Schüchternheit als Krankheit
Krankheiten

Schüchternheit als Krankheit

  • Autor: Zentrum der Gesundheit
  • aktualisiert: 29.06.2018
  • 1 Kommentar
Schüchternheit als Krankheit
© altanaka - Fotolia.com

Wer gerne isst, hat eine Essstörung. Wer schüchtern ist, braucht psychiatrische Betreuung. Wer gelegentlich einen Wutanfall bekommt, sollte dringend Pillen schlucken und wer Zukunftsängste hat, ist längst überfällig. Das zumindest ist die Meinung mancher Psychiater. Wenn deren aktuellen Wünsche in Erfüllung gehen sollten, gibt es ausserdem bald das sog. Psychosen-Risiko-Syndrom. Jeder, der keine Symptome zeigt, aber – nach Ansicht der Psychiater – irgendwann einmal Symptome einer psychischen Störung bekommen könnte, kann in diese Kategorie fallen und ist somit aus prophylaktischen Gründen behandlungsbedürftig.

Neue Krankheitsdefinitionen kurbeln die Umsätze der Pharmakonzerne an

Wie auch immer man sich verhält, die Amerikanische Psychiater-Vereinigung (American Psychiatric Association, APA) scheint der Meinung zu sein, man sei mental gestört und brauche dringend eine medikamentöse Therapie.

Zu den neuen Vorschlägen für das amerikanische Psychiatrie-Handbuch DSM (Diagnostic and Statistical Manual), in dem sämtliche mentalen Störungen definiert sind, gehören unter anderem frühkindliche Wutanfälle, Zukunftsängste bei Teenagern und krankhafte Fresssucht. Wenn diese Vorschläge angenommen werden, dann gelten diese drei Erscheinungen als psychische Erkrankungen, können medikamentös behandelt werden und würden den Pharmakonzernen Profite in Milliardenhöhe bescheren.

Die Bibel der Psychiatrie: Das DSM

Das DSM wird oft als die Bibel der Psychiatrie bezeichnet. Dieses Handbuch übt einen enormen Einfluss auf die Gesundheitssysteme dieser Welt aus. Ja, es hat Auswirkungen auf so ziemlich jedes Rädchen der Gesundheitssysteme – von den Versicherungsgesellschaften und den Herstellern medizinischer Produkte bis zu den Universitäten und sogar bis in die Gefängnisse hinein. Auch die Gerichte und Staatsanwälte messen dem Inhalt des DSM grosse Bedeutsamkeit bei.

Im DSM findet man wohl annähernd jede menschliche Emotion, jeden Charakterzug und jeden Gefühlsausdruck, zu dem Menschen fähig sein könnten, als psychische Krankheit beschrieben. Als Krankheit, die – nach Meinung der Psychiater – unbedingt eine psychiatrische Betreuung und vor allem auch eine medikamentöse Behandlung erfordere. Von den gefährlichen Nebenwirkungen der eingesetzten Psychopharmaka spricht – natürlich – keiner.

Normale Kinder und Teenager werden zu Psycho-Patienten

Christopher Lane, Professor an der Northwestern University und Autor eines kritischen Buches über das DSM (Shyness: How Normal Behavior Became a Sickness, zu deutsch: Schüchternheit: Wie ein normales Verhalten zu einer Krankheit wurde) meinte zu den neuen Vorhaben der APA:

„Die APA öffnet dadurch ganz klar eine weitere Pandorabüchse mit dem Ziel, noch mehr Kinder und Teenager medikamentös behandeln zu können. Dabei handelt es sich um Kinder und Teenager, die im Rahmen einer ganz natürlichen Entwicklung auch einmal Phasen emotionaler Aufgewühltheit durchmachen.“

5 HTP

Millionen Menschen geisteskrank?

Stellen Sie sich einmal vor, wenn Fresssucht tatsächlich als psychische Erkrankung klassifiziert würde! Auf einen Schlag könnte man Millionen Menschen als geisteskrank bezeichnen – und natürlich entsprechend medikamentös behandeln. Was für ein Geschäft!

Neues Syndrom macht jeden zum potentiellen Psycho-Patienten

Doch damit nicht genug. Der Rat der APA hat noch eine weitere grandiose Idee. Man plane, eine ganz neue Erkrankungskategorie in das DSM aufzunehmen.

Diese Kategorie solle „Risikosyndrome” genannt werden. Darunter würden Menschen fallen, die zwar noch nicht an einer psychischen Störung leiden, aber unter Verdacht stehen, das Potential einer solchen zu besitzen. Diese Menschen gelten demnach als Träger des „Psychosen-Risiko-Syndroms“.

In die Kategorie der Risikosyndrome könne man beispielsweise auch Teenager einsortieren, die ein „Übermass an Misstrauen und Wahnvorstellungen“ zeigten sowie „durch eine unorganisierte Sprache und durch unorganisierte Verhaltensweisen“ auffielen.

Wie jedoch beurteilt und eingeschätzt werden können soll, wer nun das Potential zu einer psychischen Störung in sich trägt und wer nicht, wenn noch gar keine Symptome ersichtlich sind, bleibt das Geheimnis der APA.

Psychiatrische Behandlung am besten schon vorbeugend

Die APA machte deutlich, dass das Ziel ihrer Revisionen darin liege, den Menschen so früh wie möglich eine mentale Störung zu diagnostizieren, selbst bevor diese tatsächlich an einer solchen zu leiden haben. So könnten diese Menschen schon frühzeitig in Behandlung gehen.

„Angesichts der Ernsthaftigkeit von psychotischen Störungen und den Hinweisen darauf, dass eine frühe Behandlung derselben positive Langzeitwirkungen haben könnte, waren wir der Meinung, dass es wichtig sei, diese Leiden so früh wie möglich zu entdecken,“ erklärte Dr. William Carpenter aus der Arbeitsgruppe „Psychotische Störungen“ der APA.

Mögliches Fazit der Geschichte: Endlich sind alle Menschen potentielle Psycho-Patienten und können rein prophylaktisch mit Psychopharmaka behandelt werden.

Lesen Sie auch:

Ihre Ausbildung zum ganzheitlichen Ernährungsberater

Gesunde Ernährung ist Ihre Leidenschaft? Sie lieben die basenüberschüssige, naturbelassene Ernährung? Sie möchten gerne die Zusammenhänge zwischen unserer Nahrung und unserer Gesundheit aus ganzheitlicher Sicht verstehen? Sie wünschen sich nichts mehr als all Ihr Wissen rund um Gesundheit und Ernährung zu Ihrem Beruf zu machen?

Die Akademie der Naturheilkunde bildet Menschen wie Sie in 12 bis 18 Monaten zum Fachberater für holistische Gesundheit aus. Wenn Sie mehr über das Fernstudium an der Akademie der Naturheilkunde wissen möchten, dann erfahren Sie hier alle Details sowie Feedbacks von aktuellen und ehemaligen TeilnehmerInnen.

Gefällt Ihnen dieser Artikel?

Wir würden uns über einen kleinen Beitrag für unsere Tätigkeit sehr freuen!

Mehr zu diesem Artikel

Schlagwörter

Teilen Sie diesen Artikel

Leserkommentare

Liebe Leserinnen und liebe Leser

Wir freuen uns immer sehr über Ihre Kommentare. Bitte schreiben Sie uns sonntags und montags. Beachten Sie dabei bitte, dass in Ihren Kommentaren keine Markennamen und auch keine Fremdlinks genannt werden dürfen bzw. falls doch, dass diese von uns vor Veröffentlichung des Kommentars entfernt werden.

Lieben Dank für Ihr Verständnis und bis bald,
Ihr Team vom Zentrum der Gesundheit

Zuletzt kommentiert

Anonym schrieb am 15.07.2017

Hallo liebes Zentrum der Gesundheit Ich habe eine Frage Ich leide an immer wieder an Psychose Und will mit alternativ Medizin behandeln. Vitaminen usw. Was gibt es da für Möglichkeiten?? Lg

Antwort vom Zentrum der Gesundheit

Da es unterschiedliche Formen von Psychosen gibt, lässt sich hier kein pauschaler Rat geben.

Wir haben z. B. hier erklärt, welche Vitalstoffe bei Schizophrenie hilfreich sein können. Am Ende wird auf das Buch von Patrick Holford hingewiesen. Vielleicht wäre dieses ein Buchtipp für Sie.

Alles Gute!

Ihr Team vom
Zentrum der Gesundheit

Quellen