Krebs durch Fleisch
Ein hoher Konsum von gebratenen und gegrillten Fleisch fördert die Entwicklung von Blasenkrebs, wie in einer wissenschaftlichen Studie bewiesen.
Dieser Text wurde veröffentlicht am 22.06.2010 um 09:49 Uhr 
Beim Grillen und Braten von Fleisch entstehen eine Vielzahl krebserregende Chemikalien.Wenn Fleisch (alle Sorten, einschl. Rind, Schwein, Geflügel, Fisch etc.) bei hohen Temperaturen zubereitet wird, dann bilden sich aus den tierischen Eiweißen sog. heterozyklische Amine (HA). Heterozyklische Amine sind krebserregende Substanzen, die zur Entstehung bösartiger Tumore beitragen können. Bereits frühere Untersuchungen hatten ergeben, dass 17 verschiedene HA-Typen zur Entstehung von Krebs beitragen können.
“Es ist längst bekannt, dass Fleisch, welches bei hohen Temperaturen zubereitet wird, heterozyklische Amine erzeugt, die wiederum Krebs verursachen können,” sagte die Studiensprecherin und stellvertretende Professorin der Universität Texas, Dr. Jie Lin, in einer Presseerklärung. „Wir wollten herausfinden, ob Fleischkonsum das Risiko, Blasenkrebs zu bekommen, erhöht, und inwiefern genetische Faktoren dabei möglicherweise eine Rolle spielen.”
Details dieser Studie wurden kürzlich beim 101. Jahrestreffen der Amerikanischen Gesellschaft für Krebsforschung in Washington bekannt gegeben. Die Wissenschaftler hatten 884 Patienten mit Blasenkrebs und 878 Personen ohne Krebs über 12 Jahre hinweg beobachtet. Die Patienten wurden dem Alter, dem Geschlecht und der Nationalität entsprechend eingeteilt und erhielten einen vom Nationalen Krebs Institut (NKI) erstellten Fragebogen. Anhand der Antworten konnten die Wissenschaftler die Ernährungsgewohnheiten jedes einzelnen Patienten in Erfahrung bringen und auswerten. Dabei zeigte sich, dass Patienten, die gerne und viel Fleisch aßen, in etwa das anderthalbfache Risiko hatten, Blasenkrebs zu entwickeln, als diejenigen Probanden, die wenig oder gar kein Fleisch zu sich nahmen.
Die Auswertungen ergaben ferner, dass von allen Fleischarten besonders Rindersteaks, Schweinekoteletts und Speck das Blasenkrebsrisiko am deutlichsten erhöhten. Patienten, die Fleisch am liebsten durchgebraten mochten, hatten außerdem ein doppelt so hohes Krebsrisiko als jene, die ihr Fleisch lediglich leicht anbrieten. Selbst der Verzehr von Geflügel und Fisch erhöhte die Wahrscheinlichkeit, Krebs zu bekommen – sobald beides gebraten verspeist wurde.
Der Grund für die hohe Krebsanfälligkeit nach Fleischverzehr ist vermutlich die Entstehung der erwähnten heterozyklischen Amine. Patienten, die am meisten HA zu sich nahmen, waren nämlich zweieinhalb Mal so gefährdet, Blasenkrebs zu bekommen wie diejenigen Patienten, die nur sehr wenig HA konsumierten.
Allerdings sind HA nicht nur an der Entstehung von Blasenkrebs beteiligt. Sie gelten als Risikofaktor für eine ganze Reihe von Tumorarten und werden mit der Bildung von Dickdarmkrebs, Magenkrebs, Speiseröhrenkrebs, Prostatakrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Nierenkrebs und Brustkrebs in Verbindung gebracht.
Die Forscher analysierten darüber hinaus die DNA(1) der Studienteilnehmer. Sie wollten sehen, ob eine spezielle genetische Veranlagung in Kombination mit Fleischverzehr zu einer höheren Anfälligkeit für Krebs führen könnte. Und siehe da: Personen, die genetisch mit einer größeren Empfindlichkeit gegenüber HA ausgestattet waren und gleichzeitig einer fleischreichen Ernährung frönten, besaßen ein fünfmal höheres Krebsrisiko.
“Diese Untersuchung bestätigt den Zusammenhang zwischen Ernährung und der Entstehung von Krebs“, so Professor Dr. Xifeng Wu (University of Texas, Department of Epidemiology) in einer Pressemitteilung. „Die Wahrscheinlichkeit, an Blasenkrebs zu erkranken, ist bei Menschen, die viel Fleisch essen (speziell gut durchgebratenes, gegrilltes oder gegartes Fleisch) sehr viel höher. Das Krebsrisiko wird außerdem noch erhöht, wenn solche Menschen gleichzeitig ungünstige Erbanlagen haben und ihr Organismus dadurch Schwierigkeiten hat, HA abzubauen bzw. unschädlich zu machen.“
Beim Grillen und Braten von Fleisch und Fisch entstehen jedoch nicht nur HA. Wenn Fleisch, Wurst oder Fisch starker Hitze ausgesetzt werden, dann löst das viele verschiedene chemische Reaktionen aus. Das Ergebnis ist ein regelrechter Giftcocktail, der aus einer Vielzahl krebserregender Chemikalien besteht, so dass sich die Verringerung des Fleischkonsums oder wenigstens die Zubereitung der Speisen mit künftig weniger Hitze – vom gesundheitlichen Standpunkt aus betrachtet – durchaus lohnen würde.
(1)DNA: Desoxyribonucleicacid zu deutsch DNS: Desoxyribonukleinsäure. Dabei handelt es sich um die Trägersubstanz unserer Gene, das heißt unserer Erbinformation. Die DNA ist ein gewundenes strickleiterförmiges Riesenmolekül, das sich in den meisten Fällen im Zellkern einer jeden Körperzelle befindet. Auf der DNA ist der komplette Bauplan des entsprechenden Menschen in Form von speziellen Codes gespeichert.
Dieser Text unterliegt dem Urheberrecht und anderen Gesetzen zum Schutz geistigen Eigentums. Dieser Artikel darf mit unserer Genehmigung kopiert und verbreitet, jedoch nicht verändert werden.
Diese Informationen hier werden nach bestem Wissen und Gewissen weitergegeben. Sie sind ausschließlich für Interessierte und zur Fortbildung gedacht und keinesfalls als Diagnose- oder Therapieanweisungen zu verstehen. Wir übernehmen keine Haftung für Schäden irgendeiner Art, die direkt oder indirekt aus der Verwendung der Angaben entstehen. Bei Verdacht auf Erkrankungen konsultieren Sie bitte Ihren Arzt oder Heilpraktiker.

