Gefährliches Blut – wie riskant sind Bluttransfusionen?


Für das Immunsystem bedeutet fremdes Blut Stress. Trotzdem werden Patienten oftmals nicht ausreichend über die Risiken einer Bluttransfusion aufgeklärt.


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letzte Aktualisierung am 04.03.2016  Drucken Sie diese Seite Artikel als PDF herunterladen

Die Nebenwirkungen von Bluttransfusionen

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(Zentrum der Gesundheit) – Nach schweren Operationen und Unfällen mit starkem Blutverlust kann eine Bluttransfusion Leben retten. Viele Mediziner wissen aber, dass Bluttransfusionen den Körper unter Umständen stark belasten und den eigentlichen lebensrettenden Nutzen zunichtemachen. Zu den unerwünschten Nebenwirkungen gehören vor allem allergische Reaktionen, Infektionen sowie Lungen- oder Nierenkomplikationen. All dies sind zusätzliche Belastungen für den Körper, die sich ein ohnehin schwer erkrankter Patient nicht leisten kann.

Nebenwirkungen von Bluttransfusionen © chanawit - Fotolia.com

Wie riskant sind Bluttransfusionen wirklich?

Bluttransfusionen rückten erstmals in den 80er Jahren in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, als die Immunschwächekrankheit AIDS für Aufregung sorgte. Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit heute sehr gering, dass das HI-Virus durch eine Blutkonserve übertragen wird. Nahezu ausgeschlossen ist auch die Ansteckung mit Hepatitis.

Heutzutage geht es um ganz andere Nebenwirkungen bei Bluttransfusionen. Es kann zu unerwünschten Reaktionen wie Fieber, allergischen Reaktionen, Entzündungen, Herz-Kreislauf-Beschwerden und schlimmstenfalls zu Lungen- und Nierenkomplikationen kommen. Und das auch dann, wenn die Blutgruppen vom Blutspender und Blutempfänger übereinstimmen.

Das menschliche Herz presst das Blut jeden Tag ungefähr 100.000 Mal mit bis zu vier Stundenkilometern durch die Venen und Arterien. Es braucht lediglich eine Minute, um den gesamten Kreislauf zu durchfliessen und besteht aus einem flüssigen und einem zellulären Anteil.

Das flüssige Plasma transportiert Eiweisse und andere Stoffe, während für die Sauerstoffverteilung die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) zuständig sind. Da bei einer Bluttransfusion Zellen übertragen werden, kann sie mit einer Organtransplantation verglichen werden. Doch die Blutzellen können das Immunsystem des Blutempfängers durcheinanderbringen, was immer wieder gefährliche Immunreaktionen auslöst.

Blutarmut als unterschätztes Risiko

Befinden sich im Blut nicht ausreichend rote Blutkörperchen, sprechen Laien von einer Blutarmut und Mediziner von einer Anämie, die auf einen Mangel an Eisen, Vitamin B12 und Folsäure zurückzuführen ist. Sie ist weitverbreitet, und viele wissen gar nicht, dass sie davon betroffen sind. Schliesslich lässt sich der Alltag meist problemlos bewältigen, da die Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Schwindel meist auf psychische oder physische Belastungen zurückgeführt werden.

Sobald aber Betroffene operiert werden müssen, wird die Anämie zu einem Problem, da hiermit ein erhöhtes Risiko für Komplikationen einhergeht. Über dieses Risiko klären Ärzte ihre Patienten aber nur in den seltensten Fällen auf.

Auch finden vor Operationen nur selten Untersuchungen auf eine Anämie statt. Diese könnte im Vorhinein gut therapiert werden. Vielmehr gehen Ärzte aber dazu über, die Blutanämie nach dem operativen Eingriff mithilfe von Fremdblut zu behandeln. Doch genau hierin lauert eine grosse Gefahr.

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Studien belegen Kurz- und Langzeitrisiken bei Bluttransfusionen

Die Statistik über Herzoperationen des Bristol Heart Institute belegt, dass sich das Risiko für Komplikationen bis hin zum Tod mit jedem Beutel Fremdblut um das Sechsfache erhöht. Weiter zeigt eine Zusammenfassung aus Philadelphia: Von insgesamt 45 Studien überwiegen in 42 Studien die Nachteile der Fremdblutgabe.

Im Jahr 2011 wurden in New York die Verläufe bis 30 Tage nach einer Operation bei 10.100 Patienten verglichen mit erschreckenden Ergebnissen: Nach chirurgischen Eingriffen und einer Fremdblutgabe von nur ein bis zwei Beuteln gab es 76 Prozent mehr Lungenkomplikationen, 77 Prozent mehr Thrombosen sowie 87 Prozent mehr Wundentzündungen. Die Todesrate erhöhte sich bei den Patienten, die eine Bluttransfusion erhalten hatten, sogar um 29 Prozent.

Eine weitere Studie belegt, dass Bluttransfusionen das Risiko für Lymphkrebserkrankungen erhöhen kann. Viele Krebskranke werden überdies im Rahmen der Chemotherapie mit Bluttransfusionen therapiert, natürlich besonders dann, wenn die Chemotherapie zu einem Blutmangel führt, was häufig der Fall ist. Fatal, denn laut den Studienergebnissen können Bluttransfusionen das Tumorwachstum beschleunigen.

Die Verfasser der Studien kommentieren die Ergebnisse ihrer Studien nicht in der Öffentlichkeit, obwohl sie prominent publiziert wurden. Die meisten Patienten ahnen nichts von der Gefahr. Bestimmt sind die Studienergebnisse nur für Ärzte, die kein grosses Interesse an einer Aufklärung haben. Mangels Alternativen will man nicht unnötig Panik schüren.

Für Notfälle werden natürlich auch in Zukunft Blutspenden gebraucht. Vor allem das frische Blut von seltenen Blutgruppen muss ausreichend zur Verfügung stehen. Spender sollten deswegen weiterhin regelmässig zur Blutspende gehen. Nach wie vor kann damit Leben gerettet werden.

Operation steht an? Was kann man selbst in Bezug auf eine nahende Bluttransfusion tun?

Die Begeisterung für Bluttransfusionen innerhalb der Ärzteschaft ist teilweise noch immer gross. Viele Ärzte argumentieren damit, dass sich Blut als Therapie bewährt hat und sind der Meinung, dass sie ihren Patienten mit der Zufuhr von Fremdblut etwas Gutes tun.

Ganz aussichtslos ist die Situation aber nicht. Ohne, dass es in der Öffentlichkeit gross publik gemacht wird, gehen viele Krankenhäuser mittlerweile dazu über, ein Blutmanagement einzuführen. Ziel ist es, Alternativen auszuloten, damit möglichst auf Bluttransfusionen verzichtet werden kann.

So wird beispielsweise vor geplanten Operationen versucht, das Blutvolumen zu steigern. Die Untersuchung des Blutes auf eine Anämie und die Gabe von Eisen kann sogar in einigen Fällen dazu beitragen, dass eine Bluttransfusion nicht erforderlich wird. Einige Ärzte fangen das Wundblut auf, reinigen es und führen es dann zurück in den Blutkreislauf des Patienten. Die Anästhesisten sorgen indes dafür, dass die Blutgerinnung optimal funktioniert.

Von einer Eigenblutbehandlung bei planbaren Operationen raten viele Mediziner ab, da der Patient vor dem Eingriff nur unnötig geschwächt wird. Bis der Körper das entnommene Blut ersetzt hat, vergehen vier bis sechs Wochen. Genauso lange hält sich auch eine Blutkonserve. Je länger diese aufbewahrt wird, desto mehr rote Blutkörperchen sterben ab.

Sprechen Sie vor einer Operation mit Ihrem Arzt über das Thema Bluttransfusion. Lassen Sie sich auf eine mögliche Anämie untersuchen. Stellt man eine solche fest und die Operation hat noch Zeit, besprechen Sie mit Ihrem Arzt zunächst Massnahmen, um Ihre Blutwerte wieder auf Vordermann zu bringen. Lassen Sie sich in jedem Fall ausführlich beraten und lehnen Sie schon im Vorfeld Bluttransfusionen ab, die Ihnen möglicherweise nur gut gemeint zur allgemeinen Auffrischung gegeben werden.

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