Fracking – Wie das Bohren nach Erdgas unsere Gesundheit bedroht
In Deutschland wird seit kurzer Zeit per Fracking nach Gas gebohrt. Die Tiefbohrtechnik setzt hochgiftige Chemikalien ein und bedroht damit die Umwelt, unser Trinkwasser und damit unsere Gesundheit.
Veröffentlichung am 27.05.2011 um 10:01 Uhr / Aktualisierung am 06.02.2012 um 12:36 Uhr 
(Zentrum der Gesundheit) - Fracking bezeichnet eine aufwändige Technik, mit der nach unkonventionellen Gasvorkommen tief in der Erde gebohrt wird. In den USA wird seit 10 Jahren "gefrackt" – mit dem Ergebnis, dass Trinkwasserbrunnen in der Nähe der Bohrungen vergiftet und die Menschen dort krank sind. Seit kurzer Zeit finden auch in Deutschland erste Probebohrungen mit der Fracking-Technik statt. Zuvor wurden weder Bürgervertreter noch Wasserbehörden informiert. Eine Online-Petition besorgter Bürger fordert Transparenz beim Fracken und setzt sich für die Rechte von Mensch und Natur ein.
Gift im Grundwasser - Das Gefahrenpotential des Frackings ist unüberblickbarSteigende Gaspreise machen die Förderung unkonventioneller Gasvorkommen wie Kohleflözgas oder Schiefergas immer rentabler. Im Vergleich zu Erdgas, das leicht aus sog. Erdgasfallen geborgen werden kann, ist Schiefergas im Gestein gespeichert und kann nur mit Hilfe anspruchsvoller Technologien - der Tiefbohrtechnik namens Fracking (oder auch "Hydraulic Fracturing" genannt) - gewonnen werden.
Dabei wird eine Mischung aus Wasser, Sand und verschiedenen Chemikalien mit hohem Druck ins bis zu 1.500 Meter tiefe Bohrloch gepresst. Im Gestein entstehen jetzt Risse - ähnlich wie bei einer Sprengung oder einem Erdbeben - durch die man das Gas absaugen kann. Besorgniserregend ist, dass durch eben diese völlig unkontrollierbaren Risse die im Gestein verbleibenden Chemikalien nach oben ins Grundwasser steigen und somit das Trinkwasser vieler Millionen Menschen vergiften können.
In Europa sollen 50 Billionen Kubikmeter dieses im Stein gebundenen Gases tief in der Erde verborgen liegen, ein Großteil davon unter Deutschland. Multi-Konzerne wie Exxon, BNK Petroleum, Mingas und Wintershall sind dabei, ihre Fracking-Claims abzustecken, um möglichst bald die erhofften Milliardengewinne einzustreichen. Mit Fracking - so sagen die Energieunternehmen - lasse sich die Wirtschaft ankurbeln. Auch Arbeitsplätze könnten durch Fracking geschaffen und grüne Energiequellen erschlossen werden.
Angesichts von Tausenden Tonnen Chemikalien, die pro Fracking-Vorgang in die Erde gepumpt werden und - wie der amerikanische Fracking-Alltag zeigt - durchaus auch ins Grundwasser und die Umwelt gelangen können, ist die angebliche Umweltfreundlichkeit der neuen Energiequelle nicht nur zweifelhaft, sondern schlichtweg nicht vorhanden.
In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind dennoch die ersten Fracking-Genehmigungen erteilt worden. Das Bergamt Niedersachsen beispielsweise genehmigte dem Energiegiganten Exxon bereits im Jahre 2008 erste Bohrungen nach Schiefergas. Da das Bergrecht die Information der Öffentlichkeit nicht vorsieht, wusste kaum jemand Bescheid. So erfuhren Wasserbehörden, Wasserwerke und Bürgervertreter erst aus der Presse, dass im Einzugsbereich der Wasserschutzzone per Fracking nach Gas gesucht wird.
Die sog. Frac-Flüssigkeit (oder Fracking-Flüssigkeit) besteht zu 98 Prozent aus bis zu 20.000 Litern Wasser (pro Fracking-Vorgang), etwas Quarzsand und 0,2 Prozent Chemikalien. Letztere werden benötigt, um die Pumpwege freizuhalten. Ein gewisser Teil der Frac-Flüssigkeit bleibt immer im Boden zurück. Die mengenmäßige Zusammensetzung der Bohrflüssigkeit ist bis dato ein Geheimnis der Öl- und Gasindustrie. Die Konzerne argumentieren laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Veröffentlichung der Inhaltsstoffe den Wettbewerb beeinträchtigen würde. Ein viel triftigerer Grund für die Geheimniskrämerei dürfte hingegen die öffentliche Skepsis gegenüber den betreffenden Chemikalien sein.
In Deutschland wurde in der Sendung Monitor eine Liste mit den beim Fracking eingesetzten teilweise hochtoxischen Chemikalien veröffentlicht. Die Frac-Flüssigkeit enthält demnach krebserregende, hormonverändernde und stark wassergefährdende Toxine, nämlich: Tetramethylammoniumchlorid, Petroleumdestillate, Octylphenol und Biozide aus der Gruppe der Isothiazolinone.
Das Gefahrenpotential des Frackings ist folglich unüberblickbar. Dazu kommt, dass sich in Deutschland bislang weder das Umweltbundesamt noch ein Umweltministerium mit den Fracking-Risiken beschäftigt hat. Was sich aus der Kombination Wirtschaftsinteressen und Unwissenheit der Bevölkerung für Mensch und Umwelt entwickeln kann, zeigen uns die USA. Dort ist Fracking seit 10 Jahren Alltag.
In mittlerweile insgesamt 34 Bundesstaaten werden 90 Prozent des amerikanischen Gases mit Fracking-Methoden gewonnen. Das Marcellus Shale, eine Gesteinsformation im Osten Nordamerikas, wo das Fracking an der Tagesordnung ist, soll so viel Gas verborgen sein, dass damit alle US-amerikanischen Eigenheime und Elektrizitätswerke für einen Zeitraum von 20 Jahren versorgt werden könnten. Kein Wunder ist Amerika im "Erdgas-Rausch". Und so schafft der Run auf das riesige Energie-Reservoir in der Tat Tausende Arbeitsplätze und belebt die Wirtschaft sogar in Bundesstaaten wie Wyoming, Texas und Louisiana (Business Week). In Pennsylvania sorgte Fracking allein im Jahre 2009 für Steuereinnahmen in Höhe von 389 Millionen Dollar und schuf im selben Jahr 44.000 neue Jobs.
So wird klar, warum Politiker die Tiefbohrtechnik unterstützen. Nichts ist ihnen lieber, als die derzeit angespannte Wirtschaftslage möglichst weit hinter sich zu lassen. Wenn gleichzeitig jedoch die EPA (Environmental Protection Agency - amerikanische Behörde zum Schutz der Umwelt und der menschlichen Gesundheit) und andere verantwortliche Behörden schweigen, dann kommt der Verdacht auf, dass Ungutes im Verborgenen stattfindet. Die Business Week schreibt dazu:
Das Bohren nach Gas wird kaum durch die EPA oder andere staatliche oder lokale Behörden überwacht. Diese Behörden haben ihre eigenen Regeln.
Nach 10 Jahren Fracking und zahlreichen vergifteten Trinkwasserbrunnen möchte die EPA nun eine landesweite Untersuchung auf den Weg bringen, um mehr über die vom Fracking ausgehenden Gefahren für die öffentliche Trinkwasserversorgung zu erfahren. Leider wird sich diese Aufgabe als außerordentlich schwierig erweisen, da die Firmen sich weigern, die Inhaltsstoffe der Frac-Flüssigkeit offen zu legen.
In den betreffenden Gegenden der USA breiten sich die schädlichen Chemikalien jedenfalls bereits auf Grund von Bohrunfällen aus. Bei einem kürzlich erfolgten Unfall gelangten Tausende Liter der Fracking-Flüssigkeit in den Towanda Creek in Bradford County, Pennsylvania. Laut der amerikanischen Nachrichtenagentur AP und dem Nachrichtensender MSNBC versagte die Technik in einer Gasbohrstation der Firma Chesapeake Energy Corp. Die Flüssigkeit, die nicht sofort zurückgehalten werden konnte, breitete sich auf den umliegenden landwirtschaftlich genutzten Feldern und in die angrenzenden Flüsse aus. Die Energiefirma hat schließlich das Leck unter Kontrolle bringen können - fünf Tage, nachdem der Unfall geschehen war.
Gegen die Firmen Chesapeake Energy, Chesapeake Appalachia und Nomac Drilling wurden im Namen der Familien aus Bradford County, die ihren Grund und Boden an diese Firmen verpachtet hatten, Anzeigen eingereicht. Die Familien behaupten laut der Online-Ausgabe des Daily Review (eine Tageszeitung von Pennsylvania), dass sie "täglich neues Leid auf Grund der negativen Auswirkungen des Öl- und Gasbohrens durchmachen" müssten. Die Klageschriften, verfasst von der Organisation The Marcellus Shale Oil and Gas Litigation Group, geben an, dass die "grob fahrlässig durchgeführten Öl- und Gasbohraktivitäten" das Eigentum sowie die Wasservorräte der Kläger kontaminiert hätten.
Neben grob fahrlässigen Unfällen gibt es undichte Brunnenfundamente im Untergrund oder Lecks an der Oberfläche. Doch auch ohne Unfälle und mehr oder weniger offensichtliche Lecks befürchten Umweltschützer, dass die gefährlichen Fracking-Chemikalien durch das Gestein ins Grundwasser dringen und auf diese Weise die Süßwasserreservoirs kontaminieren können.
Gasfirmen boten Josh Fox 100.000 Dollar, damit er ihnen sein Land für die Erdgasförderung mittels Fracking verpachte. Fox lehnte ab und entschloss sich stattdessen dazu, einen Dokumentarfilm mit dem Titel "Gasland" zu drehen, um den Menschen zu zeigen, was beim Fracking geschieht.
Bei den Dreharbeiten stieß er auf Leitungswasser, das auf Grund eines hohen Methananteils leicht entzündlich aus den Hähnen floss, auf große Wasserflächen voller giftiger Abfallstoffe, an deren Ufer tot das Vieh lag und die Vegetation verschwunden war, auf chronisch kranke Anwohner, die in unterschiedlichen Bohr-Gebieten dieselben auffälligen Symptome aufwiesen sowie auf Gasexplosionen und andere Unfälle, die routinemäßig unter den Teppich gekehrt wurden
In Deutschland sind es jetzt dieselben Gas-Firmen, die uns erzählen, dass Fracking sicher sei und es zu keinen Umweltverschmutzungen kommen könne.
Warum wird Fracking nicht eingestellt? Die wirtschaftlichen Interessen sind zu groß, und einflussreiche Politiker arbeiten Hand in Hand mit den Lobbyisten der Energiewirtschaft. So berichtete die Nachrichtenseite DCBureau.org in ihrer Dokumentation "The Marcellus Shale: The Politics of Gas" von offensichtlichen Interessenskonflikten der New Yorker Gesetzgeber in Sachen Fracking.
Der Abgeordnete Maurice Hinchey aus New York beispielsweise forderte erfreulicherweise eine rigorose Überwachung des Frackings. Dann aber zeigte sich, dass seine Ehefrau gleichzeitig Lobbyarbeit für die American Association of Professional Landmen betrieb, einer Organisation, die im Namen der Energiefirmen landesweit Pachtverträge abschließt. In einem anderen Fall unterstützte der republikanische Senator George Winner Neubewertungen der Gasbohrrichtlinien, die von der Energieindustrie gefordert wurden. Zugleich vertrat seine eigene Anwaltskanzlei den größten Naturgasförderer in New York.
Christoph Denton, eine Anwalt, der Dutzende von Grundbesitzern vor Gericht vertritt, berichtete DC Bureau von einem Gesetzesentwurf, formuliert von der Firma Independent Oil and Gas Industry (IOGA) aus New York. Dieses Gesetz sollte den Energiemultis bei der Fortführung ihrer zweifelhaften Fracking-Praktiken behilflich sein und ihnen erlauben, auf Privatbesitz Bohrungen durchzuführen, auch wenn der Landeigentümer gar nicht damit einverstanden ist. "Es ist ein Entwurf von IOGA," sagte Denton.
Sie schrieben ihn nieder, brachten ihn vor dem Parlament ein, fanden einen Sponsor dafür und setzten es - ohne jegliche parlamentarische Anhörungen - ganz einfach durch.
Wie weit die Verstrickungen von Politik und Wirtschaft in Deutschland bereits gediehen sind, wissen wir nicht. Doch sollten wir nichts unversucht lassen, um uns dem umwelt- und gesundheitsgefährdenden Fracking mit aller Kraft entgegen zu stellen. Die Petition an den Petitionsauschuß des Landtags in Nordrhein-Westfalen/Niedersachsen ist hier zu finden. Zeichnen Sie mit!
Weitere Informationen finden Sie unter www.gegen-gasbohren.de
Das französische Parlament beschloss am 30. Juni 2011, die umstrittene Erdgasförderung per Fracking ganz offiziell zu verbieten. Mit 176 zu 151 Stimmen wurde das neue Gesetz verabschiedet. Frankreich ist damit weltweit das erste Land mit Fracking-Verbot. Während die konservative Partei für das Gesetz gestimmt hatte, stammte die Mehrzahl der Gegenstimmen aus dem Lager der sozialistischen Opposition. Ihrer Meinung nach gehe das Gesetz nicht weit genug und biete genügend Hintertürchen für andere ähnlich umweltschädliche Fördermethoden.
So sei beispielsweise die Förderung von Schiefergasvorkommen nur per Fracking verboten, mit anderen Technologien dürften die äußerst schwierig aus dem Gestein herauslösbaren Gaslager durchaus gefördert werden. Daher hatten die Sozialisten einen Gesetzesentwurf favorisiert, der jegliche Schiefergasförderung untersagt hätte, nicht nur das Fracking. Unternehmen, die bereits Fördergenehmigungen auf französischem Land innehaben, müssen bis Ende August 2011 der Regierung mitteilen, welche Fördermethoden sie anwenden. Falls es sich dabei um Fracking handeln sollte, oder auch wenn die Unternehmen der Aufforderung zur Erklärung nicht nachkommen sollten, verfällt ihre Genehmigung automatisch.
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Hallo,
1. ich möchte noch darauf hinweisen, das beim Fracken, neben dem Eintrag von Chemie ins Ökosystem, auch radioaktive Substanzen entstehen, die bereits mehrfach im Lagerstättenwasser nachgewiesen werden konnten. Die Grenzwerte wurden erheblich überschritten.
2. Das Uweltbundesamt hat übrigens in der Sache umfassend Stellung bezogen und sieht erhebliche Risiken für die Umwelt und Gesundheit im Zusammenhang mit dem Frackingprozess. Hier der entsprechende Link zur Stellungnahme des UBA: PDF
Andreas Becker
Die Mengenangaben der verwendeten Chemikalien pro Frackingvorgang beruhen auf einem Szenario, in welchem man Fracking mit diesen Chemikalien großflächig industriell einsetzen würde. Somit sind die von Ihnen gemachten Angeben schlichtweg falsch und irreführend!
Lieber Kommentator,
vielen Dank für Ihre Mail.
Der (teilweise geplante, teilweise - in den USA - bereits übliche) großflächige industrielle Einsatz von Fracking ist Thema des Artikels. Warum also sollten unsere Angaben falsch sein? Und von welchen Chemikalienmengen pro Frackingvorgang gehen SIE aus?
Viele Grüsse
Ihr Team vom
Zentrum der Gesundheit