Einsamkeit kennzeichnet unser Zeitalter

Für die meisten Menschen ist Einsamkeit eine schmerzhafte Erfahrung. In früheren Epochen wurde die Einbindung des Einzelnen in die Gemeinschaft als etwas Selbstverständliches wahrgenommen. Diese Weltanschauung hat sich aber im Zuge der Industrialisierung mehr und mehr zugunsten des Individualismus verabschiedet.

Einerseits hat dieser Prozess zu mehr Selbstbestimmung und einem freieren Leben geführt. Andererseits greift infolgedessen ein Phänomen um sich, das sich auf die Gesundheit zahlloser Menschen sehr negativ auswirkt: die Einsamkeit.

Endlich über die Einsamkeit sprechen

Im Jahr 2019 hat ABC, eine öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft in Australien, eine grosse Umfrage (2) gestartet (das sog. Australia Talks project) woran mehr als 54.000 Menschen teilgenommen haben. Es wurden ihnen rund 500 Fragen zu ihren Gedanken und Gefühlen gestellt. Als die ABC-Vorsitzende Ita Buttrose gefragt wurde, was nun das überraschendste Ergebnis gewesen sei, gab sie an: Die Antworten zum Thema Einsamkeit.

The Conversation (1), ein Netzwerk gemeinnütziger Medien, das wissenschaftlich fundierte Berichte veröffentlicht, hat das Australia Talks project zum Anlass genommen, um folgende Frage zu erörtern: Ist die Einsamkeit nicht sogar ein genauso wichtiges Thema wie der Klimawandel, die Wirtschaft oder die Bildung?

Einsamkeit: so schädlich wie starkes Rauchen

Im Rahmen einer schon im Jahr 2010 an der Brigham Young University durchgeführten Metaanalyse (3) wurden 150 Studien rund um Einsamkeit analysiert. Das Ergebnis unterstreicht die Auswirkungen der Einsamkeit bzw. des Mangels an sozialer Integration und Unterstützung auf die Gesundheit.

Denn es stellte sich heraus, dass Einsamkeit das Sterberisiko mehr erhöht als eine ungesunde Ernährung, Fettleibigkeit, Alkoholkonsum und Bewegungsmangel. Überdies zeigte die Studie, dass Einsamkeit sogar genauso schädlich ist wie starkes Rauchen.

Soziale Kontakte sind oft wichtiger als finanzielle Absicherung

Die meisten Menschen sind sich aber nicht einmal bewusst, wie gesundheitsschädlich es sein kann, sich einsam zu fühlen. Bei Befragungen in Grossbritannien und den Vereinigten Staaten wurden die soziale Integration und Unterstützung in puncto Gesundheit als Schlusslicht eingestuft.

In Wirklichkeit aber ist es umgekehrt. Und so haben Recherchen von The Conservation gezeigt, dass soziale Beziehungen für die körperliche und geistige Gesundheit von Rentnern etwa viermal wichtiger sind als die finanzielle Situation. Doch wann hat Sie eine Gesundheitskampagne oder Ihr Hausarzt das letzte Mal vor den Gefahren der Einsamkeit gewarnt?

Wer sich am einsamsten fühlt

Oft wird angenommen, dass sich nur alte Menschen einsam fühlen. Doch auch von den 18- bis 24-jährigen Befragten fühlte sich nur ein Drittel selten oder nie einsam. Mehr als ein Viertel von ihnen gab sogar an, dass sie sich häufig oder immer einsam fühlen. Im Vergleich dazu gaben zwei Drittel der befragten Senioren an, sich selten oder nie einsam zu fühlen.

Und wie ist es mit der Wohnlage? Verspüren Menschen auf dem Land wirklich seltener Einsamkeit als Menschen in der Stadt? Laut ABC-Umfrage trifft dies zu, doch der Unterschied war nicht gravierend. Ganze 50 Prozent der Stadtmenschen gaben an, sich gelegentlich, häufig oder immer einsam zu fühlen, bei den Landmenschen waren es 42 Prozent.

Armut führt zu Einsamkeit und Einsamkeit zu Extremismus

Die Befragung ergab ausserdem, dass sich doppelt so viele Leute mit einem sehr geringen monatlichen Einkommen (370 Euro) im Vergleich zu jenen mit höherem Einkommen (1.840 Euro) häufig oder immer einsam fühlen. Dies entspricht der oft vernachlässigten Tatsache, dass Armut weltweit einer der entscheidendsten Gründe für Depressionen und andere psychische Erkrankungen ist – und diese führen wiederum zum Gefühl der Einsamkeit.

Auch bei Menschen, die rechtspopulistische Parteien wählen – in dem Fall One Nation in Australien – ist das Einsamkeitsgefühl überproportional. Fast jeder Zehnte der Anhänger gab an, immer allein zu sein. Bei den Anhängern der anderen Parteien war es nur jeder Fünfzigste. Dies unterstreicht, dass einsame Menschen häufiger in politischen Randbewegungen Trost suchen.

Einsam oder allein: Der Unterschied

Was aber lässt sich gegen Einsamkeit tun? Zunächst einmal gilt es, für sich selbst abzuklären, ob man nun einfach „nur“ allein ist und dies auch gerne ist oder ob man unter dem Alleinsein in irgendeiner Form auch leidet, sich also tatsächlich einsam fühlt. Denn viele Menschen leben inzwischen allein und empfinden diese Lebensform als Erleichterung, suchen aber nach Bedarf immer wieder auch Aktivitäten mit anderen Menschen auf.

Menschen, die unter Einsamkeit leiden, leben hingegen oft in ihrer Familie oder sogar in einer Beziehung, fühlen sich dort aber unverstanden, unwohl, nicht akzeptiert und langfristig auch einsam. Alleinsein kann daher zu Einsamkeit führen, muss es aber nicht. Gleichzeitig schützt ein Leben mit anderen Menschen nicht zwangsläufig vor Einsamkeit.

Letztendlich hängt es also immer vom einzelnen Menschen ab, ob und warum er sich einsam fühlt und welche Massnahmen ihm persönlich helfen könnten, seine Form der Einsamkeit zu überwinden.

Was gegen die Einsamkeit getan werden kann

Im Allgemeinen erhalten Einsame den Tipp, doch einfach hinauszugehen, sich mit Menschen zu treffen, sich bei der Nachbarschaftshilfe zu engagieren, sich im nächsten Club oder Verein anzumelden, im Kirchenchor mitzusingen, bei der Volkshochschule Kurse zu belegen, zum Lauftreff zu gehen oder zur Not halt bei der Telefonseelsorge anzurufen. Schliesslich gibt es für nahezu jedes Interessengebiet fast überall zahlreiche Angebote. Wozu sich also einsam fühlen?

Nicht selten aber fühlen sich Einsame nicht deshalb einsam, weil es ihnen an Ideen der vorgestellten Art mangeln würde, sondern weil sie ganz andere Probleme haben. Vielleicht begann es mit dem Jobverlust, einer Trennung vom Partner, einer beruflichen Niederlage oder einem anderen belastenden Erlebnis, das zu einer psychischen Überforderung führte. Man zieht sich zurück und verliert die Freude am Austausch mit anderen. Die Depression ist da – und mit ihr nicht selten das Gefühl von Einsamkeit.

Ist es Einsamkeit oder eine Depression?

Ist Einsamkeit das Symptom einer Depression, dann sollten Massnahmen gegen die Depression umgesetzt werden. Kann die Depression erfolgreich behandelt werden, verschwindet auch die Einsamkeit und mit ihr die Antriebsschwäche, so dass erst jetzt die in Frage kommenden Lösungen umgesetzt werden können (neuen Job suchen, sich mit dem Partner einigen, sich mit Gleichgesinnten treffen etc.).

Zwei Wege hinaus aus der Einsamkeit

Oft ist es daher hilfreich, sich bei einem belastenden Gefühl der Einsamkeit an den Hausarzt zu wenden und sich dort zunächst eine Psychotherapie mit z. B. Gesprächstherapie, Bewegungsprogramm etc. verordnen zu lassen. Es tut gut, sich jemandem anzuvertrauen, der Verständnis hat und der solche Lösungen bietet, die Schritt für Schritt umgesetzt werden können, ohne zu überfordern. Zusätzliche begleitende Massnahmen aus der Naturheilkunde, die bei Depressionen den ganzheitlichen Weg sehr gut unterstützen können, finden Sie hier: Depressionen natürlich behandeln

Vielleicht fiel Ihnen im obigen Text auf, dass Einsamkeit ein Gefühl ist. Man IST also nicht einsam, sondern man FÜHLT sich einsam. Einem Gefühl geht jedoch meist ein Gedanke voraus – und Gedanken kann man lenken, kontrollieren, untersuchen. Wir müssen also keinesfalls hilflose Opfer unserer eigenen Gedankenwelt sein. Sie finden hier eine wirksame Methode, wie Sie jene Gedanken finden und entschärfen können, die überhaupt erst zum Einsamkeitsgefühl geführt haben: Ein Weg zu Glück und Zufriedenheit

Quellen

  1. Alex Haslam et al, Loneliness is a social cancer, every bit as alarming as cancer itself, The Conversation, November 2019
  2. Matt Liddy, Australia Talks can help you understand how you compare to other Australians — here's how, ABC, Oktober 2019
  3. Julianne Holt-Lunstad et al, Social Relationships and Mortality Risk: A Meta-analytic Review, PLoS Med, Juli 2010

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