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Vitamine in der Schwangerschaft senken Autismus-Risiko

  • Autor: Carina Rehberg
  • aktualisiert: 01.03.2019
Vitamine in der Schwangerschaft senken Autismus-Risiko
© gettyimages.de/Ivanko_Brnjakovic

Wenn Frauen, die bereits ein Kind mit Autismus haben, im ersten Monat ihrer Schwangerschaft Vitamine einnehmen, sinkt ihr Risiko, ein weiteres autistisches Kind zur Welt zu bringen.

Inhaltsverzeichnis

Vitamine in der Schwangerschaft: Seltener Autismus

Viele Frauen nehmen in der Schwangerschaft Vitamine und andere Vitalstoffe ein, wie Folsäure, weitere B-Vitamine, Eisen oder Jod. Auch im Hinblick auf das Autismusrisiko scheint dies eine gute Präventionsmassnahme zu sein – wie eine Studie zeigte, die im Februar 2019 im Fachjournal JAMA Psychiatry veröffentlicht wurde. Denn die Einnahme von Vitaminen stand in dieser Untersuchung mit einem deutlich geringeren Risiko für Autismus beim zweiten Kind in Zusammenhang.

Vitamine besonders für Familien wichtig, die bereits ein autistisches Kind haben

Wenn in einer Familie bereits ein Kind mit Autismus geboren wurde, ist das Risiko für ein weiteres autistisches Kind deutlich erhöht, so die Forscher der University of California in Davis. Gerade für diese Hochrisiko-Familien sei es wichtig, dass die schwangere Frau bei weiteren Kindern besonders darauf achtet, schon in den ersten Schwangerschaftsmonaten bzw. davor die entsprechenden Vitaminpräparate zu nehmen.

Dann nämlich halbiert sich das Risiko, ein weiteres autistisches Kind zur Welt zu bringen – und tritt dennoch Autismus auf, dann in einer deutlich abgeschwächten Form. Die betroffenen Kinder zeigen ein deutlich besseres Denk- und Erinnerungsvermögen.

Vitamine schon vor der Schwangerschaft einnehmen!

„Besonders Mütter, die im allerersten Schwangerschaftsmonat die üblichen Schwangerschaftsvitamine nahmen, hatten ein geringeres Risiko für ein zweites autistisches Kind“, erklärte Studienautorin Rebecca Schmidt, Assistenzprofessorin für Gesundheitswissenschaften am MIND Institute der University of California, Davis.

An der Studie nahmen 300 Mütter teil, die bereits ein autistisches Kind hatten. 96 Prozent der Frauen nahmen Vitaminpräparate ein, allerdings nur 36 Prozent im erforderlichen Zeitraum, der im Idealfall schon sechs Monate vor der Schwangerschaft beginnt. Viele Frauen nehmen Vitaminpräparate erst ab dem zweiten oder dritten Schwangerschaftsmonat ein, eben dann, wenn sie von ihrer Schwangerschaft erfahren. Diese Vorgehensweise ist für eine präventive Wirkung jedoch nicht mehr ausreichend.

Daher reduzierte sich das Autismusrisiko des zweiten Kindes nur bei jenen Frauen um die Hälfte, die ihre Vitamine schon im ersten Schwangerschaftsmonat eingenommen hatten, nämlich von 33 auf 14 Prozent.

Noch ist unbekannt, welches Vitamin für die präventive Wirkung verantwortlich ist

Normalerweise nehmen Frauen in der Schwangerschaft Vitaminpräparate, um Neuralrohrdefekte (Spina bifida), den sog. offenen Rücken zu verhindern, aber natürlich auch um die allgemeine körperliche und geistige Entwicklung des Kindes durch mögliche Mangelzustände nicht zu gefährden.

Vitaminpräparate für die Schwangerschaft enthalten Folsäure, weitere B-Vitamine, häufig auch Eisen und Jod sowie Zink, Vitamin E und Vitamin D. Welche dieser Vitamine nun Einfluss auf das Autismusrisiko haben könnten, ist noch nicht bekannt. Doch weiss man natürlich, wie wichtig jeder einzelne Vitalstoff für die gesunde Embryonalentwicklung ist, so dass Mängel in jedem Fall vermieden werden müssen.

Selbstverständlich kann allein die Einnahme von Vitalstoffen nicht in jedem Fall verhindern, dass ein autistisches Kind geboren wird, da Autismus sehr viele – möglicherweise auch kombinierte – Ursachen haben kann, doch scheint sich durch eine gute Vitaminversorgung wenigstens das Risiko senken zu lassen.

Weitere Studien zur Wirkung von Vitalstoffen zur Vorbeugung oder Therapie von Autismus

Aus einer früheren Studie weiss man bereits, dass Multivitaminpräparate selbst beim ersten Kind das Autismusrisiko reduzieren können.

In einer weiteren Studie zeigte man, dass die Gabe von Folsäure in der Schwangerschaft zu einem verminderten Autismusrisiko führen könnte. Und diese Studie wies darauf hin, dass ein Zinkmangel in der Schwangerschaft die Wahrscheinlichkeit für Autismus beim Kind erhöhen kann und auch später beim Kind die Ausprägung des Autismus verstärken kann.

Auch darf die Vitamin-D-Versorgung nicht vergessen werden, da die Behebung eines entsprechenden Mangels u. U. Autismussymptome bessern kann.

Autismus vorbeugen: Vor und in der Schwangerschaft Vitamine nehmen!

Ob beim ersten oder zweiten Kind, eine gute Vitamin- und Mineralstoffversorgung ist folglich sowohl in der Schwangerschaft als auch später beim Kind zur Prävention und Therapie von Autismus eine wichtige Massnahme, die zudem kostengünstig und einfach umsetzbar ist.

Während die Dosis für Folsäure (400 – 600 µg), weitere B-Vitamine, Omega-3-Fettsäuren und Jod meist pauschal verordnet werden kann, sollte die Dosis von Vitamin D, Zink und Eisen jeweils dem aktuellen Spiegel, also dem Bedarf der Schwangeren angepasst werden, um auch tatsächlich die benötigten Vitalstoffmengen zuzuführen und um gleichzeitig unnötige Überdosen zu verhindern.

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Quellen

  • Rebecca Schmidt, Association of Maternal Prenatal Vitamin Use With Risk for Autism Spectrum Disorder Recurrence in Young Siblings, Februar, 2019, JAMA Psychiatry, online
  • Gordon S, Prenatal vitamins might lower risk of second child with autism, MedicalXpress, Februar 2019
  • Für weitere Quellen nutzen Sie bitte die Links im Text, die Sie zu weiteren Studien führen.