfS Erwachsenen und insbesondere Kindern zu möglichst kurzen Handytelefonaten, SMS-Versand, Headset-Benutzung und zur Bevorzugung des Festnetzes. Das Handy solle möglichst selten am Ohr gehalten und am Körper getragen werden.

Das Nein zu Handys konsequent einhalten und vorleben

Experten empfehlen dringend, dass der Umgang mit digitalen Medien bewusster und geschulter werden müsse. Eltern und Kindern empfiehlt sich dringend, dass Handy nicht nur in der Schule ähnlich wie in Frankreich, sondern auch zu Hause wegzulegen und sich mit ihrer Umgebung zu beschäftigen. So fördert laut Studien allein die direkte Zuwendung von Bezugspersonen die optimale Entwicklung von Sprache, Konzentration und sozial kompetenter Interaktion. 

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Quellen

  • Rainer Riedel, Uwe Büsching et al., BLIKK-Medien-Studie, Kinder und Jugendliche im Umgang mit elektronischen Medien, 2017, (Quelle als PDF)
  • France has banned all children under 15 from using their phones in school, Business Insider.de, 03.09.2018, (Quelle als PDF)
  • Tanja Poulain, Mandy Vogel et al., Reciprocal Associations between Electronic Media Use and Behavioral Difficulties in Preschoolers, in, International Journal of Environmental Research and Public Health, 2018, (Quelle als PDF)
  • Bundesamt für Strahlenschutz, Ergebnisse des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms (DMF), Bewertung der Gesundheitlichen Risiken des Mobilfunks, 15. Mai 2008, (Quelle als PDF)