Risiko für die Gesundheit

Esketamin: Neues Wundermittel gegen Depressionen?

  • Autor: Sybille Müller
  • aktualisiert: 02.07.2019
Esketamin: Neues Wundermittel gegen Depressionen?
©gettyimages.de/kaipong

Antidepressiva zeigen bei etlichen Patienten keine Wirkung. Esketamin – ein neues Antidepressivum – soll bei therapieresistenten Patienten nun wahre Wunder vollbringen. Wie sicher ist das Medikament?

Inhaltsverzeichnis

Antidepressiva sind oft wirkungslos

Antidepressiva sind bei Depressionen die am häufigsten verordnete Therapie. Doch bis zu 50 Prozent der Patienten sprechen darauf in den Zulassungs- und Wirksamkeitsstudien überhaupt nicht an. So hat etwa ein Forscherteam im Jahr 2019 aufgedeckt (1), dass Antidepressiva wie Mirtazapin bei älteren Patienten nicht besser wirken als ein Placebo.

Problematisch ist ausserdem, dass Antidepressiva häufig nicht nur wirkungslos bleiben, sondern auch deutliche Nebenwirkungen haben können. Mehr zum Thema Nebenwirkungen von Antidepressiva finden Sie hier:

Wenn Antidepressiva nun bei Menschen mit schweren Depressionen nicht wirken, ist guter Rat teuer. Denn 50 Prozent aller Selbstmorde sind auf Depressionen zurückzuführen.

Esketamin: Ein Nasenspray gegen schwere Depressionen

Als die Food and Drug Administration (Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde) – kurz FDA – im Jahr 2019 nach mehr als 30 Jahren ein neuartiges Medikament zur Behandlung schwerer Depressionen zuliess, machte sich Jubelstimmung breit. Denn der Wirkstoff Esketamin soll sogar bei therapieresistenten Patienten wahre Wunder vollbringen.

Im Vergleich zu anderen Antidepressiva – die (wenn überhaupt) erst nach Wochen wirken – soll Esketamin den Vorteil bieten, dass es innerhalb von wenigen Stunden wirkt. Es kann ganz einfach in Form eines Nasensprays namens Spravato angewandt werden.

Die Wirkung von Esketamin lässt zu wünschen übrig

Seitdem Spravato zugelassen wurde, melden sich immer mehr Kritiker wie etwa Dr. Jess Fiedorowicz von der University of Iowa zu Wort (2). Sie liessen verlauten, dass Janssen Pharmaceutica, der Hersteller des Arzneimittels Spravato, in Hinblick auf die Wirksamkeit bestenfalls bescheidene Beweise geliefert hat. Auch die Studienlage sei begrenzt.

Janssen lieferte in der Tat nur eine einzige erfolgreiche Kurzzeit-Doppelblindstudie mit Esketamin. Hierbei verbesserten sich die Depressionssymptome auf einer 60-Punkte-Skala lediglich um 4 Punkte im Vergleich zur Placebo-Behandlung. Zwei weitere Studien blieben sogar ganz und gar erfolglos.

Die FDA konnte den Wirkstoff nur deshalb zulassen, indem sie die Messlatte in Hinblick auf therapieresistente Depressionen gesenkt hat. Patienten müssen demnach (erfolglos) nur zwei verschiedene Antidepressiva genommen haben, bevor Esketamin verschrieben werden kann.

Ist Esketamin überhaupt sicher?

Schon bei einer kurzzeitigen Therapie mit dem neuen Mittel können Nebenwirkungen wie Benommenheit, erhöhter Blutdruck und sogar psychotische Episoden auftreten. Über die Sicherheit von Spravato bei einer langfristigen Anwendung (nach ca. 15 Monaten) wurden gar keine Informationen vorgelegt.

Dazu kommt, dass während der klinischen Studien sechs Patienten starben, drei davon durch Selbstmord (2). Im Vergleich dazu kam es in der Kontrollgruppe zu keinem Todesfall, so dass ein erhöhtes Suizidrisiko offenbar zu den Nebenwirkungen des Medikaments zählt. Janssen und die FDA gaben an, die Todesfälle hätten nichts mit Esketamin zu tun gehabt.

Die Zulassung von Esketamin ist in Europa schon in Sichtweite

Esketamin wird aus dem Anästhetikum (Betäubungs-/Narkosemittel) Ketamin gewonnen, das anfangs der 1960er Jahre entdeckt wurde und auch als Droge missbraucht wird. Bei therapieresistenten Patienten kommt Ketamin bei Depressionen in den USA und auch in Europa bereits seit einiger Zeit zum Einsatz. Es wird von Klinikärzten "off label" angewandt, was bedeutet, dass es nicht für den Einsatz bei Depressionen zugelassen ist.

Offiziell zugelassen wurde Ketamin gegen Depressionen deshalb noch nicht, da es von den Pharmakonzernen als wenig profitabel eingestuft wird. Anders verhält es sich bei Spravato. Denn hierbei konnte der Wirkstoff Esketamin in Form eines Nasensprays als neues Medikament patentiert werden und kostet nun im ersten Monat der Behandlung pro Person mehr als 4.700 US-Dollar.

In Europa könnte die Zulassung für Spravato laut Thomas Messer, Psychiater und Chefarzt an der Danuvius Klinik (Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik) in Pfaffenhofen bereits im Jahr 2020 erfolgen (3).

Naturheilkunde statt Antidepressiva?

Bei Depressionen stehen jedoch zahlreiche naturheilkundliche Möglichkeiten zur Verfügung, die von den behandelnden Ärzten leider so gut wie nie angesprochen oder empfohlen werden, obwohl sie nebenwirkungsfrei sind und häufig sehr gute Ergebnisse erzielen. Bevor Sie sich daher fragwürdige Medikamente verschreiben lassen, könnten Sie zunächst den ganzheitlichen Weg wählen. Weiterführende Informationen zur natürlichen Therapie von Depressionen finden Sie hier:

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Quellen

  • (1) Herrera-Perez D et al, Meta-Research: A comprehensive review of randomized clinical trials in three medical journals reveals 396 medical reversals, elife, Juni 2016
  • (2) Emmarie Huetteman, FDA overlooked red flags in drugmaker's testing of new depression medicine, Medical Xpress, Juni 2019
  • (3) Drogen gegen Depressionen, Heise, April 2019