Risiko für die Gesundheit

Zucker fördert Rückfall bei Krebs

  • Autor: Carina Rehberg
  • aktualisiert: 08.07.2018
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Zucker fördert Rückfall bei Krebs
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Zucker gilt schon lange als Lieblingsspeise von Krebszellen. Dennoch gehört die Empfehlung keinen Zucker zu essen, nicht zur herkömmlichen Krebstherapie. Im Gegenteil, man solle essen, was einem schmeckt, heisst es oft. Wer jedoch an Krebs leidet und viel Zucker konsumiert, lebt mit einem erhöhten Risiko, dass der Krebs nach erfolgreicher Erstbehandlung wieder zurückkehrt und dann auch tödlich verläuft – so eine Studie vom März 2018. Vollwertige Kohlenhydrate hingegen, wie Kartoffeln, Vollkorn und Hülsenfrüchte, können vor einer Wiederkehr des Krebses schützen.

Zucker erhöht Risiko für Krebsrückkehr und Tod

Zucker erhöht offenbar das Risiko für Rezidive (Rückfälle) bei Kopf- und Halskrebs, entdeckten amerikanische Ernährungswissenschaftler. Zu den Krebsformen im Kopf- und Halsbereich gehören beispielsweise Tumoren in der Mundhöhle, dem Rachen, am Kehlkopf, den Lippen oder auch in der Luftröhre. Kopf- und Halstumoren stehen bei Männern noch vor dem Pankreaskrebs an siebter Stelle in der Rangliste der häufigsten Krebsarten.

Die Forscher der University of Illinois untersuchten die Ernährung von mehr als 400 Patienten mit Kopf- und Halskrebs vor und nach deren Krebstherapie. Insgesamt wurden die Teilnehmer 26 Monate lang (vom Tag ihrer Diagnose an) von den Wissenschaftlern begleitet. Die Studie erschien am 31. März 2018 im International Journal of Cancer.

Yacon

Mehr Zucker, höheres Sterberisiko

Mehr als 17 Prozent der Patienten erlebte in dieser Zeit ein Rezidiv (Rückkehr des Krebses) und 42 Patienten starben an ihrem Krebs. Weitere 70 Teilnehmer starben aufgrund anderer Ursachen.

Es zeigte sich, dass jene Patienten, die im Jahr vor ihrer Diagnose am meisten sog. einfache Kohlenhydrate konsumierten (in Form von Haushaltszucker, Fructose, Lactose und Maltose), auch ein höheres Risiko hatten, in der Folgezeit zu sterben (am Krebs, aber auch an anderen Todesursachen) – so Studienautorin Anna E. Arthur, Professorin für Ernährungswissenschaften und Humanernährung an der University of Illinois.

  • Als niedriger Kohlenhydratkonsum galt der Verzehr von 1,3 Portionen pro Tag.
  • Als hoher Kohlenhydratkonsum galt der Verzehr von 4,4 Portionen pro Tag.
  • 1 Portion entspricht z. B. 1 EL Zucker, 1 EL Marmelade, ½ Tasse Eiscreme oder 1 Tasse eines gesüssten Softdrinks.

Die höheren Sterblichkeitsraten waren insbesondere bei den Patienten mit Mundhöhlenkrebs zu beobachten, die gleichzeitig am meisten Kohlenhydrate verzehrten. Bei Rachenkrebs konnten hingegen keine derartigen Zusammenhänge entdeckt werden.

Bei Krebs in den Stadien 1 bis 3 schien ein hoher Zuckerverzehr ausserdem das Sterblichkeitsrisiko deutlich zu erhöhen. Im Stadium 4 jedoch war kein Einfluss mehr festzustellen.

Komplexe Kohlenhydrate zeigten schützende Wirkung

Professor Arthur, die gleichzeitig onkologische Ernährungsexpertin ist, betonte, dass der beobachtete Zusammenhang zwischen Zuckerverzehr und dem Sterblichkeitsrisiko natürlich noch nicht bedeute, dass der Zucker tatsächlich die Todesursache sei. Daher müssten nun randomisierte klinische Studien zeigen, ob eine Einschränkung des Kohlenhydrateverzehrs eine schützende Wirkung haben und tatsächlich die Überlebensrate steigern kann.

Der Verzehr von Fett (täglich knapp 70 Gramm) und von stärkehaltigen Lebensmitteln (komplexe Kohlenhydrate wie Kartoffeln, Vollkorn, Hülsenfrüchte) nach einer Krebstherapie schien vorteilhafte Auswirkungen zu haben und senkte das Risiko eines Rezidivs und auch das Risiko eines verfrühten Todes.

Das Fernstudium der ganzheitlichen Ernährungsberatung

Forscher arbeiten an Ernährungsempfehlungen bei Krebs

“Unsere Ergebnisse zeigen gemeinsam mit anderen Studien, dass die Art der Ernährung den Ausgang einer Krebserkrankung beeinflusst“,

sagte Amy M. Goss, Professorin für Ernährungswissenschaften an der University of Alabama, Birmingham. “Wir planen weitere Studien, um die zugrundeliegenden Mechanismen zu identifizieren und herauszufinden, wie der Verzicht auf Zucker und andere Glucosequellen das Krebswachstum beeinflussen kann.“

“Diese Beobachtungsstudie ist besonders wichtig, da sie sich auf schwer behandelbare Krebsformen konzentriert und nur wenig darüber bekannt ist, wie der Patient mit Hilfe der Ernährung zum Kampf gegen den Krebs beitragen kann“, ergänzt Dr. Laura Q. Rogers, ebenfalls Professorin für Ernährungswissenschaften.

„Unsere Studie zeigt die Bedeutung weiterer Untersuchungen, mit denen wir die optimalen Ernährungsempfehlungen für Krebsüberlebende ausarbeiten können.“

Bei Krebs: Keinen Zucker!

Auch wenn die Wissenschaftler aus Illinois und Alabama glauben, erst am Anfang der Forschungsreihe zur richtigen Ernährung bei Krebs zu stehen, so zeigen doch längst frühere Studien und auch Erfahrungsberichte, dass die Ernährung bei Krebs eigentlich ganz einfachen Kriterien zu folgen hat: Es ist eine pflanzenbasierte, vollwertige und vitalstoffreiche Ernährung ohne jeden Industriezucker und ohne andere isolierte Kohlenhydrate.

Wie Zucker sogar die Entstehung von Brustkrebs und Metastasen fördern kann, haben wir im vorigen Link beschrieben.

Wie Sie den Ausstieg aus der Zuckersucht schaffen, haben wir hier erklärt: Ausstieg aus der Zuckersucht

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Quellen

  • Anna E. Arthur, Barbara A. Gower et al., Higher carbohydrate intake is associated with increased risk of all-cause and disease-specific mortality in head and neck cancer patients: Results from a prospective cohort study. International Journal of Cancer, 2018, (Quelle als PDF)
  • University of Illinois at Urbana-Champaign, Study explores carbohydrates' impact on head, neck cancers, ScienceDaily, 12. April 2018, (Quelle als PDF)
  • ONKO Internetportal, Krebshäufigkeit – Die aktuellen Zahlen, abgerufen 13.4.2018, (Quelle als PDF)