Schulmedizin

ADHS-Patienten als Opfer der Werbung

  • Autor: Zentrum der Gesundheit
  • aktualisiert: 03.07.2018
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ADHS-Patienten als Opfer der Werbung
© Sergey Nivens - Fotolia.com

Ist die steigende Zahl der ADHS-Diagnosen echt? Oder nur das Ergebnis der Werbung? Schlaue PR-Kampagnen der Pharmaindustrie tun alles, um ADHS immer bekannter zu machen. Noch vor zwanzig Jahren war ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) ein Fremdwort. Kaum jemand kannte es. Inzwischen hat jeder schon davon gehört. Alles nur gezielte Panikmache oder ist wirklich etwas dran an ADHS? Amerikanische Wissenschaftler sind sich einig: Die Pharmaindustrie und deren Werbung sorgen dafür, dass die ADHS-Zahlen immer weiter steigen.

Die Werbung macht’s: ADHS-Zahlen steigen rasant

Werbung kann viel erreichen. Sie kann sogar dafür sorgen, dass sich Krankheiten wie ADHS immer weiter verbreiten, obwohl im Verhältnis nur wenige wirklich daran erkrankt ist. Wie das sein kann? Ganz einfach:

Werbung informiert weiträumig. Und je mehr Menschen wissen, dass es ADHS gibt und was ADHS ist, umso mehr Selbstdiagnosen gibt es, umso mehr Eltern gehen mit ihren wenig folgsamen Kindern zum Arzt, um ADHS-Medikamente zu verlangen und umso schneller steigen die ADHS-Zahlen.

Je mehr Ärzte von der internen Werbung durch Pharmareferenten über ADHS-Medikamente informiert sind und je grosszügiger die Boni bei grosszügigen Verschreibungen, umso rasanter klettert die Kurve der ADHS-Zahlen.

Werbung kann also nicht nur Softdrinks und Milchschnitten unters Volk bringen, sondern auch Diagnosen und Arzneimittel.

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ADHS: Vor 20 Jahren noch nahezu unbekannt

Zahlreiche "Experten" sind der Meinung, dass es Ausdruck einer Verhaltensstörung ist, wenn Kinder ein Problem damit haben, stundenlang still zu sitzen und sich auf Themen zu konzentrieren, die ein Erwachsener vorgibt und daher nicht selten von einem Kind als wenig interessant eingestuft werden.

Diese Kinder erhalten dann häufig die Diagnose ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung).

Vor zwanzig Jahren war diese "Erkrankung" nahezu unbekannt. Dann, 1998, wurden in Deutschland bereits insgesamt zehn Millionen Tagesdosen an ADHS-Medikamenten verschrieben. Zehn Jahre später waren es schon mehr als fünfmal so viele: 53 Millionen!

ADHS ist nicht ansteckend. Dennoch verbreitet sich die "Störung" wie ein Lauffeuer. Ein wunderbares Beispiel für erfolgreiche Werbung und intelligente PR-Strategien.

Werbung der Pharmaindustrie pusht ADHS

Prof. Peter Conrad und sein Team von der US-amerikanischen Brandeis University fanden in ihrer Studie gleich fünf Gründe für die steigenden ADHS-Zahlen. Mit einer tatsächlichen Erkrankung haben diese Gründe nicht viel zu tun. Mit Werbung jedoch hat fast jeder einzelne davon zu tun:

  • Pharmaunternehmen machen aktiv Werbung für ADHS. Sie machen die vermeintliche Störung in der Bevölkerung und bei Medizinern bekannt.
  • Zusätzlich setzen sie Politiker unter Druck, damit diese die gesetzlichen Vorgaben lockern und Ärzte ADHS-Medikamente ohne Probleme immer mehr Kindern und Erwachsenen verschreiben können.
  • Bei tatsächlichen Verhaltensproblemen wurde früher eine Gesprächs- oder Verhaltenstherapie eingesetzt. Heute wollen die meisten Betroffenen bzw. die Eltern betroffener Kinder eine schnelle und einfache Lösung. Und was ist einfacher, als eine Pille zu geben/schlucken?
  • ADHS trat seinen Siegeszug in den USA an. Bis vor kurzem wurden neunzig Prozent des häufigsten ADHS-Medikaments Ritalin in den USA verschrieben. Heute sind es nur noch 75 Prozent, da sich die amerikanischen Diagnosestandards – dank Werbung – herumgesprochen haben und Ritalin infolgedessen überall auf der Welt massenweise verordnet wird.
  • Ausserdem nehmen Selbstdiagnosen übers Internet zu. Dieses Phänomen ist übrigens auch als "Cyberchondrie" bekannt, also Hypochondrie per Internet.
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Werbung für ADHS im Internet: Der ADHS-Selbsttest

Das Internet eignet sich wie kaum ein Medium hervorragend für Werbung.

Auf entsprechenden ADHS-Websites finden sich sodann auch Fragebögen zur ADHS-Selbstdiagnose. Teilweise hanebüchene "Diagnosekriterien" sorgen dafür, dass nahezu jeder glaubt, ADHS-Betroffener zu sein.

Immerhin steht jeder, der schon einmal ein Projekt nicht zu Ende gebracht hat oder nicht gut stillsitzen kann, unter ADHS-Verdacht.

Weil viele Ärzte weder Zeit noch Lust haben, ihren Patienten wirklich zuzuhören und ihnen zu helfen, verschreiben sie oft viel zu schnell Ritalin oder ein anderes ADHS-Medikament.

Prof. Conrad und seine Kollegen untersuchten den Umgang mit ADHS in fünf Ländern: Grossbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien und Brasilien.

In Grossbritannien und Deutschland werden der Studie zufolge besonders häufig ADHS-Medikamente verschrieben. Italien und Frankreich haben – bislang noch – strengere gesetzliche Vorgaben für die Verordnung von Psychopharmaka, so dass es dort auch nicht so viele ADHS-Fälle gibt.

Brasilien ist ebenfalls dabei, sich zu einer ADHS-Nation zu entwickeln. Auch dort wird tüchtig die Werbetrommel für ADHS gerührt und die "Störung" wird immer bekannter.

Schulsysteme schuld an ADHS-Symptomen

Prof. Conrad glaubt nicht daran, dass jeder, der eine ADHS-Diagnose erhalten hat, an ADHS leidet. Er sieht u. a. die Schulsysteme als Ursache für mögliche Verhaltensauffälligkeiten.

Allerdings sind einige dieser vermeintlichen Auffälligkeiten eben auch ganz normale kindliche Verhaltensweisen. Die Trotzphase etwa geht vorüber und muss nicht medikamentös behandelt werden.

Aufgrund der allgegenwärtigen Werbung für ADHS jedoch meinen viele Mütter, gesunde Kinder erkenne man daran, dass sie folgsam, still und immerfort konzentriert sind und man alles andere mit Ritalin & Co behandeln müsse.

ADHS-Medikamente sind lebensgefährlich

"Ich glaube, dass wir in fünfzig Jahren zurückschauen und uns fragen werden, was wir den Kindern da angetan haben",

warnt Prof. Conrad.

Ritalin und Co. sind immerhin starke Medikamente mit gefährlichen Nebenwirkungen. Es gibt sogar Berichte von Kindern, die nach der Einnahme der Tabletten plötzlich verstorben sind.

Die Hersteller dieser Medikamente kümmert das wenig. Schliesslich müsse man bei jedem Medikament mit Nebenwirkungen rechnen…

Weil es keine vernünftigen Diagnosekriterien gibt – ja, nicht einmal eine wissenschaftliche Grundlage für eine ADHS-Diagnose – sind die bei ADHS üblicherweise eingesetzten Medikamente auch noch universell einsetzbar.

Das Perfide daran: Die Medikamente lindern in jedem Fall die typischen "ADHS-Symptome". Das ist auch kein Wunder, denn die starken Psychopharmaka wirken bei jedem Menschen – ob gesund oder tatsächlich krank, ob entspannt oder tatsächlich zappelig.

Wenn wirklich verhaltenspsychologische Auffälligkeiten bestehen, sollte eine medikamentöse Behandlung jedoch immer der letzte Schritt sein.

Mehr Informationen zum Thema ADHS und alternative Behandlungsmöglichkeiten finden Sie unter anderem hier:

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