Wachstumsstörungen durch Gen-Soja

Wenn trächtige Ziegen Futter aus Gen-Soja erhalten, leiden deren Säuglinge an Wachstumsstörungen. Sie entwickeln sich viel langsamer, so italienische Wissenschaftler rund um Prof. Tudisco. Auch bleiben sie kleiner. Im Journal of Small Ruminant Research veröffentlichten die Forscher ihre Studie und schrieben, dass sie testen wollten, wie sich die Verfütterung von Monsantos Roundup-Ready-Sojabohnen auf weibliche Ziegen auswirkte.

Roundup-Ready-Sojabohnen sind gentechnisch so verändert, dass sie gegen das Unkrautvernichtungsmittel Roundup resistent sind. Roundup stammt natürlich ebenfalls aus dem Hause Monsanto. Man kann also das ganze Soja-Feld mit dem Herbizid Roundup einnebeln, ohne dass auch nur eine einzige Sojapflanze darunter leiden würde, während alle andere Pflanzen auf dem Feld unmittelbar eingehen. Derzeit gehören Roundup-Ready-Sojabohnen zu den am häufigsten angebauten Sojabohnen weltweit. Aus ihnen (und Genmais) wird konventionelles Kraftfutter hergestellt, das auf der ganzen Welt an Nutztiere verfüttert wird.

Gen-Soja verschlechtert die Milchqualität

Warum aber bleiben die Ziegenkinder kleiner, wenn ihre Mütter Gen-Soja erhalten? Dr. Jonathan Latham schrieb Ende Oktober 2015 über die italienische Studie in den Independent Science News. Er berichtet, dass die Milch von Ziegen, die Gen-Futter erhalten, weniger nährstoffreich sei und ausserdem weniger Antikörper aufweise. Beides – Nährstoffe und Antikörper – ist aber sehr wichtig für die Gesundheit und die problemlose Entwicklung der Zicklein.

Gen-Soja reduziert Nährstoffmenge in der Milch

"Es handelt sich um eine sehr sorgfältig durchgeführte Studie", erklärt Dr. Judy Carman, Direktorin des Institute of Health and Environmental Research in Australien. Sie war an der Studie nicht beteiligt, fasste die Ergebnisse jedoch gegenüber den Independent Science News zusammen:

"Die Unterschiede in der Zusammensetzung des Kolostrum (der Erstmilch) von Ziegenmüttern, die Gen-Soja erhielten und solchen Ziegen, die normales Futter bekamen, waren sehr auffällig. Das Kolostrum der Ziegen, die mit Gen-Futter ernährt wurden, enthielt nur 2/3 des Fettgehalts, nur 1/3 des Proteingehalts und fast nur die Hälfte der Antikörpermenge (IgG) jener Milch, die von genfrei gefütterten Tieren stammte.”

Fette und Proteine aber benötigen die Tiere, um sich gut entwickeln und rasch wachsen zu können. Niedrige Antikörpergehalte bedeuten zudem, dass die Milch die Nachkommen nicht so gut gegen Krankheiten schützen kann und die Säuglinge folglich deutlich stärker von Infektionen bedroht sind als Ziegen, die antikörperreiche Milch trinken dürfen. Enthält die Muttermilch zu wenige Antikörper kann sich überdies das Verdauungssystem des Säuglings nicht optimal entwickeln. Infolgedessen kann das Tier auch nicht so gut die mit der Nahrung eintreffenden Nährstoffe verwerten. Es beginnt zu kümmern und leidet an Wachstumsstörungen.

Gen-Milch führt zu Entwicklungsstörungen

Für die Fütterungsversuche teilten die Forscher die trächtigen Cilentana-Ziegen 60 Tage vor dem Geburtstermin in vier Gruppen. Zwei Gruppen (nennen wir sie G-Ziegen) erhielten Ziegenfutter, das u. a. Roundup-Ready-Sojabohnen in zwei verschiedenen Konzentrationen enthielt. Die anderen beiden Gruppen erhielten Futter, das – ebenfalls in zwei unterschiedlichen Konzentrationen – gentechnikfreie Sojabohnen enthielt. Nennen wir sie GF-Ziegen, GF für gentechnikfrei.

Nach der Geburt waren die Zicklein noch alle gleich gross. Sie erhielten ausschliesslich die Milch ihrer Mütter – und zwar 60 Tage lang. Nach 30 und nach 60 Tagen wurden das Wachstum und die Entwicklung der kleinen Ziegen kontrolliert.

Die Ziegenkinder der G-Ziegen waren durchschnittlich um 20 Prozent leichter und auch kleiner als die Kinder der GF-Ziegen. Die Unterschiede waren statistisch signifikant und beweisen, dass die Milch von Ziegen, die Gen-Futter enthalten, minderwertig ist und zu Wachstumsstörungen führt.

Die Ergebnisse dieser Fütterungsversuche waren vollkommen unerwartet. Allerdings waren die starken Unterschiede bei der Milchqualität insbesondere in den ersten Wochen nach der Geburt vorhanden. Anschliessend näherte sich die Milchqualität der G-Ziegen langsam jener der GF-Ziegen – auch dann, wenn die G-Ziegen weiterhin Gen-Futter erhielten. Doch ist natürlich gerade die Milch der ersten Wochen nach der Geburt für die Säuglinge besonders wichtig – und einmal entstandene Entwicklungsstörungen im Verdauungssystem und eventuell auch im Gehirn lassen sich später oft nicht mehr aufholen oder beheben.

Gen-DNA in der Milch

Milch- und Fleischkonsumenten beruhigen sich ja immer gerne damit, dass sie selbst ja keine gentechnisch veränderten Lebensmittel konsumieren – auch dann nicht, wenn sie Milch und Fleisch von Tieren essen, die Gen-Futter erhalten haben. Das aber tun sie sehr wohl. Denn in der Milch der meisten G-Ziegen fanden die Wissenschaftler DNA der Gen-Sojabohnen. Wer somit Milchprodukte von Tieren isst, die Gen-Futter erhalten, isst selbst ebenfalls gentechnisch veränderte Strukturen.

Der vorliegende Versuch ist auch nicht der erste, in dessen Verlauf man DNA von gentechnisch veränderten Futtermitteln in der Milch von Wiederkäuern fand. Allerdings ist die aktuelle italienische Studie bis jetzt jene, die am beeindruckendsten die negativen Auswirkungen von Gen-Futter zeigen konnte.

"Es ist längst bekannt, dass Roundup-Ready-Sojabohnen verschiedene Defekte aufweisen, wie z. B. einen Manganmangel. Doch sowohl Behörden als auch die Entwickler der gentechnisch veränderten Lebens- und Futtermittel ignorieren regelmässig entsprechende Berichte und auch Hinweise darauf, dass Gen-Futter den Tieren schadet”,

erklärt Dr. Allison Wilson vom The Bioscience Resource Project.

"Hoffentlich ignorieren sie diese Studie nicht ebenfalls."

Wachstumsstörungen auch beim Menschen?

Wie könnten nun die Folgen für den Menschen aussehen, wenn er regelmässig tierische Produkte von Tieren konsumiert, die Gen-Futter erhalten? Wird er ebenfalls an Wachstumsstörungen leiden? Wird sich die Entwicklung von Körper und Gehirn verzögern?

Da menschliche Säuglinge im Allgemeinen nicht allein mit Tiermilch aufgezogen werden, besteht hier keine unmittelbare Gefahr. Was die vorliegende Studie jedoch wiederlegen möchte, ist die immer wieder gepredigte Behauptung, dass die Gentechnik keinerlei negative Folgen für die Konsumenten mit sich bringe. Das nämlich trifft in keinster Weise zu. Und wie sich die veränderten Gene, die mit jedem Stück Käse und jedem Happen Wurst aufgenommen werden, langfristig im Menschen auswirken werden, wird sich erst zeigen, wenn noch ein paar Jährchen ins Land gezogen sind.

Quellen

  • Tudisco R et al. Fate of transgenic DNA and evaluation of metabolic effects in goats fed genetically modified soybean and in their offsprings, Oktober 2010, Animal 4: 1662-1671.
  • Tudisco R et al. Genetically modified soybean in a goat diet: Influence on kid performance, Mai 2015, Small Ruminant Research 126: 6774, (Gentechnisch veränderte Sojabohnen im Ziegenfutter: Einfluss auf die Entwicklung des Nachwuchses)
  • Jonathan Latham, PhD, GE Soybeans Give Altered Milk and Stunted Offspring, Researchers Find, Independent Science News, 26. October 2015, (Gensoja führt zu veränderter Milch und verkümmertem Nachwuchs, wie Forscher festellten)

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