Vegane Ernährung: Schon nach 16 Wochen mindestens drei gesundheitliche Vorteile

Beim alljährlichen Meeting der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Barcelona (vom 16. bis 20. September 2019) stellte das Team um Dr. Hana Kahleova vom Physicians Committee for Responsible Medicine (PCRM)* die Ergebnisse einer neuen Studie vor (1,3).

Man hatte in dieser Arbeit die gesundheitlichen Folgen einer 16-wöchigen veganen Ernährung untersucht – insbesondere in Bezug auf die Zusammensetzung der Darmflora, auf das Körpergewicht, die Körperzusammensetzung (Fettanteil) und die Insulinsensitivität** bei übergewichtigen Erwachsenen, die jedoch noch keinen Diabetes hatten.

Dass die Darmflora eine wichtige Rolle bei der Gewichtskontrolle spielen kann, ist bereits bekannt. Auch vermutet man, dass die Darmflora an der Entstehung des Typ-2-Diabetes und des metabolischen Syndroms beteiligt ist. Letzteres besteht aus vier Symptomen (Bluthochdruck, erhöhter Cholesterinspiegel, erhöhter Blutzucker und Übergewicht).

Es zeigte sich nun, dass die vegane Ernährung die Darmflora so gut beeinflussen kann, dass sie über den Umweg der Darmflora zu mindestens drei gesundheitlich positiven Folgen führen kann.

Diese drei Folgen hat die vegane Ernährung nach nur 4 Monaten

Teilnehmer der Untersuchung waren 147 Frauen und Männer im Alter von durchschnittlich 55,6 Jahren. Die Hälfte sollte nun 16 Wochen lang eine fettarme vegane Ernährung praktizieren, die andere Hälfte bei ihrer bisherigen Ernährungsweise bleiben. (3)

Zum Studienende hatten die vegan essenden Teilnehmer durchschnittlich 5,8 kg abgenommen (Folge 1) – und zwar hauptsächlich durch den Verlust an Fettmasse (durchschnittlich 3,9 kg), wobei auch viszerales Fett*** abgenommen wurde, das als besonderer Risikofaktor für chronisch entzündliche Erkrankungen gilt (Folge 2). Die Insulinsensitivität nahm in der veganen Gruppe signifikant zu, was einem sinkenden Diabetesrisiko gleichkommt (Folge 3).

Wie die vegane Ernährung die Zusammensetzung der Darmflora verbessert

Was die Darmflora betraf, so konnte man bei den Veganern eine Zunahme beim Darmbakterium namens Faecalibakterium prausnitzii um 4,8 Prozent beobachten. Bekannt ist bereits, dass genau dieses Bakterium beim Abnehmen helfen kann und auch zum Abbau von Fettmasse einschliesslich des so problematischen viszeralen Fettes beiträgt.

Auch beim Darmbakterium Bacteroides fragilis konnte man in der veganen Gruppe eine Zunahme beobachten (um 19,5 Prozent). Auch dieses Bakterium hilft beim Fettabbau und Abnehmen. Zusätzlich besteht ein Zusammenhang zwischen der Anwesenheit dieses Bakteriums und einer verbesserten Insulinsensitivität.

Dies ist einer der Hauptgründe, warum die vegane Ernährung so gesund sein könnte

Es lassen sich also schon nach 16 Wochen mit einer veganen Ernährung deutliche Besserungen des Gesundheitszustandes feststellen, die offenbar u. a. infolge einer Veränderung der Darmflora eintreten. Zur Gewichtsabnahme und auch zur Diabetesprävention eignet sich eine vegane Ernährung laut vorliegender Studie daher sehr gut.

Vermutlich sei einer der Hauptgründe für diese gute Wirkung dieser Ernährungsform deren hoher Ballaststoffgehalt. Die Forscher rund um Dr. Kahleova sagen: „Mehr Ballaststoffe zu essen, ist eine der wichtigsten Ernährungsempfehlungen für eine gesunde Darmflora.“

Warum sich Ballaststoffe so positiv auf die Gesundheit auswirken

Ballaststoffe füttern die nützlichen Darmbakterien, so dass sich diese besser vermehren können, wobei sich bei einer pflanzenbasierten Ernährung insbesondere solche Darmbakterien vermehren, die aus Ballaststoffen kurzkettige Fettsäuren herstellen, wozu auch das o. g. Faecalibacterium prausnitzii gehört.

Diese kurzkettigen Fettsäuren (Butyrat, Propionat etc.) dienen nicht nur den Darmschleimhautzellen als lebenswichtige Nahrung und sind daher für einen gesunden Darm unverzichtbar. Sie regulieren auch die Insulinsensitivität, Entzündungsprozesse sowie den Glucose- und Fettstoffwechsel.

Sie unterdrücken ausserdem den Appetit, indem sie die Ausschüttung von Sättigungshormonen ankurbeln, erhöhen den Energieverbrauch (da sie die Thermogenese fördern, also die körpereigene Wärmeproduktion) und sie erhöhen die glucoseabhängige Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse (2).

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Fussnoten

*Eine gemeinnützige Organisation, die sich u. a. der Erforschung der Vorteile pflanzenbasierter Ernährungsformen widmet.

**Die Insulinsensitivität gibt Anhaltspunkte, wie nah man sich bereits einem Typ-2-Diabetes befindet, wie gut also die Zellen auf Insulin reagieren und den Blutzucker verwerten können. Je schlechter sie reagieren, umso eher gibt es Probleme mit einem zu hohen Blutzuckerspiegel.

***Viszerales Fett ist das Bauchfett, also Fett in der Bauchhöhle, das die inneren Organe umgibt.

Quellen

  1. Diabetologia, Short-term study suggests vegan diet can boost gut microbes related to body weight, body composition and blood sugar control, ScienceDaily, 16. September 2019
  2. Wei Ling Lau & Nosratola D. Vaziri, Gut microbial short-chain fatty acids and the risk of diabetes, Microbiome, Nature Reviews Nephrologyvolume 15, pages389–390 (2019)
  3. Kahleova H et al. A plant-based diet in overweight individuals in a 16-week randomized clinical trial: metabolic benefits of plant protein. Nutr Diabetes. 2018 Nov 2;8(1):58. doi: 10.1038/s41387-018-0067-4.

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