Antidepressiva


Das Risiko durch Antidepressiva an Schlaganfall zu erkranken liegt bei Frauen, welche in der Menopause sind, um 45 Prozent höher.

Antidepressiva erhöhen das Schlaganfallrisiko

Veröffentlichung am 01.06.2010 um 11:17 Uhr / Aktualisierung am 28.01.2011 um 11:37 Uhr  Drucken Sie diese Seite

(Zentrum der Gesundheit) - Antidepressiva können bei Frauen nach der Menopause das Schlaganfall-Risiko erhöhen. Dies entdeckten Wissenschaftler der New Yorker Privatuniversität für Medizin Albert Einstein College of Medicine (AECOM)(1). Sie veröffentlichten die Ergebnisse einer entsprechenden Studie in den Archives of Internal Medicine, einem alle zwei Monate erscheinenden Fachmagazin.

Antidepressive Antidepressiva können das Risiko eines Schlaganfalls erhöhen!

Mit Studien unterlegte Ergebnisse

Die Studie des AECOM berief sich auf Daten der Women’s Health Initiative (2), die ihrerseits in einer Studie den Zusammenhang von Hormonersatztherapien und einem erhöhten Risiko von Herzerkrankungen, Schlaganfällen und Krebs bei Frauen nach der Menopause nachgewiesen hatte.

Schlaganfallrisiko durch Antidepressiva um 45 Prozent höher

Die AECOM-Forscher untersuchten 136.293 Frauen im Alter von 50 bis 79 über einen durchschnittlichen Zeitraum von sechs Jahren. Sie fanden heraus, dass die Frauen, die Antidepressiva einnahmen, eine um 45 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit aufwiesen, in dieser Zeit einen Schlaganfall zu bekommen als jene Frauen, die keine derartigen Medikamente einnahmen. Auch war die Sterblichkeitsrate der Antidepressiva-Frauen aufgrund anderer Ursachen um 32 Prozent höher als dies bei denjenigen Frauen der Fall war, die keine Antidepressiva nahmen.

Depressionen ein Risikofaktor

Depressionen sind mittlerweile ein anerkannter Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen und Schlaganfälle – auch bei Menschen, die keine Antidepressiva nehmen. Das Schlaganfallrisiko bei postmenopausalen Frauen aber, die Antidepressiva einnehmen, liegt deutlich über dem Schlaganfallrisiko der Durchschnittsbevölkerung. In der untersuchten Gruppe erlitt jedes Jahr eine von 200 Frauen einen Schlaganfall. Auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet, so erklärten die Forscher, handle es sich bei diesem erhöhten Risiko um ein ernstzunehmendes Problem.

Antidepressiva jeder Art können zu einem Schlaganfall führen

Das erhöhte Schlaganfallrisiko durch Antidepressiva blieb übrigens auf demselben Level, ganz unabhängig davon, welche Art von Antidepressiva die Frauen einnahmen. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)(3) und trizyklische SSRIs(4) erhöhten jedoch besonders das Risiko für eine ganz spezielle Art des Schlaganfalls, nämlich für den sog. hämorrhagischen Schlaganfall(5).

“Wir wissen bereits über die Zusammenhänge von Depression und Schlaganfallrisiko Bescheid und finanzieren derzeit weitere Studien, um diesen Zusammenhang näher erklären zu können,” sagte Joanne Murphy von der Stroke Association(6). „Ein jeder kann sein persönliches Risiko auf einen Schlaganfall schon einmal beträchtlich senken, indem er oder sie seinen Lebensstil verändert, nämlich mit dem Rauchen aufhört, den Alkoholkonsum einschränkt, den Blutdruck senkt, eine gesündere Nahrung zu sich nimmt und ausreichend Sport treibt.“ Antidepressiva können unter Umständen kurzfristig helfen, sollten aber niemals über einen längeren Zeitraum hinweg eingenommen werden.

(1) Das AECOM ist eine der größten medizinischen Ausbildungsstätten der USA
(2) Die Women’s Health Initiative WHI (= US-amerikanische Frauengesundheitsinitiative) widmet sich Forschungen in den Bereichen gesundheitlicher Probleme älterer Frauen, insbesondere werden klinische Versuche zu den Ursachen von Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs und Osteoporose entwickelt und finanziert.
(3) Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI = Selective Serotonin Reuptake Inhibitor) sind Antidepressiva, die die Serotonin-Konzentration in der Gewebeflüssigkeit des Gehirns erhöhen. Sie wirken im Vergleich zu den älteren trizyklischen Antidepressiva selektiv.
(4) Trizyklische Antidepressiva sind Psychopharmaka, die bei depressiven Erkrankungen verordnet werden können und eine stark stimmungsaufhellende Wirkung haben. Sie gehören zu den schon am längsten angewandten Antidepressiva.
(5) Beim hämorrhagischen Schlaganfall handelt es sich um eine Gehirnblutung. Im Gehirn platzt ein Blutgefäß und es bildet sich ein Bluterguss, wodurch es zu Funktionsstörungen im betroffenen Hirnareal kommt. Außerdem stirbt in diesem Bereich dann teilweise auch Hirngewebe ab.
(6) Stroke Association: wörtlich: Schlaganfall-Vereinigung, Organisation, die sich neben der Erforschung von Schlaganfallrisiken auch den Betroffenen selbst und deren Familien widmet und informative Hilfestellung bei der Versorgung von Schlaganfallgeschädigten bietet.




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